Mein Freund . . .

Mein Freund . . .

Als ich ein kleiner Junge war
da hatt’ ich einen Freund.
Wir brauchten nicht zu reden –
verstanden uns auch so.

Wenn ich einmal ein Stück verzagt,
weil irgendwas daneben –
ein Blick in seine Augen,
und ich war wieder froh.

Die Schule war für ihn die Freude –
mir war sie nur ein täglich Muß.
Mittags war es aus mit lustig –
wenn die Glocke sang den Schluß.

Ich – ich lief vergnügt nach Haus
er ging einfach heim.
Ich spürte wie betrübt er war,
daß ihn sein Vater haute –

nur weil er einen Schritt vom Weg
heimlich mal zum Nachbarn schaute.
Die Mutter wagte nicht zu mucken –
der Schnaps machte den Vater stark,

versprach ihm alle Freude –
wenn er ihm nur zu Füßen lag.

Dann – eines Tag’s – im frühen Sommer –
ein Platz blieb leer im Klassenraum –
der Vater hatte zugeschlagen –
des Freundes Leben – aus der Traum.

© ee