Nelemale und Solamele .

Nelemale und Solamele . . .

N elemale war gerade erst eine Stunde alt – aber sie konnte schon fliegen – eine reine Pracht war das – kann ich euch sagen.  Vorwärts und rückwärts – hochkant und breit – rundherum und steil nach oben.  Sie konnte gar nicht stillsitzen – sie mußte erst alles ausprobieren.

Ach so – ihr wißt ja noch nicht, wer Nelemale überhaupt ist.

Nelemale – Nelemale ist eine kleine schwarze Stubenfliege – ihre Augen die blinkerten wie Sterne, und ihre Flügel – ihre Flügel, die schimmerten wie Weihnachtsglas.

Ihre feinen Beinchen konnte sie nach allen Seiten drehen – sie konnte sich damit am Köpfchen kratzen und im selben Moment die Propeller putzen. Das war so herrlich – sie konnte es selber noch nicht begreifen. Bloß später – wenn sie Schuhe haben mußte – da würde es wohl ein wenig schwierig werden.  Sie brauchte nämlich sechs Schuhe auf einmal – aber bis dahin dauerte es noch.  Jetzt mußte sie sich erstmal in der Welt zurecht finden.

Ihre Welt – das war die Küche.  Mit dem großen Torfofen – und mit den Speck – und Schinkenseiten, mit den Mettwürsten in Kringeln und in langen,  Wurstdärmen – die an den dicken Deckenbalken zum trocknen hingen.  Für eine kleine Stubenfliege, wie Nelemale eine war, war es das Schlaraffenland.  In der großen, dunklen Speisekammer standen Töpfe mit süßem Rahm, mit Schmalz und Grieben und mit gelber Butter.  Sie konnte sich nicht entscheiden, wo sie sich zuerst hinsetzen sollte. 

All diese Köstlichkeiten dufteten verführerisch – und sie schmeckten noch viel besser.  Hier ein bißchen probieren – da ein bißchen naschen – und zuletzt noch ein wenig am Honig schleckern.  Die Flügel wurden ihr vom hin-  und herfliegen lahm – und die Beine schwer. Es war Zeit, ein wenig zu schlafen.  Hinter der Küchentür stand ein brauner Weidenkorb – innen mit roten Tüchern gepolstert – richtig heimelig sah es darin aus.  Da drin wollte sie eine gemütliche Mittagsstunde halten.  Mit flottem Schwung flog sie in den Korb.  Zwischen den Gerätschaften, die so im Korb herum lagen, richtete sie sich häuslich ein.  Hier noch einen Strich über die Flügel bürsten – da noch das ein oder andere Bein ausschütteln – und dann schlief  Nelemale zwischen Kaffee-flasche, Brotdose, Kautabakstange, Tabaksbeutel und Pfeife ein.  Wenn sie auch nur einen Flügelschlag Ahnung gehabt hätte, was das für ein Korb war – sie wäre da ja nie nicht reingeflogen.  Woher sollte sie es wissen? Sie war doch man gerade erst ein paar Stunden alt.  Kaum das sie eingeschlummert ist, schlägt jemand den Deckel zu – ihr bleibt fast das Herz stehenAuf einen Schlag ist es um sie herum balkendüster.  Na, ja – so kann sie wenigstens in Ruhe schlafen.

Nelemale – wenn du wüsstest, was dich erwartet.  Sie war in Harms Vesperkorb gelandet – und war jetzt auf dem Weg ins Moor.  Harm wollte Torf graben.  Nachmittags zur Kaffeezeit bekam sie erst wieder den Himmel zu sehen.  Der Korbdeckel war noch gar nicht ganz offen, da war sie auch schon draußen.  Doch was war das?  Dies war ja eine ganz andere Welt!

Ein Summen und Pfeifen und Brummen schwirrte durch die warme Sommerluft – und all die Farben.  Blau und braun und weiß und rot – sie konnte ihre sechskantigen Augen nicht so schnell bewegen, wie die neuen Eindrücke auf sie zukamen.  Große gelbe Schmetterlinge und schwarz-gelb gestreifte Hummeln saßen auf bunten Blumen.  Wenn sie wegflogen, waren sie fast betrunken vom Nektar – so schaukelten sie durch die Luft.  Die wollenen Köpfe vom Löwenzahn und weißes Wollgras flogen mit ihr um die Wette – sie wollten sicher wissen, wer schneller durch die Luft sauste.  In einer Zeit von nichts hatte Nelemale die Küchenwelt vergessen – so leicht ist das.  Hier draussen gab es keine Mauern und Wände – an denen man sich den Kopf stoßen konnte – hier draußen war die unendliche Weite.  Alles um sie herum leuchtete und trillerte und lockte – Nelemale schaffte es bald nicht, sich alles anzusehen.  Fffjjjjiiiieeet – was war das?  Eine Schwalbe war auf Flügellänge an ihr vorbei gesegelt – jungedi – das war ja noch mal gut ausgegangen.  In ihrer Küchenwelt hatte es diese Gefahr nicht gegeben – da mußte man sich als Stubenfliege bloß vor den Honigschleifen – die unter der Decke hingen – in acht nehmen.  Nelemale sah das aber ganz gelassen – beim Teufel brennt das Feuer – und im Himmel gab es eben Schwalben.  Über das aufregende Treiben rings um sie her hat sie noch mit keinem Seufzer an Essen gedacht – plötzlich macht ihr Bauch einen so lauten Hüpfer, daß die Mücke – die neben ihr auf dem Heidekraut sitzt – rückwärts auf die Erde fällt.  Wo ist die Speisekarte – die Speisekarte muß sie unbedingt abfliegen.  Die Tische, über die sie wegfliegt, sind mit den besten Leckereien gedeckt.  Oft sind sie so vollgepackt, daß die Schlemmereien schon über den Rand laufen.  Hoch in die Luft steigt Nelemale – von oben – mit der Sonne im Rücken – kann  sie alles viel besser sehen.

Da vorne – zwischen den Erikabüschen – auf dem kleinen Hügel – als wenn da eine Krone steht.  Rot und grün und honigfarben leuchtet es in die Sonne.  Da muß sie hin – das kann ja nur etwas besonderes sein.  Ohne viel Kringelei steuert Nelemale im Sturzflug darauf  los .  Lange vor den letzten Flügelschlägen steigt ihr schon verlockender Duft in die Nase – da läuft so einer kleinen Stubenfliege ja das Wasser im Munde zusammen.  Kaddaradabumm – was war das?  Benommen guckt sie um sich zu – auf einem großen Torfbrocken liegt sie – auf dem Rücken. Sie muß mit irgend jemand zusammengerasselt sein – auf ihrem Flug in den Speisesaal.  Da wo sie landen wollte, steht ein kleines Mädchen – so zart und fein – man kann glatt durch und durchgucken.  Grüß dich – Nelemale.  Wie Engelsgesang klingt die Stimme, die sie hört.  Ich bin Solamele – die Moorfee – ich muß hier im Moor aufpassen, damit auch alles seinen rechten Gang geht.  Ja man – aber warum hast du mich denn auf dem süßen, gelben Grund nicht essen lassen?  Mein Magen knurrt wie ein alter Hofhund – er hängt mir schon in allen sechs Kniekehlen.  Nelemale war richtig ‘n bißchen wütend auf  ihre neue Bekanntschaft.  Wenn ich dich nicht aufgehalten hätte – du hättest nie mehr essen können – die kleine Moorfee schlug mit ihren seidenen Flügeln einen anmutigen Bogen.  Paß gut auf – gleich kommt der alte Knister-Knaster.  Seine Lebenskerze ist abgelaufen – den kann ich nicht aufhalten – dann siehst du, was passiert.  Solamele hatte noch gar nicht zu Ende gesprochen, hörte Nelemale ein Brummen.  Eine dicke, blauschimmernde Pferdefliege kam angetrommelt – flog drei, vier Bogen über der Krone – und setzte zur Landung an.  Der Dicke hatte sich auch wohl sein Abendbrot ausgewählt.  Ein paar mal hopste er über den gelben Grund – und dann standen seine Flügel still.

Bis er sein Kleckerlatz umgebunden , und Messer und Gabel zurecht gelegt hatte – das dauerte ein Weilchen.  Endlich saß er bequem und wollte so richtig loslegen – als es klapp machte – und die Krone sich geschlossen hatte.  Nelemale rutschte vor Schreck das Herz in die Hose – ganz blaß war sie geworden.

Jetzt weißt du – sagte Solamele, die Moorfee – wie es in der Natur zu geht.  Wenn ich meine Augen nicht überall hätte, würde unser Sonnentau alle Tiere auffressen, die ihn besuchen wollten.  Nelemale mußte erstmal kräftig schlucken – der Hunger war ihr rein vergangen – das tat sie sich aber dick hinter die Ohren schreiben.  Als sie sich nach einer Weile umdrehte,  um Solamele zu danken, war die kleine Moorfee schon lange anderswo – um Ordnung zu halten – im Leben hier im Moor.© ee

Sternenkinder

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Eines abends
trug der Wind den Frühling
an das offen Fenster
leise hatte sich der Tag
mit Blütendüfte gefüllt

sacht noch und vorsichtig
in Farben gehüllt,
das der Mond sich verneigte
und voll vor Verlangen
schmal sich vornüber beugte

seitdem
hängt am Sichelmond
die Ewige Wiederkehr
sichtbar uns Menschen
zwischen dem Sternenlicht.

Sagitta. © Chr.v.M.

Rosenrot.

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Rosenrot.

 

Seit ein paar Stunden war es schon dunkel. Um vier Uhr hatte die Sonne noch einmal kurz durch ein Wolkenloch geschaut, und gute Nacht gesagt.
Ein bißchen blaß um die Nase war Frau Sonne anzuschauen gewesen. Ein dicker Wolkenschal lag um ihren Kopf, als wenn ein Schnupfen sie ärgerte. Mit einem kräftigen „Hatschi“, von dem die Wolkenschäfchen noch einmal kräftig durcheinander geschüttelt wurden, war sie dann in ihrem Bett hinter dem Horizont verschwunden.
Das Sandmännchen war schon seit einer Stunde unterwegs zu den Kindern – es war für die Kleinen Zeit, schlafen zu gehen.
Auch in der Rosenduftgasse 3 klopfte der Sandmann fröhlich pfeifend an die Tür, um daran zu erinnern.

„Mama … bitte, bitte … noch einmal ‘Rosenrot’ – … einmal noch, büddeeee …“ so weich und warm wie Henriettes Köpfchen sich an Mamas Brust kuschelte, so weich und warm waren auch ihre knuddeligen Ärmchen, die ihre Mama ganz fest drückten.
„Na gut – einmal noch … aber dann geht’s ab in die Heia.“
Zärtlich berührten Mamas Lippen den braunen Lockenkopf ihres kleinen Rehleins. Rehlein nannte sie bei sich ihr Töchterchen, ihre liebliche Henriette.
„Rosenrot ist auch müde …, wenn wir sie nicht bald schlafen lassen, dann kann sie morgen nicht tanzen.“
Wie jeden Abend drehte Mama dann das große Licht an der Zimmerdecke dunkel, so daß nur noch das silberne Mondlämpchen über Henriettes Himmelbett ihr zartes Leuchten durch das Zimmer schickte.
Und wie jeden Abend schob Mama die Fenstervorhänge zur Seite. So konnten sie beide die Schneeflocken draußen im Garten, zwischen den weiß geschmückten Bäumen, tanzen sehen.
Heißa, wie die Flöckchen sich tummelten – sie schwebten vorwärts und rückwärts – sie drehten sich im Kreise – sie schlugen übermütig Purzelbäume um die blinkernden Äste, als warteten sie auch voller Ungeduld auf Mamas Geschichte. Die Geschichte von der Fee Rosenrot.

„Rosenrot wohnt, wie alle Feen, weit, weit weg, im Feenwunderland. Das Feenwunderland liegt sieben Winterjahre hinter dem Sommer, müsst ihr wissen. Wenn die Bäume grünen, und die Blumen das Wunderland bunt färben, drücken alle kleinen Feen von morgens bis abends die Schulbank. Es gibt soviel, was sie lernen müssen – von ihren durchsichtigen Flügelchen tropfen vor Anstrengung oft viele blinkende Schweißperlen.
Der Hofmarschall der Feenkönigin sammelt den ganzen Sommer lang jedes Tröpfchen in großen schillernden Krügen. Das ist von jeher eine wichtige Arbeit im Feenwunderland. Nicht ein Tröpfchen darf er übersehen, denn wenn auch nur ein einziges Perlchen nicht in dem Krüglein landet, werden im nächsten Menschenwinter keine Schneeflocken fallen, und die Feenmädchen können nicht für die Kinder, die drinnen an den Fensterscheiben sich die Nasen platt drücken, draußen in den Gärten in den silbern blinkenden Bäumen tanzen.
Ein kleines Feenmädchen war vor einiger Zeit der Feenkönigin bei ihrem Besuch in der Tanzschule aufgefallen. Es tanzte so leicht und so anmutig – so etwas hatte die Königin samt ihrem Hofstaat, der die Feenkönigin stets auf ihren Ausflügen begleitet, noch nicht gesehen – und daß es etwas gab, was die Königin noch nicht gesehen hatte, das war erst einmal, im überletzten Winter während einer Reise in die Menschenwelt, vorgekommen.
Sie hatte damals, an einem mondhellen Abend, in ein Fenster geschaut, aus dem warmes, gelbes Licht nach draußen in den Garten schien.
Was sie da sah, hatte sie vor Rührung ein paar Tränen weinen lassen, die sie als glitzernde Kristalle für Henriette – Mamas Rehlein war nämlich dieses kleine Mädchen – als Geschenk auf die Fensterbank legte.
Am nächsten Morgen – beim ersten Blick aus dem Fenster – sah Henriettchen sie da liegen. Die Tränen der Königin waren zu wunderschönen Diamanten geworden.
Ihre Mama ließ daraus bei Meister Hutzebutz – Meister Hutzebutz war der alte Goldschmied im Dorf – für ihr Rehlein gleich zwei wunderschöne Ohrringe machen.
Das allerliebste Rehlein – die Feenkönigin wußte natürlich, daß die Mama ihr kleines Mädchen in ihrem Herzen Rehlein getauft hatte – also, das allerliebste Rehlein ging der Feenkönigin seitdem nicht mehr aus dem Sinn. Wenn sie in ihrem Thronsaal umherspazierte, und die schweren Regierungsgeschäfte überlegte, dachte sie immer auch darüber nach, womit sie Henriette noch eine Freude machen könne. Es war ihr partout noch nichts eingefallen, was schön genug für das kleine Rehlein wäre.
Bis zu der Sekunde, als sie in der Feenschule die kleine Fee Nele so zauberhaft tanzen sah. Da plötzlich wußte die Königin, womit sie das kleine Rehlein beschenken würde.
Der Hofmarschall, die Oberfee, die Tanzlehrerin, der Oberhofzeremonienmeister, der Hofgärtner, der königliche Hofmaler, der Meister der Duftmischer – sie alle mußten im Thronsaal zur Audienz erscheinen.
Die Königin sagte ihnen, was sie sich für das kleine Rehlein vorstellte, und jeder bekam von ihr gesagt, was er dabei zu tun hätte. Überall wurde in den nächsten Tagen gewerkelt, gebastelt, gemalt und gedichtet. Ganz viele Überstunden musste der königliche Buchhalter in seine dicken schwarzen Kladden eintragen.
Die Seidenspinnerinnen wurden beauftragt, die feinste Seide zu spinnen – die Weberinnen bekamen den Auftrag, auf ihren goldenen Webstühlen die schönste Robe zu weben die jemals eine Fee getragen hatte – der Hofmaler wurde mit seinen Farbentöpfen solange in der Werkstatt eingeschlossen, bis er das rosigste Rot gemischt hatte – und den Duftmischer schickte die Königin gar durch das ganze Reich, um den lieblichsten Duft zu suchen.
Im ganzen Schloß wurde, rund um die Uhr, vor Freude gesungen und gelacht – so etwas hatte es noch nicht gegeben.
Endlich war es soweit – die Nacht der Nächte war gekommen.
Der Hofmarschall wurde mit siebzehn gläsernen Schlitten vorausgeschickt. Alle Schlitten waren bis über den Rand mit glitzernden Schneeflocken beladen. Während der Fahrt purzelten an den Seiten schon ganz viele Flöckchen herunter, und hinterließen am Himmel eine weiße Spur, auf der die Königin mit allen Feen folgte.
Die kleine Fee Nele saß, vor allen neugierigen Blicken verborgen, in der goldenen Kutsche der Königin.
Es war die Zeit des Schlafengehens, als der große Zug, hoch am Himmel über der Rosenduftgasse 3, ankam. Ein königlicher Bote musste schauen, ob die Mama das Rehlein auch gerade zu Bett brachte. Sie hatten genau die richtige Zeit getroffen.
Auf einen Wink der Königin ließ der Hofmarschall die Schneeflocken von allen siebzehn Schlitten auf die Erde rieseln – und mitten in den vielen Schneeflocken schwebte die kleine Nele zur Erde nieder.
In ihrem rosenroten Kleidchen tanzte sie in der weißen Pracht im Garten vor Henriettes Fenster.
Das kleine Rehlein in Mamas Armen konnte gar nicht fassen, was sie da vor ihrem Fenster sah – eine leuchtende rote Rose tanzte mitten im Winter zwischen Millionen von Schneeflocken. „Mama … guck mal… guck mal … da draußen tanzt Rosenrot.

Und so kam es, daß die kleine Fee Nele nun für alle Zeiten Rosenrot heißt.© ee

 

Kinderaugen.

Kinderaugen.

Kinderaugen sprechen Bände,
man muß sie nur verstehen können –
Kinderaugen haben Hände,
sie können gut und böse trennen.

Kinderaugen sind das Leben,
unendlich tief und rein der Quell –
Kinderaugen wollen geben,
greif zu – denn sie sind furchtlos schnell.

Kinderaugen sagen Wahrheit,
denn nichts trübt ihren klaren Blick –
bewahre ihnen diese Klarheit,
denn dann bewahrst du Kinderglück.

Das dir dereinst in spätem Alter
schenkt was du längst verloren hast –
es schwebt um dich als bunter Falter,
erleichtert dir des Lebens Last.

© ee

Wortküsschen.

Wortküsschen.

.

 

Die Nachteule:

Gutenacht – Geschichten.

 

zwischen den Buchdeckeln versammelt, viele Kindergeschichten und Gedichte in Hochdeutsch und in Platt abends zum Vorlesen oder am Tag oder einfach zwischendurch …

Ein  Kinderbücher für Groß und Klein , für  Eltern,  Omi und Opa,  Tante, Onkel ,ein Kinderbuch für Alle zur Freude der kleinen Zuhörer.

Herr Ewald Eden  schrieb auf die erste Seite seines Buches :

Am Anfang stand das Wort.

So
soll es auch
am Anfang einer jeden
guten Nacht
stehen.

 

Ein Kinderbuch das ich empfehle. Seine sachten, zärtlichen, Kinderbunten weichen Worte liebevoll gesetzt für kleine Zuhörer. Ihr könnt es hier kaufen : https://www.amazon.de/

Die Nachteule: Gutenachtgeschichten
Ewald Eden
Kindle Edition EUR 5,99 Euro
Taschenbuch EUR 8,99   Euro

 

Kinderaugen.

Kinderaugen

Kinderaugen sprechen Bände,
man muß sie nur verstehen können –
Kinderaugen haben Hände,
sie können gut und böse trennen.

Kinderaugen sind das Leben,
unendlich tief und rein der Quell –
Kinderaugen wollen geben,
greif zu – denn sie sind furchtlos schnell.

Kinderaugen sagen Wahrheit,
denn nichts trübt ihren klaren Blick –
bewahre ihnen diese Klarheit,
denn dann bewahrst du Kinderglück.

Das dir dereinst in spätem Alter
schenkt was du längst verloren hast –
es schwebt um dich als bunter Falter,
erleichtert dir des Lebens Last.

© ee

Die Nachteule: Gutenachtgeschichten.

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Ein  Kinderbücher für Groß und Klein , für  Eltern,  Omi und Opa,  Tante, Onkel ,ein Kinderbuch für Alle zur Freude der kleinen Zuhörer.

Herr Ewald Eden  schrieb auf die erste Seite seines Buches :

Am Anfang stand das Wort.

So
soll es auch
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die Froschkönigin.

 

Quaak – der kleine Frosch.

 

Jan-Peter hat ihn Quaak genannt – den kleinen, grünen Frosch. Er wohnt in der Wasserkuhle – gleich am Ende des Gartens. Am Anfang des Sommers war er plötzlich da.

„Mama, Mama“ – kam Jan-Peter nachmittags aufgeregt in die Küche gelaufen – „guck mal, was ich gefunden hab.“

Er hatte einen kleinen, grünen Frosch in seiner Faust. „Das ist ein kleiner . . .“ fing Mama an zu erklären, als Opa, der in dem großen Schaukelstuhl saß und so tat, als würde er Zeitung lesen – in Wirklichkeit beguckte er sich von innen, wie Mama immer sagte – seine Zeitung beiseite legte.

Er war wohl durch Jan-Peters aufgeregtes Schnötern in seinem Innenbegucken gestört worden. „Das laß mich man eben machen – mein Deern.“ Opa nannte Jan-Peters Mama immer mein Deern – sie war ja seine Tochter. „Ich will dem Lütten das wohl erklären.“

Dabei strich er dem Lütten – wie er immer zu Jan-Peter sagte – zärtlich durch die wuscheligen Haare. „Ikk moot blods ähm mien Schluuren uttrekken.“ Opa sprach oft plattdeutsch mit Mama. Er war erst vor drei Jahren von Uttum zu ihnen gezogen – Oma war vor drei Jahren gestorben.

In Uttum – bei Oma und Opa – war Jan-Peter immer am liebsten gewesen, wenn Papa Urlaub hatte. In den Sommerferien fuhr er dieses Jahr mit Opa nach Pewsum – Granat schieben. Das war abgemachte Sache – unter Männern – so wie Opa das sah.

Die drei – der kleine grüne Frosch, Jan-Peter und Opa zogen nach draussen. „So, mien Lütten. Nun zeig Opa mal, wo du den Frosch gefunden hast.“ Opa hatte sich hingekniet, damit Jan-Peter nicht immer zu ihm hochgucken mußte.

„Hier, Opa – h-h-h-ier“ – Jan-Peter fing vor Aufgeregtheit so’n büschen an zu stottern – und zeigte mit seinen kleinen Fingern auf eine Insel im Schilf.

„Denn woll’n wir ihn man schnell wieder da hinsetzen – seine Mama tööft sicher schon auf ihn“ – Opa schnackt ab und zu schon mal ein plattdeutsches Wort dazwischen – aber Jan-Peter versteht das – er ist ja ein halber Uttumer Jung.

Ganz vorsichtig nimmt Opa Jan-Peter seine Hand – und schwupps – ist der kleine Frosch in das Wasser gehüpft. Im ersten Moment zieht ein wenig Traurigkeit über Jan-Peters Gesicht. „Tööf man“ – sagt Opa leise, und nimmt Jan-Peter in den Arm. Und richtig – Opa hat seine Pfeife noch gar nicht ausgeklopft, sehen sie aus dem Wasser auch schon zwei runde Froschaugen blinkern. Als wenn sie sagen wollten: ‚Danke, das du mich wieder nach Haus gebracht hast.’

Jan-Peter strahlt über das ganze Gesicht. „Kiek“, sagt Opa – „so mutt dat wääsen. Wir beide gehen nun jeden Abend hierher, und besuchen den kleinen Frosch. Du sollst sehen – dat word noch dien Frünnd.“
Soviel hatte Opa lange nicht an einem Stück geredet.

Jeden Abend, wenn es schummerdüster wurde, saßen Jan-Peter und Opa nun am Teichrand im Schilf und warteten gespannt auf den Frosch. Am vierten Abend guckten wieder zwei runde Augen aus dem dunklen Wasser. „Quaak“ sagte es ganz laut.

„Opa – Opa, Quaak ist wieder da“ – Jan-Peter wäre am liebsten so ins Wasser gelaufen – sein Freund war wiedergekommen. Und so blieb es – die beiden saßen abends gerade an der Kante, dann war Quaak auch schon da. Jan-Peter konnte richtig mit ihm reden.

Wenn Mama ihn anschließend zu Bett gebracht hatte, machte sie das Kammer-fenster weit auf – und sein Freund Quaak erzählte ihm jeden Abend eine Gutenacht Geschichte – und jeden Abend mußte der kleine Frosch von neuem anfangen zu erzählen – denn jeden Abend schlief Jan-Peter nach der Hälfte der Geschichte ein.©ee

****************

… und wer von Euch Plattdeutsch versteht – für den wird die Geschichte nun in Platt erzählt:

 

Quaak – de Porch

Jan-Peter hett hüm Quaak nöömt – denn lütjien gröönen Porch. He woahnt in de Woaterpol bi us glieks achter d’ Huus. Tomoal wee he dor.

„Mama … Mama …“ keem Jan-Peter eergüstern ganz upgeräächt in de Köken suust. He har gannskkeen Tied hat, sien Gummistävels uttotrecken. As schwaarte Oantenstappen leet sien Footspoar up de witten Steenploaten. He har sien Stävels moal wäär verkeert rüm antrukken.

„Kiek moal wat ikk funnen hevv.“
He har een heel lüütji Porch in siene Füüsten.
„Dat is een lütten Porch …“ wull sien Moder hüm jüst verkloaren, as Opa in de Döör rinkeem.

„Dat loat mi man ähm moaken, mien Deern“, sää he to Jan-Peters Mama. „Ikk will hüm dat woll verklokfiedeln.“ Dorbi nääm he Jan-Peter bi de Hand – netso as he dat jümmers de, wenner de beid Mannslüü wat to beschikken harn, as Opa dat nööm.

„Koam man mit Opa.“ So trukken de dree noa buten. Opa, Jan-Peter un de lüütji, grööne Porch. Buten in d’ Tuun an de Kant van d’ Woaterpol gung Opa up sien Kneen to sitten. Wiel – denn bruks Jan-Peter nich stoadich to hüm hochluuren.

„So, mien Jung – nu wies mi man även wor du de Porch funn’n häst.“
„Hier – Opa – hier.“
Jan-Peter wee vöör Upgerächtheit an trillern, un wies mit sien Fingers noa een Stääe tüschen de Reiten.

„Denn willt wi hüm man gau wäär noa Huus breng’n, sien Mama tööft säker all up hüm.“
Heel versichtich nähm he Jan-Peter siene Hand mit de Porch dorin- un schwupps – wee de Porch in dat Woater sprungen.

In de eerste Moment trukk son bietji Truurichkeit manken dat Kinnergesicht.
„Tööv man een bäten“, sää Opa. Worbi he sien Enkel in d’ Aarm neem.
Un richtich – Opa har sien Piep noch gannich togaang brocht – dor keeken all twee gluubsche Oogen ut dat Woater. As wenn se särgen wulln : ‚Ikk dank di dorföör, dat du mi wäär noa Huus brocht häst.’ Jan- Peter hööch sükk över d’ heele Gesicht.

„Kiek“ – sää Opa – „so mutt dat wääsen. Wi beid goaht nu elker Oabend hierher un besöken de lüütji Porch. Du schasst sehn, dat word noch dien Frünnd.“
Jeder Oabend, wenn dat schummerdüster wuur, seeten Opa un Jan-Peter nu an de Kant bi de Reiten un wachten gespannt
up de Porch. An de veerte Oabend keeken dor wäär twee Oogen ut dat dunkel Woater.
“Quaak “- sää dat tomoal.
“Opa, Opa – Quaak is dor.”

Jan-Peter wee am leevsten so in dat Woater strumpelt – sien Frünnd wee wärkoamen. Elker Oabend – de beiden harn sükk man jüüst an de Kant sett, keek Quaak ok allwär to. Jan-Peter kunn richtich mit hüm schnakken.

Wenn Mama hör Jung denn to Bäed brocht har, mook see dat Koamerfenster wiet oapen, un sien Frünnd Quaak vertell hüm elker Oabend een Goodenachtgeschicht –

un elker Oabend muß de lüütji Porch wäär van vöörn anfangen to vertellen, denn elker Oabend schleep Jan-Peter noa de .©ee

 

auch zu finden in unserem Kinderhäuschen heir auf WORTflug auf dieser Seite :

https://christinvonmargenburg.wordpress.com/inventur-der-gedanken/unser-kinderhaeuschen/