Eine Galerie der besonderen Art . . .

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Eine Galerie der besonderen Art . . .

Verläßt man den Kirchplatz in Jever über die St. Annen Strasse, muß man nach gut fünfzig Metern unweigerlich den Schritt verhalten. Selbst die flüchtigsten Augen können nicht anders. Eine Galerie schaut man – eine Galerie der besonderen Art. In einem Haus aus der Mitte des vergangenen Jahrtausends wirkt eine Malerin. Kaum eingetreten, ist man von den Seelen gefangen – der Seele des Hauses und der Seele von Bärbel Niemann. Gefragt, warum sie sich gerade in Jever niedergelassen hat, fangen ihre Augen hintergründig an zu leuchten. Liebe auf den ersten Blick hat es bewirkt – nein, nein – lacht sie, kein Mannsbild war der Anlaß – in die Stadt habe sie sich auf das erste Sehen verliebt.

Das Besondere an der Galerie wird dem Besucher dann ganz schnell bewußt – Bärbel Niemann präsentiert sich selbst – eine Malerin der alten Schule mit ständig neuen Ideen. Wer an ihren Malkursen teilnimmt, ist unweigerlich für den Rest seines Lebens Pinsel und Farbe verfallen – und wer nur kommt, um einmal zu schauen – der schaut immer wieder.

Also – Vorsicht! Wer nicht der Faszination des Tuns von Bärbel Niemann erliegen will – der muß um die Galerie in der St. Annen Strasse einen weiten Bogen machen.

Verpasst hat er dann allemal etwas.©ee

und viel mehr …

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Zoofachgeschäft

und viel mehr …

Ein Thema im Kreis meiner befreundeten Tierschützer war der Anstoß, mich einmal im Fachhandel ein wenig umzuschauen. Verwirrende Vielfalt im Sortiment – das war mein erster Eindruck. Wer, fragte ich mich, soll sich da zurechtfinden. Welches Frauchen von Mietze, welches Herrchen von Bello hat den Sachverstand, das alles zu sortieren, zu bewerten, und dann die für sie oder ihn die richtige Wahl zu treffen.

Natürlich die Verkäufer – oder Fachberater, wie es heute heißt.

Nach dem zehnten oder elften Schnuppergespräch kam ich mir vor, als wenn mein Hörgehirn sich in spanischen Reitern an irgendeiner Frontlinie verstrickt hätte. Ein schier unentwirrbares Knäuel von Informationen drehte sich in meinem Kopf. Ich war soweit, meine imaginären Kois mit Hundefutter zu versorgen, und dem Wellensittich getrocknete Büffelhaut anzubieten. Auf zehn stets gleich lautende Fragen bekam ich – grob geschätzt fünf Neckermannkataloge voll – verschiedene Antworten. Aufgeben wollte ich schon – ganz einfach die Segel streichen, auf meiner Suche nach dem richtigen Hafen für meine Arche Noah.

Doch plötzlich schwamm mein Schiff in ruhiger See – ein Lotse war an Bord gekommen. Er führte mich mit Kompetenz und sicherer Hand an einen geschützten Liegeplatz. Abseits der großen Heerstrassen und fern allen Trubels – am Schortenser Mühlen- Ecke Kreuzweg fand ich ein Paradies für Tiere und Tierfreunde. Gut sortiert und reich bestückt die Geschäftsräume. Ebenso gut sortiert und reich bestückt, in Wissen und Auskunftsbereitschaft, der Mensch inmitten dieser Welt. Auf jede Frage von mir kam von Tobias Saathoff eine klare, verständliche Antwort. Der angehende Tierheilpraktiker gab ein gutes Bild ab. Ich hatte für die Brötchen, die ich mir wünschte, einen Bäcker gefunden. Neben einem Sack voll handfester Informationen nahm ich noch ein sehr gutes, und angenehmes Gefühl mit nach Hause:

In diesem Zoofachgeschäft kostet nicht jedes Wort gleich einen Taler.

©ee

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Ein Stück Seele am Kirchplatz . . .

Ein Stück Seele am Kirchplatz .

Wenn man sich den jeverschen Kirchplatz als Bummelziel auserkoren hat – zum kaufen oder einfach so zum gucken – kommt man einfach nicht an einem kleinen Schaufenster vorbei. Selbst Rückwärtsläufer werden magisch von diesem Viereck angezogen. Was haben diese acht Quadratmeter verglaster Hausfront, was andere in der Reihe nicht haben? Wenn man denn davorsteht, sieht man es – ein Schritt in den „Laden“ hinein und man fühlt es – in der Werkstatt von Sina Christine Jostes bekommen Seelen ein Gesicht.

Entweder ein neues – oder ihr altes zurück. Unter den Händen der kunsthandwerklichen Buchbinderin mit den ostfriesischen Wurzeln und dem unnachahmlichen Schweizer Dialekt entstehen Dinge, die das Gesicht derjenigen Menschen widerspiegeln, die sie in Auftrag gegeben haben. Doch nicht nur das – sie macht auch Gedanken und Gefühle längst dahingegangener Schreiber oder Schreiberinnen wieder gegenwärtig –

mögen sie auf ihrem Weg durch die Zeit auch noch so sehr gelitten haben. Restaurierung kostbarer Buchedelsteine ist ihr Spezialgebiet –

sie vorzeigewürdig neu einzukleiden ist ihr stetes Bemühen. Sina Christine Jostes – ein weiblicher Christian Dior der Buchbindekunst

hat mal ein begeisterter französischer Kunde gesagt, als er eine vorher völlig zerfledderte Bibel – ein Erbstück seiner Urahnen – von ihr zurückbekam.

Einzig die Unnahbarkeit großer Geister sucht man bei ihr vergebens –

wann und wo auch immer – Sina Christine Jostes hat für jeden ein offenes Ohr.©ee

Antik-Haus Jever

Antik-Haus Jever

Der Hof von Oldenburg in der jeverschen Stadtmitte – gegenüber des alten Marktes, an der Zufahrt zum Wahrzeichen der Marienstadt, dem wunderschönen Häuptlingsschloss des Fräulein Maria – ist für sich schon eine Sehenswürdigkeit.

Ans Schlosscafe und Hofkonditorei schließt sich nahtlos das Antik-Haus an. Ein Ensemble – wie geschaffen für Augen, die das Besondere lieben. Ebenso wie man bei den Köstlichkeiten der Hofgastro-nomie verweilen muß – genauso wenig kann man am Eingang des Antikhauses vorübergehen.

Die Schönheiten im Innern würden auf jeder Messe einen Preis erringen. Die Ausstattung der Geschäftsräume gleicht dem Inhalt einer riesigen Schatztruhe. Man spürt draußen schon den Sach-verstand und die liebende Hand von Kennern der Materie. Ein Schritt hinein – und der Besucher muß erst einmal innehalten – muß sich die Atmosphäre vergegenwärtigen. Manch einer mag bei den Schlägen einer alten Uhr – oder beim Leuchten einer schmuckvollen Lampe Bilder vom Wohnen seiner Vorfahren in sich fühlen – und vielleicht auch die neue, die nüchterne Zeit mit etwas anderem Empfinden betrachten.

Das Interieur beschränkt sich aber beileibe nicht bloß auf den Bereich des „feinen Wohnens“ – das heißt auf die Einrichtung der guten Stuben – nein, auch aus dem Alltagsbereich wie Küche, Keller und Garten findet der neugierige Sucher liebevoll wiederhergerichtete Gegenstände. Bei einer Tasse Tee oder Kaffee wird keinem Kunden das Stöbern langweilig werden.

Schauen sie einfach mal rein ins Antik-Haus Jever unweit des Schlosses.©ee

Das Dreimädelhaus …

Das Dreimädelhaus …

Wer von den Menschen im Stadtnorden kennt sie nicht – die alte Gaststätte, im fast in Vergessenheit geratenen Ortsteil Hörn. An einer der ältesten Wilhelmshavener Strassen – der Möwenstrasse – gelegen.

Zu Kaiser Wilhelms Zeiten war es die Fortefikationsstrasse – der Verbindungsweg zwischen den Fortanlagen rings um den Marinestandort. Es war die wohl wichtigste Strasse in der Jadestadt, und den sie umgebenden Gemeinden.

Die Zeit, als auf dem Straßenschild noch „Mövenstrasse“ stand – die Zeit ist nicht zurückzuholen. Die Zeit, als sich die Eisenbahner vom gegenüberliegenden Bahnhof Hörn, morgens in aller Herrgottsfrühe, im Dreimädelhaus die klammen Finger, und die Nasen wärmten. Am berühmten „fünf Uhr Grog“ der Wirtin. Unvergessen auch die Zeiten, in denen Freitags die Männer aus dem Stadtnorden in Scharen in den Saal strömten. Der Saal war als Außenposten des Arbeitsamtes die Zahlstelle für das Stempelgeld – und die Gaststätte davor der Ort für rosa Wolkenträume vieler Väter.

Das alles wollen die jungen Wirtsleute, die das Dreimädelhaus seit kurzem wieder mit Leben erfüllen, ganz gewiß nicht zurückholen.

Die herzliche Gastfreundschaft vergangener Tage wieder lebendig zu machen – das haben sie sich zum Ziel gesetzt. Mit Ehrgeiz und Feuereifer gehen sie die Sache an. Das Dreimädelhaus soll wieder Treffpunkt für Jung und Alt werden. Veranstaltungen für jeden Geschmack, und für jeden Geldbeutel – mag er noch so schmal sein – stehen auf dem Programm.

Geselliges miteinander bei Musik und Tanz bilden die solide Grundlage.

Das Dornröschen des Stadtnordens ist aus dem Schlaf erwacht.

Ich wünsche ihm ein langes und munteres Leben.

©ee

Heilsbringer . . .???

Mir ist schlecht – ganz schlicht und einfach übel zumute. Die Worte, die aus mir herauskommen, haben Angst, daß man ihnen das Elend ansieht, über das sie berichten sollen. Mein Weg führte mich wieder einmal durch die Randgebiete der Gemeinde Sande.

Auf einem ehemaligen Bauernhof, nahe des Sander See, hat sich ein Verein häuslich eingerichtet. Ein Verein der Hilfe verspricht – Hilfe bei der Suche nach dem Sinn des Lebens. Inmitten der Natur – wie es im Prospekt heißt – bietet man dort vielfältige Möglichkeiten zur „Entfaltung und Erholung“ – die „Licht- und Friedensarbeit für Mensch und Umwelt“ unterstützend. Mir schlug jedoch bei meinem Gang über das Gelände ein Empfinden von verbrannter Erde entgegen. Eingangs begrüßte meine Sinne ein sterbender Flieder. Ich hab’ ihn nur trösten können – helfen konnte ich ihm nicht mehr. Die Spritzmittel, mit der irgendjemand das Erdreich verseuchte, zerstörten seinen Lebenswillen. Kein Vogel, der mit seinem Gesang das Ohr erfreute, war zu hören – kein Schmetterling, der im flüchtigen Flug den Augen schmeichelte, war zu sehen. Die lange Allee zum Kernstück des Ganzen – dem Seminarhaus – säumt

vernichtete Natur. Ich habe in den letzten Jahren selten so viele Pflanzen weinen sehen – ich habe selten so viel Kleingetier seine vergiftete Lebensgrundlage beklagen hören. Höllenbilder von entlaubten Wäldern, aus den Zeiten des Vietnamkrieges, wischten durch mein Bewußtsein. Die Besucher sah mein Inneres Auge, in Schutzanzüge gekleidet, nach der Quelle des Lichts suchen, die zu finden ihnen im Prospekt versprochen war.

Auf der großen Wiese im Zentrum – auf der sich eigentlich Feen und Gnome tummeln sollen – schienen mir die langen, verkrümmten Blütenstände des Löwenzahns wie die verbrannten Gliedmaßen unschuldiger Opfer eines Wahnsinnsangriffs. Der Regenbogen hatte seine Farben verloren. Vergebens hielt ich nach Kräutern Ausschau. Ich war erstaunt, beim Verlassen des Ortes der Erleuchtung, keine Schleuse vorzufinden, in der man mich von den Giften befreite, die ich ohne Zweifel an den Schuhen hatte. Ich kann den Pächtern dieser „Oase“ nur noch empfehlen, wenigstens Hinweisschilder aufzustellen, auf denen die Besucher vor dem verlassen der befestigten Wege gewarnt werden. Für die sprachlosen Mitgeschöpfe käme diese Warnung dann allerdings zu spät.©ee

Die Mutprobe oder etwas anderes.

Die Mutprobe oder etwas anderes.

Er hatte breite Schultern. Er war der Stärkste. Der Größte. Der Klügste und mein bester Freund.

„Was siehst du?”, flüsterte er von unten hoch. Ich klammerte mich am Fenstersims fest.
Krampfhaft bemüht nicht ab zu stürzen und mein Kinn zwischen die Geranientöpfe geklemmt.
„Halt ruhig, sonst sehe ich nichts!”. „Mensch bist du schwer!“, kam es wieder von unten.
Also lies ich mich langsam herunter gleiten.

„Oma Lore hat die Küchenschürze über den Stuhl gehängt und ist in den Nebenraum gegangen.
Das Licht ist aus”. Tom drehte sich zu mir um und klopfte sich den Staub von der Schulter ab.
„Dann nichts wie rein in die gute Stube !”
Er grinste: „Du traust dich doch, oder?” „Klar!”, sagte ich. „Sollte ich zugeben, dass ich Muffensausen hatte?

Sie ist nun weg, lass uns noch…“ Doch er war schon an der Tür, öffnete einen Spalt und war im Küchenvorraum verschwunden.
„Hey, warte doch!” Ich drängte mich schleunigst in das Dunkel, warf dabei einen Stuhl um, dass es nur so polterte.
Mir blieb das Herz stehen.

Das Licht ging an und Oma Lore erschien wie ein Donnerbote.
„Was treibt ihr denn hier im Dunkeln? Wollt ihr kein Licht machen?

Ich sah zu meinem Freund. Er hatte schon das gesamte Kuchenblech unter dem Arm.
In Omis Gesicht wurden die Falten  tiefer.
Jetzt wird sie bestimmt…!

Doch sie schmunzelte nur: „Ihr habt Hunger?
Der Kuchen ist aber noch nicht kalt. Er muss noch eine Weile abkühlen“
Meinen Freund mit ihrem Kuchenblech übersah sie wohlweislich.
„Hier!”  Sie reichte mir zwei rotbackigen Äpfel.
„Setzt euch dorthin und wartet noch ein wenig. Ich schlag schon mal Sahne.”Sie drehte sich um und verschwand in die Küche. Verdutzt stellte Tom das Blech wieder ab und ich reichte ihm den zweiten Apfel.
„So geht es auch”.

Ich sinnierte: Über Großmutters großes Herz, während ich in den Apfel biss.
Dass es hier im Küchenvorraum so herrlich nach Zimt duftete.
Über das Zuhause und die Ehrlichkeit und auch über
meinen Freund:

der klein, mit schmalen Schultern zusammengesunken auf dem Hocker saß und sprachlos verlegen kaute … © Chr.v.M.

das Problem mit der Aussprache …

Ein Hin und Her zwischen Jannes und seiner Oma –
oder das Problem mit der Aussprache …

G ottseidank hat Jannes seine Oma noch. Die Oma die ist aus seiner Zehnjahressicht wohl schon ganz schön alt, aber sie ist noch so was von plietsch – und das besonders, wenn sie ihm wieder einmal gegen seinen altmodisch strengen Papa zur Seite steht, wenn der mal wieder sagt, dass früher, zu seiner Zeit, doch alles gaaanz anders gewesen sei. Denn guckt Jannes seine Oma nur immer mit einem Blick an, in dem ganz groß die Aufforderung zu lesen ist: Omaaaaaaa … nun sag Du doch mal was – DUUU als seine Mama, Duuuu bist doch schließlich dabeigewesen! Komischerweise kann seine Oma denn auch in ihrem eigenen Gesicht lesen – gerade so, als würde sie vor einem Spiegel stehen … und denn MUSS sie einfach die Sicht von Jannes Papa, die manchmal wirklich ein büschen verbogen ist, wieder ein wenig geraderücken.

Genauso deutlich wie Jannes Oma in solchen Momenten in ihrem Gesicht lesen kann, genauso so deutlich liest sie Jannes oft vor. Seine Oma Plüsch, die kann das Vorlesen aber auch … Sogar in Jannes Schule traut sie sich Geschichten vorzulesen – sie sagt, sie kommt sich dann immer so vor wie in den Jahren, in denen sie auf der großen Theaterbühne mucksmäuschenstill in der Muschel hockte und flüsternd den Schauspielern vor ihr auf der Bühne über ihre Hänger hinweghalf. Jannes seine Oma hatte nämlich ganz ganz viele Spielzeiten als Souffleuse am Schauspielhaus gearbeitet.

Jannes kann daher auch schon verdammt gut lesen. Sein Lehrer, der Herr Blindfisch – nun lacht nicht so, er heißt wirklich so – hatte das letzte Woche vor der ganzen Klasse gesagt. Oma Plüsch übt aber auch regelmäßig mit ihm. Die beiden machen denn ein richtiges Rollenspiel aus den Übungen.

Jannes Papa hat auf der großen Kopiermaschine in seinem Büro extra dafür ganz viele Geschichten vervielfältigt, so dass sie immer beide den gleichen Text vor sich haben, wenn Oma und Enkel in die Leseschlacht ziehen. Wie beim Fußballspielen – oder neeee … Oma Plüsch spielt ja kein Fußball – wie beim Schachspielen geht es dann meistens Unentschieden zwischen den beiden aus.

Nur manchmal macht Jannes sich einen Spaß und bringt Oma Plüsch beim vorlesen ins wackeln. Und zwar immer dann, wenn Oma beim vorlesen ihre Stirn kraust – dann weiß Jannes, dass gleich wieder etwas kommt, bei dem er eingreifen muß. Dann liest Oma Plüsch nämlich wieder „Neu Jork“ oder „Bubbelgum“ und wenn Jannes sie dann mit „aber Oma, das heißt doch „Nju York“ und „Babbelgam“ unterbricht, dann murmelt sie auch schon mal – für Jannes Ohren nicht bestimmt – was von „ach wat, dat olle Pitschginenglisch“ vor sich hin, um gleich darauf – wieder für seine Ohren bestimmt – korrekt weiter zu lesen. Jannes Freude darüber, seine Oma in Punkto Wörter lesen nun endlich schlau gemacht zu haben, sollte aber nicht von langer Dauer sein, denn jetzt geschah etwas, was Jannes sich die Haare raufen ließ –.

Oma Plüsch las ihm aus ihrem Tageblatt aus dem Bericht über die Neueröffnung einer Wurstbraterei den folgenden Satz vor:

In dem rollenden Imbiß am Kartoffelacker kann der hangreigi Kandi neben anderem auch leckere Hämbörger und knackige Fränkforter gegen den Hangir bekommen.

Jannes konnte nicht an sich halten – Omaaaaaaaaaa, da steht doch der hungrige Kunde und Hamburger und Frankfurter und Hunger geschrieben.

Kannst Du denn immer noch nicht richtig lesen …©ee 

zimmer 11

zimmer 11

Sie hetzen die zeit durch regennasse strassen, nur das rauschen
klebt an der türklinke von zimmer 11.

Hier atmen verlegen die stunden kippen in graublau
lichtbündel durch das hohe fenster, die sich tanzend
in stummen bücherregalen verfangen
bis sie ermüdend, breitbeinig – als schatten – auf meiner bettdecke landen.

Sie hatte diesen punkt geklebt unsichtbar haltbar.dort
wo der stukk als blütenrandrose in die decke sich einband um
kichernd sich in zarten wölbungen wieder aufzuwerfen. fast trotzig
dann in gelbgewunden. augenmüde beobachtung und harren , wortloses verstehen.

da saß sie bewegungslos erstarrt von meinem bestaunen.im unbeobachteten moment dieses zarte drehen einer schlittschuhläuferin – sekundenatmend .

Dann schleuderte sie wie ein band den seidigen faden hinter sich –

wölbte ihren bauch wie eine schwangere und tanzte auf dem dünnen seil


in atemloser schönheit.© Chr.v.M.

ein früher herbstmorgen

am morgen…

herbstmorgen

ein früher herbstmorgen müde noch im tagesahnen vor staunenden augenfenstern
bis ein rauschen über laubbaumwipfel fährt und der herbst mit goldenen fingern erste herbstschatten zaubert
auf purpurkronen zwischen aufgescheuchten äste wiegen sich junge birken standhaft in zartem grauweiß

nur das hell hinter den stämmen atmet schwach wie das schweigen und harren vor dem kommenden winter und dahinter wie ein spiegel liegt kühlblank der see mit der andächtigen morgenstille des beginnenden tages

dort klatscht ein trugbild ins wasser mit den himmelsbewegungen unsere sehnsucht gemalt auf wellen

© Chr.v.M.