Der zerbrochene Krug . . .

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Der zerbrochene Krug . . .

Wer kennt es nicht – das Theaterstück.

Als ich kürzlich auf dem Weg meiner Erinnerungen an Dudens Gasthof – mitten im Herzen Sengwardens – meinen Schritt verhielt, um die Erlebnisfarben an den „Deutschen Adler“ – wie er seit Generationen offiziell hieß – aufzufrischen, fand ich keinen Pinsel und keine Farbe. Nichteinmal ein Hauch von Annegret und Bernhard – geschweige denn von Oma Alma, Opa Paul – oder gar von Onkel Hans. Sengwarder Hof steht jetzt in neuzeitlicher, uniformierter Reklameschrift an der Hausfront. Wer die Buchstaben in dem leuchtenden Kasten unbeachtet läßt, sieht bloß eines von vielen gleichgeschalteten Wirtshausschildern vor sich. Die Kreativität in den Köpfen der Werbestrategen der dahinterstehenden Bierbrauer scheint mir wie ein Stier ohne Hörner – oder wie eine Einstellung, die abfärbt. Im Inneren des Hauses – das ich aus der Vergangenheit als quirlige Welt kannte – empfing mich eine Atmosphäre der Gleichgültigkeit. Das Gefühl, jeder Handgriff oder jeder Schritt zum Wohle des Gastes verursacht beim Personal Unbehagen, ließ mich schauern. Wenn Gäste aus Getränkenot mit bunt zusammengewürfelten Thermoskannen zwischen den Tischreihen hin-  und herwehen – oder gar das dazugehörige Gebäck auf Servietten selbst zum Tisch tragen müssen – obwohl genügend dienstbare Geister am Tresen anwesend sind, wird es keinen Gast verleiten zu verweilen. Ich habe nur wehmutsvoll den vergangenen Zeiten hinterher geschaut. Der abschließende  Blick in die ungepflegte Toilettenanlage hat mich ganz schnell hinausgetrieben. Schade für das Haus um die vertane Chance.

Meine Punkteliste habe ich in der Tasche gelassen. © ee

Ewald Eden

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