Auszug aus „(Un)faire Lösungen“

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Auszug aus „(Un)faire Lösungen“

 

Das ist ein Angebot, daß Hufschmidt nicht ausschlagen kann.

„Du kannst Deine Damen – und Deinen Meyerlein schon mal vorab instruieren. Gute Leute sind bei uns zu jederzeit herzlich willkommen.“

Bei diesem Spruch sieht man die Ehrlichkeit in Seppelfrickes Gesicht strammstehen.

„Den Rest werde ich übernehmen – am Wochenende bin ich in Klein-Paris.“

Es scheint, als wenn er Hufschmidt mit Düsseldorfs Kosenamen schmeicheln wolle.

„Ich will doch endlich mal Christins Löwenköddel“ – er sagt wahrhaftig Löwenköddel – „kennenlernen.“

In Wahrheit drängt es ihn vielmehr, Karin Müller und Corinna Bülow auf Riechnähe nahe zu kommen – aber das behält er lieber für sich – der Gamsbartcharmeur.

„Und jetzt ab durch die Mitte – in einer Stunde wirst Du am ADLON abgeholt. Zeit zum frisch machen hast Du noch allemal.“

Widerspruch ist nicht mit einkalkuliert – so wie Alois kommandiert.

„Die Rechnung brauchst Du nur abzeichnen – nicht das Du Dir noch vorher einen Kredit aufnehmen mußt – es ist schon alles von uns erledigt.“

Die letzten Worte erreichen Hufschmidt, als er schon auf der Straße ist.

Im ADLON empfängt ihn diesmal direkt die Bewertungsspezialistin der letzten Nacht. Irgendwie ist sie wie umgewandelt. Während sie ihm mit zarter Hand seinen Zimmerschlüssel reicht, teilt sie ihm mit: „Ihr Automobil“ – sie sagt, wohl wegen des königlichen Daimlers – tatsächlich Automobil – „wurde heute morgen von Ihren Berliner Kollegen abgeholt. In“ – sie schaut auf die zierliche Rolex, die sich, an einer Kette zwischen ihren rundlichen Brüsten hängend, ständig schmeichelnder und hungriger Männerpublikumsblicke erfreut – „in genau siebenundvierzig Minuten – soll ich Ihnen ausrichten – wird man sie hier abholen.“

Die gute Startdreißigerin schaut ihn mit Blicken an, in denen das Halbebettangebot von heute Nacht förmlich einbetoniert ist. Dem Ausdruck nach mittlerweile noch um einige zusätzliche Rabattleistungen erhöht.

„Sie müssen nur noch die Rechnung abzeichnen.“

Ein Bogen handgeschöpften Büttenpapiers nähert sich dem Kommissar. Das Papier liegt wie ein Werk Karl Spitzwegs auf der blankpolierten Mahagoniplatte vor ihm.

Mit dem Zeigefinger ihrer Linken markiert sie die Stelle der Unterschrift – und berührt dabei, unabsichtlich absichtlich, seinen Handrücken.

Wenn das gestandene ostfriesische Mannsbild aus Düsseldorf, da vor dem Tresen, jetzt in ihr Fühlen kriechen könnte, würde es einen Bauch voller Schmetterlinge und herrlich zitternde Knie entdecken.

Aber welcher Mann kann sich schon in solche Tiefen begeben.

So bleibt die Schöne – vorerst wenigstens – in der Traumwelt ihres Wunschrosengartens allein.

Dafür flutet unversehens die gleiche charmante Röte wie in den frühen Morgenstunden über ihr bezauberndes Gesicht.

 

  In Hufschmidt flutet etwas ganz anderes, und schlägt Purzelbäume – nämlich sein Weltverständnis – als er den Rechnungsbetrag registriert: Eintausendvierhundertfünfzig Mark – zwei Monatsmieten seiner eigenen Behausung – stehen da tatsächlich geschrieben.

Für einen Aufenthalt, bei dem er nichteinmal das Bett getestet hat.

Das waren aber zwei arschteure Duschen – du hättest deinen Koffer besser für zwei Mark in einem Schließfach deponieren können – nörgelt selbstquälerisch sein Rechengehirn.

Es bekommt aber sofort und unvermittelt eins aufs Dach, als das rot angehauchte, bezaubernde Gesicht, über den verführerischen Brüsten, etwas atemlos zu ihm sagt:

„Wir hoffen, Sie hatten einen angenehmen Aufenthalt“ – und – „ich würde mich freuen, Sie bald wieder hier bei uns in Berlin begrüßen zu dürfen!“ ©ee

 

 

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 701 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 228 Seiten
  • Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (24. November 2016)
  • ISBN-10: 1491033584
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B01N45MIC0

 

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