Man stelle sich einmal vor, was wäre wenn …

Man stelle sich einmal vor, was wäre wenn …

Gestern berichtete mir ein Freund mit ziemlicher Betroffenheit vom plötzlichen Tode eines Bekannten. Dieser Mensch hatte mit 62 den Gipfel seines Schaffens erreicht, und freute sich auf die nun vor ihm liegende unbeschwerte Talfahrt bis ans Ende seines irdischen Daseins. Es sollte nach seinen Vorstellungen locker einige Jährchen bis zum Verbrauch der Reserven dauern. Keine 24 Stunden nach seiner letzten Schicht lag er aber schon aufgebahrt in der Aussegnungshalle am Ort seines bisherigen Wirkens.

Da mein Freund auch nicht mehr zu den Jüngsten zählt, bedrückte ihn dieses Geschehen natürlich.

Ich habe versucht die grauen Schatten von seinem Denken zu nehmen, indem ich ihn aufforderte das Ganze doch mal aus einem anderen Blickwinkel heraus zu betrachten.

Dieser Mensch aus seinem Bekanntenkreis, der da plötzlich nicht mehr war, hätte doch für sein vorbildliches gesellschaftspolitisches Verhalten posthum den höchsten Orden des Landes verdient. Die finanzielle Entlastung der Gesellschaft durch sein frühes Ableben wäre doch immens groß. Wenn nun jeder Bürger sich so selbstlos verhalten würde, gäbe es keine wie auch immer gearteten Probleme mit der Altersversorgung. Die vermaledeiten Pensions- und Rentenkassen als drückende Bürde für den Staatshaushalt könnten abgeschafft werden. Die Pflegeversicherung als Klotz am Bein der Krankenversicherer hätte ihre Daseinsberechtigung verloren. Den nachwachsenden Generationen würde der Grund für ein schlechtes Gewissen beim Anblick von alten einsamen Familienmitgliedern genommen. Enkel- und Urenkelkinder müssten sich nicht mehr das stetig sich wiederholende Geschwafel ihrer Großeltern von der schönen alten Zeit anhören. Betuchtere Omas und Opas würden durch die Befriedigung ihrer Reisewut mit Fliegern aller Couleur nicht mehr die Atmosphäre belasten. Das alles wären doch unschätzbare Vorteile für eine moderne Gesellschaft. Am besten würde das Ganze dann in einem Gesetzestext zur einvernehmlichen Regelung der Altersstruktur zusammengefasst werden. Parlamentarier wären davon natürlich ausgenommen, um eine zügige Verabschiedung und regelmäßige Novellierung des Gesetzes durch Bundestag und Bundesrat zu gewährleisten.

Natürlich hätte dieses ‚Sonnengesetz’ auch seine Schattenseiten. Da wären zum Beispiel die Verluste bei Banken- und Versicherungskonzernen, die nicht mehr provitabel ‚Riestern’ könnten – da wären zum Beispiel die Kassen der Verbände und Parteien, in die keine Provisionen von den Versicherern für vermittelte ‚Riesterverträge’ mehr fließen würden – da wären zum Beispiel die vielen profitgierigen Betreiber und Investoren der Pflegeheime, die nicht mehr ‚Pflegen’ könnten – und da wäre nicht zuletzt der Staat, der in sogenannten Krisensituationen die Rentenkassen nicht mehr schamlos plündern könnte.

Als ich meinem Freund das alles dargelegt hatte, da hellte sich seine Miene sichtlich wieder auf – bis dann nach einer kurzen Pause seine Frage kam:

Aber ist das was du mir da gerade erzählt hast, nicht alles menschenunwürdig?©ee