Der Mai ist gekommen

Der Mai ist gekommen

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt,
So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt‘!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht.
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert;
Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl,
Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all –
Mein Herz ist wie’ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtchen, da kehr ich durstig ein:
Herr Wirt, mein Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lustiger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel das sing ich dazu.

Und find ich keine Herberg‘, so lieg‘ ich zur Nacht
wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht.
im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Früh‘ das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o Wandern, Du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

Text: Emanuel Geibel 1841 – (1815–1884)
Melodie: Justus Wilhelm Lyra 1843 – (1822–1882)

Der Mai ist gekommen …

Jetzt bin ich dem Mai auf die Schliche gekommen
ich hab um Mitternacht haargenau aufgepasst
er kam am Himmel von Süden geschwommen
und hat jeden Baum einzeln beim Schopfe gepackt

er hat sie gestreichelt – und auch wohl gerüttelt
wenn sie denn noch aprilmüde waren
hat die Blätter aus den Zweigen herausgeschüttelt
und gefärbt mit dem zartesten Grün einem klaren

als die Sonne dann aufstand um viertel nach Vier
standen sie alle im herrlichsten Kleid
ringsum frischgewaschen und schier
zur Begrüßung des neuen Tages bereit.

©ee

ewaldeden

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