Frühling

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Frühling

Frühling, schöner Blütentraum!
Kommst endlich nun nach grauen Tagen –
und wieder wird, man glaubt es kaum,
der alte Kirschbaum Früchte tragen.

Die Sonne hat jetzt Ernst gemacht
mit Vogelsang und Blütenduft.
Die Frösche quaken schon zur Nacht,
Frühling liegt in der Luft.

Der Kirschbaum blüht in vollem Flor,
nun weht von Süd der Wind.
Die Spatzen tschilpen überm Tor,
weil sie so fröhlich sind.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

GE

Träume . . .

Träume . . .

Träume – kann man Träume fangen –
wenn man durch das Leben geht?
Sie sind oftmals doch ein Bangen –
das durch dunkle Nächte weht.

Träume – kann man Träume fühlen –
wenn man durch den Alltag schreitet?
Wer träumt, der sitzt oft zwischen Stühlen –
wenn das Leben ihm entgleitet.

Träume – kann man Träume sehen –
wenn man Welt im Auge hat?
Die sachte dann im Nichts verwehen –
als wenn man sie um Stille bat.

Träume – kann man Träume riechen –
wenn sie durch die Köpfe fliegen?
Wenn Gestalten um dich kriechen –
die überall im Wege liegen.

Träume – kann man Träume leben –
ausgefüllt und traumesschwer?
Wenn sie in das Sinnen streben –
das da schwebt – so traumesleer.

Träume – kann man Träume fragen –
was da kommt und was wohl nicht?
Sie dir oft die Wahrheit sagen –
in Dunkelheit und auch im Licht.

© ee

Standhaft . . .

Standhaft . . .

Wie ein Fels in der Brandung
wie eine Insel im Meer
so bist Du – meine Liebe
nichts wiegt mir so schwer

in den heftigsten Stürmen
in der dunkelsten Nacht
kann mich nichts schrecken
weil mein Stern irgendwo wacht

mag die Hölle auch winken
mit der süßesten Frucht
selbst wenn Zweifels Zinken
die Zerstörung versucht

ich werde nicht zaudern
ich werde nicht weichen
selbst wenn der Himmel hernieder fällt
werde ich niemals die Segel streichen
.

© ee

Eine Sache die mich umtreibt …

Eine Sache die mich umtreibt …

Wo hat Er bloß die vielen Ecken
Schubladen und Regaleböden,
um all die Wetter zu verstecken
vom Herrgottsschön zum Nebligschnöden,
wenn Er sie grade mal nicht braucht?

Der Himmel als sein Lagerhaus
ist doch ein endlos runder Bau –
da sieht man doch die kleinste Maus.
Das weiß doch selbst ein Schweinchen Schlau –
wenn’s quiekend durch die Suhle kraucht.

Ich hege stets aufs Neu’ die Ahnung,
daß Er ein bannig kluges Wesen –
das trotz aufgeräumter Wohnung
ein heillos krauses Wetter macht –
ganz so, als wär’s von Hand verlesen.

© ee

Ein Inseltag

Ein Inseltag

Die Sonne sie strahlt um die Wette
mit dem Glücksschein um der Liebsten Mund
der Wind legt Wolken an die Kette
daß sie nicht stör’n dies schöne
Rund

ganz sachte hört man nur ein Rüscheln
im hohen Gras am Dünenrand
zwischen des Strandes Fliederbüscheln
suche ich zärtlich deine Hand

vom Wassersaum auf leichten Schwingen
streicht eine Möwe stolz dahin
als wollte sie uns Grüße bringen
wollte verzaubern unsern Sinn

ihr Schatten sprenkelt deine Haut
er spielt in deinen Haaren
dein Bild in mir Begehren staut
gewiß auch noch nach langen Jahren

© ee

Spuren.

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Spuren . . .

D ie Tränen die der Wind verweht –
sie sind das Salz des Lebens,
die Hoffnung in der Hoffnung steht –
man weint sie nicht vergebens.

Die Spuren im Gesicht der Seele –
gezeichnet vom Entbehrten,
man sieht, daß uns das Liebste fehlte –
sie uns das Glück verwehrten.

Das Bild, daß man im Herzen trug –
es konnte nicht verblassen,
man jedem auf die Finger schlug –
der es wollte fassen.

Die Zeit verstrich – sie malte Bilder –
behängte viele Wände,
für uns war’n es bloß Hinweisschilder –
wie wegweisende Hände.

Alles das – es war kein Spiel –
nur – wir mußten warten,
und plötzlich tat sich auf das Ziel –
wir war’n in unserm Rosengarten.

© ee

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Der Zirkus ist da .

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Der Zirkus ist da.

E in Ruf geht durch die Strassen –
am Dorfrand wird es bunt,
jeder soll Arbeit ruhen lassen –
für Stunden geht die Kurzweil rund.

Die Augen sehen Zirkusluft –
die Ohren hör’n Vergangenheit,
in Nasen da steigt fremder Duft –
Erinnerung macht Herzen weit.

Menschen sind aus vielen Winden –
herbeigeeilt von ganz weit her,
hier kann man das Glück noch finden –
Lachen läuft wohl kreuz und quer.

Träume flimmern – fremde Laute
fliegen durch den Sommertag –
dazwischen auch wohl altvertraute
Töne – wie ein Glockenschlag.

Für Stunden ist die Zeit verschwunden –
zeitlang ist man wieder Kind,
Jugendträume losgebunden –
wiegen sich im Sommerwind.

Tiere wie aus Märchenbüchern –
ziehen rund in der Manege,
fahrend’ Volk in wehend Tüchern –
tanzt mit Raubvieh im Gehege.

Der letzte Beifall ist verweht –
der Hut geht durch der Klatscher Rund,
das Baashaupt in der Mitte steht –
tut auch schon den Abschied kund.

So famos wie sie gekommen –
ebenso leise gehen sie,
sie haben keinem was genommen –
bloß Freud’ für alle brachten sie.

© ee

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Darf ich …?

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Darf ich …?

Sie dürfen alles und Jedes
Ob per Rad oder Pedes

Sie dürfen lachen
Sie dürfen weinen
Sie dürfen anderen Freude machen

Sie dürfen in der Zeitung erscheinen
Ob als Anlaß für einen Skandal
Oder als Gründer einer Nichtschwimmerpartei

Ob als Sitzer auf einem Pfahl
Oder Entdecker eines neuen Kolumbusei
Sie dürfen sich den Charakter verbiegen
Oder nackend in der Sonne liegen

Sie dürfen berichten über das Wetter
Ob es nun wahr ist oder geschätzt
Sie dürfen erzählen von ihrem Vetter
Und daß er barfuß durch die Hölle gewetzt

Sie dürfen sich als wilder Verführer betrachten
Dem keine Frau ihre Unschuld verwehrt
Und sagen daß siebzehn Kinder sie machten
Von denen keines ihr Gewissen beschwert

Sie dürfen glauben sie wären ein strahlendes Licht
Und ohne sie könnt die Welt nicht bestehen
Nur eines mein Lieber das dürfen sie nicht
Nicht Heute und auch nicht an kommenden Tagen

Sie dürfen mir nicht auf den Wecker gehen
Denn das mein Bester,
kann ich auf den Tod nicht vertragen .

© ee

die Gänseliese

Hinter mächtig alten Bäumen
auf wintersbrauner Sommerwiese
steht eine Burg – so recht zum träumen
es fehlt nur noch die Gänseliese

aus Fenstern – wie aus blanken Augen
schauen fröhliche Gesichter
man spürt Zeit an der Seele saugen
und sehnt sich warme Festtagslichter

im Geiste hört man musizieren
es klingt wie zarter Engel Chor
ganz plötzlich ist nichts mehr mit frieren
man kommt sich wie im Himmel vor

man lässt das Denken einfach schweben
malt sich den Duft von süßen Plätzchen
man möchte’ sich selbst ein Küsschen geben
weil man verliebt in dieses Schätzchen.

©ee