Ein kurzes Verhalten…

Ein kurzes Verhalten der flüchtig’ Gedanken
Hand greift nach Schatten der gar nicht mehr da
Die Seele gerät in schlingerndes Schwanken
Sie schlägt Kapriolen – macht Kopfstand sogar

Die Augen schleiert ein blitzender Nebel
Die Ohren trübt ein singender Ton
Die Stimme stummt ein drückender Knebel
Gefühle werden Bilder – die kennt man lang schon

Da hilft nur ein kräftiges heftiges Rucken
Da hilft nur ein schütteln des eigenen Ich
Nach einem kurzen schmerzhaften Zucken
Erkennst du das Leben und fühlst endlich dich.


©ee

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Wahrheit

Wenn die Wahrheit mit Schleiern behangen
und ihre Konturen versteckt,
dann ist die Klarheit im Nebel gefangen,
und das Leben im Dunste verreckt.

Wenn die Wahrheit erfährt nicht die Ehre,
die höher gewichtet als der Lüge Gebein –
wenn selbst der Gott’sdiener Heere
erliegen manch’ trügerisch Schein,

dann ist es um Welt wohl geschehen,
dann hilft auch kein Lutherkonvent –
weil selbst durch die Gott’shäuser wehen
die Schwaden von „Wahrheit
verpennt“.

Da mag man sich arg echauffieren,
wenn Wahrwelt nicht folget dem Schein –
da mag man das Tun insistieren,
und ändert doch nichts an dem Sein.

Selbst bischöflich wohlgesetzt’ Worte
von Gesten final unterstützt –
klingen wie aus der Retorte
die am Ende dann keinem genützt.

©ee