Des Morgens Worte ….

Des Morgens Worte ….

Des Morgens Worte wehen leise
durch den Rest der Nacht dahin –
klingen wie altbekannte Weise,
wecken Erinnern tief im Sinn.

Erinnern an verträumte Auen –
Erinnern an sanftplätschernd’ Quell’ –
dass kann Mensch schon nicht mehr schauen,
selbst tiefe Nacht ist leuchtendgrell.

Des Morgens Flüstern macht uns hoffen,
dass Mensch besinnt sich der Natur –
nur so ist Zukunft für uns offen
und tilgt der Menschen schlechte Spur.

© ee

Wahrheit ….

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Wahrheit ….

P reis der Klarheit ist die Wahrheit,
das ist aber ‘ne knappe Währung –
weil, beliebter in der Welt
ist doch vieler Arten Geld.

Ob es schmutzig oder blutig,
ob es reingewaschen ist –
ob es ist der Lohn für mutig
oder der Preis für Hinterlist.

Ob es des Rauschgifts Goldsalär,
das füllet vieler Dealer Säcke –
oder vieler Waffen mehr,
die stärken Völker Mörders Fräcke.

Man nimmt es weil man machtbesessen,
und jedes Maß verloren hat –
von Geldes Gier total zerfressen,
lechzt Mensch nach mehr, als Nimmersatt.

© ee

Wanderer…

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Wanderer, es gibt nicht Weg
noch Stock noch Stein –
es gibt nur Sein.

Wanderer, es gibt nicht Erde,
es gibt nur Steg
der Ziel dann werde.

Geh’ nur hinüber – find’ das Leben,
das dir vom Schöpfer ward gegeben.
Tritt nur nicht fehl bevor’s erreicht,
sonst bist du schnell vom Tod gebleicht.

Liegst als Geripp’ an Weges Rand
mit gespenstisch’ knöchern’ Hand –
die nicht mehr greift, die nicht mehr packt,
weil gebleicht’ Gerippe nichts mehr zwackt.

© ee

 

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Wirbel um den Wasserturm.

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Wirbel um den Wasserturm

Ich hatte unseren Nachbarn Barbara und Dieter beim abendlichen Klönschnack von dem beabsichtigten Treiben im Wasserturm an der Gökerstrasse erzählt. Zuvor mußte ich den jungen Leuten aber erst einmal erklären, wo sie den genannten Turm finden, und was es mit diesem Bauwerk in der ehemaligen Werftumfassungsmauer für eine Bewandtnis hat. Sie wußten nämlich nicht, daß es einen solchen Turm in italienischem Baustil im Wilhelmshavener Stadtgebiet gibt. Dieses Nichtwissen kann man den beiden aber verzeihen, denn sie waren erst vor zwei Jahren mit ihren damals dreijährigen Zwillingen in Wilhelmshaven zugezogen. Opa A. und Opa B. stammten beide von hier, und einer dieser Großväter hatte ihnen nach seinem Ableben in Schlicktau, fernab ihrer eigenen Geburtsstadt, ein kleines Anwesen mit einem alten Häuschen drauf vermacht. Diese Eigenschaft von Großeltern, manchmal etwas an Enkel vererben zu können, wird ja allgemein geschätzt.

Um nun kein falsches Bild entstehen zu lassen – Babs und Dieter hatten den Großvater auch vorher schon gemocht.

In den vergangen zwei Jahren war ihnen aber nur wenig Zeit geblieben, die Stadt und ihre baulichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten und Schätze zu erkunden. Dieters Tage waren bisher gefüllt mit renovieren und mit Brötchen verdienen, um sich das Renovieren auch leisten zu können. Babs hatte in der Zwischenzeit genug damit zu tun, das Größer werden ihrer beiden kleinen Stöpsel in die richtige Richtung zu lenken.

Nun waren Barbara und Dieter aber aus dem Gröbsten heraus – das Haus konnte sich schon blicken lassen, und die Zwillinge wußten auch schon wo es langging.

Den Anfang unserer Unterhaltung hatten die kleinen Racker am Abend noch mitbekommen, bevor die Mama ihnen Bettruhe verordnete. Die beiden haben ihren vorzeitigen Abgang ganz sicher bedauert – das Thema Wasserturm und bauen hatte offensichtlich ihr Interesse und ihren Tatendrang geweckt, denn am nächsten Vormittag schleppten die Zwei eimerweise Wasser aus der Waschküche in den Hof, und entleerten sie immer an derselben Stelle.

Auf meine neugierige Frage nach dem Sinn ihrer Aktion kam es wie aus der Pistole geschossen, und wie aus einem Munde zurück: Wir wollen hier auch einen italienischen Wasserturm bauen.

 © ee

Ewald Eden

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Einfaches Glück …

Rose

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Einfaches Glück …

D ie Luft ist ein einziger lieblicher Hauch,
jeder Atemzug ist süßes Geben.
Jeder Augenschlag ist wie blühender Strauch,
er schenkt dir ein Wissen um Leben.

Ein Wissen um Leben der lieblichsten Art,
ein Wissen um Leben in Güte –
es ist dir, als hättest du um dich geschart
des Lebens berauschende Blüte.

Das Licht ist ein einziger strahlender Raum,
ein strahlender Raum in der Weite –
das Licht ist die Frucht am blühenden Baum,
ich wünsch’ daß es dich ewig begleite.

Das Fühlen ist süßer traulicher Schmerz,
das Fühlen des Ich in dem Ander’n –
das fühlen ist stürmisch klopfendes Herz,
wenn du es fühlst, dann lasse es wandern.

© ee

Der Silbermond …

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Der Silbermond …

Du dicker runder Silbermond ,
da in der tiefen schwarzen Bläue –
sag’ uns, was Dir innewohnt,
mach schlau uns in der Menschseinschläue.

Der Mann im Mond, so denken wir
mit uns’rem winzig’ Menschverstand,
hat keine Last mit Querverkehr,
dieweil es unbewohnt, sein Land.

Dabei haben wir man grade Ahnung
von einem Pünktchen aller Wahrheit –
von Tidenhub und Insellahnung,
bis hin zur Stein- und Eiseszeit.

Wir wissen um unsere Verdauung
und wie man Bomben baut und mehr –
dabei ist Menschens Weltanschauung
ein Furz – und der sitzt auch noch quer.

Du wirst jetzt deine Nase krausen,
du lieber bleicher Mondesmann
und sagen, lasst ihn einfach sausen –
im Weltall stört sich niemand dran.

© ee

Foto von Herrn Horst Dauth

dankeschön

Keine Frage …

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Keine Frage …

D as Heute ist ein Unikat
das ist gar keine Frage
doch wer das Gestern vergißt
und das Morgen anzweifelt
der drüselt nur so durch die Tage

er redet bloß Mist
und hat bald nur noch Salat
denn im Gestern wurde der Samen gelegt
für das heutige Wachsen
und das morgige Blühen

wer nämlich nicht
sein Denken bewegt
dem fällt das Sein auf die Haxen
so daß ihm beim laufen
die Gefühle verglühen

nach kurzer Zeit
ist er nur noch Gerippe
auf dem der Wind ein Totenlied pfeift
riskiert als Skelett noch ’ne große Lippe
selbst wenn man ihn schon zur Grabstelle schleift.

© ee