Spazierfahrt in`s Tagesglück.

Spazierfahrt in`s Tagesglück.

Wogende Wiesenhalme, die schüchternen Blütenköpfe in den Himmel gesteckt, im Tagesgold dengelt ein Mann, blitzt silbern die Sense, tanzen ahnungslos zwei blaue Schmetterlinge bis es zischt und ein Marienkäfer unbemerkt auf erdbraunen Schuhen landet, Halm um Halm fällt, stoppelig der Boden, lang die Arme weit ausgestreckt dann wieder angewinkelt, den Rücken gekrümmt, Strich um Strich, Fleißbilder in die Luft gehängt, den Schweiß auf der Stirn und eine fröhliche Melodie auf den Lippen, das nun der Wald den Heuduft einfängt und das Peitschen der Hiebe, auch das fliehende Lied auf den Lippen des Bauern bei dem Gedanken eines vollen Schobers und sie weiter fährt unbemerkt,

den rollenden Kinderwagen mit klapperbunten Holzspielzeug über den Kiesweg schiebt und der Specht klopft aus dem Grün im Takt beständig,

wie sie nun gluckst vor Vergnügen, die Kleine. © Chr.v.M.

Auf der “ Es wird wieder Schiene “

Auf der “ Es wird wieder Schiene “

versuche ich mich an
neunundvierzig Cent Luftbrötchen,
knalle mir die Nachrichten
aus aller Welt endlich rein,

finde den schlafenden Bäcker
und streiche ihm
Butter und und Honig
auf den Bauch

Huste ihm was und schwöre

Luftschlösser
nur noch
in Fieberträumen
zu bauen.

© Chr.v.M.

Pfefferminzatem

Morgens noch Pfefferminzatem
Über dem Zaum
reitet der Neubeginn.
Tagfrische sprüht Arbeitsfunken.

Unter dem Schmalspurtraktor
quillt das Süß der Trauben,
wirbelt den Mittag
schweißttreibend auf,

hängt die Staubfahne klebrig
im Nachmittagsglück,
bis zum weinroten Abend
am Wirtshaustisch
sich sinnlose Debatten zerschlagen
dann ein Torkeln.

Zugeklappt die Bordsteine
zwischen der Dorfidylle
schwimmen sie wieder
in der Mondschale,

die Sterne der Nacht,
vor Freude trunken
bis zum Morgen.

© Chr.v.M.