Mein Land.

Mein Land . . .

Ich kehre weißgekleidet zurück
und weine viel – wie sie wissen
ich werde begraben hinter dem Glück
und schwebe über den Wolken

ich werde Nebel – ich werde Zeit
ich kehre zurück – wie sie wissen

ich wande mich schwarz und weine in Trauer
ich harre in Stille für die Toten der Mauer
ich bezeichne die Täter
und schlucke die Tränen

ich kehre zurück – wie sie wissen
ich male die Farbe der Unschuld
und lasse das Land dem Verbrecher
ich kehre zurück – eine fliegende Seele
die über den Wohnstätten schwebt

ich schütze die Kinder – und werde zur Rose
damit die Liebe weiter lebt
ich kehre zurück – wie sie wissen

ich werde zur Blume
die sprießt auf den Gräbern
es schließt sich der Ring um den Sand

ich werde mich freuen
der alten Getreuen
und grün wird das blutige Land

ich kehre zurück – wie sie wissen

© ewaldeden

Ich habe zu der Zeit den Empfindungen seiner arabischen, seiner orientalischen Seele eines Nachts ein deutsches Kleid angezogen – er hat mir zuvor erlaubt seine Seele zu durchwandern.

Nach einem langen Abend mit ihm und einer kurzen Schlafensphase trieb es mich im Morgendunkel aus dem Bett, weil der Text in meinem Kopf  fertig war.

Muhamads Deutsch in Sprache und Schrift war noch sehr wenig ausgeprägt, aber wir brauchten nur bedingt Wort und Schrift, um uns zu verstehen …

Leider ist er nicht mehr unter uns. Sein Wunsch, seiner Mutter in der Stunde ihres Fortgehens aus der weltlichen Welt nahe zu sein, der hat ihm sein Leben gekostet. Er entstammte einer einflußreichen syrischen Familie – durchweg alle männlichen Mitglieder Angehörige der Baath-Partei  in höchsten zivilen und militärischen Rängen – ein Jahr hatte er in der Armee zugebracht, bevor er die Desertion und damit den Ausstoß aus der Familie der weiteren Anhäufung von Schuld in seiner Seele vorzog – er war fortan ein Geächteter und und für ALLE Syrer vogelfrei – nirgendwo auf dem Globus sind diese Menschen sicher vor ihren Verfolgern – und es wird überall auf der Welt von den Regierungsorganisationen geduldet, wenn sie liquidiert werden – einer seiner  Onkel als Vaterbruder (General der syrischen Armee) hatte von seinem Vorhaben Wind bekommen und meinen Freund Assads Henkern ausgeliefert – er starb noch vor seiner Mutter …

ich bin dankbar dafür, dass er ein Stück seines Lebensweges mit mir unter einem Dach gewohnt hat …

ee2015

Inferno . . .

Inferno . . .

Flammende Scheiterhaufen
die Welt zeigt ihr böses Gesicht –
die Seuchen in Strömen laufen
bis alles zusammenbricht.

Die Menschheit in ihrem Glauben,
an Forschung und alles im Griff,
sie pflückt weiter die giftigen Trauben,
sieht nicht das drohende Riff.

Anstatt das Ruder zu wenden,
in ruhige friedliche See,
lässt man die Massen verenden,
blickt hilflos auf blutigen Schnee.

Geschöpfe werden zu Ware,
zu Machtmitteln degradiert –
es würden besser klare
Verhältnisse definiert.

Im Rausch der Technik schwimmen
zu viele in zu vielem Geld –
es wird Zeit das Schiff zu trimmen,
sonst kentert zuvor diese Welt.

©ee
ewaldeden

Weißt du noch . . .

Weißt du noch . . .

Die Sommerrosen aus der Zeit –
weißt du noch wie sie rochen?
Die Jugend – sie liegt lang schon weit –
als wir in Hecken uns verkrochen.

Ob wir was ausgefressen hatten –
oder weil es bloß so schön,
manchmal war es kühler Schatten –
der uns ließ den Himmel seh’n.

Süßgeahnte fremde Welten –
noch nicht gefühltes dunkles Glück,
wie oft begann man uns zu schelten –
zog uns in Unschulds Welt zurück.

Doch jedes Riechen prägte Male –
mit jedem Fühlen loderte – zuerst der Kern,
und dann die Schale –
jeder Blick rückte die Kindheit fern.

Bis sie in tausend kleinen Stücken
füllte der Jugend engen Raum –
der Kindheitswelt mußt’ man entrücken,
es blieb uns immer nur der Traum.

Drum lebe, wenn du Kinder findest –
egal auch wo auf dieser Welt,
den Traum zurück – indem du bindest
die Seele nicht an’s große Geld

Ich sehe Feuermale streichen –
der Geist entweichet aus der Flasche,
wenn wir uns nicht die Hände reichen –
liegt Unschuld bald in Schutt und Asche

© ee

Jahrmarkt im Himmel.

Jahrmarkt im Himmel.

Wenn der Wind mal einen Rülpser macht,
der so klingt als wenn’s im Himmel kracht –
und die Wolken sich gebärden,
als wär‘ es Jahrmarkt hier auf Erden –

dann sollt‘ Mensch ein wenig stille halten,
in seinem Wahn die Welt auf’s Neue zu gestalten.

Anstatt Natur noch mehr zu reizen,
sollt‘ er mit seinem „Können“ geizen –
denn „Weltgesellschaft“ denk stets dran,
dass es EINEN gibt der mehr noch kann.

© ee
ewaldeden2022-04-15

Warum die Ostereier bunt sind.

Warum die Ostereier bunt sind . . .

Vor langer, langer Zeit – die Osterhasen hoppelten noch in Ritterrüstungen durch das Land, um den Kindern zu Ostern die Nester zu füllen – sahen die Eier noch alle gleich aus. Hühnereier konnte niemand so recht von Ostereiern unterscheiden. Den Unterschied konnte man nicht sehen – er war unter der Schale verborgen – Ostereier waren innen fest. Ganz oft passierte es darum, daß die Sonntagskleider, welche die Kinder Ostern immer anziehen mussten – Ostern war nämlich damals auch schon Sonntags – mit Eigelb vollgekleckert waren, weil die Kinder statt eines Ostereies ein Hühnerei aufgeschlagen hatten.

Wie das passieren konnte fragt ihr? Ganz einfach! Die Hühner vertauschten die Eier ab und zu. Die gefiederten Gesellen konnten auch damals schon über die seltsamsten Dinge lachen, und neugierig waren sie sowieso. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wer was anderes erzählt, der kennt die Hühner nicht. Aber noch eine Eigenschaft besaßen die Ur-ur-ur-ur-urgroßeltern der jetzigen Hühner: Sie waren neidisch – neidisch auf den Osterhasen. Der konnte gekochte Eier legen. Wenn auch nur zu Ostern – aber immerhin!

Sie rackerten sich das ganze Jahr – Tag für Tag – mit dem Eierlegen ab – wenn eine Henne fleißig war, legte sie sogar zwei Eier an einem Tag – und dann kam am höchsten Eierfeiertag der Welt so ein schlappohriger Hase dahergehoppelt, und stahl ihnen die Schau.

Nicht einmal richtige Federn konnte er vorweisen – aber gekochte Eier legen. Weil die Hühner den Osterhasen auf seinen Touren ständig mit ihren Eiern bewarfen, beschloss die Osterhasengewerkschaft auf einer großen Versammlung, ihren übers Land ziehenden Mitgliedern Ritterrüstungen anzuziehen.

Bloß – in diesen schweren Rüstungen kamen sie nicht so schnell vorwärts – und viele Osternester blieben leer.

Ich muß euch ja bestimmt nicht erzählen, wie traurig die Kinder waren, wenn sie nach mühevoller Suche leere Osternester fanden. Darum füllten die Mamas die leergebliebenen Nester mit Hühnereiern. Das war aber auch nicht die Lösung. Tja – und weil alle Mamas dieser Welt – das war damals auch schon so – an Ostern keine traurigen Kinder mit bekleckerten Sonntagskleidern haben wollten, setzten sie sich unter dem Osterbaum mit den Osterhasen zusammen. Was bei den Beratungen herausgekommen ist, kann man heute noch an jedem Osterfest bestaunen: Die neidischen Hühner konnten ihnen keinen Streich mehr spielen, weil sie von da an Ostern immer eingesperrt wurden, und damit auch wirklich niemand mehr die Eier verwechselte, legten die Osterhasen ab sofort bunte Eier.

©ee

Eisblumen

Eisblumen

Eisblumen am Fenster,
so fragt mich ein Kind –
bitte, kannst du mir sagen,
was Eisblumen sind?

Ich hab‘ noch nie Eisblumen geseh’n –
Großmama sagt, sie wären sehr schön.

Eisblumen blühen nur in kalten Stuben-
bei Menschen in Not,
für Mädchen und Buben.

Die haben ihre Freude
am Glitzern und Flimmern,
das gibt’s aber nicht in warmen Zimmern.

So wärmen die Engel die Armen von innen –
wer auch mal Eisblumen sieht,
der kann nur gewinnen.

Gewinnen an Reichtum
tief drinnen im Herz –

denn er achtet die Ärmsten
und er fühlt ihren Schmerz.©ee

ewaldeden©

Unterwegs im Frühling …

ER:

Wir zwei, wir werden uns
auf Reisen begeben
wir werden die Welt uns erschließen
werden kosten von den kostbarsten Reben
uns werden überall Blumen sprießen

werden auf Capri


die Sonne des Südens trinken
in Australien lächelnd den Känguruhs winken
am Nordkap die ewigen Tage erleben

in Sibirien

durch die endlosen Weiten streben
in der Provence
in der Schönheit des Landes uns tummeln

am Nordpol


den Eisbären im Bärenfell fummeln
in Florida die Delphine küssen
in Indien vor den Tigern davonlaufen müssen

in Ägypten möcht’ ich Dich
bauchtanzen seh’n
in Kanada
mit den Holzfällern holzfällen geh’n

in Peking werden chinesisch wir essen


mit Stäbchen
den Enten zu Leibe rücken
am Kilimandscharo die Welt vergessen

im Wald von Borneo
die Affen entzücken
in Amsterdam mit den Kindern
auf den Strassen hinkeln

um in Düsseldorf
nachts in den Rhein dann zu pinkeln

© ee

Ewald Eden

1.März 2019

Sie:

Mit Dir ist mir
kein Turm zu hoch, kein Meer zu tief,
kein Berg zu steil, kein Baum zu schief,
Kein Tiger zu groß, kein Löwe zu wild,
Es eint sich alles zum fertigen Bild.

Alles, ja alles werden wir wagen,
in künftigen herrlichen, wilden Tagen.
Nur dunkle Wolken, die seh‘ ich nicht,
weil endlich wieder die Sonne durchbricht.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

GE 1.März 2019

Hörst du das Wispern ?

Hörst du das Wispern der Frühlingsgräser
im frostigkahlen Morgenlicht –
hörst du das Tönen der Kirchturmbläser
das sich unter den eilenden Wolken bricht?

Hörst du das Knispern der trockenen Reiten
über dem blinkernden moorigen Grund –
hörst du der Wellen Geschlag’ in dem weiten,
vom Himmel begrenzten und bläuendem Rund?

Hörst du des Windes emsiges Raunen –
wie stetiges Leben über dem Watt,
es zeiget uns Werden, es machet uns staunen
dass Erde all’ diese Wunder noch hat.

Genießet das alles und füget euch ein –
erkennet die Werke als schlüssig,
denn wenn ihr’s nicht könnt,
dann wird es bald sein

dass Mensch auf Erd’ mehr ist als flüssig.© ee

Ewald Eden

Blutige Hände

Blutige Hände

Von Putins blutbesuhlten Seelenhänden
geschrieben, steht‘s an allen Wänden –
ob‘s die Ruinen toter Häuser
oder kaltfeucht‘ dunkle Keller sind.

Die Menschen die dort aus und harren
sind fürwahr keine Duckesmäuser,
sondern ihrer Heimat Kind.
Sie sind bereit dafür zu sterben.

Gemordet von des Schlächters Horden
aus Syrien und andern Orten,
die sich als Söldner haben verdingt.

Als Sold gibt‘s Rubel dann und glänzend Orden,
während betrog’nes Volk von Tapferkeit und Ehre singt.
Wacht auf Ihr Menschen dort in Rußland –
zerstört des Schlächters Zarentraum.

Reicht Ihm nicht Eure helfend Hand,
mit der er hängt dann Euch an nächsten Baum.

© ee

ewaldeden-2022-03-20