Kopfnicken – und die Folgen …

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Kopfnicken – und die Folgen …

 

Kürzlich hatte ich das Vergnügen, mich in einen Aktenberg vertiefen zu dürfen. Es war eine Verfahrensakte, der es eigentlich hätte schwindelig sein müssen vom vielen rotieren zwischen den Ämtern und Gerichten.

Ich dachte so bei mir, nur gut, daß Papier nicht kotzen kann – sonst hätte ich ja nichts mehr von dem darauf geschriebenen lesen können.

Nicht, daß es da um geklautes Geld oder unrechtmäßig erworbene Immobilien ging. Der Aktenberg drehte sich auch nicht um einen Vergewaltigungs-, Mord- oder Totschlags-tatbestand, so wie er gemeinhin in Deutschland von nüchternen Juristen definiert wird.

Es handelte sich also nicht um Dinge, die man anhäufen kann, oder bei denen man das Blut fließen sehen konnte.

Das geschriebene in diesem Papierberg drehte sich ganz einfach um den Wunsch einer Mutter, für ihr behindertes Kind wieder Mutter sein zu dürfen. So wie sie es 24 Jahre lang gewesen war.

Ich habe mit Erschrecken festgestellt, daß in Deutschland sehr viele Menschen sehr viel gegen die Erfüllung eines solch natürlichen Wunsches haben. Sie alle verstecken sich allerdings ganz passabel hinter Ämtern und Behörden-bezeichnungen.

Aus welchen Gründen das auch immer sein mag.

Als ich mich, immer schön der Reihe nach, durch den Blätterwald mühte, bemerkte ich nach einer Weile, daß es im Grunde stets der gleiche Baum war, der sich dem Begehren der Mutter in den Weg stellte.

Die Unfähigkeit der Mutter ihren Sohn sohngerecht zu betreuen mache die Bestellung eines Berufsbetreuers und die Unterbringung in einer stationären Einrichtung unumgänglich.

Es ist doch immer wieder tröstlich, zu erfahren, daß Menschen in Ämtern und Behörden nach der relativ kurzen Zeit von 24 Jahren von einer solchen Erkenntnis heimgesucht werden, und das schaffen sie auch noch ohne neutrale, von außen geschehende Begutachtung.

Wieviel Kompetenz doch in den Köpfen der Entscheider vorhanden ist. Oder ist es vielleicht eher das Bestreben nach eigener Sicherheit und Machtfülle? Machtfülle insofern, daß man über andere bestimmen kann – und Sicherheit unisono, weil man dieses bestimmen können ja auch noch gut bezahlt bekommt.

Eine richterliche Bemerkung in diesem Wirrwarr von Texten hat mich dann doch sehr nachdenklich gestimmt:

Dem Wunsch des Betroffenen müßte in einem solchen Verfahren Rechnung getragen werden. Irgendein Wunsch sei im vorliegenden Fall aber nicht erkennbar, weil der Betroffene nur nicke.

Als ich das las, tat sich mir eine ungeheuere Vorstellung auf:

Wenn ein solches Denken Teil der Entscheidungsrichtlinie ist, dann bleiben nur zwei Möglichkeiten – entweder stellt man einen großen Teil der deutschen Parlamentarier auch unter die Aufsicht von Berufsbetreuern, weil die ja auch nur mit dem Kopf nicken, wenn es um Entscheidungen geht – oder aber der Betroffene – um den es in diesem Fall geht – gehört nicht unter Betreuung gestellt, sondern ins Parlament.© ee

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