Die See …

Die See …

Schaue der See in ihr rauhes Gesicht
wenn der Nordweststurm sie in Zorn gebracht
sieh’ hoch auf den Kämmen der Wellen die Gischt
wenn Meeresgott Neptun sie wütend gemacht

höre sie toben – höre sie krachen
höre das Heulen des Windes
es klingt wie Teufels schauriges Lachen
oder wie weinen eines ängstlichen Kindes

wenn die Wogen stürzen ins Tal sich hinab
und unter sich alles vernichten
dann ist es so vieler Seemänner Grab
von denen die Menschen berichten

schaue der See in ihr lieblich’ Gesicht
wenn Südwinde machen sie schweigen
kein Wellenschlag die Stille hier bricht
kein Wind macht den Strandhafer neigen

kein Blau ist dann blauer
kein Spiegel so weit
am endlosen Himmel ein Seevogel schreit

die blinkenden Watten
der schneeweiße Strand
der lichtvolle Schatten am Dünenrand

schau in der See ihr eisig Gesicht
wenn Ostwinde machen sie starren
wenn in des Winters frostklarem Licht
die Schiffe im Eise knarren

wenn Schnee weht über sich türmende Schollen
den der Sturm über die Fläche hin treibt
wenn des Eisbrechers stampfen wie fernes Grollen
unter den Wolken hängen bleibt

wenn du das alles nur einmal geschaut
dann hat es dich zu fassen

egal ob es stürmt, ob es friert oder taut
du kannst von der See nicht mehr lassen.

©ee

ewald©eden