Ein schöner Tag . . .

Ein schöner Tag –


das sagt sich leicht,
das klingt so gut nach Liebe –
ein schöner Tag –
was ist das?

Ein schöner Tag


der bringt Gefühle;
die anders sind als kraus –
doch wirklich schöne Tage
die sehen oft wie Bernstein aus:

Da stellt man sich die Frage,
was ist des Glückes Schein –

ist es die pure Sonne,
ist es des Sturms Gebraus?
Sind es des Fühlens Schatten,
oder der Tränen Lauf?

Wenn alles du genossen,
wenn alles du gelebt,
wenn wie in Erz gegossen
dein Inneres gebebt,

dann weißt du

wie ein schöner Tag
mit dir die Zeit erstrebt.

©ee

Du einzige Liebe . . .

Du einzige Liebe . . .

W as heißt schon Vernunft
wenn es um die Liebe geht –
was heißt schon Zukunft
wenn der Atem Gottes weht

Was heißt schon Schicklichkeit
und denkt doch an die Leute –
was heißt schon ihr seid doch zu alt,
und wir haben heute.

Gestern, heute, morgen, immer
wenn uns der Hauch des Schicksals streift
ist die Welt ein kleines Zimmer,
in dem die Zeit die Zeit begreift.

In dem die Zeit begreift das Leben,
in dem die Zeit es möglich macht,
daß wir uns ganz dem andern geben,
uns auch im Sturm der Himmel lacht.

In dem man an den andern denkt,
mit Blumen in der Seele –
in dem man sich dann selbst verschenkt,
mit Jubeln in der Kehle.

Das Zimmer möcht’ man nie verlassen –
dort möcht’ man ewig glücklich sein –
man möchte nur zwei Hände fassen
und sagen ich bin immer dein.

©ee

Die Macht der Liebe . . .

Die Macht der Liebe . . .

F ließen Ströme, fließen Bäche,
fließt das Wasser, fließt das Wort –
empfindest du’s oftmals als Schwäche,
das rechte Tun am falschen Ort.

Gedanken fliegen frei durch Wände,
keine Grenze hindert sie –
greifen noch so viele Hände,
man fängt sie nicht – man faßt sie nie.

Blicke poltern durch die Köpfe,
erfassen manch Gewissensloch –
sie entflechten alte Zöpfe,
an denen man den Moder roch.

Gefühle legen sich auf Herzen,
oft hart wie Stein und tonnenschwer –
macht manches Böse dir mal Schmerzen,
tu Gutes – und tu es noch mehr.

©ee

am Morgen.

am Morgen.

D er Himmel zeigt die erste Röte,
verschämt noch und erst zögerlich –
ein Vogel zwitschert gleich ’ner Flöte,
es klingt verhalten heimatlich.

Tautropfen blinken tausendfach,
sind wie das Heer der Sterne –
wohl in dem grünen Blätterdach,
in armesweiter Ferne.

Der Nebel steigt in breiten Bahnen,
aus tiefen Schluchten licht empor –
das sind des Nachtgeist’s Heeresfahnen,
sie streben zu des Himmels Tor.

Sie ziehen auf zur letzten Schlacht,
bis sie ermattet fliehen –
und weichen dann der Sonne Macht,
die sie friedlich läßt

des Weges ziehen…

© ee

* Tagesporzellan *

n och purpur glockenumhangen
die aufsteigende nacht,
ein tagesporzellan zerspringen,
durch lichtgewirr
in das lachen des abends.

bald schwimmendes versinken.
hinter fensterscheiben
ein beschützendes dunkel,
sternregen durch alle zimmer
traumhell in mir

und zwischen
meinem zärtlichen Gedanken
sehnsuchtsumwoben

einen Kuss an Dich.

© Chr.v.M.