Frauen.

Frauen …

w as wären Männer ohne Frauen

sie wären Besen ohne Stiel

sie wären federlose Pfauen

sie wären Wege ohne Ziel

Frauen …

sie kennten nicht das sich verschenken

sie würden treiben ohne Wind

sie würden nicht an Liebe denken

sie wären taub und stumm und blind

Frauen …

was täten Männer ohne Frauen

sie schlügen Tag und Stunden tot

sie sähen nicht den leuchtend blauen

Himmel und der Rose Rot

sie fühlten nicht der Tränen Feuchte

sie spürten nicht der Seele Licht

sie fänden nicht des Herzens Leuchte

wenn die Kraft in ihnen bricht

© ee

Fliege bunter Vogel, flieg

Bild von Evren Ozdemir auf Pixabay

Fliege bunter Vogel, flieg

e rkunde die Schönheit der Welt
laß dich tragen von südlichen Winden
laß streicheln dein zartes Gefieder
raste an Plätzen die Frieden verheißen

laß niemals in Wüsten dich nieder
laß dich nicht blenden von falschem Gesicht
folge nicht Rufen die irgendwo enden
folg’ nicht dem Verlocken das die Flügel dir bricht

flieg dahin wo die Rose dir blüht
flieg dahin wo dich verstehen zu Haus
flieg
über Berge und Täler

meide der Jäger schreckliche Fallen
und tanze niemals auf dem Vulkan
wenn du alles gesehen
und nichts dir behagt

dann lasse vom Winde dich treiben
lasse dich treiben
zurück in mein Herz
das dich nie nach Vergangenem fragt

du bist mir willkommen
ob du heil oder ob du völlig zerrupft
nichts wird von mir dir übelgenommen
einzig mein Herz dann vor Seligkeit hupft

© ee 2005

Grosse Worte …

Grosse Worte …

Großer Worte heller Glanz
das ist oft Truges Schein
bau deinem Fühlen eine Schanz
schon verblasst er von allein

wenn er das Kleid gewechselt hat
erscheint als bunter Gasballon
dann piekse ihn nur mal ganz zart
die Luft entweicht mit lautem Ton

dich störts nicht dieses rumgetöse
du lässt ihn platzen diesen Wicht
du bist ihm nicht mal richtig böse
für diesen unsensiblen Knall

lässt ihn allein in dem Gekröse
bleibst hinter deinem festen Wall.

© ee

Frühling im Moor . . .

Frühling im Moor . . .

Das junge Grün am alten Baum
steht zart vor weißer Wolkenpracht
die Füllen jagen ohne Zaum
im Blau die gold’ne Sonne lacht

Die Kätzchen in den Weidenbüschen
perlmuttgefärbt der Blütenstaub
das Binsengras in dicken Rüschen
die Hasel treibt ihr erstes Laub

Auf Moores Kolken sieht man Wellen
ganz sacht wohl – wie im Kreis gedreht
man hört ’nen Pfeifton – einen hellen
ganz leicht er über’s Wasser weht

Das Bläßhuhn streicht durch Ufers Weihe
sucht einen Platz für’s Brutrevier
der Torf steht schwarzbraun in der Reihe
immer gehockt zu vier auf vier

Der Knüppeldamm zu meinen Füßen
er schwankt bei jedem Schritt
das Moor läßt aus Vergangenheit grüßen
und nimmt ein Stück der Zukunft mit
.

©ee

Ein Morgen am Deich . . .

Ein Morgen am Deich . . .

Der Morgen hat mit vieler Mühe
sich von der dunklen Nacht befreit –
in Nebelfeldern stehen Kühe,
in Baumes Wipfel Krähenstreit.

Das feuchte Gras umspielt die Füße,
man fühlt die Mutter Erde pur –
sie sind wie zärtlich liebe Grüße
aus Gottes unberührter Flur.

Stille liegt auf braunen Watten,
der Deich – er schlängelt sich dahin –
er wehrt die See – vor der wir hatten
Respekt in unserem Kindersinn.

Die Möven segeln zu den Wolken,
ihr Kreischen macht den Tag mobil –
über schimmernd schwarzen Kolken
streicht ein Kiebitz ohne Ziel.

Der Blick, er streift den Horizont,
verhält an schwarzen Muschelstrichen –
bis dahinter – dicht in Front,
ist das Meer zurückgewichen.

Im Sand am Flutsaum meine Zeichen,
verschwinden in der Ewigkeit –
nichts kann dauern – muß stets weichen,
alles hat hier seine Zeit.

©ee

Eine Sache die mich umtreibt …

Eine Sache die mich umtreibt …

Wo hat Er bloß die vielen Ecken
Schubladen und Regaleböden,
um all die Wetter zu verstecken
vom Herrgottsschön zum Nebligschnöden,
wenn Er sie grade mal nicht braucht?

Der Himmel als sein Lagerhaus
ist doch ein endlos runder Bau –
da sieht man doch die kleinste Maus.
Das weiß doch selbst ein Schweinchen Schlau –
wenn’s quiekend durch die Suhle kraucht.

Ich hege stets aufs Neu’ die Ahnung,
daß Er ein bannig kluges Wesen –
das trotz aufgeräumter Wohnung
ein heillos krauses Wetter macht –
ganz so, als wär’s von Hand verlesen.

© ee

Das letzte mal …

Das letzte mal …

Der Vorhang hemmt die Blicke
die Menschen steh’n gebannt
sie warten auf die Brücke
wohl in des Traumes Land

Man kann die Stille fühlen
sie lastet auf der Haut
zu sitzen auf den Stühlen
hat man sich nicht getraut

Von Geisterhand gezogen
die Bühne öffnet sich
Beifallsstürme wogen
ins gleißendhelle Licht

Sie gelten wohl dem Mimen
den man dort sehen will
schon ist er erschienen
es wird mucksmäuschenstill

Er schlüpft in seine Rolle
er lebt sich in ihr aus
gibt seine Kraft die volle
es tönt durchs ganze Haus

Das Publikum im Saale
ist vor Begeisterung stumm
doch dann mit einem male
ein Raunen geht herum

Das was die Menschen sahen
an Glück und auch an Not
begreift man nur von nahem
der Mime – er ist tot.

© ee

Wegsehen…

Wegsehen.

Die Sonne den nasskalten Morgen schleiert
von blattlosen Zweigen tröpfelt der Tau
hoch vom Kirchturm ein Glöcklein beiert
die Strasse lang hastet gebeugt eine Frau

die Haare gebunden – den Kopf hüllt ein Tuch
sie verhält ihren Schritt
sie bückt sich – sie scheint was gefunden
ein Schrei teilt die Stille


es fliegt was weit fort

sie verliert ihre Brille
und flieht diesen schrecklichen Ort
in den Staub des Weges war etwas gebunden
das ihrem verschleppten Manne gehört

man hat ihn gefoltert
man hat ihn geschunden
man hat ihre beiden Seelen zerstört
und alle haben sie zugesehen

die Nachbarn die Freunde
das schweigende Dorf

sie alle ließen das Unrecht geschehen
haben das Unterst’ nach oben gekehrt

© ee

Tageslieder.

M öwenklang
und Meeresrauschen
Windessang und Stille lauschen
die Melodien der Inselnacht

begleitet nur von Lichtes Bahnen
des Weisers oben auf der Dün’
sie sind wie gold’ne Wegesfahnen
die blitzend ihrer Wege zieh’n

leis’ singend wiegen sich Dünengräser
an sandig’ Hügel sanftem Hang
der Schöpfung großer Zeitverweser
bestimmt den zauberhaften Klang

der Menschen Geist kann es nicht fassen
er ist für Vieles viel zu klein
drum sollt’ er manche Dinge lassen
sonst läuft er in’s Verderben rein

© ee

Seelenschutz . . .

Seelenschutz . . .

Was macht man
gegen Sturzgewitter?
Man zieht sich
in sein Haus zurück!

Man streichelt
jeden Seelensplitter
und schenkt ihm
einen lieben Blick!

Es wundert sich
die scharfe Scherbe,
daß sie dich
nicht verletzen kann –

sie findet keine
wunde Kerbe,
und strengt sie sich
auch noch so an.

Verlieret nur
die scharfen Ecken,
behält ansonsten
die Kontur –

mit einmal kann sie
Liebe wecken,
ganz plötzlich ist sie gut
die Spur!

© ee

Bild von KatinkavomWolfenmond auf Pixabay