Warum die Ostereier bunt sind . . .

Warum die Ostereier bunt sind . . .

Vor langer, langer Zeit – die Osterhasen hoppelten noch in Ritterrüstungen durch das Land, um den Kindern zu Ostern die Nester zu füllen – sahen die Eier noch alle gleich aus. Hühnereier konnte niemand so recht von Ostereiern unterscheiden. Den Unterschied konnte man nicht sehen – er war unter der Schale verborgen – Ostereier waren innen fest. Ganz oft passierte es darum, daß die Sonntagskleider, welche die Kinder Ostern immer anziehen mussten – Ostern war nämlich damals auch schon Sonntags – mit Eigelb vollgekleckert waren, weil die Kinder statt eines Ostereies ein Hühnerei aufgeschlagen hatten.

Wie das passieren konnte fragt ihr? Ganz einfach! Die Hühner vertauschten die Eier ab und zu. Die gefiederten Gesellen konnten auch damals schon über die seltsamsten Dinge lachen, und neugierig waren sie sowieso. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wer was anderes erzählt, der kennt die Hühner nicht. Aber noch eine Eigenschaft besaßen die Ur-ur-ur-ur-urgroßeltern der jetzigen Hühner: Sie waren neidisch – neidisch auf den Osterhasen. Der konnte gekochte Eier legen. Wenn auch nur zu Ostern – aber immerhin!

Sie rackerten sich das ganze Jahr – Tag für Tag – mit dem Eierlegen ab – wenn eine Henne fleißig war, legte sie sogar zwei Eier an einem Tag – und dann kam am höchsten Eierfeiertag der Welt so ein schlappohriger Hase dahergehoppelt, und stahl ihnen die Schau.

Nicht einmal richtige Federn konnte er vorweisen – aber gekochte Eier legen. Weil die Hühner den Osterhasen auf seinen Touren ständig mit ihren Eiern bewarfen, beschloss die Osterhasengewerkschaft auf einer großen Versammlung, ihren übers Land ziehenden Mitgliedern Ritterrüstungen anzuziehen.

Bloß – in diesen schweren Rüstungen kamen sie nicht so schnell vorwärts – und viele Osternester blieben leer.

Ich muß euch ja bestimmt nicht erzählen, wie traurig die Kinder waren, wenn sie nach mühevoller Suche leere Osternester fanden. Darum füllten die Mamas die leergebliebenen Nester mit Hühnereiern. Das war aber auch nicht die Lösung. Tja – und weil alle Mamas dieser Welt – das war damals auch schon so – an Ostern keine traurigen Kinder mit bekleckerten Sonntagskleidern haben wollten, setzten sie sich unter dem Osterbaum mit den Osterhasen zusammen. Was bei den Beratungen herausgekommen ist, kann man heute noch an jedem Osterfest bestaunen: Die neidischen Hühner konnten ihnen keinen Streich mehr spielen, weil sie von da an Ostern immer eingesperrt wurden, und damit auch wirklich niemand mehr die Eier verwechselte, legten die Osterhasen ab sofort bunte Eier.

©ee

Bild von David Mark auf Pixabay

Zwischenwelt . . .

Zwischenwelt . . .

Der Himmel um mich
wurde blasser ,

mich zog es –
ich weiß nicht warum –
ich mußte ans Wasser ,
mein Fühlen war krumm
.

Natur mußte mich
mit Natur erschlagen –
ich konnte den Alltag
nicht mehr ertragen .

Die Wellen der See –
sie nahmen mich fort –
sie trugen mich endlich
an den seligen Ort.

Die Farben des Himmels,
sie stimmten mich leise,
ich sah die Beschwernis
auf andere Weise.

Doch plötzlich
da zog ein Nebel davor,
und ich stand wieder kalt
in des Lebens Tor …

… ich für mein Teil
liebe nichts wohl so sehr
wie eine wildbewegt‘ See –
wie ein lebendes Meer.

© ee
ewaldeden

Natürlich Natur . . .

Natürlich Natur . . .

Bären und Wölfe
sind in PIPPI LANGSTRUMPFS Land
seit langen Jahren nicht mehr bekannt –
nun hat sich die Natur die Freiheit genommen
und Raubtiere sind von Norden gekommen.

Ein Schrei der Empörung aus menschlichen Kehlen –
erledigt die Biester – sie morden und stehlen.
Es ist den Menschen nicht offenbar
wie es von Anbeginn vorgeseh’n war.

Gott hat zwar verkündet – und da ist was dran –
macht euch die Erde untertan.
Doch wie dies gemeint das ist häufig vergessen –
der Mensch ist zu oft auf’s Alleinrecht versessen.

Für alle ist Platz auf dem Erdenrund
für Mensch Wolf und für Bär,
für Katze und Hund.
Und wenn einer dem andern mal Schmerzen zufügt
dann bitte nur so
daß er dem Naturtrieb genügt.

Der Wolf reißt sich Nahrung,
der Mensch möchte schrei’n –
doch des toten Wolf’s Partner bleibt auch allei
n.

Drum lebt miteinander –
akzeptiert wie ihr seid,
dann seid ihr von vielen Lasten befreit.

© ee

Vom Knirps zum Knaller …

Vom Knirps zum Knaller …

Lebensbilder

Mitte der 1900er Jahre. Die Stadt am Meer – ein Mix aus Kriegshafenhäuseranhängsel und drei alten bäuerlichen Gemeinden – eine Stadt, aus großen Vorstellungen und noch größeren Hoffnungen entstanden, krebst zum zweiten mal in ihrer noch jungen Geschichte auf der Talsohle des Überlebens herum. In intaktem Zustand bot sie dem Betrachter stets ein passables Bild. Kurioserweise war sie immer dann am attraktivsten, wenn ihre Ziehväter sich anschickten, die Welt um sie herum in Schutt und Asche zu legen.

Am Ende war sie dann jedesmal ähnlich kaputt wie die übrige Welt.

Getreu dem Motto: der Teufel frisst seine eigenen Kinder.

Und durch diese, aus dem letzten Loch pfeifende Stadt, radelt nun vergnügt ein kleiner Knirps auf seinem Dreirad. Vergnügt deshalb, weil er ja noch nichts anderes kennt. Seine Welt wird eingegrenzt vom Backfischtanzschuppen Nordseestation, von den Selbstversorgerkleingärten am Grodendeich, von der Übungsschießanlage für die Polizei und die neu erwachenden Marinestreitkräfte. Vater Staat braucht ja Männer, die beim Schießen auch treffen – wenn’s mal wieder knallt. Die Lücken zwischen diesen markanten Punkten schließen das Altenheim Karl-Hinrichs Stift, das Kriegsandenken Bunker an der Ecke der Sportanlage und – ja richtig, der Gottesacker an der Friedenstrasse. Onkel Hannes hat die Nähe vom Altenheim zum Friedhof einmal auf die ihm eigene Weise erklärt: „Well dor in d’ Heim dodblääven is, de brukt noa d’ Kaarkhoff nich mehr so wiet to lopen.“ ( Wer da im Heim totgeblieben ist, der braucht zum „Kirchhof“ nicht so weit zu laufen )

Der Friedhof war in dieser Zeit so ziemlich das einzige Stück geordnete Welt. Dieses Stück geordnete Welt zog den kleinen Knirps auf seinem Dreirad magisch an, dem Dreirad mit dem Korb hinter dem Sattel, in dem man so viele nützliche Dinge verstauen konnte, die man unterwegs fand. Nachdem der kleine Knirps auf seinem Dreirad der geordneten Welt Friedhof wieder einmal einen Besuch abgestattet hatte, war auch da plötzlich nichts mehr in Ordnung. Friedhofswärter, und Mitarbeiter der Verwaltung, flatterten in den nächsten Tagen wie Hühner ohne Köpfe durch die weitläufigen Gräberfelder. Onkel Hannes, der alte Seebär, hatte auch dafür gleich einen seiner Sprüche parat.

„Dat sücht ut, as wenn dor up d’ Kaarkhoff een de Stüürmann de Kompass wächnoahmen hett.“ (Das sieht aus, als wenn da auf dem Friedhof jemand dem Steuermann den Kompass weggenommen hat)

Wie dicht er doch dran war – der alte Seemann, mit seiner zuerst als abwegig belächelten Vermutung. Hatte der kleine Knirps mit dem Dreirad doch all die schönen, emaillierten Grabnummernschilder in seinem Korb gesammelt, und mit nach Hause genommen.

Papa und Onkel Hannes waren darüber hocherfreut – durften sie doch die Nummernschildchen in den folgenden Tagen alle wieder zurückstecken. Dadurch lernten die beiden in einer Woche soviel tote Leute kennen, wie sonst wohl kaum jemand Lebende in seinem ganzen Leben.

Der Knirps auf dem Dreirad fuhr indessen weiter munter durch das Viertel. „Schau immer nach vorn, und niemals zurück, mien Jung.“ Diese Devise hatte Onkel Hannes, der alte Seebär, ihm eingebleut.

Ein Schrebergarten in der nahen Grodenkolonie hatte es ihm schon seit längerem angetan – oder vielmehr der Schrebergärtner, der in diesem Garten das Regiment führte. Ganz gleich, zu welcher Tageszeit er seine Pflaumen, Äpfel und Birnen gegen Angriffe von außen auch verteidigte – immer thronte sein Haupthaar streng, und korrekt in der Mitte gescheitelt, zwischen seinen weit abstehenden Segelohren. Dagegen bot das frische grüne Laub des großen Wurzelbeetes, in der Mitte der Gemüsefläche, eher den Anblick einer Reihe krauser Negerköpfe mit grün gefärbten Haaren. Diese krause Unordnung hatte dem Gartenmann ganz sicher seine blinkende Halbglatze beschert. Da musste doch etwas geschehen. Und es geschah auch etwas. Eines schönen Sommermorgens lagen alle jungen Wurzelpflänzchen – jetzt mit plattem Grün – fein säuberlich aufgereiht eins rechts eins links – zu beiden Seiten der Pflanzrille. Aber wie es nun mal so ist im Leben – verkehrte Welt. Hilft man den Menschen nicht, sind sie wütend – hilft man ihnen, sind sie es auch. Jetzt lagen zwar die jungen Wurzeln alle platt, und streng gescheitelt, auf dem Acker – aber der Gärtner hatte sich die Haare gerauft, sodaß die jetzt um seinen Kopf herumstanden wie Negerkrause.

Da war der Knirps auf seinem Dreirad aber schon weitergezogen – weitergezogen zu neuen Taten in seiner kleinen Welt am Groden-deich.

Die kleine Welt am Grodendeich, in der auch Johannes lebte. Johannes – geprägt von seinem Zuhause, und gefangen in einer noch kleineren Welt innerhalb dieser kleinen Welt. Johannes Eltern befehligten als Generalissimo und Generalin das Altenheim auf dem Areal zwischen Göker-, Freiligrath- und Friedenstrasse. Als unbeschränkte Herrscher in ihrem Revier, und als unbeschränkte Herrscher über Johannes, der selbstredend auf seine Art davon profitierte. Da sei nur am Rande die komplette Eisenbahnanlage erwähnt, die Schlachter Th. auf Wunsch des Vaters für den weihnachtlichen Johannesgabentisch liefern musste, um auch im nächsten Jahr Fleisch und Wurst für die Altenheimküche liefern zu dürfen. Das Zimmer von Johannes konnte all die vielen schönen Spielsachen gar nicht mehr bergen, mit denen er überhäuft wurde.

Der Platz in ihm dagegen, der vom lieben Gott für Spielkameraden und Freunde reserviert war – auf diesem Platz herrschte gähnende Leere. Das bemerkten seine Eltern aber nicht. Sie waren viel zu sehr mit dem züchtigen und ruhigstellen der aufmüpfigen alten Leute in ihrer Aufbewahrungsanstalt beschäftigt. Und gerade das schmerzte Johannes unbändig. Er unternahm alles nur ihm mögliche, diesen Platz mit Leben zu füllen, aber irgendwie hatte er sich immer gerade einen Fuß verstaucht, wenn die anderen Kinder an ihm vorüberzogen, und er ihnen folgen wollte. So konnte er ihnen denn nur ständig linkisch hinterhertrotten.

Wie es im realen Leben seit urchristlichen Zeiten ja nun einmal so ist – den Letzten beißen stets die Hunde. General und Generalin Altersheimkommandeur konnten ihrem Filius gar nicht so viele Hosen kaufen, wie die wütenden Alltagshunde ihm zerrissen. Wenn die Meute der Nachwuchsmenschen im Viertel mal wieder etwas ausge-fressen hatte, war es stets der Nachzügler Johannes, den die erbosten Opfer bei der Hose zu fassen bekamen. Auf diese Art war Johannes denn wenigstens zu etwas nütze. Er sicherte der Streitmacht den Rückzug, und schluckte die Energie der Verfolger, die dann manchmal auf seiner roten Wange oder Hintern deutlich zu erkennen war. Wie zum Beispiel nach dem Gefecht mit Lehrer Lämpel.

Eine äußerst beliebte und wirksame „Waffe“ unter den Jungs war die „Flitsche“ – in anderen Gegenden vielleicht besser bekannt als „Zwille“. Von diesem wunderbaren Gerät gibt es – wie bei Revolvern auch – verschiedene Ausführungen. Von der Zimmerflak in Astgabelausführung mit Fahrradschlauchgummi bestückt, bis hin zum kleinen, aber ebenso wirksamen Sologummi für den unauffälligen Nahkampf. Die Spitzenkanoniere im Viertel konnten mit dem kleinen Ding sogar blind und rückwärts feuern. Nicht so Johannes. Johannes hatte schon beim sehend vorwärtsschießen seine kleinen Probleme mit der Zielgenauigkeit und Treffsicherheit. Was ihm auch prompt – oder besser gesagt der ganzen Klasse – übel angekreidet wurde. Ausgerechnet in der Rechenstunde beim gefürchteten Lehrer Lämpel wurde ihm diese Schwäche dann zum Verhängnis. Der gestrenge Schulmeister stand mit dem Rücken zur Klasse an der Tafel, und malte in schönster Paukermanier Hieroglyphen auf die grüne Fläche. Von vorne, aus der zweiten Bankreihe, von da, wo der Knirps mit dem Dreirad seinen Platz im Klassenzimmer hatte, trafen den guten Johannes unablässig „Rückwärtsgeschosse“. Er parierte sie so gut es ging, und mit mäßigem Erfolg. Bis – ja, bis Lehrer Lämpel – durch das verhaltene Schlachtengetümmel in seinem Rücken aufgeschreckt – sein Gesicht plötzlich der Klasse zuwandte. Wie gesagt – an der Fähigkeit, das richtige Ziel zu treffen, haperte es bei Johannes mächtig. Und so traf seine – im selben Augenblick abgefeuerte – „Krampe“ auch nicht den Knirps mit dem Dreirad, sondern landete punktgenau auf des Lehrers unwillig gekrauster Pädagogenstirn.

Von mäßigem Erfolg wagte denn nach diesem Treffer keiner mehr zu reden, zumal es in der Folge Strafarbeiten für die ganze Klasse hagelte.

Zur Ehrenrettung der Brüder muß noch gesagt werden, daß nicht einer der Krieger, trotz heftiger Aufforderung Lämpels, Johannes als den Schützen denunzierte. So wurden sie dieses mal alle gebissen – und gegenseitiges Wunden lecken nach verlorener Schlacht schweißt eine Truppe schon seit jeher noch fester zusammen.

Johannes blieb aber noch Jahre seinem Naturell treu, und ließ sich nur ab und zu von einem anderen „Weichei“ des Quartiers in seiner Funktion als Letzter des Rudels vertreten.

Gero stand ihm in der Rangfolge nicht allzu viel voraus. Von drei Tanten zuhause stets und ständig umsorgt, fehlte ihm so ein wenig das Mark in den Knochen – oder anders gesagt, er hatte keinen harten Kern. Was ihn wahrscheinlich selber am meisten ärgerte, wenn er der Truppe immer ein Stück hinterherschlabberte. So etwas ist bei Eroberungsfeldzügen, auf denen sich die Bengels permanent befanden, natürlich mit einer gewissen Gefahr verbunden.

Das nächste Tun und Geschehen war auch mit einer gewissen Gefahr verbunden, aber was ist im Leben eines Kriegers nicht gefährlich.

Das Kriegsandenken Bunker war im Bewußtsein der jungen Krieger natürlich kein Kriegsandenken. Wie sollte es auch. Für sie war er einfach Teil des realen Lebens – eingebaut in den Alltag.

Dieser Bunker hatte nun eine Besonderheit, die ihn von anderen Schutzbauten aus kriegerischen Tagen unterschied. Er hatte leichte Schlagseite – wie wenn Onkel Hannes manchmal heimwärts segelte, nachdem er in der Sportklause an der Gökerstrasse wieder einmal einen Sturm abgewettert hatte.

Das Bunkerbauwerk hatte gegen Ende des Krieges noch einen Volltreffer abbekommen. „So richtig schön auf die Mütze“, sagte Onkel Hannes. Es war eine der heimtückischen Panzer-knackergranaten gewesen. Durch die Detonation war sogar ein Stück der Treppe im inneren weggesprengt worden. Aber das war Vergangenheit – das war ein Geschehen aus dem Leben der Alten.

Für die jungen Krieger im Viertel war der Koloss Ausgangspunkt, Mittelpunkt oder Endpunkt ihres Beginnens. Je nach dem, was gerade auf dem Plan stand. Eine besondere Funktion erfüllte er auch noch – er war der entscheidende Bewährungspunkt, wenn es darum ging, ein neues Mitglied in den Kreis aufzunehmen.

Bevor der Stammesrat Ja zum Aufnahmebegehren sagte, musste der „Neue“ in den Bunker. In den Bunker hieß, mit einer weißen Fahne über die geborstene Treppe nach oben – bis unters Dach. Wenn die weiße Fahne in einem Lüftungsschacht erschien, dann gehörte der Fahnenträger zum Stamm. Und nur dann.

Diese weiße Fahne – und das Geschehen darum herum – war einigen verknöcherten Alten in der Umgebung schon lange ein Dorn im Auge, den man neutralisieren musste. Unbedingt.

Eines schönen – oder für die Jungen nicht so schönen – Tages war alles mit Kalksandsteinen zugemauert. Verbaut. Anstatt die Steine für den Wohnungsbau zu verwenden, hatte man sie an so etwas Sinnloses verschwendet. Verstehe einer die Erwachsenen.

Es brach bei den Burschen eine Zeit des Nachdenkens – eine Zeit der verborgenen Tätigkeiten an.

Wieder einmal hatte der Knirps mit dem Dreirad die „zündende“ Idee.

Der Schießstand bekam seine tragende Rolle.

Die Truppe besaß schon enorme Vorräte an Kartuschen. Schöne blanke Messingkartuschen, die von den Kriegern nach jedem Übungsschießen, das auf dem Stand vonstatten ging, gesammelt wurden. Sicherheitsvorkehrungen nach heutigen Maßstäben darf man sich nicht auf damals denken. Dann sagt man sofort: unmöglich.

Auch die Güte der Munition war eine andere in dieser Neustartzeit. Es wurde mit allem geübt und geschossen, was sich noch in Depots und Waffenkammern befand. Darunter befanden sich natürlich auch viele Nichtzünder – „Blindgänger“, wie Onkel Hannes sagte. Es machte sich von den Probanden niemand die Mühe, sie wegzuräumen. Wozu auch. Sie waren ja nur ein Teilchen von vielen anderen Überbleibseln unseliger Zeit. Nicht so für die Nachgeborenen.

Es erstand eine alte Kultur neu. Ersinnen, erfinden, testen – das alles wiederholte sich. Wie immer im Leben, wenn etwas anderes entsteht.

Die ‚Blindgänger’ unter den Patronen wurden ausgeschlachtet, und einem dienlichen Zweck zugeführt – es wurde getestet und immer wieder getestet. Es geschah alles auf den Erfolg gerichtet und unter strengster Geheimhaltung.

Was da ‚geheimgehalten’ wurde, das schielte nur manchmal unter der Decke hervor, wenn irgendwo in einem der Gärten eine verbeulte Konservendose landete, als Beweis einer gelungenen Übung.

Kleine Schwarzpulverhäufchen unter einer umgestülpten Konservendose, als Lunte einen Baumwollfaden – sorgfältig aus einem von Mutters Feudeln herausgelöst – und angezündet. Das war das ganze Geheimnis. Einfach zu lösen – was war daran schon geheimnisvolles. Onkel Hannes hatte nämlich mal etwas von ‚Schießbaumwolle’ erzählt.

Nachdem genügend Erbsendosen den Luftraum im Viertel durchflogen hatten, war die Testreihe beendet. Jetzt galt es den Ernstfall anzugehen. Nichteinmal „Sprenglöcher“ mußten sie bohren – die waren schon in die Kalksandsteine eingebaut. Von der Ziegelei mitgeliefert sozusagen. Eine Sauarbeit war das Ganze aber doch. Sieben Feudel mußten sorgsam „aufgeribbelt“ werden, bevor genug Lunte zur Verfügung stand. Dirk hatte mal wieder das Schicksal ereilt. Seine Mutter hatte ihn beim zweiten Feudel zerlegen erwischt, und ihm den nassen Lappen gehörig um die Ohren gehauen. Feudel zerstören – das war ja schlimmer als Sabotage beim Kommiss. Die anschließende Woche Stubenarrest hat ihn denn um die Früchte seiner Agententätigkeit gebracht – er konnte die große Sprengaktion, mit der seine Kumpels den Bunker von seinen Fesseln befreiten, nicht miterleben. Ein zweites Mal haben ihre Gegner nicht versucht, den Stammsitz zuzumauern.

Das Zielgebiet eines versteckten Kampfeinsatzes war wieder einmal – wie eigentlich häufig – das Gelände des Reitvereins. Klassenkampf pur war wohl der tiefere Grund für diese ständigen Feldzüge. Was hatten diese hochnäsigen, eingebildeten und doofen Bessereleute-kinder auch in ihrem Viertel zu suchen. Die sollten mit ihren Ackergäulen doch im Villenviertel rumklabastern. Da, wo ihre Erzeuger auch ihre schicken Benzinkutschen im Stall stehen hatten. Die hatten sich in der rechtlosen Zeit mit ihren Mähren einfach auf angeblich verlassenem Gelände häuslich niedergelassen. Von wegen verlassenes Gelände – wertvolle Jagdgründe waren dem Stamm damit einfach geraubt worden. Die müden Alten des Stammes hatten der Landnahme der Fremden widerstandslos zugeschaut – und das schmerzte die jungen Krieger.

So etwas schrie in den Kriegerköpfen doch förmlich nach Rache. Man musste sich mit seiner Truppe ja leider notgedrungen bescheiden. Zum großen Krieg reichten die Kräfte nicht – aber die Eindringlinge unaufhörlich mit kleinen Stichen piesacken – das konnte man schon. Und immer war der Knirps mit dem Dreirad irgendwie vorneweg. Auch wenn er schon lange kein Dreirad mehr fuhr.

Die Reitanlage bewachte ein schrecklicher Mensch, dessen Halbglatze und Hakennase in makellos gewichsten Stiefeln steckten. Zwischen Geierkopf und Stiefeln fuchtelte er unaufhörlich mit einer Peitsche in der Luft herum. So ausstaffiert ging er auch wohl schlafen, denn keiner hatte ihn je anders gesehen. Na ja, den jungen Kriegern fehlte ja auch die Gelegenheit, ihn beim Zubettgehen zu beobachten. Beobachten konnten sie allerdings seine täglichen Gänge zum Häuschen mit Herz. Häuschen mit Herz klingt lieblich – höre ich jemand sagen. Nicht so lieblich klangen die Töne, die durch die dünnen Bretterwände nach draußen schwebten, wenn der gestiefelte Kater – so nannten ihn die Burschen unter sich – seine Notdurft verrichtete, wenn sein blanker Achtersteven das Loch in dem Brett über der Grube ausfüllte. Es klang oftmals so, als wäre ein hungriger Wolf hinter einer schnatternden Gans her. Er litt nämlich unter „Verstopfung“, der Gute. Seitdem ein Granatsplitter im letzten Kriegsjahr ihn liebevoll am Hintern gestreichelt hatte, konnte er die unverdaulichen Reste seiner Nahrung nur sehr schwer wieder loswerden. Onkel Hannes hatte es in seiner sonntäglichen Skatrunde mal auf den Punkt gebracht: „Diederk – dien Mors hett in Frankriek een Schokk kräägen. Du muttst hüm moal düchdich verfäär’n – dat helpt meesttieds.“ (Diederk, dein Hintern hat in Frankreich einen Schock bekommen – Du mußt ihn mal tüchtig erschrecken, das hilft zumeist.)

Der Knirps auf dem Dreirad nahm diese Feststellung seines Onkels mit nach draußen – in den Kriegsrat der mutigen Krieger.

Beim nächsten Palaver fanden sie „die“ Lösung, um dem geplagten gestiefelten Kater in seiner „Not“ zu helfen.

Am folgenden Tag – einem Sonntag – wartete ein kleiner Stoßtrupp darauf, daß der vom Schock „Gepeinigte“ das stille Örtchen am Rande des Hofes aufsuchte. Kaum daß er darin verschwunden war, schlichen die Burschen zur Rückseite – zum Deckel der Lokusgrube. Eine Bierflasche mit Schnappverschluß, mit einem Bröckchen Karbid und ein wenig Wasser präpariert, und hinein in die Jauche – und alle Mann mit Karacho in Deckung. Sie schafften es noch gerade, das letzte Hosenbein zu verstecken, als es auch schon rummste. Der Donner hatte es sich noch nicht mal im Hof bequem machen können, da flitzte der gestiefelte Kater auch schon mit heruntergelassenen Hosen, und von unten bis oben mit dem Inhalt der Grube bekleckert, durch das Gelände.

Und der Knirps auf dem Dreirad konnte sich eine neue Feder in seinen Häuptlingsschmuck stecken.

Das nächste Stückchen Strasse auf dem Weg in das Erwachsen-werden bescherte keinem der Krieger eine Siegesfeder – was die Truppe sich auf diesem Marsch einhandelte, war wohl eher als das Gegenteil von Kampfesehren anzusehen.

An der inneren Deichseite gab es doch tatsächlich eine große, freie, grüne Fläche. Keine Trümmer, keine verlassenen Flakstände, keine heimtückischen Einmannerdbunker waren auszumachen – nur fette Gräser und verschwenderisch blühende Pferdeblumen – auch Löwenzahn oder Pusteblume genannt, tummelten sich auf der Weide. Der Krieg war wohl zu kurz gewesen, sonst hätten die Kriegsherren dieses Fleckchen Erde auch ganz bestimmt noch mit „kriegswichtigen“ Bauten bestückt. Es schien dazuliegen, wie ein vergessenes Land – oder wie eine Paradewiese mit einem Denkmal in der Mitte. Ja, genau – ein Denkmal. Das sagte nämlich einer von der Truppe in die schläfrig am Deich vor sich hindösende Runde. „Denk mal einer sich was aus, womit wir die „Kuh“ da vorne ’n büschen ärgern können.“

Es war nämlich so etwas wie „saure Gurkenzeit“ im Grodenviertel. Die Schule machte Sommerpause, und das schon seit einigen Wochen. Seit einer Woche schon waren sie nicht mehr auf dem „Kriegspfad“ gewesen. Da rosteten ja die Gelenke langsam ein. Das heißt, in den vergangenen Tagen hatte kein Erwachsener im Viertel einen Grund gesehen, über die „Gören“ Klage zu führen.

Die ‚Kuh’ da vorne war die einzige Erhebung in dem weiten Rund. Wenn jeder im Kreise gewusst hätte, was für eine ‚Kuh’ sie sich anschickten zu ärgern – auweia.

„Guckt mal, was die Kuh für ein komisches Euter hat“ – Benno war ganz verwirrt, und voller Zweifel. Die Kühe bei seinem Patenonkel auf dem Hof sahen zwar ringsrum genauso aus – die hatten aber ganz andere Euter – viel größere, und mit langen Fingern dran, aus denen Milch spritzte, wenn Tante Ella an ihnen zog. Bei dieser ‚Kuh’ hing das Euter zwischen den kräftigen Hinterbeinen. „Lütter ist es auch – und Finger zum melken sind auch nicht zu sehen“ – meinte Benno noch zaghaft.

Das wußte Dirk zu erklären. Dirk hatte zu Hause ein Dreimädelhaus – seine drei Schwestern bestimmten seinen häuslichen Lebensrhythmus.

„Weißte dat denn nich? Beie Kühe is dat wie beie Mädchens – die einen haben große Titis, die anneren kleine – bei welche sindse hoch, und bei mansche hängen se tiefer. Weiß ich von meine Schwestern. Laß uns doch mal gucken, wie die Kuh da durche Gegend wackelt, wenn wir ihr einen an ihr Euter verpuln.“

Und das Unheil nahm seinen Lauf.

Die langen,, schlanken Zweige, der über die Nachkriegsjahre wild und hoch gewucherten roten Haselnußsträucher am nahen Wallgraben, drängten sich den Burschen förmlich auf. Eine Haselnußrute als ellenlanger Peitschenstiel – das war die Lösung. Damit konnte man der Kuh ein wenig das Euter kitzeln. Gedacht, getan. Der kleine Knirps mit dem Dreirad, der seinen Hintern schon lange nicht mehr auf einem Dreirad durch das Grodenviertel bewegte – konnte geschickt mit dem Schnitzmesser hantieren. Das Handwerk hatte Onkel Hannes, der alte Seebär, ihm beigebracht, als er mal wieder eine neue Pfeife brauchte. Es war eine Marotte von Onkel Hannes, seinen selbst angebauten Knaster nur in kleinen, selbst geschnitzten Pfeifen zu schmöken.

Einen langen, biegsamen Trieb zu einer Schleuder, mit einer Schlinge am Ende, zurechtzubiegen war eine Sache von Minuten – das ranpirschen an die ‚Kuh’ dauerte schon etwas länger. Die Gute sollte ja nicht verscheucht werden, bevor man einen ‚Treffer’ gelandet hatte.

Der Stoßtrupp war endlich ganz dicht dran – die ‚Kuh’ hatte sich nicht einen Millimeter vom Fleck bewegt. Der Richtschütze betätigt den Auslöser, und im gleichen Moment schreit Benno, der auf dem Bauch hinter der Kuh liegt. „Mönsch – die Kuh ischa ’n Ochse!“

Die Erkenntnis kam ihm leider zu spät. Das Werk war schon vollbracht, und der ‚Ochse’, der auch noch ein Bulle war, hatte schon auf der Hinterhand gedreht, und sauste los.

Wer noch, wie von der Tarantel gestochen, lossauste, war das Häuflein Krieger. Die Flucht ging quer durch die Geographie – die Zäune, die sie mühsam überspringen mußten, nahm der wütende Bulle einfach mit. Und dann kam die Rettung – bis zum Hals standen sie in einer grünbraunen stinkenden Masse. Der breite, tiefe Gubbelschlot, um den sie sonst immer einen respektvollen Bogen schlugen, erschien ihnen plötzlich wie das Himmelreich. Auf der anderen, der sicheren Seite, wieder auf irdischen Boden zurück, schauten sie aber wahrlich nicht wie Engel aus. Es war eher ein stummes, geschlagenes Heer nach verlorener Schlacht. So ähnlich wohl wie die Franzosen unter Napoleon dunnemals vor Moskau.

Fahrbare Untersätze standen bei dem kleinen Knirps von der Stunde der ersten Gehversuche an als Leitstern über seinem Weg. Noch keine fünf Jahre auf dem Buckel, war er schon immer erster ‚Mann’ an der Spritze, wenn Papa etwas am Automobil – wie Autos damals noch genannt wurden – zu reparieren hatte. Die schmerzhaften Erfahrun-gen, die er dabei häufig machte, haben ihn nie davon abgehalten, dabeizubleiben. So zum Beispiel Wintertags in seinen kleinen Händen festgefrorene Schraubenschlüssel, die gnadenlos ein Stück Haut mitnahmen, wenn Papa ihn davon befreite. Oder die nicht gerade zimperlich von der Mutter durchgeführten Reinigungsprozeduren – nach seiner Beteiligung am Ölwechsel oder Schmiernippel fetten.

Eines Tages kam auch sein Verhältnis zu den fahrbaren Untersätzen in die Pubertät. Es musste plötzlich etwas ‚handfesteres’ als Dreirad und Fahrrad her. Zum persönlichen Gebrauch, versteht sich.

Der liebe Gott, oder sonst irgendwer, sorgte dafür, daß eine NSU-Quickly seinen Weg kreuzte, und sich in der heimischen Garage häuslich niederließ.

Wie schon gesagt: es war ein Geschenk des Himmels, an dem es viel zu werkeln gab. Es bot sich ihm die Gelegenheit, all das auszuprobieren, was er bis dahin gelernt hatte – und das war wahrlich nicht wenig.

Er schraubte hier – er feilte da ein wenig – er polierte dort – und mit jedem Tun wurde die silbergrüne Quickly ein wenig leichter und einen Tick schneller. Es war, als wenn dem Mopedbackfisch aus Neckarsulm Flügel wuchsen. Kleine stummelige Ansätze zwar erst – aber immerhin. Nach jeder Probefahrt fand einer der jungen Krieger, denen jetzt schon der Schein eines Bartes wuchs, noch einen Kniff zur Verbesserung. Jede durchgeführte Änderung wurde natürlich auf Herz und Nieren getestet. Der Heppenser Groden mit seinen weiten Flächen bot sich ja förmlich als Teststrecke an, zumal Bauer L. das hohe Gras schon fein säuberlich gemäht und in großen Reutern zusammen-gekarrt, zum trocknen aufgestellt hatte.

Mit dem Titel ‚überwältigend’ wagte aber keiner die Verbesserungs-ergebnisse zu benennen. Es war eher so ein Klein-klein. Onkel Hannes, der alte Seebär, der das werkeln seiner ‚Schützlinge’ – wie er die Burschen schon mal bei sich bezeichnete, aufmerksam verfolgte, brachte mit einem ‚genialen’ Dreh Bewegung in die ziemlich festgefahrene Quicklygeschichte.

„Das Ding muß richtig gepfeffert und gesalzen werden – was ihm oben in den Tank reingeschüttet wird, muß ihm am Hintern brennen wie bei euch der Achtersteven, wenn eure Currywurst mit zuviel Tabasco gewürzt ist. Füttert sie man mal mit Methylalkohol – dat helpt.“

Damit hatte Onkel Hannes die Krieger mit einem Hupps mitten in ein böhmisches Dorf gesetzt. Methylalkohol – wat is dat denn? Hörte man sich in der Runde wiederholen. Nur der Knirps mit dem Dreirad wußte um dieses Zaubermittel. Er hatte ja aufgepasst, wenn Onkel Hannes und Papa schwärmerisch von ihrem Zaubertrank, ihrem Feuerwasser, ihrer Freude der unmittelbaren Nachkriegszeit erzählten.

Apothekenalkohol war nämlich die Grundlage ihrer Höhenflüge in den trüben Tagen gewesen – allerdings ohne Methylzusatz.

Also, was blieb zu tun? Den Hut rumgehen lassen, und Pinunsen sammeln, das war nur eine Sache von Minuten. In die nächste Apotheke rein, und dieses ‚Wundermittel’ kaufen, das dauerte auch nicht länger. Gleich darauf kam auf dem abgemähten Grasland von Bauer L. der große Augenblick. Der Knirps mit dem Dreirad – inzwischen war er zum Häuptling aufgestiegen – hätte liebend gerne die ‚Premierenfahrt’ persönlich gemacht – weil es aber jedem der Krieger danach dürstete, ließ man den großen Manitou entscheiden.

Das Los fiel auf Johannes – der aufmerksame Leser kann sich erinnern: Johannes, das Schlusslicht der jungen Jahre.

Herrgott – was war der glücklich in seiner Haut.

Wie ein blitzender Engel stand die Quickly am Rande der Stoppelwüste. Aufgetankt – aufgesessen – Motor angeschmissen – und Start! Generalstabsmäßig lief alles ab. Man sah förmlich die Erfahrung in Kriegsdingen durch die Sommerluft laufen.

Furios zog die kleine Mopeddame los. Die kaum wahrnehmbaren Stummelflügel, zu der die Künste der Burschen ihr schon verholfen hatten, wurden plötzlich zu ausgewachsenen Engelsschwingen – das Gefährt flog buchstäblich über die Steppe. Johannes vermochte nicht mehr zu lenken, er konnte nicht mehr bremsen – er durfte nur noch mitfliegen. Da dem Quicklyengel vor lauter Flugfreude schier die Augen tränten, sah er nicht den großen Heureuter von Bauer L. in der Flugbahn stehen. Mitten hindurch ging die Passage- und endete etliche Luftmeter weiter mit einer blamablen Bruchlandung in dem großen Misthaufen, den Bauer L. schon zur Düngung seiner Felder von den Höfen der Umgebung zusammengekarrt hatte.

Es war wohl immer noch Johannes sein Schicksal, als letzter zu enden.

©ee

Bild von Soledadsnp auf Pixabay

Sprache

Sprache sollt’ melodisch sein –
ein Auf und Ab, ein Ringelreih’n.

Sprache sollt’ vom „Warm“ getragen
mit jedem Wort ein „Fühlen“ wagen.

Sprache sollt’ das Gestern wahren –
auch noch in vielen Morgenjahren.

Sprache ist ein edler Schatz –
bewahre sie an sich’rem Platz,
auf, dass sie noch in Zukunftszeiten
dich sicher wird durchs Leben leiten.

©ee

Bild von Erika Varga auf Pixabay

https://www.youtube.com/results?search_query=%23estas_tonne
thank you …

Frühlingswiese …

Frühlingswiese …

Aus der wintersbraunen Felder Flur
drängt von Himmelsrand zu Himmelsrand
ans Licht des nahend Frühlings Spur

es haben fleiß’ger Menschen Hände
gesäet kunterbunte Saat
die keimet nun in weit‘ Gelände
als Grunglag‘ für manch‘ Immen Staat

sie teilen die gedeckten Tische
mit unzähligem fliegend Volk
geniessen Tages Sommerfrische
an blühend‘ Rain

und blinkernd‘ Kolk …

©ee

ewaldeden2020-03-17

Eine Vision …

Eine Vision …

oder des Teufels lange Nase

Ob da wohl noch jemand ist auf dem Globus der so recht begreift was da weltenweit zur Stunde abgeht mit Corona und so?

Ich muß es eingestehen – ich mit mit meinem kleinen Denkapparat begreife es nicht – nicht von vorn und nicht von hinten.

Förmlich im Minutentakt erscheinen auf allen Kanälen der häuslichen Fernsehgeräte, der Smartphones und der sonstigen technischen Errungenschaften neue, andere und bis zu dem Moment ihres Auftauchen den Menschen im Lande bisher unbekannte Gestalten, um irgendwelche Vermutungen ihrerseits oder noch häufiger Ihr fundiertes Nichtwissen in die Welt zu schnauben und zu pusten.

Mein Großvater hatte zu seiner Zeit bereits erkannt, dass diejenigen, die über uns in den Regierungen und Institutionen in der Regel mit Klauen und Zähnen ihre Positionen verteidigen, irgend welche Erforder- bwz. Geschehnisse den einfachen Menschen plausibel zu erklären nicht imstande sind, dass sie es entweder nicht wollen, nicht können oder, dass sie es auf irgendjemandes Weisung hin, gar nicht dürfen.

Um das alles zu kaschieren jagen sie dann einfach „de griese Katt, wie Opa es benannte – schwadenweise Nebel übers Land, so dass die Bürger nichts mehr wahrnehmen, nichts mehr sehen können.

Die oftmals selbsternannten oder auch sogenannten „Experten“ die plötzlich und fast überfallartig aus dem Schlagschatten der Reihen der Großkopfigen auftauchen schwadronieren dann  in der Regel eine Menge Worte und Sätze in das gleißende Licht der Studiolampen, aber wirklich etwas erklären tun sie auch nicht.

Manchmal denke ich, was wohl wäre wenn ich in der Frühe vom Schlafe erwachen würde, und es wäre wieder so wie es vor Corona war … und aus irgendeiner dunklen Ecke würde uns der Teufel mit einem Grinsen zwischen den Hörnern eine lange Nase drehen … und offenbaren dass er alles nur inszeniert hätte um uns in Angst und Schrecken zu versetzen, um uns zu zeigen dass er noch da wäre …

©ee

ewaldeden2020-03-16

Eden meent …

Ov dor woll noch well is up de Eer, de so recht begript wat dor weltenwiet up Stünns ovgeit mit Corona ov so? Ikk mit mien lütten Brägen mutt mi ingestoahn – ikk begriep dat nich – nich van vörn un ok nich van achtern. Aal Minüt düken in de Billerkist van Tellewischen neeä, anner bit to de Momang de Minschen in d‘ Land unbekennte Gesichten up üm wat van Vermoden ov bäter van hör Nichweeten in de Gägend to schnuven un to pusten.

Mien Opa sää all jümmers dat de, de boaven us in d‘ Regeern un Institutschonen hukeln, irgendeen Belangen de eenfach Minschen in d‘ Land nich verkloaren köänt, ov ok woll nich willt ov villicht ok nich dürsen, denn joagen see eenfach de griese Katt dör de Gägend, un de Lüü köänt tomoal niks mehr kieken.

De „Fachlüü“ de dor tomoal ut de Schka van de Riech van Grodkoppigen updüken röädeln tomeist een heel büld Worden in de Lücht van de Studioluchten, oaber verkloaren doon see ok rein ganniks.

Mennichmoal denk ikk so bi mi, wat woll is, wenneer ikk mörgen froo upwoak un allens is wedder su as dat oahn Corona west is – un ut irgendeen Hörn dreit us denn een Düvel mit Hörns een langen Nöäs … un verkloart us dat he us doch blods ähm düchdich in d‘ Trillern joagen wullt har üm to wiesen dat he noch dor is …©ee

ewaldeden2020-03-15