Dezemberpost.

Geneigter Himmel
deine Blicke welken.
Kein Hoffnungsblatt
hängt mehr im Baum.

Schneeschwer brechen die Tage
durch Äste
die gekürzte Zeit taumelt
zwischen den Flocken.

Dezemberkalt
trägt der Augenblick
unter eisigen Wimpern
den stillen Frieden

vor ausklingende Tage.

© Chr.v.M.



Wußtet Ihr…?

Wußtet Ihr…

Das an Weihnachtstagen
alle Menschen Flügel tragen
um nach heimlichen Wünschen zu fragen ?

© Chr.v.M.

“ Welchen Namen hat Gott ? “ wurde ein Mönch gefragt. 

“ Keinen. Jeder Name wäre zu klein für ihn“,  antwortete er. 

“ Aber wie rufen Sie ihn denn ? “  Der Mönch schwieg einen Moment und sagte dann : “ Nicht Herr, nicht Allmächtiger, nicht Mutter.

Ach ! werde ich  rufen „.

Drei Buchstaben die so viel Ausdrücken können. Sehnsucht, Enttäuschung , Erleichterung , Staunen.

Ach !  Beim Wiedererkennen von Freunden und Bekannten.

Ach, bei Momenten des Fragens und Antworten 

und ein ach ja,   leise bei  Geborgenheit und Erfüllung.

Ach  ja !

Christin

Wir ALLE.

Wir ALLE.

Wir alle sind irgendwie gefangen
ein jeder auf ’ne andre Art
wenn’s hart kommt werden wir mitgehangen
oder im Feuer mitgegart

tröstlich, daß die große Masse
es nicht bemerkt
ja – nicht mal spürt

wenn sie in gärender Melasse
die Lust an Lebenslust verliert

jedoch – wer sich bewußt der Knebel
die ständig neu uns angelegt
erstickt im giftig wabernd’ Nebel
wenn er sich um sie zu bewegt

wer weiß, daß er gefangen ist
empfindet es als Leiden
wer sieht des Bösen Hinterlist
der ist nicht zu beneiden
.

© ee

Das letzte mal …

Das letzte mal …

Der Vorhang hemmt die Blicke
die Menschen steh’n gebannt
sie warten auf die Brücke
wohl in des Traumes Land

Man kann die Stille fühlen
sie lastet auf der Haut
zu sitzen auf den Stühlen
hat man sich nicht getraut

Von Geisterhand gezogen
die Bühne öffnet sich
Beifallsstürme wogen
ins gleißendhelle Licht

Sie gelten wohl dem Mimen
den man dort sehen will
schon ist er erschienen
es wird mucksmäuschenstill

Er schlüpft in seine Rolle
er lebt sich in ihr aus
gibt seine Kraft die volle
es tönt durchs ganze Haus

Das Publikum im Saale
ist vor Begeisterung stumm
doch dann mit einem male
ein Raunen geht herum

Das was die Menschen sahen
an Glück und auch an Not
begreift man nur von nahem
der Mime – er ist tot.

© ee

Der alte Klon …

Der alte Klon …

Das Schicksal ihm das Herz zerbricht
das Aug’ voll heisser Tränen
er zeigt uns nur sein Klonsgesicht
mag sich der Trauer schämen

Das Publikum im großen Zelt
das sieht ihn nur von aussen
er gaukelt ihnen bunte Welt
ob drinnen oder draussen

Klon ist er aus tiefster Seele
er braucht die heisse Zirkusluft
ohn’ sie ist ihm als ob was fehle
als ob ihn die Manege ruft

Er führt die Menschen durch die Stunden
hält ihnen auch wohl Spiegel vor
als Pausenfüller in den Runden
gibt er sich oftmals auch als Tor

Doch ist der Vorhang denn gefallen
das Licht verlöscht im großen Rund
mag er sich in die Laken krallen
weint sich gar oft die Augen wund

Das Liebste wurde ihm genommen
die Einsamkeit ihn ständig quält
die Tränen sind zu Stein geronnen
die Stunden sind es die er zählt

Doch wenn sich dann der Vorhang teilt
das Licht geht an – die Menge johlt
hier draussen jetzt als Klon er weilt
und hofft daß ihn sein Herrgott holt
.

© ee

Bild auf https://pixabay.com/de/ thanks

Wegsehen…

Wegsehen.

Die Sonne den nasskalten Morgen schleiert
von blattlosen Zweigen tröpfelt der Tau
hoch vom Kirchturm ein Glöcklein beiert
die Strasse lang hastet gebeugt eine Frau

die Haare gebunden – den Kopf hüllt ein Tuch
sie verhält ihren Schritt
sie bückt sich – sie scheint was gefunden
ein Schrei teilt die Stille


es fliegt was weit fort

sie verliert ihre Brille
und flieht diesen schrecklichen Ort
in den Staub des Weges war etwas gebunden
das ihrem verschleppten Manne gehört

man hat ihn gefoltert
man hat ihn geschunden
man hat ihre beiden Seelen zerstört
und alle haben sie zugesehen

die Nachbarn die Freunde
das schweigende Dorf

sie alle ließen das Unrecht geschehen
haben das Unterst’ nach oben gekehrt

© ee

Macht mit Würde.

Das Geschwafel
von der Macht der Würde
macht große Redner geistesklein
sie scheinen alle ihrer Bürde
nirgendwo gerecht zu sein

Würde ist Bestand des Lebens
ohn’ sie ist alles Werden nichts
sucht Mensch sie oft
auch oft vergebens
so ist sie doch ein Teil des Lichts

Macht mit Würde auszuüben
sollt’ das Tun der Mächte prägen
anstatt mit dummen Worteshieben
die Würde schamlos flachzulegen
.

©ee