Maryla

Maryla

Maryla nimmt die Beine in die Hand – ihre nackten Füße berühren kaum das Strassenpflaster, so schnell läuft sie. Sie spürt nicht die Kälte, und nicht die schartigen Steine auf dem unbefestigten Weg, der sich, von der vielbefahrenen Haupt-strasse weg, einige hundert Meter wie eine Schlange den Berg hinunterwindet.

Sie hört nicht, wie Kecko, die Elster, enttäuscht hinter ihr herscheppert. Enttäuscht, weil Maryla ihr keine Brotkanten auf den alten, morschen Baumstumpf gelegt hat. So wie sie es gewohnt ist, wenn Maryla nachmittags aus der Schule heimkommt.

Es gibt keine Brotkanten heute, und kein streicheln des geneigten Köpfchens. Die Brotkanten hat Maryla vor Hunger selber geknabbert, als sie der Musik lauschte – als sie den Mädchen an der Stange vor den blitzenden Spiegeln, durchs Fenster von draußen zuschaute.

In Marylas Kopf schwirrt alles durcheinander. Es ist die schrille Stimme ihrer Tante – die immer laut zetert, wenn sie zu spät nach Hause kommt, und die sie jetzt auch schon von weitem hört. Es ist das Schlagen der Turmuhr von Sankt Peter – die ein wenig heiser scheppert, als wenn sie erkältet wäre. Es ist die Musik aus dem alten Fachwerkhaus am Marktplatz, neben der Kirche, vor dem sie nach der Schule immer stehen bleibt, und gebannt lauscht, und es ist die dunkle, warme Stimme, die plötzlich hinter ihr aufklang, und fragte, ob sie nicht auch so tanzen möchte.

In dem alten Haus am Markt hat sich nämlich vor etlichen Wochen eine Ballettschule häuslich eingerichtet.

Ohne sich noch einmal nach der dunklen, warmen Stimme umzuschauen, ist sie verschreckt weggerannt. Ihr Herz schlägt mit wildem Pochen bis hoch in den Hals.

Wie gerne möchte sie tanzen – so wie Mamuschka es mit ihr zu Hause immer geübt hat. Zuhause – das ist aber lange her. Es scheint ihr schon fast eine Ewigkeit zu sein. Dabei sind erst zwei Jahre vergangen, seitdem man sie von zuhause fortgezerrt hat. Seit zwei Jahren lebt Maryla in einer anderen Welt. In einer Welt ohne Freude, in einer Welt voller Schläge, in einer Welt mit harter Arbeit, und in einer Welt mit nur wenig zu essen.

Maryla denkt oft mit Sehnsucht an ihr schönes Zimmer, mit dem wolkigen runden Himmelbett in der Mitte, wenn sie abends in die Strohschütte über dem Schweinekoben kriecht. Sie schläft lieber im Stall bei den Tieren, als bei Tante Tulja im Haus. Die Tiere lassen sie reden – sie hören ihr zu, wenn sie ihnen von Mamuschka und von Gilla erzählt. Bei den Tieren muß sie keine Angst vor Strafe haben, wenn sie ihnen Bilder von den tanzenden Mädchen in der Ballettschule malt.

Im Haus muß sie jedes Mal schlafen, wenn Besuch da ist. Dann darf sie auch eines von den schönen Kleidern, und ein Paar von den Schuhen anziehen, die im „Kinderzimmer“ im Schrank aufbewahrt werden.

Ihre Mamuschka ist tot – eine Bombe ist im Theater explodiert. Mitten in der Vorstellung, als Mama gerade auf der Bühne des Bolschoijtheaters tanzte. Terroristen hieß es, hätten den Sprengsatz gelegt. So hat sie es von den Erwachsenen aufgeschnappt, wenn die sich unterhielten.

Ihr hatte niemand gesagt, was in Moskau passiert war. Eines Morgens war nur eine Frau mit einem harten Gesicht in ihrer schönen Wohnung am Newska Prospekt aufgetaucht. Zwei finster dreinschauende Männer in Uniform begleiteten sie.

Sie hatten zehn Minuten in der Küche laut mit Gilla, dem Haus-mädchen gesprochen, und waren dann wieder gegangen.

Gilla war ihre Ersatzmama, wenn Mamuschka auf Reisen war. Ihre Mamuschka war mit dem Bolschoijballett viel unterwegs. Daheim, in Sankt Petersburg, tanzte sie nur selten. Früher, da wäre es anders gewesen, hatte Gilla ihr einmal gesagt – früher, als Mamuschka noch zum Kirowballett gehörte. Aber das war, bevor Maryla geboren wurde. Gilla hatte ihr noch so vieles erzählt. Das meiste hatte Maryla noch nicht verstanden, und noch weniger davon hatte sie behalten.

Gilla hatte rote, verweinte Augen, als sie Maryla erklärte, daß ihre Mamuschka nicht wieder nach Hause kommen würde – weil sie jetzt im Himmel sei, und dort mit den Engeln tanzen müsste. Sie würde aber trotzdem immer auf ihre kleine Maryla aufpassen.

Maryla hat auch an diesem Tage nicht alles verstanden. Warum zog ihre Mama plötzlich in den Himmel? Es war gut, daß Gilla da war. Den ganzen Nachmittag verbrachten die beiden dann in ihrem Lieblingseiscafé, sodaß Maryla nicht soviel an ihre Mamuschka denken musste.

Am nächsten Tag war die Frau mit dem harten Gesicht schon am frühen Morgen wieder da, um sie abzuholen. Maryla hatte sich mit beiden Ärmchen, und mit all ihrer Kraft, an Gilla geklammert – sie wollte nicht, daß die fremde Frau sie mitnahm. Es hatte ihr nicht geholfen.

„Du musst mit mir gehen, weil Du jetzt ein Waisenkind bist.“ Wohl zehnmal sagte die Frau mit dem harten Gesicht ihr diesen Satz. Da hörte sie zum ersten mal in ihrem Leben das Wort Waisenkind.

Ein großes, schönes Haus mit ganz vielen Kindern würde auch auf sie warten. Es seien Kinder, die, wie sie auch, alle keine Eltern mehr hätten.

Man brachte sie aus der Stadt fort, auf’s Land hinaus. Acht andere Kinder saßen noch mit ihr in dem alten, klapprigen Kleintransporter auf den hölzernen Bänken, mit dem sie stundenlang über holprige Strassen fuhren.

Keines von den Kindern sprach ein Wort – man hatte ihnen verboten, zu reden. Nur die Augen der anderen Kinder versuchten ständig, ihr etwas zu sagen.

Unterwegs hielt der Fahrer zweimal kurz an. Sie mußten alle aussteigen, und im Gebüsch am Straßenrand Pipi machen.

Sie durften allerdings nur einzeln aussteigen. „Damit sich keiner von euch aus dem Staub macht – und ich muß es dann nachher ausbaden.“ So sagte es die rundliche, ständig schwitzende Frau, die neben dem Fahrer saß, und die ganze Zeit an irgendetwas Grauem strickte, wenn sie nicht gerade einen gehörigen Schluck aus der Wodkaflasche nahm, die ihr der schweigsame Mann am Steuer von Zeit zu Zeit zulangte.

Für die Kinder stand eine rostige Kanne, mit trübem Wasser gefüllt, zwischen den Bänken. Sie mußten immer erst die brummelige Wärterin fragen, bevor sie aus der großen Schöpfkelle einen Schluck trinken durften.

Maryla hatte Angst. Sie fühlte sich unbehaglich in ihren schönen, neuen Kleidern, inmitten des übelriechenden Schmut-zes um sie herum.

Die anderen Kinder trugen alle reichlich zerlumpte Sachen, die sicher schon lange nicht mehr gewaschen worden waren.

Sie hätte sich so gerne ein sauberes Kleidchen angezogen, aber sie hatte überhaupt nichts mit.

Ihre anderen Sachen würde man für sie verwahren, hatte die Frau mit dem harten Gesicht zu Gilla gesagt, als sie Maryla abholte. Am meisten aber vermißte sie ihre Ballettschuhe, die Mamuschka ihr zu ihrem fünften Geburtstag geschenkt hatte.

Der Tag war schon dabei, seinen Schlafanzug anzuziehen, als das Auto, durch ein festes Tor in einer hohen Mauer, in einen weiträumigen Innenhof polterte. Auf dem rauhen Beton zwischen den Mauern spiegelten sich in zahllosen Pfützen die im Abendrot schimmernden Wolken. Es war die einzige fröhliche Farbe, die Maryla ringsumher sehen konnte.

Das „schöne große Haus“, das die Frau mit dem harten Gesicht ihr versprochen hatte, war schrecklich anzusehen. Der Verputz bröckelte von den Steinen, und vor den dunklen, tiefen Fensterlöchern waren rostige Eisengitter angebracht.

Die Kinder des Heimes, die auf dem Hof in Reih und Glied, wie zum Appell, angetreten waren, trugen alle die gleichen groben, graugrünen Leinenkleider, und alle hatten sie nackte, kahlgeschorene Köpfe.

Maryla konnte nicht erkennen, ob es Jungen oder Mädchen waren, die da alle stumm, und wie gebannt, auf einen Punkt starrten.

Dieser Punkt war der Mund einer jungen Frau, deren eng anliegende Uniform, wie eine zweite Haut, ihre üppigen Formen umspannte.

Ohne Pause ließ sie immer wieder die gleichen Worte auf die verängstigt dastehenden Kinder heruntersausen.

Nachdem sie alle neun aus dem verbeulten Blechkasten rausgeklettert waren, mußten sie sich, auf Weisung des Fahrers, in einer Reihe hintereinander aufstellen, und so eine zeitlang dem Unterricht zuschauen.

„Damit ihr schon mal seht, wie gute russische Kinder erzogen werden.“

Es war der einzige Satz, den sie von dem Mann, der sie den ganzen Weg hierher kutschiert hatte, zu hören bekamen. Wie das knallen einer Peitsche drangen die Worte in ihre Ohren.

Erst als die junge Frau in der Uniform den Fahrer anraunzte: „Sergej – jetzt haste lange genug auf meinen Busen gestarrt – hör auf, mich mit den Augen auszuziehen. Bring endlich die Kinder rein“ durften sie ins Haus.

Steif und still saß Maryla dann eine halbe Stunde später auf einem kalten Schemel, als eine blanke Schere ihre langen, blonden Locken abschnipste. Nur ihre Tränen malten eine heiße Spur über die Wangen. Ihr weißes Krägelchen war plötzlich naß und schmutzig. Es sah aus wie ein Stück des aufgeweichten grieseligen Brotes, das man ihnen zur Nacht zu essen gab, bevor sie auf die Schlafsäle verteilt wurden, und in die Betten kriechen mußten.

Ihre Kleider hatte sie alle ausziehen, und abgeben müssen. Bevor sie die „Uniform“ der Heimkinder anziehen durfte, besprühte sie eine Schwester, die einen schmuddeligen grauweißen Kittel trug, mit einem fürchterlich stinkenden Nebel. Jedes der neu angekommenen Kinder musste diese Prozedur über sich ergehen lassen.

Vierzig Kinder schliefen jeweils in einem Saal. Die Fußböden waren mit rissigen Fliesen bedeckt, über die sich die kahlen Wände gespenstisch nackt zur Decke reckten. Eine einzige Glühbirne baumelte in jedem Raum an einem Draht von der Mitte der hohen Decke herab, und verbreitete ihr funzeliges Licht.

Die Betten standen an der rechten Wand, gerade ausgerichtet wie Soldaten auf einem Kasernenhof. Zwanzig Betten unten – zwanzig Betten oben. Mit ihren grob zusammengezimmerten Brettern sahen sie aus wie die Kaninchenställe, die Gillas Papa hinter dem Haus stehen hatte.

Gilla hatte sie nämlich des Sonntags – wenn Mama länger auf Reisen war – häufig mit zu ihren Eltern genommen. Sie wohnten in einem ehemaligen Kolchos außerhalb von Sankt Petersburg.

Das schönste an diesen Besuchen war immer die Stunde in der alten Dorfkirche, weil nach der Predigt die Männer der Gemeinde vor dem Altar tanzten. Einmal ist sie einfach nach vorne gelaufen – mitten in den Kreis der Männer hinein. Einer der Männer hatte sie gepackt, sie auf seine Schultern gesetzt, und mit ihr getanzt, bis ihr schwindelig wurde. Das war schön.

Neben jedem Bett in dem langen Saal war nur ein rostiger Haken in die Wand geschlagen. Für die ’Kleider‘. Darüber befand sich ein schmales Brett für die ‘persönlichen Sachen‘, auf die jedes Kind sorgsam acht geben musste.

Die „persönlichen Sachen“ waren ein Napf und ein Löffel aus Blech, eine uralte Zahnbürste mit einem Holzgriff, und ein Stück braune Knochenseife.

Den verbeulten Napf, und den krummen Löffel, musste jedes Kind selber sauberhalten, und wem Seife oder Zahnbürste abhanden kam, der musste vier Wochen lang ohne diese Dinge auskommen. Das hatte Maryla gleich zu Anfang erfahren müssen – nach der ersten Nacht waren nämlich die Seife und ihre Zahnbürste verschwunden.

Das Mädchen im Bett unter ihr hatte ihr nach ein paar Tagen flüsternd verraten, daß ihnen die Nachtaufsicht die Sachen wegnehmen würde, um die Kinder zur Wachsamkeit zu erziehen. In Wahrheit wurden diese Sachen von den Frauen mit nach Hause genommen, weil sie so etwas für ihre Familien im Dorf nicht kaufen konnten.

Sie sehnte sich so sehr nach ihrer Mamuschka. Warum war sie in den Himmel gezogen, ohne sie mitzunehmen. Und warum war Gilla nicht mit ihr in dieses Heim gekommen.

In den ersten Nächten strich ihr leises Weinen wie ein flüsternder Wind durch den kalten, dunklen Saal.

Die anderen Kinder auf den Strohsäcken unter den ver-schlissenen Wolldecken waren alle mucksmäuschenstill. Als Maryla als Strafe für ihre Ruhestörung zwei Nächte barfuß auf den kalten Fliesen in dem zugigen Flur stehen mußte, da war auch sie anschließend mucksmäuschenstill geworden. Ihr weinen hörte keiner mehr – nicht bei Tag, und nicht in der Nacht. Es hatte sich ganz tief in sie hinein verkrochen, und bildete nun in ihrer Seele einen Tränensee. An dessen Ufer saß sie in den nächsten Wochen häufig, und träumte von ihrer Mamuschka.

Nach drei unendlich langen Monaten hatte Mamuschka im Himmel wohl ihre Gebete gehört, denn eines Mittags stand plötzlich eine fremde Frau vor ihr.

„Ich bin deine Tante Tulja.“ Maryla hatte von einer Tante bisher nichts gewusst – ihre Mamuschka hatte nie davon gesprochen, daß es eine Tante gäbe. Sie sei die Witwe von Mamuschkas Bruder Bordo, der im Krieg in Afghanistan mit seinem Flugzeug abgestürzt war, erfuhr Maryla von der fremden Frau.

„Als einzig lebende Verwandte hab ich mich bereiterklärt, für dich zu sorgen. Ich bin also jetzt Dein Vormund. Komm, und laß uns hier nicht herumtrödeln. Du hast mich sowieso schon vielzuviel Zeit gekostet.“ Noch während ihre ‘Tante’ das sagte, zerrte sie Maryla nach draussen. Zu der Uniform im Hintergrund sagte sie noch: „Die Formalitäten sind schon erledigt“ – und schob Maryla unsanft in ein schäbiges, klappriges Auto hinein.

Alles das fliegt ihr jetzt, bei ihrem hastigen Lauf vom Marktplatz nach Hause, durch den Kopf. Die dunkle, warme Stimme, die sie am Marktplatz von hinten gefragt hat, ob sie nicht auch gerne tanzen möchte, hat diese Bilder in ihrem Kopf ins laufen gebracht.

Es war ihr, als hätte der Pope aus der kleinen Dorfkirche zu ihr gesprochen. Das konnte aber ja nicht sein. Sie war ja viel zu weit weg von Sankt Petersburg.

Die Tante war, vom Kinderheim aus, direkt mit ihr in das schöne Haus am Newska-Prospekt gefahren. Als sie durch das steinerne Tor in die Allee einbogen, die zum Wohnhaus führte, hatte Maryla sich gefreut, wieder zu Hause zu sein. Es war ihr, als würden die steinernen Löwen auf den Torpfeilern ihr zulächeln.

Wenn sie zur anderen Strassenseite, in den Park geschaut hätte – sie hätte vielleicht Gilla unter den Bäumen stehen sehen. Gilla stand im Schatten der riesigen Linden – mit tränen-gefüllten Augen krampfhaft auf ihr Taschentuch beissend, und beobachtend was dort geschah. Das tat sie nun schon seit einigen Wochen, ohne dessen müde zu werden.

Es hatte ihr nämlich fast das Herz gebrochen, die kleine Maryla hergeben zu müssen, die ihr wie eine eigene Tochter geworden war.

In ihrem Leid war sie dem Popen in ihrem Heimatdorf aufge-fallen, dem sie dann alles, was sie wusste, erzählte. Der Pope hatte darauf nach langem Überlegen geantwortet, er werde sehen, was er tun könne.

Ein paar Tage danach trat Gilla, durch Vermittlung des Popen, in der Nähe ihrer alten Stelle eine neue Arbeit als Hausbesorgerin an. Vom Popen war sie gut mit Anweisungen versorgt, was sie in dieser Sache tun könne.

So ging Gilla – Marylas Ersatzmama – mit Feuereifer ans Werk. Jede Minute ihrer freien Zeit verbrachte sie von Stund an im Park auf der anderen Seite der Strasse. Jede Begebenheit schrieb sie fein säuberlich in ein Büchlein, das sie sich eigens für diesen Zweck gekauft hatte. Jeden Besucher, der das Grundstück oder das Haus betrat, beschrieb sie genauestens – jede Veränderung auf der anderen Seite wurde unter Angabe von Tag und Uhrzeit von ihr festgehalten, und die Nummer jedes Autos, das in die Allee einbog, notierte sie. Am Wochenende landeten die Notizen dann regelmäßig beim Väterchen Alex, dem Dorfpopen. Täglich machte „ihre Arbeit“ wie sie ihr Tun nannte, mehr Freude, weil es das Gefühl in ihr stärkte, doch etwas für Maryla erreichen zu können.

Marylas Freude dagegen hielt an diesem Nachmittag nicht lange an. Keine Gilla war da, die ihnen die Tür öffnete – keine vertrauten Geräusche und keine verlockenden Düfte empfingen sie, so wie es sonst immer gewesen war. Ungelüftete kalte Räume, mit in Gruppen zusammengestellten Möbeln, sah sie nur.

„Ich hab das hier alles schon verkauft – dein Leben kostet mir ja schließlich viel Geld“ – geschäftsmäßig kühl, und am Rande sagte die Tante ihr das. „Wir müssen nur noch ein paar Sachen zusammenpacken – ich kann Dir ja nicht alles neu kaufen.“ Als wenn das nicht reichte, tat sie noch obendrauf: „Deine Mutter hat Dich sowieso viel zu sehr verwöhnt.“

Die Tante fing sofort an, viele Dinge zusammenzupacken. Die paar Sachen – wie sie es genannt hatte – das war Mamas Schmuck, das waren die feinen Bilder die Mama gesammelt hatte, das waren die glänzenden Bestecke und die schönen Vasen aus dem großen Eichenschrank in der Wohnstube – und das waren die Bücher, die im Lesezimmer die Schränke füllten.

Für Mamas Bilder und Bücher standen im Lesezimmer Kisten aus Holz bereit, um damit vollgepackt zu werden.

Gilla hatte immer respektvoll: „Nein auch – was für eine schöne Bildersammlung Deine Mama hat“ gesagt, wenn sie im ganzen Haus die Gemälde mit einem Ziegenhaarpinsel abstaubte.

Die Bücher in den Borten, ringsumher an den Wänden, in Mamuschkas „Studierzimmer“ nötigten Gilla, außer der Bewunderung für die prachtvollen Buchrücken, auch noch tiefen Respekt ab. Jedermann konnte es spüren, wenn sie stolz erzählte: „Die gnädige Frau hat mehr Bücher zum lesen, wie der Pater Abt bei uns daheim im Kloster.“

„Steh’ hier nicht ’rum, und halt Maulaffen feil“ – fuhr die Tante Maryla barsch an. „Geh hinauf in Dein Zimmer, und pack Deine Sachen in den Koffer, der da steht. Schlepp aber kein unnützes Zeug mit hinaus, die Fracht kostet viel Geld. Und beeil Dich gefälligst“ rief sie ihr noch hinterher – „ich habe meine Zeit nämlich nicht gestohlen.“

Maryla hätte am liebsten alle ihre Sachen eingepackt, aber der Pappkoffer, den die Tante ihr hingestellt hatte, war nur klein, und sehr schnell voll.

„Puppen und Spielzeug brauchst Du nicht mitnehmen“ – hörte sie ihre Tante von unten her rufen. „Zum spielen ist in Zukunft sowieso keine Zeit – den ganzen Plunder hier hat schon ein Trödler gekauft.“

Sogar ihre Lieblingspuppe, die sie schon so lange hatte, wie sie zurückdenken konnte, nahm die Tante wieder aus dem Koffer heraus.

Maryla wusste nicht, was sie tun sollte. Der Tränensee in ihrer Seele lief über, und sie konnte nur noch still weinen. Dabei drückte sie ganz fest ihre Ballettschuhe an sich. Die hatte sie nämlich unter ihrem Kleidchen versteckt.

Es war ihr, als ob Mamuschka sie mit ihren zarten Händen berührte.

Draussen war es inzwischen schummerig geworden, und im Haus machte sich schon die Dunkelheit breit. In der großen Diele standen fünfzehn prallgefüllte, große Koffer. Mamas schöne Lederkoffer, mit denen sie immer auf Reisen gegangen war.

Der Koffer mit Marylas Sachen stand einsam an der anderen Seite der Haustür – als wenn er sich schämte, und gar nicht dazugehörte.

Die letzte halbe Stunde hatte die Tante in der Küche herumgepoltert. Eine Schüssel mit dampfendem, pappigem Mehlbrei stand auf dem Tisch, daneben lag ein dicker Kanten trockenen Brotes. Es war das Abendessen für Maryla. Ihre Tante selber rührte davon nichts an – ihr wäre durch die Plackerei der Appetit vergangen, sagte sie.

„Aber für Dich Balg muß ich ja was kochen. Die Schlafstelle für heut’ Nacht muß ich für Dich auch noch herrichten. Ich seh’ schon, Du bist mir eine richtige Last.“

Nach dieser Bemerkung rauschte die Tante aus der Küche, und ließ Maryla allein am Tisch zurück. Ganz klein und verloren kam sie sich in der kalten Küche vor.

Nachdem Maryla einen Teil der klebrigen Pappe mühsam hinuntergewürgt hatte, durfte sie schlafen gehen. Obwohl sie sich ganz schrecklich elend fühlte, freute sie sich auf ihr Bett. Ein letztes mal konnte sie in ihrem eigenen Bett schlafen. Auch ohne ihre Puppe dabeizuhaben, und ohne eine Gutenacht-geschichte von Gilla zu hören, schlief sie sofort ein. Sie träumte wohl von ihrer Mama, denn manchmal murmelte sie ein leises “Mamuschka“ in das tränenfeuchte Kissen unter ihrem Köpfchen.

Ihre Ballettschuhe, die sie unter der Zudecke versteckt hatte, presst sie auch im Schlaf fest an sich. Die Monate im Schlafsaal des Kinderheims hatten sie schon so einiges gelehrt.

Während Maryla im Kinderzimmer, im ersten Stock der lindgrünen angemalten Villa, fest aber unruhig schläft, sitzt ihre Tante im Lesezimmer, am Biedermeiersekretär ihrer verstorbenen Schwägerin, und macht „Kassensturz“, wie sie es nennt.

Sie betrachtet es als eine Fügung des Schicksals, daß ein Onkelsohn von ihr, in der Kommandostelle der Truppen des Innenministeriums in Moskau sitzt. Er diente während des russischen Einsatzes in Afghanistan in der gleichen Einheit wie ihr Mann. Sie hatte nach dem Absturz des Kampfflugzeuges, bei dem ihr Mann damals ums Leben kam, nichts rechtes von ihrem Vetter gehört. Mehr als ein paar belanglose Kartengrüße waren nicht gekommen, aber das störte sie nicht im Geringsten.

Wenn das Schicksal den Lauf der Dinge andersherum gestaltet hätte – sie hätte es gerade genauso gemacht. Arme Verwandte soll man sich tunlichst vom Halse halten. Und wie kann man das am besten? Indem man sich von ihnen fernhält, wie von lästigen Insekten.

Nichts überträgt sich nämlich so schnell, wie der Geruch der Armut – und nichts auf der Welt wirkt ansteckender wie das Elend.

Vergessen ist das alles. Vergessen seit dem Moment, in dem der Vetter die Namen der Opfer des Terroranschlages auf das Theater auf seinen Schreibtisch bekam. Das Gefühl, unverhofft auf eine Goldader gestoßen zu sein, ließ ihn rege werden.

Am selben Tage noch weckte er die eingeschlafene Verbindung zu seiner Cousine wieder auf.

Schon drei Tage später stattete er seiner „lieben Verwandten“, auf ihrem ländlichen Anwesen, einen Besuch ab. Bei Wodka und Gänsebraten kam man sich am Abend dann schnell näher. Sogar so nahe, daß sie beide am anderen Morgen eng umschlungen in der Tantes Bett erwachten. Sie hatten in der Nacht ein längst vergangenes Verhältnis erneut heftig aufleben lassen. Tuljas Becken bebte noch nach Stunden von den kräftigen Stößen ihres Vetters, dessen harte Männlichkeit anscheinend gar nicht genug von ihr bekommen konnte. Immer und immer wieder spritzte es heiß in sie hinein.

Vetter Basil und Base Tulja brauchten dann auch nicht lange hin und her zu überlegen. Sie waren über eine Goldader gestolpert, die förmlich darauf wartete, ausgebeutet zu werden. Es kam nur darauf an, sich das richtige Werkzeug für die Arbeit zu beschaffen. Dazu mußten sie allerdings zusammenarbeiten, denn wenn jeder von ihnen allein zu Werke ging, bekam keiner etwas ab von dem Fund.

Der Schlüssel zu dem Schrank, in dem sich das Werkzeug befand – darüber waren sich die beiden klar – war das Kind von Tuljas Schwägerin. Basil war nicht untätig gewesen. Er hatte in der Kürze der Zeit sogar schon ihren Namen und ihren Aufenthaltsort festgestellt. Maryla hieß die Tochter, und sie befand sich seit dem Unglück in der Obhut der staatlichen Fürsorgebehörden, in einem Heim vierhundert Kilometer von Sankt Petersburg entfernt.

Eile war geboten, wollte man für sich noch etwas bewirken. Die Vertreter der Fürsorge würden so einen dicken Goldfisch, der da bei ihnen an der Angel zappelte, sicher nicht so einfach vom Haken lassen, gab er seiner Base zu bedenken.

Da müsste man schon ein bisschen nachhelfen, meinte Vetter Basil. Wenn ein Säckchen Rubel nichts bewirken würde – der Knüppel der Amtsmacht, über die er verfügte, würde es dann schon besorgen. Den wollte Vetter Basil aber nach Möglichkeit im Sack lassen. Sie seien ja schließlich alle Kinder von Mütterchen Rußland, und Russen sollten sich doch wohl mit Russen friedlich einigen können.

Auf jeden Fall hatten Vetter und Base sich schnell auf halbe-halbe geeinigt, und der Herr Kommandeur konnte die Verbindungsdrähte spielen lassen. Wobei er die Rubelchen, die er Tulja gegenüber vorsorglich für die Fürsorge reklamiert hatte, schon auf seiner Hälfte sah.

Seine Stellung im Apparat erschien ihm nämlich völlig ausreichend, aber davon brauchte Base Tulja ja nicht unbedingt etwas zu wissen. Sie würde sowieso genug von dem Kuchen abbekommen, zumal er sich in der Nacht entschlossen hatte, sie wieder öfter zu besuchen, um von ihrer schmackhaften Muschel zu naschen. Dieses kleine Extravergnügen stand ihm ja wohl zu, denn das ganze war, wenn man es recht betrachtete, ja sein Verdienst.

Äußerst zufrieden, mit sich und der Welt, fuhr er am nächsten Tag nach Moskau zurück.

Kaum wieder im Ministerium angekommen, saß er bereits mitten in diesem schwierigen Geschäft, wie er es bei sich ausdrückte. Er hatte von unterwegs schon einige Untergebene zu sich ins Büro bestellt, die er mit diversen „Ermittlungen“ betraute.

Er entfaltete jedesmal eine rege Tätigkeit, wenn die Ergebnisse seiner „Mitarbeiter“ bei ihm eintrudelten. Es gab ja so vieles zu regeln, und zu ermitteln. Nur mit Behutsamkeit, und äußerster Vorsicht, würde er das Ziel erreichen.

Die ums Leben gekommene Tänzerin galt in gewissen Kreisen der Hauptstadt schon so ein wenig als Nationalheiligtum. Ihr großes tänzerisches Können bildete dabei unzweifelhaft den Vordergrund, aber andere weibliche Talente der begnadeten Künstlerin spielten da auch wohl mit hinein.

Dass es im Leben der Tänzerin ein Töchterchen gab, war offenbar nur sehr wenigen einflussreichen Personen bekannt, denen es offensichtlich sehr wichtig erschien, daß es auch nach ihrem Tode so blieb.

Diese etwas delikaten Umstände waren auch wohl der Grund für das rasche verschwinden des Kindes im Niemandsland eines Fürsorgeheimes in der russischen Weite.

Während Vetter Basil in Moskau seine Truppen mobilisierte, und Mauern zu durchdringen versuchte, tat Base Tulja in Sankt Petersburg beim zuständigen Gericht ihre verwandtschaftlichen Verhältnisse, und ihre tiefe Besorgnis um das unmündige Kind ihrer über alles geliebten Schwägerin, kund.

Durch diesen Umstand drohte das Kind der berühmten Primaballerina Olga Kersschinski zum Gegenstand des öffentlichen Interesses zu werden.

Die Frage nach dem Vater würde unweigerlich folgen. Eine solche Entwicklung musste unter allen Umständen verhindert werden. Von irgendwo ganz oben war diese Anweisung gekommen, und stolzierte nun bis in die letzte Amtsstube im Lande. Jeder, der mit der Sache zu tun hatte, gab sie weiter, und niemand fragte, woher sie kam.

Fragen in Richtung nach oben zu stellen, war in Russland schon immer ungesund – oder zumindest mit gewissen Risiken verbunden.

Irgendwo war das Schifflein Maryla, noch in Sichtweite des Ufers, auf ein Riff gelaufen. Es konnte seinen Weg in das unendliche Meer der Verschollenheit nicht fortsetzen.

Jetzt galt es für gewisse Leute, den Schaden mit allen Mitteln zu begrenzen. Das ist aber im Russland von heute auch nicht mehr so ganz einfach zu bewerkstelligen. Vor allem, wenn es verschiedene Interessenlagen gibt.

Da Familienverbundenheit, und verwandtschaftliche Grade, in der russischen Gesellschaft eine hohe Wertstellung einnehmen, konnte man die direkte Tante, die sich, um das nun überall aktenkundige Waisenkind, kümmern wollte, nicht einfach so beiseite schieben. Zumal sie Reputation höheren Ortes genoß. Ein stellvertretender Unterrichter teilte es so seinem Vorgesetzten mit. Dieser wiederum berichtete davon den stellvertretenden Oberrichter, und der gab es weiter an den Gerichtspräsidenten des Petersburgischen Bezirksgerichts. Alles dies geschah unter dem Siegel der absoluten Geheimhaltung. Also wurde im Herzen Sankt Petersburgs eine Akte angelegt, und amtlicherseits das Vermögen der Verstorbenen ermittelt und aufgelistet.

Auf dem Höhepunkt der pikanten Affäre wurde Vetter Basil sogar an einem trüben Vormittag durch einen Boten zum sofortigen Rapport in den Kreml befohlen.

In seinen Vorstellungen hatte er sich daraufhin schon in den Kellern der Lubljanka auf Nimmerwiedersehen verschwinden gesehen.

Doch es kam alles nicht so, sondern es kam ganz anders. Man befragte ihn über sein Wissen, man drohte ihm mit unabsehbaren Folgen für sich und seine Familie, dann schmeichelte man ihm wieder – und schließlich deckte man stückweise die Karten auf, und arrangierte sich, soweit man es für nötig erachtete. Man konnte absolut kein negatives öffentliches Aufsehen gebrauchen, in dieser an schrecklichen Ereignissen nicht gerade armen Zeit.

So kam es, daß Marylas künftiges Wohlergehen in die Hände ihrer Tante gelegt wurde. Allerdings mit der Bestimmung, das Mädchen Maryla zu adoptieren, und ihren Wohnsitz niemals nach Sankt Petersburg oder nach Moskau zu verlegen. Vetter Basil erhielt als Folge der Übereinkunft die großzügige Gelegenheit, Teile des russischen Riesenreiches auf der Bahnfahrt zu seinem neuen Dienstort – auf der Halbinsel Kamschatka – kennen zu lernen. Er durfte sogar seine Familie mitnehmen. So ist nun mal das Leben – und Sibirien ist unendlich groß, höllisch groß.

Irgendwie hatte das Spiel auch seine weniger guten Karten.

Maryla geriet indessen nur von einer Hölle in die andere. Sie war zum Objekt geworden, und den beiden Strippenziehern winkten trotz allem noch viele Vergünstigungen, und einiges Kapital. Trotz der vielen Prozente, die Mütterchen Russland als Anteil beanspruchte.

Auch so ist die Welt – könnte man sagen. Wenn, ja wenn es da nicht Gilla und Väterchen Alex aus dem kleinen Dörfchen unweit von Sankt Petersburg gäbe. Väterchen Alex, der das kleine Mädchen nicht vergessen konnte, das an einem Sonntag in seiner Kirche mit den Männern vor dem Altar getanzt hatte. Und Gilla, die nicht ertragen konnte, daß ihrer kleinen Maryla solch ein schreiendes Unrecht geschah.

Gillas Notizen hatte Väterchen Alex alle auf eine große Tafel geheftet, die in einer Kammer hinter seiner Sakristei an der Wand hing. Jedesmal, wenn ein neuer Zettel bei ihm ankam, steckte er ihn dazu. Jedes mal schob er die schon vorhandenen Informationen hin und her – wie bei einem Puzzlespiel. Auf jedem Zettelchen piekste ein Fähnchen mit Buchstaben oder Zahlen, und von Fähnchen zu Fähnchen spannten sich bunte Bänder. Es sah bald aus wie eine Landkarte – oder, nein – das ganze sah eher aus wie ein Netz.

Ja, es sah tatsächlich aus wie ein riesiges Spinnennetz, was da in vielen Monaten an der Wand entstanden war. Hinter Marylas Namen verbarg sich offenbar eine lange, einflussreiche Familiengeschichte.

Es war nicht das erste mal, das in der Kammer hinter der Sakristei solche Gebilde unter den Händen von Väterchen Alex an der Wand entstanden. Es war auch nicht die einzige Wand im Lande, vor der Frauen oder Männer standen, unter deren Händen sich ähnliche Gebilde formten. Sie alle, und noch viel mehr Menschen, draussen in der weiten ehemaligen Sowjetunion, gehörten einer Organisation an. Sie hatten sich zusammen-gefunden, um sich gegen Unrecht und Willkür zur Wehr zu setzen – und irgendwie war dann plötzlich der Name für diesen Kreis aufgetaucht: „Das Netz“.

Niemand sprach diesen Namen laut aus, aber alle kannten ihn.

Viele fürchteten inzwischen das Netz, weil sich schon sehr viele Missetäter in ihm verheddert hatten, bevor sie von der Spinne gefressen worden waren.

Noch mehr Menschen aber waren schon von dem Netz aufgefangen worden, wenn sie – wie es auch manchmal mit Artisten vom Hochseil geschah – mitten aus dem Leben abstürzten.

Auf Väterchen Alex’s betreiben waren an vielen Orten viele Köpfe, Beine und Hände dabei, Steinchen zusammenzutragen. Bausteine, aus denen für Marylas Leben ein Häuschen werden sollte. Ein anderes als dasjenige, daß ihre Tante und deren Vetter Basil ihr zugedacht hatten.

Marylas Erinnerung hat sie nicht getrogen, als sie die Stimme auf dem Marktplatz mit der des Popen aus der Dorfkirche in Verbindung brachte. Väterchen Alex hat sich selbst auf den weiten Weg gemacht, um ein Bild davon zu bekommen, wie Maryla seitdem lebte. Fünf Tagen logiert er schon bei seinem Amtsbruder in dem kleinen Städtchen. Und fünf Tage lang beobachtet er das kleine Mädchen in dem verblichenen, abgetragenen Sommerkleidchen schon, daß jeden Nachmittag vom Schulhaus direkt zu den Fenstern der Ballettschule rennt, um dann eine Zeitlang, stumm und bewegungslos, der Musik zu lauschen, und weltvergessen dem Treiben der anderen Mädchen im Hause zuzuschauen.©ee

Illustrationen bei Kenny Anders