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Die ersten Bilder in meiner Erinnerung sind nur Hörbilder. Schemenhafte Gefühle, Angstgefühle.

Unmöglich, unglaublich, unwahrscheinlich bekomme ich zu hören, wenn ich auch nur Zipfelchen davon ans Licht hole. Sie sind aus der Zeit meiner Zeit im Mutterleib. Ich kann sie nicht wissen, sagt man – und trotzdem weiß ich sie. Meine Mutter hat sie als ihre eigenen Ängste und Schmerzen aus jener Zeit wiedererkannt, wenn ich ihr davon erzählte.

Schweres Asthma quälte mich von Geburt an. Den Grund dafür hat nie jemand benannt, obwohl er doch offen zu Tage lag.

Die Ärzte, die sich mit meinem Krankheitsbild beschäftigten, waren ganz sicher keine Idioten, aber über die Gründe dafür sprach man einfach nicht. Zumal es sich ja nur um ein Kind handelte, und Kinder machte man zur Not neu, wenn es denn unbedingt sein mußte.

Die Nachwuchsquellen sprudelten ja noch ungehindert. Die Alterspyramide stand noch nicht auf dem Kopf. Das Kunststück hinzukriegen, die Bevölkerungsstruktur umzu-kehren, das blieb späteren Generationen vorbehalten.

Auf die Empfindungen der Mütter wurde noch selten etwas gegeben, und vielen Vätern war sowieso egal, wie es ihren Kindern erging.

In den wirtschaftlich schwachen Bevölkerungsschichten sah man in der Regel Kinder eh als lästiges Nebenprodukt einer profanen Lusthandlung, die, wenn sie denn schon einmal da waren, sich zumindest nicht störend zu verhalten und gefälligst schon in frühem Lebensalter zum Unterhalt der Familie beizutragen hatten.

Der Begriff Kinderarbeit war der Gesellschaft, wenn auch nicht völlig fremd, doch in keinem Denken moralisch negativ belastet. Nachwuchs wurde entweder mit Arbeits- oder mit Herrscherhänden geboren – dazwischen gab es nur selten etwas. Der Umgang mit Kindern befand sich, von Staat und Gesellschaft gewollt und gebilligt, weitestgehend in der Verantwortung und Entscheidung der Eltern bzw. Großeltern. Nur in Extremfällen der Auf- bzw. Unfähigkeit der Erziehungsberechtigten griff die Obrigkeit über ihre Ordnungsorgane ein. Geschlossene Verwahrstätten, die sog. Erziehungsheime, waren dann in der Regel für längere Zeit – zumeist bis zum erreichen der Volljährigkeit am Ende des 21. Lebensjahres – der dauernde Aufenthalt für „schwer erziehbare“ Kinder und Jugendliche. Wehr- und schutzlos ausgeliefert den Frauen und Männern im Ornat, denn

die Mehrzahl dieser „Kindergefängnisse“ befand sich im Eigentum und unter der Verwaltung kirchlicher Institutionen, denen auch dementsprechend die Auswahl des Personals, der Hausleitung, der Aufseher und Erzieher überlassen war.

Diese Häuser waren durchweg streng nach aussen abgeschottete Welten mit eigenen Verhaltensregeln und im Verstoßfall auch eigenen Strafgesetzen. Von niemandem ausserhalb der Mauern angezweifelt oder gar überprüft. Weder von den Vertretern staatlicher Organe noch von den Eltern der weggesperrten Menschenkinder – wobei ehrlicherweise hinzugefügt werden muß, dass der Großteil der Eltern und der ordnungsbehördlich zuständigen Sachwalter auch gar nicht wissen wollte wie es jenseits der Tore und hinter Mauern und Stacheldraht zuging.

Hinter den Mauern waren dem schändlichen Handeln vieler Frauen und Männer keine Grenzen gesetzt – sie wähnten und befanden sich tatsächlich in einem eigengesetzlichem Raum, in einem Raum, in dem sie ob ihres Tun und Handelns keine Sanktionen von ausserhalb zu befürchten hatten.

Wer sich jetzt fragt, warum Frauen in meiner Betrachtung zuvorderst genannt werden, dem möchte ich nur aus meiner Erfahrung heraus sagen, dass, wenn Frauen mit sadistischen Neigungen in Ämtern und Institutionen mit Befehls- bzw. uniformer Bekleidungsstruktur Führungspositionen innehaben, sie im Ausleben ihres deformierten Charakters sehr viel rigider, gefühl- und rücksichtsloser vorgehen als ihre männlichen Standeskollegen die mit dem gleichen genetischen Defizit behaftet sind.©ee

 

ewaldeden