Heilsbringer . . .???

Mir ist schlecht – ganz schlicht und einfach übel zumute. Die Worte, die aus mir herauskommen, haben Angst, daß man ihnen das Elend ansieht, über das sie berichten sollen. Mein Weg führte mich wieder einmal durch die Randgebiete der Gemeinde Sande.

Auf einem ehemaligen Bauernhof, nahe des Sander See, hat sich ein Verein häuslich eingerichtet. Ein Verein der Hilfe verspricht – Hilfe bei der Suche nach dem Sinn des Lebens. Inmitten der Natur – wie es im Prospekt heißt – bietet man dort vielfältige Möglichkeiten zur „Entfaltung und Erholung“ – die „Licht- und Friedensarbeit für Mensch und Umwelt“ unterstützend. Mir schlug jedoch bei meinem Gang über das Gelände ein Empfinden von verbrannter Erde entgegen. Eingangs begrüßte meine Sinne ein sterbender Flieder. Ich hab’ ihn nur trösten können – helfen konnte ich ihm nicht mehr. Die Spritzmittel, mit der irgendjemand das Erdreich verseuchte, zerstörten seinen Lebenswillen. Kein Vogel, der mit seinem Gesang das Ohr erfreute, war zu hören – kein Schmetterling, der im flüchtigen Flug den Augen schmeichelte, war zu sehen. Die lange Allee zum Kernstück des Ganzen – dem Seminarhaus – säumt

vernichtete Natur. Ich habe in den letzten Jahren selten so viele Pflanzen weinen sehen – ich habe selten so viel Kleingetier seine vergiftete Lebensgrundlage beklagen hören. Höllenbilder von entlaubten Wäldern, aus den Zeiten des Vietnamkrieges, wischten durch mein Bewußtsein. Die Besucher sah mein Inneres Auge, in Schutzanzüge gekleidet, nach der Quelle des Lichts suchen, die zu finden ihnen im Prospekt versprochen war.

Auf der großen Wiese im Zentrum – auf der sich eigentlich Feen und Gnome tummeln sollen – schienen mir die langen, verkrümmten Blütenstände des Löwenzahns wie die verbrannten Gliedmaßen unschuldiger Opfer eines Wahnsinnsangriffs. Der Regenbogen hatte seine Farben verloren. Vergebens hielt ich nach Kräutern Ausschau. Ich war erstaunt, beim Verlassen des Ortes der Erleuchtung, keine Schleuse vorzufinden, in der man mich von den Giften befreite, die ich ohne Zweifel an den Schuhen hatte. Ich kann den Pächtern dieser „Oase“ nur noch empfehlen, wenigstens Hinweisschilder aufzustellen, auf denen die Besucher vor dem verlassen der befestigten Wege gewarnt werden. Für die sprachlosen Mitgeschöpfe käme diese Warnung dann allerdings zu spät.©ee

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