Des Morgens Schicksal

Des Morgens Schicksal

Der Morgen hat noch eine ganz dünne Haut
wie mit blassrotem Silber bezogen
er zögernd über den Himmelsrand schaut
als wär’ er gerad’ aus dem Nest geflogen

er reibt sich die nachtmüden Augen
er streckt seine frostkühlen Glieder
er prüft ob sie zum Tage schon taugen
und schüttelt sein helles Gefieder

er schüttelt das letzte Mondlicht heraus
und der Sterne restlich Gefunkel
er langt sich der Sonne Strahlen zum Schmaus
verjagt damit das nächtliche Dunkel

zieht sich flugs neue Stiefelchen an
die mit den blank gewienerten Schäften
marschiert mit riesigen Schritten sodann
und morgendlich frischen Kräften

am Tageshimmel so quer übers Land
und stetig dem Abend entgegen
bis er am westlichen Himmelsrand
wiede
r der Nacht dann erlegen

© ee