Die Sucherin.

Die Sucherin.

Ich suche das Ende vom Regenbogen.
Wälze mich durch Farben.
Im Colorrausch tanze ich
stumm zwischen lila und senfgelb.

Tauche in smaragdgrün
silberblitzende Fische
springen mir aus dem offenem Mund
zwischen Wahn und Erfolg ist es nicht weit.

So rutsche ich längsschräg
an der Liebe vorbei
kippe Tränenwasser aus
das die Mäuler nach Luft ringen.

Verschwappte Rosinenträume
und unterwegs im Abgleiten,
schneide ich Streifen in das Erfolspapier
und suche

mit dem großen Onkel tastend
das Standbein zwischen dem Ende
und vor dem  Anfang
des Regenbogens.

© Chr.v.M.

Reinfälle kapiert

Spreche nicht von meinen Ausfällen

sind Gedanken nicht Einfälle
auf der Zunge Wortfälle
geschrieben oft Unfälle

ewiges Nachfragen Zwischenfälle
sind sachte Worte  Überfälle
ich stell mich zu den Abfällen

entfalte ich meinen Liebeszauber
zerfällt das wir , das nenn ich sauber
neu deffiniert: Reinfälle oder abgeschmiert.

ich habs Kapiert !

© Chr.v.M.

Töne in der Stille.

Töne in der Stille.

Noch da
hüpfende Rhythmen
aus der Zeit gefallen
Tonsetzer im Konzert und Fingertrommeln.

Woher das Zeitlose
in tiefen Tönen
geschraubt in die Stille.
Drehe mir das Radio dunkler.

Nachhall im geschwängerten Waldzitherbauch.
Hinter geliehenen Ohren
im Kopf noch die Windungen.
Ewig Herzoffen zwischen Klangerlebten.

© Chr.v.M.

find no way my steps

.

find no way my steps

d ort wo kulturen aufeinander knallen
ist das licht zerbrechlich
wird die herztüre zum eigenen tor
dampfen die gefühle
durch zeitwellen unlöschbar

verdichtet sich


das unverständnis mit der armut
im atmen fehlt das durchhalten
bis die schritte keinen ausweg finden
wie die sorgen die vor mir laufen
zwischen stummen maskenträgern.

© Chr.v.M.

Warum die Ostereier bunt sind . . .

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Warum die Ostereier bunt sind . .

Vor langer, langer Zeit – die Osterhasen hoppelten noch in Ritterrüstungen durch das Land, um den Kindern zu Ostern die Nester zu füllen – sahen die Eier noch alle gleich aus. Hühnereier konnte niemand so recht von Ostereiern unterscheiden. Den Unterschied konnte man nicht sehen – er war unter der Schale verborgen – Ostereier waren innen fest. Ganz oft passierte es darum, daß die Sonntagskleider, welche die Kinder Ostern immer anziehen mussten – Ostern war nämlich damals auch schon Sonntags – mit Eigelb vollgekleckert waren, weil die Kinder statt eines Ostereies ein Hühnerei aufgeschlagen hatten.

Wie das passieren konnte fragt ihr? Ganz einfach! Die Hühner vertauschten die Eier ab und zu. Die gefiederten Gesellen konnten auch damals schon über die seltsamsten Dinge lachen, und neugierig waren sie sowieso. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wer was anderes erzählt, der kennt die Hühner nicht. Aber noch eine Eigenschaft besaßen die Ur-ur-ur-ur-urgroßeltern der jetzigen Hühner: Sie waren neidisch – neidisch auf den Osterhasen. Der konnte gekochte Eier legen. Wenn auch nur zu Ostern – aber immerhin!

Sie rackerten sich das ganze Jahr – Tag für Tag – mit dem Eierlegen ab – wenn eine Henne fleißig war, legte sie sogar zwei Eier an einem Tag – und dann kam am höchsten Eierfeiertag der Welt so ein schlappohriger Hase dahergehoppelt, und stahl ihnen die Schau.

Nicht einmal richtige Federn konnte er vorweisen – aber gekochte Eier legen. Weil die Hühner den Osterhasen auf seinen Touren ständig mit ihren Eiern bewarfen, beschloss die Osterhasengewerkschaft auf einer großen Versammlung, ihren übers Land ziehenden Mitgliedern Ritterrüstungen anzuziehen.

Bloß – in diesen schweren Rüstungen kamen sie nicht so schnell vorwärts – und viele Osternester blieben leer.

Ich muß euch ja bestimmt nicht erzählen, wie traurig die Kinder waren, wenn sie nach mühevoller Suche leere Osternester fanden. Darum füllten die Mamas die leergebliebenen Nester mit Hühnereiern. Das war aber auch nicht die Lösung. Tja – und weil alle Mamas dieser Welt – das war damals auch schon so – an Ostern keine traurigen Kinder mit bekleckerten Sonntagskleidern haben wollten, setzten sie sich unter dem Osterbaum mit den Osterhasen zusammen. Was bei den Beratungen herausgekommen ist, kann man heute noch an jedem Osterfest bestaunen: Die neidischen Hühner konnten ihnen keinen Streich mehr spielen, weil sie von da an Ostern immer eingesperrt wurden, und damit auch wirklich niemand mehr die Eier verwechselte, legten die Osterhasen ab sofort bunte Eier.

©ee

Und plötzlich juckt es wieder …

Und plötzlich juckt es wieder …

Zur Jahreswende 1957 / 58 hatte meine Mutter mal wieder auf einen Ruf ihres Ältesten reagiert, und sich auf die Socken gemacht Ich sollte ihr am Ende des Schuljahres mit der Bahn nachfolgen. Die Strecke ins Bergische hatte ich schon mehrmals alleine bewältigt. Das Geld für meine Bahnfahrkarte wurde in einer Zigarrenkiste in der ‚Werteecke’ im heimischen Stubenbüffet deponiert, denn unsere Wohnung blieb vorerst für uns erhalten. Sie durfte allerdings von Verwandten schon genutzt werden. Als Gegenleistung sollten sie mich bis zu meiner Abreise unter ihre Fittiche nehmen. Meine Mutter ließ bei weitreichenden Entschlüssen zur Sicherheit stets eine Hintertür offen.

Mein Bruder benötigte, wie schon so oft, in seinem Betrieb tatkräftige Hilfe. Hilfe in Form von fleißigen Händen. Meiner Mutters Hände waren für diese Art der Unterstützung hinreichend bekannt.

Fidi, ein Jugendfreund meines Bruders, der mit ihm und einer Reihe gleichaltriger junger Männer nach dem Ende der Lehrzeit in Wilhelmshaven bzw. Friesland ins Rheinland gezogen war, befand sich gerade bei seinen Eltern in Hooksiel zu Besuch. Die Guten feierten das Fest der silbernen Hochzeit. Fidi, stolzer Besitzer einer NSU Max, bot sich an, meine Mutter auf seinem flotten Flitzer mitzunehmen. Da das Geld knapp und meine Mutter von Natur aus nicht ängstlich war, nahm sie das Angebot dankbar an. Zumal die finanzielle Beteiligung an den Treibstoffkosten wesentlich geringer ausfallen sollte, als der Preis für eine Zugfahrkarte zweiter Klasse. Die Holzklasse – die dritte Klasse – war in deutschen Eisenbahnen leider kurz vorher abgeschafft worden.

Erfahrungen als ‚Sozia’ hatte sie außerdem schon in den ‚98er Zündapp’ Zeiten ihres verstorbenen Ehemannes gesammelt – einschließlich einer gewaltigen Bruchlandung in einem riesigen ostfriesischen Misthaufen, der durch einen sintflutartigen Regen ein Stückchen zu weit auf die Landstraße gerutscht war.

In Solingen angekommen wünschte sie sich allerdings, sie hätte die anfangs etwas teurer erscheinende Variante Bahnfahrt genommen, denn statt der erwarteten 370 Kilometer zeigte der Zähler am Ziel angekommen stolze 790 Kilometer an. Meine Mutter als dankbarer Mitfahrer übernahm natürlich neben den Kosten für die unterwegs notwendig gewordene Verpflegung auch den Geldbetrag für den Benzinmehrverbrauch. Der geizige Fidi strahlte wie ein Honigkuchenpferd und bot meiner Mutter sofort die nächste Mitfahrgelegenheit an.

Dank Fidis guter Streckenkenntnisse war nämlich die einfache Fahrt von Wilhelmshaven ins Bergische Land zu einer Rundfahrt durch die nördlichen Westzonen einschließlich der niederländisch / belgischen Grenzgebiete geworden. Meine Mutter hat sich mit der Erkenntnis getröstet, auf diese Art viele ihr bis dahin unbekannte Landstriche kennengelernt zu haben. Und noch eines hatte sie unfreiwillig kennengelernt: Die Ängste eines hilflos auf dem Sozius hockenden Beifahrers, wenn der Fahrer vor ihm glaubt der Pilot eines Abfangjägers der Luftwaffe zu sein.

Es nahte meine Abschied ins gelobte Land. Je näher der Tag rückte, umso mehr merkte ich am Verhalten meiner Betreuer, daß irgendetwas ihnen Unwohlsein bereitete. Und richtig – das von meiner Mutter in dem Holzkästchen deponierte Geld für meine Bahnfahrkarte war weg. Es hatte sich irgendwie in Luft aufgelöst. Nun war Holland in Not – aber wie es im Leben häufig so ist: Ist die Not am größten, ist der liebe Gott am nächsten.

Der liebe Gott hieß in diesem Fall Karl Grätz. Seines Zeichens Kohlenhändler und Frachtfuhrmann. Als Spediteur bediente er die Frachtlinie Wilhelmshaven – Süddeutschland im regelmäßigen Verkehr. Seine dunkelblauen Lastzüge verkehrten damals pünktlicher als heute häufig die Deutsche Bahn mit ihrer überdrehten Technik.

Für die ‚Basalan AG’ – die damals in der ehemaligen Schiffbauhalle an der Gökerstraße aus Basaltbrocken Steinwolle als hervorragendes Isoliermaterial herstellte – karrte er ihre Qualitätsprodukte an die jeweiligen Bestimmungsorte.

Und noch etwas wurde in großer Stückzahl befördert – Passagiere. Menschen die für wenig Geld weit weg wollten, konnten für einen Obolus von fünf Mark bei Grätz mitfahren.

Man nahm nach dem Vorbild der Frachtschiffahrt für jede Tour Fahrgäste an Bord. Der Lastzug wurde sozusagen zum Kombifrachter. Zwei Passagiere fanden jeweils im Führerhaus Platz, wenn es mehr waren – und es waren immer mehr – mussten die anderen sich mit der Unterbringung auf der Ladefläche begnügen. Das war wahrlich nicht bequem – aber man reiste ja billig. Warm war es außerdem – konnte es draußen noch so kalt sein wie es wollte – man war ja von dämmender Steinwolle ‚Marke Basalan’ eingehüllt.

Wer während der oft Stunden dauernden Reise nicht auf Flüssigkeitsaufnahme verzichten konnte, musste sich vor der Abfahrt ausreichend mit Getränken versorgen.

Sich unterwegs etwas zu kaufen war nicht möglich. Cirka alle 200 Kilometer hieß es auf einem Parkplatz am Rande der Fernstrassen: Pinkelpause! Dann lüftete sich die Plane, man klauterte mit oder ohne fremde Hilfe vom Wagen, machte sich soweit wie nötig frei und verrichtete sein Geschäft. Da überwiegend des Nachts gefahren wurde, gab es auch keine Entsorgungs- oder Schamprobleme. Es erleichterte sich jeder fröhlich hinter dem nächsten Strauch oder Bäumchen in die Dunkelheit hinein. Weiblein neben Männlein. Man denke sich das einmal heute.

Meist waren es vergnügliche Runden, die der Zufall an Bord der Grätzchen Kohlendampfer zusammengewürfelt hatte. Nach dem ablegen der ersten Fremdheit wurde sich unterhalten, gelacht und auch schon mal gemeinsam gesungen. Und alles ging im Konzert der Straße unter. Der eine oder andere gab sich dann einfach dem Schlafe hin. Mir erging es ebenso. Ich schlummerte die letzte Wegstrecke tief und fest in meiner Basalankoje vor mich hin.

Im Morgendämmern schepperte am Frachtgutsteig des Neusser Hauptbahnhofs die Ladeklappe unserer komfortablen Kabine nach unten und es hieß abmustern. Auf dem feuchten Kopfsteinpflaster erwartete mich im morgendlichen Nebel mit seiner NSU Max der gleiche Pilot, der meine Mutter ein halbes Jahr zuvor auf grandiose Art nach Solingen chauffiert hatte. So lernte ich auf dem Sozius des Feuerstuhls auf der Fahrt vom Rhein in die Klingenstadt in Kurzfassung die gleichen Gefühle kennen, die meiner Mutter auf ihrer Winterreise den Wert des Lebens klar gemacht hatten. Trotz des schneidenden Fahrtwindes war ich bei der Ankunft in Solingen in Schweiß gebadet. Sämtliche Kleidungsstücke, die ich tags zuvor als Neu angezogen hatte, waren nur noch ein Fall für die Lumpenkiste. Tagelang verfügte ich nicht über genügend Finger, um mich an den Stellen kratzen zu können wo es mich durch die feinen Steinwollfitzelchen juckte.

Wenn mich mein Weg heute einmal an der langen Front der ehemaligen Schiffbauhalle vorbei führt, meine ich plötzlich wieder das Jucken von vor vielen Jahrzehnten zu verspüren.

©ee

Vorostern

Vorostern

Die Sonne steht strahlend im Mittagshimmel –
über dem Rapsfeld Gesumme, Gewimmel.
Der Imker schickt seine Bienen zur Tracht –
sie ernten ihm süße goldene Fracht.

Die Kornblumen leuchten in satten Tönen –
die Menschen sitzen im Schatten und klönen.
Kühe und Schafe ziehen zur Weide –
munter und stetig fließt wieder die Leide.

Die Pflanzen sie sprießen, es ist eine Wonne –
ob Tier, Pflanze, Mensch – alles strebt jetzt zur Sonne.
Die Gärten, sie leuchten wie nur einmal im Jahr –
und schon wissen alle – bald ist das Osterfest da.

©ee