Promille….

Promille …

Ein fließender Schatten
auf der Bank unter der Linde,
kaum ist er zu sehen
im schwindenden Licht.

Die seidigen Haare
umspielen im Winde
ein von Kummer und Leid
geprägtes Gesicht.

Das Liebste im Leben
wurd’ ihr genommen,
der Frau mit den glanzlosen Augen –
sie fragt immer wieder,
wozu soll ich noch taugen,
denn ihr Kind ist nicht mehr
von der Schul’ heimgekommen.

Ein Mann im Herbst seines Leben
hat es mit dem Auto erfasst.
Er hatt’ eine Feier gegeben –
weil an dem Tag er endlich befreit
von der beruflichen Last.

Vier Bierchen und drei kleine Körnchen
hatte er mit Kollegen getrunken,
zum Abschied ein Schnittchen
und ein süßes Hörnchen –
man hatte ihm fröhlich noch nachgewunken.

Es sollt’ eine Fahrt in die Freiheit sein.
Er hatte schon ganz klare Bilder
von seinem künftigen Leben –
doch plötzlich war da ein Schulmädchen, klein,
wollt’ eiligst nach Hause zustreben.

Es hatte vertraut auf die Schilder,
die Schilder am Wege
die er nicht gesehen, im Alkoholnebel,
und fuhr g’rad in das Kindlein hinein.

©ee

Ewald Eden.