November

November

Der Tag verhält in seinem Lauf –
zögernd tasten sich die Stunden
mit klammen Fingern durch die Zeit –
verschleiert hab’ ich dich gefunden.

Natur – du bist zum Schlaf bereit.

Die letzten Blätter segeln träge
vom großen Baum am schwarzen Kolk –
hier und da sieht man am Wege
ein herbstlichmüdes Krähenvolk.

Die Gräser haben sich verwandelt,
geschmückt mit bunten Bändern –
sie tragen schon des Winters Kleid
mit handgemalten Rändern.

Ein müdes Nicken in den Büschen
zeugt noch von leichter Regung,
wenn ab und an ein Rabe schreit
ist das schon viel Bewegung.

Und plötzlich dann – in Tagesmitte,
ein Sonnenstrahl hat sich verirrt –
er eilt mit wunderlichem Schritte
bevor er sich im Dunst verliert.

Die Luft befeuchtet braune Erde,
sie schmücket sich mit weißem Glanz –
des Himmels schäfchenweisse Herde
stellt sich auf zum Wolkentanz.

Der Abend naht – das Dunkel sinkt
auf die Novembererde –
wenn leise dann Musik erklingt
hofft jeder, dass es Frühling werde.

© ee
ewaldeden

der Herbst.

Der Herbst mit seinen heimelnd‘ Farben
beschließt den Sommer, buntfanal –
das reife Gold des Kornes Garben
spiegelt uns der Sonne Strahl.

Der späten Blüher Farbpalette,
längs Weges Rain und Gärtens Flur,
scheint als des Schöpfers Sonntagskette –
fest geknüpft in der Natur.

Wenn langsam dann die Tön‘ verblassen,
die Blätter segeln durch die Luft –
sollt‘ man den Sommer ziehen lassen –
weil, schon erweckt, der Winter ruft.©ee

ewaldeden

Heimkehr …

Heimkehr …

… der alte Weg, er schlängelt sich
durch Felder krumm dahin.
Wenn ich ihn geh’, dann dünkt es mich
als wenn ich damals bin.

Ich seh’ das Haus am Wege steh’n –
ringsum nur buntes Treiben,
kann Kühe auf den Weiden seh’n –
im Hause blanke Scheiben.

Am Fenster plattgedrückte Nasen,
bunte Blumen auf dem Sims –
am Feldrand sitzen stolze Hasen,
ich ruf hinüber – schaut – ich bin’s.

Pralle Früchte an den Bäumen,
die Äcker alle wohlbestellt –
Hecken schmucke Gärten säumen,
da hat man sich gern zugesellt.

Ich mein‘ zu hören Großpapa,
wie er sacht scherzt mit Großmama.
Will greifen nach ihr’s Rockes Saum,
und merke plötzlich – nur ein Traum.

Aus weiter Ferne heimgekehrt
find’ ich nur wilde Hecken –
mein Traum ist lange schon zerstört –
der Wind pfeift um die Ecken.

Ich hör kein Kinderlachen mehr,
kein Scherz von frohen Leuten –
ich kann mich mühen noch so sehr –
ich kann es mir nicht deuten.

©ee

Auf Spurensuche.

Auf Spurensuche.

Herbstfarben jetzt auf Blatt und Baum,
der Sommer war ein einz`ger Traum
von Sonne, Wind und klarem Wasser,
Oktober ist`s nun, nass und nasser.

Und hier und da liegt erster Schnee,
in Nebelgrau schäumt  heut` die See.
Nun merklich kühl streicht Wind die Wellen
der Morgen wird erst spät aufhellen.

Dann trägt der Tag ein buntes Kleid
der Winter ist jetzt auch nicht weit.
Laut lacht die Ahnung und ein Kind
hält seinen Drachen in den Wind.

Dort, hinter braunen Stoppelfeldern
erblühn mir neue, blaue Wälder.
Herbstzauber unter Wolkenweiß
vergessen ist das Sommerheiß.

© Chr.v.M.

Dankbar.

Dankbar.

Das Blau aus dem Himmel gewaschen,
der Wiese das Grün geraubt,
die Bäume von Blättern verlassen,
September, durch Arbeit verstaubt.
Dem Oktober mein Lächeln geschenkt,
es senkt sich nun wieder ein Jahr,

denkt nach: war`s nicht wunderbar ?

Wie das Blau in dem Himmel
mit der Sonne sich wandelt,
wie das Bunt auf den Wiesen
mit dem Herzen anbandelt,
wie die Bäume so schwer
jetzt Früchte tragen.

mit diesen Worten möchte ich sagen

seien wir dankbar Tag um Tag
für jeden Monat, der noch kommen mag.

© Chr.v.M.

Oktoberschlau.

Oktoberschlau

Es hellt bedacht das Blau der Wälder
es dampfen braun die Stoppelfelder
noch schläft der Steg, der Weg, die Weiten
sie träumen noch von Sommerzeiten.

Im Nebelmantel Morgengrau
erwacht ein Tag zu neuem Leben
Herbstfarben staunend Wunder weben
im Fortbeginn Oktoberschlau.

© Chr.v.M.

Ein kurzes Verhalten…

Ein kurzes Verhalten der flüchtig’ Gedanken
Hand greift nach Schatten der gar nicht mehr da
Die Seele gerät in schlingerndes Schwanken
Sie schlägt Kapriolen – macht Kopfstand sogar

Die Augen schleiert ein blitzender Nebel
Die Ohren trübt ein singender Ton
Die Stimme stummt ein drückender Knebel
Gefühle werden Bilder – die kennt man lang schon

Da hilft nur ein kräftiges heftiges Rucken
Da hilft nur ein schütteln des eigenen Ich
Nach einem kurzen schmerzhaften Zucken
Erkennst du das Leben und fühlst endlich dich.


©ee

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Wahrheit

Wenn die Wahrheit mit Schleiern behangen
und ihre Konturen versteckt,
dann ist die Klarheit im Nebel gefangen,
und das Leben im Dunste verreckt.

Wenn die Wahrheit erfährt nicht die Ehre,
die höher gewichtet als der Lüge Gebein –
wenn selbst der Gott’sdiener Heere
erliegen manch’ trügerisch Schein,

dann ist es um Welt wohl geschehen,
dann hilft auch kein Lutherkonvent –
weil selbst durch die Gott’shäuser wehen
die Schwaden von „Wahrheit
verpennt“.

Da mag man sich arg echauffieren,
wenn Wahrwelt nicht folget dem Schein –
da mag man das Tun insistieren,
und ändert doch nichts an dem Sein.

Selbst bischöflich wohlgesetzt’ Worte
von Gesten final unterstützt –
klingen wie aus der Retorte
die am Ende dann keinem genützt.

©ee

laubwälder entflammt

laubwälder entflammt

zitronen oder honiggelb,
in rost, ocker, orange die welt
dazwischen in purpurrot
und tiefem burgunder
fachwerkhäuser, ziegelbauten
staunend mir als tageswunder

reedgedeckt geduckte dächer
pilzgeruch der mich umfächert
samtgrün die hügel
es ruht dieser morgen
taufunkelnd schläfrig
und noch ohne sorgen.

© Chr.v.M.