Der „Rüstersieler Hof“

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Der „Rüstersieler Hof“ – ein wiedererwecktes Kleinod . . .

 

 

Mein Weg führte mich in das einstmals verträumte Dorf Rüstersiel. Die Stadtnähe und die Erneuerungswut mancher Planer haben den Ort gezeichnet – haben dieses Idyll in einen klinisch reinen Dornröschenschlaf versinken lassen. Erinnerungsbeladene Stätten, wie der alte Hafen, das geschichtsträchtige Packhaus mit dem Ehrenmal davor, das Sieltheater oder ganz einfach Adele Tieslers „Cafe duck dich“ direkt neben den Schienen der alten Vorortbahn – waren plötzlich verschwunden.

Es gab kein Hochschuldorf mehr und kein Siel inmitten der Maade, an dem jeder Fremde sich gleich heimisch fühlte.

Ich war an dem Platz gelandet, an dem Tant’  Adele jahrzehntelang  ihre Gäste bemutterte. Seit Jahren steht ein anderes Gasthaus – im Gewand der neuen Zeit – auf dem Stückchen Erde. Der Park gegenüber trägt zwar noch ihren Namen – Ehre können die für ihn zuständigen damit aber keinesfalls einlegen.

Ein, mit viel Aufwand neu angelegter, Biergarten zog mich an. Ein Regenschauer trieb mich dann noch zehn Schritte weiter – in das Haus hinein. Die Erwartungen waren auf der untersten Stufe angesiedelt, als ich das Innere des „Rüstersieler Hofes“ betrat.

Meine Gefühle mußten im Eiltempo eine ganze Treppe höher klettern. Ein frischer Wind weht durch das Haus. Familie Schlüter ist mit der Übernahme des Betriebes  ins kalte Wasser gesprungen.

So wie die jungen Wirtsleute die Sache angepackt haben, kann ich nur sagen: Weiter so – ihr geht bestimmt nicht baden. Mut zum Risiko und ein Konzept wie aus einem Guss bestimmen das Erscheinungsbild.

Kein Wunsch der Gäste bleibt unerfüllt – Küche und Keller strahlen in seidigem Glanz – sorgfältig und liebevoll gehegt, und gepflegt, von Menschen, die ihr Handwerk verstehen.

Jeder Gast der – nach einem genussvollen Mahl – dieses exzellent geführte Haus ungern verläßt, hat in seinem Kopf garantiert schon den Termin seines nächsten Besuches festgemacht.

Wer sich nicht so schnell von diesem Traumparadies trennen kann, der wird keinesfalls im Regen stehen gelassen – in den stilvoll eingerichteten Gästezimmern finden 58 müde Leiber einen Platz zum Ruhen wie in Abrahams, oder vielleicht auch in Evas, Schoß.

Raubrittermanieren gehören hier der Vergangenheit an – die Preise bewegen sich allesamt in einem zivilen Rahmen. Selbst wer ausgiebig getafelt und gezecht hat, wird beim Zahlen von seiner Geldbörse nicht schief angesehen.

Meine Minuspunkte konnte ich in diesem gastlichen Hause in der Tasche behalten.

Eine Einkehr ist ohne Einschränkung empfehlenswert.©ee

 

 

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