Veröffentlicht in Ewald Eden

du meine Stadt.

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Du meine Stadt.

Du grüne Stadt am Meer,
du Stadt der sanden Strände –
wie schmerzt es mich so sehr,
seh’ ich die grauen Wände.

Es drückt die Industriekulisse,
die Abluft macht das Atmen schwer –
was ich hier suche und vermisse
ist weg – und das beschwert mich sehr.

Ich ’miss des Kiebitz helles Rufen,
ich ’miss der Möwen grellen Schrei,
wenn wir saßen auf den Stufen
stets unser Badezeug dabei.

Des alten Hafen klotzig’ Mauer –
nah’ ’bei die Bank des Genius,
heut’ wächst da nur noch Campers Trauer,
mit Erholung ist da lang schon Schluß.

Statt Sandburgen mit bunten Fahnen –
die lustig flatterten im Wind –
rattern ständig Kohlebahnen
und Aschestäube machen blind.

Schlote ragen in den Himmel,
vielhundert Meter tief ins Blau –
was einst Natur war trägt jetzt Schimmel,
was grün war einst ist lange grau.

Was sollen wir den Enkeln sagen
warum all dies abhanden kam?
Denn irgendwann werden sie fragen –
und uns bleibt letztlich nur die Scham.

ee ©

Veröffentlicht in Ewald Eden

und weiter: Gnadenlos.

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und weiter: Gnadenlos.

Gedanken, Schranken,
Mauern, Bäume,
himmelhohe Drahteszäune –

Flieger, Krieger,
Gauner, Schränker,
gnadenlose Abzockbänker –

Kritiker, Politiker,
Naturzerstörer, Weltvergifter,
scheinheilige Umweltstifter –

alle schwören tausend Eide,
und wie Viecher auf der Weide
führen sie die Menschen dann

an die nächste Schlachtbank ran.

Opfers Blut fließet in Strömen –

niemand ist, der sich tät schämen
und alle künden stolzgeschwellt,
dass sie die Retter uns’rer Welt.

Sie zeigen frank die blut’gen Hände,
errichten frei erneute Wände,
bomben weiter Kinder tot

und färben damit Erde rot.

© ee

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Veröffentlicht in Ewald Eden

Inselmorgen.

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Inselmorgen.

Sand perlt unter deinen Füßen
rinnt geschwind den Hang hinab
der Leuchtturm läßt von ferne grüßen
ein Reitersmann in flottem Trab

Der Morgen ist erst eine Stunde
entfernt von kühler langer Nacht
die Sonne schaut schon in die Runde
ein strahlend Lachen mitgebracht

Die Watten blinken silberblank
die See hat sich zurückgezogen
man hört der Möven laut Gezank’
sie streiten sich am Schlengenbogen

Der Wind – er rüschelt in den Dünen
er zittert durch das dünne Gras
im Vorland – in dem dunkelgrünen
da mümmelt schon ein stolzer Has’

So kannst du dir die Zeit bereiten
im Wattenmeer am Inselstrand
doch schafft dies nur – wer früh beizeiten
aus nächtenswarmem Bette fand.

© ee

Veröffentlicht in Christin v. Margenburg

auf Augenhöhe.

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über mir habe ich dem himmel
das blau ausgewaschen
unter mir dem rasen
das grün stibitzt

nun rieseln die gemeinsamkeiten
durch die sanduhr
es fallen mir
all unsere jahre durch

unzählig sinken blüten wie jahre
tanzen auf schäumenden tageswogen
ewig im suchen
den weg zum glück

ein leben lang
das WIR vom wind getrieben
mein DU halte fest
unsere stundengläser

im versiegelten zeitgefängnis
tropft das wort hoffnung
mir gereicht
durch unser zeitfenster

immer noch auf augenhöhe.

© Chr.v.M.

Veröffentlicht in Ewald Eden

Danke …

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Danke …

Aus Norderstedt kam angeflogen
ein Brief mit eng beschriebenen Seiten
gedruckt auf weißem Zellstoffbogen
tat er mir große Freud’ bereiten

Verlegermenschen sah ich lächeln
über meinen off’nen Mund
begann vor Glück herumzufächeln
mit einer Scheibe, fein und rund

von diesem säuberlichen Schaffen
hörte ich mein eig’nes Sagen
ich glaub’ ich war verdutzt am gaffen
wie ein Ochse vor des Pfingstfest’s Tagen

bin froh, daß niemand mich gesehen
in diesem Schockgemütszustand
ich muß jetzt flink zum Postamt gehen
mit diesem Dank für Eure Hand.

© ee

Veröffentlicht in Christin v. M.

MIR aufgefallen :

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MIR aufgefallen :

Wie von Fall zu Fall
der Zufall entfällt.
Manchmal nur Zwischenfall
wie im Einzelfall. Mir eingefallen.

Im Reinfall dann entfallen
was Zugefallen
und was ist ein Gefallen
ist doch kaum aufgefallen.

Bis der Zufall uns zufällt
als Glücksfall vor dem Umfallen.
Wie ein Einfall zwischen Abfall:
als WORTdurchfall , im Falle dieses Falles.

Bis zum nächsten Anfall ein Beifall.

© Chr.v.M.

Veröffentlicht in Ewald Eden

kein Leben besteht ohne heftigen Wind.

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Ihr hattet euren Garten gefunden
einen Garten mit blühenden Bäumen
die Zukunft – sie war schon fest eingebunden
in euren täglichen Träumen

am Zaun da hingen herrliche Bilder
mit Plänen bedruckt und sonnenbestrahlt
es waren für euch wegweisende Schilder
ihr hattet darauf euer Leben gemalt

ein einziger Windstoß aus tagblauer Leichte
zerstörte dies friedliche Bild
er war nur sehr kurz – doch er reichte
um fortzureißen den schützenden Schild

jetzt stehst du allein in fröstelnder Kühle
deine Seele vermisset den Umhang
du siehst nur deine zersplittert’ Gefühle
und glaubst nicht an neuerlich Anfang

bleibe nicht steh’n inmitten der Scherben
verschließ nicht die Augen
als wärest du blind
zum Sein gehört nun mal ewiges sterben

kein Leben besteht ohne heftigen Wind.

© ee

Veröffentlicht in Ewald Eden

Strandnacht.

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Strandnacht.

Der Wind schläft hinter Helgoland,
am Strand hört man bloß leises Schlagen –
der Fußabdruck im Dünensand
kann nur ganz kurz dein Hiersein sagen.

Der Wellen Krone blitzt im Licht
der silberhellen Sterne –
tausendfach das Leben bricht
von hier in alle Ferne.

Die Seelen der Mannen
die draußen geblieben –
da draußen in endloser See –
ihr Heil das sollte die Welt umspannen,
für Frieden nach Luv und nach Lee.

Es sollt’ alle bewegen,
sollt’ alle bestärken –
mit Gottes Segen
zu guten Werken.

© ee