Sprache.

Sprache.

Sprache soll wie Liedes Töne
Ohr und Sinn von Mensch erfreu’n –
soll wie die Sonne alles Schöne
über Sinn und Sein verstreu’n.

Sprach’ soll fliessen wie ein Wasser
bevor es groß und mächtig schwillt –
selbst wenn Worte einmal krasser
lass’ sie nicht unbändig wild.

© ee

ewaldeden

Das besondere Gedicht.

Bedenk es

Ein Mensch schrieb Verse – o wie schön!

Das sollten viele Leute sehn.

Wie freut’ es ihn von Herzensgrund,

wenn jemand auftat seinen Mund,

und Lobeswort’ ihm brachte dar. –

Gerührt fuhr er sich über’s Haar.

Doch fand er selten gute Worte

für Tante Minnas Apfeltorte,

für Emmas Lieder, Gustavs Schaffen.

Das war’n doch nichts als stumpfe Waffen!

Was richteten denn die schon aus?

Drum schwieg er still – wie eine Maus.

Bis eines Tag’s – es war infam –.

niemand hört’ seinen Vers mehr an. –

Das hat ihm gar nicht gut getan.

Und die Moral von der Geschicht‘:

Wenn Du mal selber stehst im Licht,

vergiss doch auch die andern nicht.

Es ist ihr Wort, ihr Lob, ihr Singen,

die Dein Werk recht zum Strahlen bringen.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

GE