Noch kein „letzter“ Sommer …

Noch kein „letzter“ Sommer …

Der letzte Sommer meiner Kindheit
ich war doch noch so unberührt
ich war doch noch so voller Blindheit
die Lust hatt’ mich noch nicht verführt

Der letzte Sommer meiner Jugend
ich war doch noch so hungervoll
ich war doch noch so voller Tugend
und sah das Leben noch so toll

Der letzte Sommer meiner Drangzeit
ich war doch fast schon übersatt
ich sah es an als Lebens Halbzeit
dabei war ich schon fast schachmatt

Der erste Sommer gleich dahinter
er machte mir ganz plötzlich klar
dass es sehr kühl und fast schon Winter
und der Beginn vom Ende war

Doch plötzlich keimte neues Blühen
ein neuer Sproß am alten Holz
ich musste mich auch nicht groß mühen
und was draus wurd’ das macht mich stolz

©ee

Herbsttage.

Herbsttage.

Über zauselig verwunschene baumkronen fegt der alte wind mit vollen backen, schlägt grüngestrichene fensterläden mit donnergetöse gegen hausputzwände und bringt sie zum nießen.

regenwolken über meinem wunderland , ein vogel nippt an dem noch trochenrostigen regenbehälter und drüben zittert ängstlich das letzte übriggebliebene blatt am wippenden zweig.

der spätnachmittag begrüßt den neuen abend durch meinen radiolautsprecher. ansage für morgen : sonnig und heiter. mit einem dumpfen knall verdunkelt sich das erschrockene fenster ..

schnell nun die kleinkarierten gartenstuhlbezüge ins haus und die aufgeplusterte , empört wehende wäsche abnehmen ,

bevor der regen alles noch einmal wäscht.

© Chr.v.M.

Lauf – Worte

eben noch …

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Morgengrüße.

Wenn morgens um drei der sturm einzug hält und wütend sich unter dachziegeln legt , sie kippt und donnernd auf die strasse wirft, der regen gußartig aus dem himmel bricht sich wie ein fluß über strassen breitet die mülleimer mit aufgerissenen grauen mäulern leer blökken und an der hauswand nassverklebt die dürren blätter der birke pappen dann haben wir oktober.

Der baum stöhnt vor schmerz ein abgerissener ast noch schwer tragend ragt aus der durchweichten matschigen erde. versteut liegen äpfel wie billiardkugeln nach dem spiel. mit blaulicht rasen feuerwehr an müllbergen vorbei die der beissende wind verstreut hat. keller auspumpen morgens um 7 . ich mache mich auf die suche…

wo ist der goldene oktober geblieben ? nachdenklich ich © Chr.v.M.

Lauf-Worte

Herbststurm . . .

Herbststurm . . .

Der Himmel zieht kräftig die Stirne kraus –
der Unmut trübt ihm schier den Blick.
Er schickt den Sturm mit viel Gebraus –
zieht seine schützend’ Hand zurück.

In kahler Bäume Zweiggeäst
streicht er des Windes Töne –
das Meer, es wird im Kopf ganz irr –
schickt seiner Wellen Söhne.

Die gehen mächtig ins Geschirr –
und rollen mit Gedröhne.

Die Wolken fangen an zu weinen –
Tränen schleiern ihr Gesicht,
die Sonne sitzt im All zu greinen –
und geizt mit ihrem Sonnenlicht.

Natur ist in sich reingekrochen –
sie wartet ab in ihrer Hütte,
sie schläft die langen Winterwochen –
bis der Frühling kommt –

mit leisem Schritte.

©ee

Der Herbst zieht ein . . .

Der Herbst zieht ein . . .

Die Strassen sind wie leergefegt
die Blätter segeln von den Bäumen
Reif sich auf die Wiesen legt
Natur die hat jetzt Zeit zu träumen

Die Tage bekommen Magersucht
die Nächte werden länger
ab und an noch Sonn’nschein huscht
der Wind wird täglich strenger

Laub raschelt unter flinken Füßen
die eilends hin nach Hause streben
der Winter läßt schon herzlich grüßen
läßt schon an weißer Decke weben

Aus Kaminen kräuselt Rauch
malt stille Bilder an den Himmel

ich frage mich – fragst du dich auch
wo ist das sommerlich Gewimmel

Wo sind die fröhlichen Gesichter
wo ist die helle Sommernacht

wo sind die strahlend bunten Lichter
die uns so süße Freud’ gebracht

Alles wirkt leicht überschattet
nichts glänzt mehr hell im Sommerlicht
die Tage sind vom Tag ermattet
wenn Abenddunkel sie zerbricht

©ee

Herbstgold.

Herbstesgolden scheint der Garten
inmitten Baumes Astgewirr –
gefüllt mit vieler Säfte Arten
steht bauchig’ Krug als Tongeschirr.

Ringsumher des Laubes Matten
dämpfen Tritt- und Wortschall sacht,
zeugt Stimmung zart, als wenn wir hatten
gerade schon des Christkind’s Nacht.

Genieße d’rum mit leiser Freude
diese Stimmung, wundermild –
und achte drauf, dass nichts vergeude
deiner Stimmung Stimmungsbild.

ewaldeden2016-12-11

©ee

Der Herbst.

Der Herbst.

Der Herbst mit seinen heimelnd‘ Farben
beschließt den Sommer, buntfanal –
das reife Gold des Kornes Garben
reflektiert der Sonne Strahl.

Der späten Blüher Farbpalette,
längs Weges Rain und Gärtens Flur,
scheint als des Schöpfers Sonntagskette –
fest geknüpft in der Natur.

Wenn langsam dann die Tön‘ verblassen,
die Blätter segeln durch die Luft –
sollt‘ man den Sommer ziehen lassen –
weil, schon erweckt, der Winter ruft.

©ee

Oktober.

OKTOBER.

Des Oktobers Erntefarben
spiel’n mit allen ihren Tönen –
des vollen schweren Kornes Garben
landauf, landab die Flur verschönen.

Der Bäume prächtig‘ Laubeskleider
färben sich in bunten Schlägen –
das Kleingewächs, als großer Neider,
folgt in Versuchen nur, in trägen.

Die Lüft‘ erzittern von den Scharen
der Federn tragend‘ Mitgeschöpfe,
die hier des Sommers glücklich waren –
sie einen jetzt zur Reis‘ die Köpfe.

Aus Keltern fließt der Wein in Strömen
in der Winzer Faß und Keller,
um Genießers Gaumen zu verwöhnen
bis die Tag‘ werd’n wieder heller.

Die Zeit verhält den eilend‘ Schritt –
ein wenig nur, fast unbemerkt,
tragen wir die Muße mit
und werden dadurch neu gestärkt.

©ee

die Toleranz

die Toleranz

ist viel weniger als gemeinhin behauptet wird, und viel mehr als das, was sie im Verständnis plappernder Mäuler jemals sein kann.

Toleranz ist die Brücke zwischen sich Fremdsein und sich verstehen. Auf der einen Seite betreten wir die Brücke aus zwei Richtungen kommend mit einem uns fremden Geschöpf, und streben beide über einen Abgrund zum anderen Ufer.

Am Ende der Brücke Toleranz erwarten uns drei Wege.

Bis dahin müssen wir uns entschieden haben, ob wir den Anderen in seinem Anderssein akzeptieren –

dann können wir gemeinsam den breiten Mittelweg gehen. Lehnen wir ihn dagegen ab, bleiben uns nur die getrennten Wege.

Die Toleranz ist immer nur ein kurzer Weg, weil Brücken niemals endlos sind.©ee

meine Träume

In der Stille meiner angehaltenen Träume
falle ich Rückwärts auf Grün
hoffnungsfroh
in Warteposition

die Augenblicke
knisternder Baumkronen dort einfangen
wo der Blätterrosenkranz
deine Zärtlichkeit mir webt

herzblau wie Treue
durch die Stille
in dieser ewigen Sehnucht nach dir
laufe ich vorwärts

immer der Liebe nach,
Unserer.

© Chr.v.M.