Die Geschichte der Mama O. – die Fortsetzung …

.

Die Geschichte der Mama O. –

die Fortsetzung …

E in gutes halbes Jahr ist verstrichen, seitdem die Straßburger Richter des EuGH die Beschwerde der Mama O. gegen Deutschland zur Entscheidung angenommen haben. Das ist keine Zeit über Gebühr, und eine Entscheidung in der Sache wird auch noch ein Weilchen auf sich warten lassen, denn der EuGH kann die Flut der Klagen und Beschwerden, die auf ihn zukommen, fast nicht mehr bewältigen. Es ist, besonders in Deutschland, schlecht bestellt um die Gerechtigkeit gegenüber den Bürgern. Trotzdem sollte jeder Betroffene diesen letzten Schritt wagen, und das europäische Gericht anrufen. Der Bescheid, ob der Gerichtshof eine Beschwerde als verhandlungswürdig betrachtet, läßt in der Regel nicht lange auf sich warten. Im Falle einer positiven Nachricht heißt es dann allerdings, sich in Geduld zu üben. Die Hoffnung ist da aber eine kräftige Hilfe. Soviel zu dem Grundsätzlichen.

Fernab in Straßburg – im europäischen Mekka der Gerechtigkeit – hat sich also in der Sache der Mama O. erkennbar noch nichts getan.

Nahbei in Friesland – in der Hochburg der Leichtentscheider hat sich hintergründigvordergründig aber so einiges bewegt.

Vermutlich hat man im Südwind geschnuppert, daß sich im Elsaß etwas tut.

Das Verhalten der Heimangestellten, der Mama O. gegenüber, änderte sich spürbar. Plötzlich war sie nicht mehr nur noch Luft, sondern wurde beachtet, und sogar nach ihren Wünschen gefragt.

Als nächstes wurde ihr vom Gericht zur Kenntnis gegeben, daß ein Wechsel in der Betreuung stattgefunden habe.

Der Berufsbetreuer, mit dem Hang zum Bastagebaren, war wohl doch nicht das Wahre gewesen.

Das Gericht hätte zum Wohle des Betreuten eine persönliche Betreuerin bestellt.

Sieh einmal einer an.

Mama O. hat sich dann gedacht, wenn Hausfrau Klärchen Meyers Fähigkeiten zur Betreuung meines Sohnes ausreichen, dann werden es meine Fähigkeiten als Mutter doch auch wohl sein.

Also stellte sie erneut einen Antrag auf Rück- oder zumindest Teilrückübertragung der Betreuung für ihren Sohn.

Ihr Antrag an das Gericht bewirkte eine Einladung, zu einem Gespräch mit der Leiterin des Betreuungsamtes, weil der Richter, der inzwischen auch ein anderer war, den zuständigen Landkreis zu einer Stellungnahme aufgefordert hatte.

Es war deutlich zu erkennen, daß die Einladung nur darauf gerichtet war, die Mama O. zu bewegen, ihren Antrag zurückzunehmen. Wörtlich klang das so: „Liebe Frau O., es wäre für Alle das Beste, wenn sie ihren Antrag zurücknehmen – dann brauchen wir auch keine Stellungnahme zu verfassen.“

Wie schön, habe ich da nur gedacht.

Das hat die liebe Frau O. natürlich nicht getan. Als Reaktion auf die Standfestigkeit räumte ihr die Betreuungsamtsleiterin plötzlich erweiterte Freiheiten im Umgang mit ihrem Sohn ein, machte ihr jedoch unterschwellig den Vorwurf, sich zu strikt an die rigorosen Vorgaben des, nun ja geschassten, Berufsbetreuers gehalten zu haben.

Das Gericht bekam trotzdem nur eine modifizierte Abschrift irgendeiner alten Stellungnahme der Leiterin. Einen amtlichen Bescheid auf ihren Antrag hat die Mama O. vom Gericht nach nun über vier Monaten noch nicht bekommen, aber das kann ja noch werden.

Etwas anderes ist in der Zwischenzeit aber geworden. Der Sohn zieht um. Mama O. hatte in der Nachbargemeinde eine neu entstehende Wohnstätte, für Menschen mit Behinderung, entdeckt. Die werdende Einrichtung ließ gleich ihr Herz höher schlagen.

Am selben Tag noch schrieb sie dem Gericht davon, und bat den Richter, doch einem Umzug ihres Sohnes in die neue Wohnstätte zuzustimmen. Mehr tat sie nicht. Das übrige geschah wie von selbst.

Die Betreuerin stellte daraufhin den gleichen Antrag, und kündigte das alte Wohnverhältnis, der Rechtspfleger befürwortete die Veränderung, genehmigte sie, und überreichte der Mama O. noch ein Präsent, indem er die Betreuung für ihren Sohn durch die bestellte Betreuerin als nur auf die rechtlichen Dinge beschränkt, bezeichnete. Im Umgang mit ihrem Sohn hätte sie in allen anderen Dingen freie Hand. So etwas zu hören, hat Mama O. natürlich gefreut.

Wir werden die Entwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen.

©ee

Über https://christinvonmargenburg.wordpress.com/https://christinvonmargenburg.wordpress.com/"In einem Augenblick gewährt die Liebe, was Mühen kaum in langer Zeit erreicht." Johann Wolfgang von Goethe