Morgenfrisch.

Wildenten tauchen
zwischen den Wellen sichtbar
im Schnabel ein Fisch.

© Chr.v.M.

Die Mutprobe oder etwas anderes.

Die Mutprobe oder etwas anderes.

Er hatte breite Schultern. Er war der Stärkste. Der Größte. Der Klügste und mein bester Freund.

„Was siehst du?”, flüsterte er von unten hoch. Ich klammerte mich am Fenstersims fest.
Krampfhaft bemüht nicht ab zu stürzen und mein Kinn zwischen die Geranientöpfe geklemmt.
„Halt ruhig, sonst sehe ich nichts!”. „Mensch bist du schwer!“, kam es wieder von unten.
Also lies ich mich langsam herunter gleiten.

„Oma Lore hat die Küchenschürze über den Stuhl gehängt und ist in den Nebenraum gegangen.
Das Licht ist aus”. Tom drehte sich zu mir um und klopfte sich den Staub von der Schulter ab.
„Dann nichts wie rein in die gute Stube !”
Er grinste: „Du traust dich doch, oder?” „Klar!”, sagte ich. „Sollte ich zugeben, dass ich Muffensausen hatte?

Sie ist nun weg, lass uns noch…“ Doch er war schon an der Tür, öffnete einen Spalt und war im Küchenvorraum verschwunden.
„Hey, warte doch!” Ich drängte mich schleunigst in das Dunkel, warf dabei einen Stuhl um, dass es nur so polterte.
Mir blieb das Herz stehen.

Das Licht ging an und Oma Lore erschien wie ein Donnerbote.
„Was treibt ihr denn hier im Dunkeln? Wollt ihr kein Licht machen?

Ich sah zu meinem Freund. Er hatte schon das gesamte Kuchenblech unter dem Arm.
In Omis Gesicht wurden die Falten  tiefer.
Jetzt wird sie bestimmt…!

Doch sie schmunzelte nur: „Ihr habt Hunger?
Der Kuchen ist aber noch nicht kalt. Er muss noch eine Weile abkühlen“
Meinen Freund mit ihrem Kuchenblech übersah sie wohlweislich.
„Hier!”  Sie reichte mir zwei rotbackigen Äpfel.
„Setzt euch dorthin und wartet noch ein wenig. Ich schlag schon mal Sahne.”Sie drehte sich um und verschwand in die Küche. Verdutzt stellte Tom das Blech wieder ab und ich reichte ihm den zweiten Apfel.
„So geht es auch”.

Ich sinnierte: Über Großmutters großes Herz, während ich in den Apfel biss.
Dass es hier im Küchenvorraum so herrlich nach Zimt duftete.
Über das Zuhause und die Ehrlichkeit und auch über
meinen Freund:

der klein, mit schmalen Schultern zusammengesunken auf dem Hocker saß und sprachlos verlegen kaute … © Chr.v.M.

Spazierfahrt in`s Tagesglück.

Spazierfahrt in`s Tagesglück.

Wogende Wiesenhalme, die schüchternen Blütenköpfe in den Himmel gesteckt, im Tagesgold dengelt ein Mann, blitzt silbern die Sense, tanzen ahnungslos zwei blaue Schmetterlinge bis es zischt und ein Marienkäfer unbemerkt auf erdbraunen Schuhen landet, Halm um Halm fällt, stoppelig der Boden, lang die Arme weit ausgestreckt dann wieder angewinkelt, den Rücken gekrümmt, Strich um Strich, Fleißbilder in die Luft gehängt, den Schweiß auf der Stirn und eine fröhliche Melodie auf den Lippen, das nun der Wald den Heuduft einfängt und das Peitschen der Hiebe, auch das fliehende Lied auf den Lippen des Bauern bei dem Gedanken eines vollen Schobers und sie weiter fährt unbemerkt,

den rollenden Kinderwagen mit klapperbunten Holzspielzeug über den Kiesweg schiebt und der Specht klopft aus dem Grün im Takt beständig,

wie sie nun gluckst vor Vergnügen, die Kleine. © Chr.v.M.

Auf der “ Es wird wieder Schiene “

Auf der “ Es wird wieder Schiene “

versuche ich mich an
neunundvierzig Cent Luftbrötchen,
knalle mir die Nachrichten
aus aller Welt endlich rein,

finde den schlafenden Bäcker
und streiche ihm
Butter und und Honig
auf den Bauch

Huste ihm was und schwöre

Luftschlösser
nur noch
in Fieberträumen
zu bauen.

© Chr.v.M.