nicht`s Weltbewegendes.

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nichts Weltbewegendes…

E s war nichts besonderes und machte nicht viel her. Ein einfaches Stück aus einem Baumwollstoff gefertigt. Grob wie ein Mehlsack.
Zusammengenäht und mit Flicken von einem Hemd oder bunten Kleid mit ganz viel sorgsamer Liebe irgendwann einmal genäht für Jemand anderen.
Die zwei großen Taschen und das breite Rever mit Klöppelspitze am Rand ohne den Versuch eine modische Aussage zu machen. Doch beim Betrachten sprach es Bände
ohne die Wahrheit der Jahre zu verstecken.

Rückblickend gab es selten eine Zeit an der meine Tante diese Kittelschürze nicht trug. Sie war immer neben ihrem Nachttischchen auf einem Stuhl drapiert. Morgens wenn sie aufstand legte sie es ebenso selbtverständlich an wie sie in ihre Hausschuhe schlupfte und dann trug sie es mit einer natürlichen Leichtigkeit bis sie sich für die Nacht fertig machte um ins Bett zu schlüpfen.

Und dann war es ein Wunderteil das sie umhüllte. Da sie viel Zeit in der Küche verbrachte schützte sie ihre Kleidung die sie darunter trug vor Spritzer beim Kochen und es konnte noch viel mehr. Es nahm den Schweiß von der Stirn auf und die Tränen der Kleinkinder die zum trösten kamen. Gab sicheren Halt der ganz Kleinen die ihre ersten Schritte versuchten und sich am Saum festhielten.

Dann diese bunten stabilen Taschen die alles aufnahmen wie Wundertüten. Gartenwerkzeuge und andere Utensilien aus der Werkstatt, auch täglich gefundene Eier
aus dem Hühnerstall, die Schnupftabakdose aus der sie ab und zu eine Prise nahm, bunte Bleistifte Radiergummi auch einen Anspitze , Pflaster und für mich immer einen Lutscher.
Es trug die täglichen Gerüche ihres Lebens die Guten und die Schlechten. So blieb es in den Erinnerungen ihrer Nichten und Neffen.
Diese Schürze , die auch als Notlösung bei einem tiefen Schnitt meines Kinderfusses eingesetzt wurde, als Stauschlauch, um die Blutung zu stoppen, wärend meine Eltern mich in Hektik ins nächstliegende Krankenhaus brachten.

Es war nichts Weltbewegendes für ander , doch es blieb uns allen in bleibender Erinnerung.

Die Zeit eilte, verging wie im Fluge. Sie benötigte sie weniger und weniger doch es hinderte sie nicht diese Schürze weiter zu tragen. Es kam die Zeit wo sie nicht mehr in die Küche zum Kochen kam. Doch sie trug sie jeden Morgen weiter und wartete was der Tag bringen würde. Zuversichtlich und fröhlich.

Meine Tante lebte ein glückliches Leben und starb mit 68 friedlich im Schlaf und wir begruben sie in ihrer Kittelschürze und es war gut so.
Ich bin mir sicher das mein Tantchen im Himmel noch mehr Einsatzmöglichkeiten für sie gefunden hat.

© Chr.v.M.

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