Eine Sache die mich umtreibt …

Eine Sache die mich umtreibt …

Wo hat Er bloß die vielen Ecken
Schubladen und Regaleböden,
um all die Wetter zu verstecken
vom Herrgottsschön zum Nebligschnöden,
wenn Er sie grade mal nicht braucht?

Der Himmel als sein Lagerhaus
ist doch ein endlos runder Bau –
da sieht man doch die kleinste Maus.
Das weiß doch selbst ein Schweinchen Schlau –
wenn’s quiekend durch die Suhle kraucht.

Ich hege stets aufs Neu’ die Ahnung,
daß Er ein bannig kluges Wesen –
das trotz aufgeräumter Wohnung
ein heillos krauses Wetter macht –
ganz so, als wär’s von Hand verlesen.

© ee

Das letzte mal …

Das letzte mal …

Der Vorhang hemmt die Blicke
die Menschen steh’n gebannt
sie warten auf die Brücke
wohl in des Traumes Land

Man kann die Stille fühlen
sie lastet auf der Haut
zu sitzen auf den Stühlen
hat man sich nicht getraut

Von Geisterhand gezogen
die Bühne öffnet sich
Beifallsstürme wogen
ins gleißendhelle Licht

Sie gelten wohl dem Mimen
den man dort sehen will
schon ist er erschienen
es wird mucksmäuschenstill

Er schlüpft in seine Rolle
er lebt sich in ihr aus
gibt seine Kraft die volle
es tönt durchs ganze Haus

Das Publikum im Saale
ist vor Begeisterung stumm
doch dann mit einem male
ein Raunen geht herum

Das was die Menschen sahen
an Glück und auch an Not
begreift man nur von nahem
der Mime – er ist tot.

© ee

Wegsehen…

Wegsehen.

Die Sonne den nasskalten Morgen schleiert
von blattlosen Zweigen tröpfelt der Tau
hoch vom Kirchturm ein Glöcklein beiert
die Strasse lang hastet gebeugt eine Frau

die Haare gebunden – den Kopf hüllt ein Tuch
sie verhält ihren Schritt
sie bückt sich – sie scheint was gefunden
ein Schrei teilt die Stille


es fliegt was weit fort

sie verliert ihre Brille
und flieht diesen schrecklichen Ort
in den Staub des Weges war etwas gebunden
das ihrem verschleppten Manne gehört

man hat ihn gefoltert
man hat ihn geschunden
man hat ihre beiden Seelen zerstört
und alle haben sie zugesehen

die Nachbarn die Freunde
das schweigende Dorf

sie alle ließen das Unrecht geschehen
haben das Unterst’ nach oben gekehrt

© ee

Tageslieder.

M öwenklang
und Meeresrauschen
Windessang und Stille lauschen
die Melodien der Inselnacht

begleitet nur von Lichtes Bahnen
des Weisers oben auf der Dün’
sie sind wie gold’ne Wegesfahnen
die blitzend ihrer Wege zieh’n

leis’ singend wiegen sich Dünengräser
an sandig’ Hügel sanftem Hang
der Schöpfung großer Zeitverweser
bestimmt den zauberhaften Klang

der Menschen Geist kann es nicht fassen
er ist für Vieles viel zu klein
drum sollt’ er manche Dinge lassen
sonst läuft er in’s Verderben rein

© ee

Seelenschutz . . .

Seelenschutz . . .

Was macht man
gegen Sturzgewitter?
Man zieht sich
in sein Haus zurück!

Man streichelt
jeden Seelensplitter
und schenkt ihm
einen lieben Blick!

Es wundert sich
die scharfe Scherbe,
daß sie dich
nicht verletzen kann –

sie findet keine
wunde Kerbe,
und strengt sie sich
auch noch so an.

Verlieret nur
die scharfen Ecken,
behält ansonsten
die Kontur –

mit einmal kann sie
Liebe wecken,
ganz plötzlich ist sie gut
die Spur!

© ee

Bild von KatinkavomWolfenmond auf Pixabay

Der Höllenritt . . .

Bild von Lothar Dieterich auf Pixabay

Der Höllenritt . . .

D er Sturm heult mit Windstärke zehn
er peitscht die tobenden Wellen
die Hand nicht vor Augen zu sehn
Gott Neptun tobt mit seinen Gesellen

Sie reiten auf schäumenden Wogen
stürzen aufs Schiff sich herab
wer Angst fühlt – der hat nicht gelogen
man schaut in ein offenes Grab

Die Brecher reißen die Decksfracht fort
die Wanten und Leinen sie brechen
Jan Maat verflucht diesen höllischen Ort
schwört – nie mehr in See zu stechen

’ne Meile voraus – in schillernder Pracht
das Riff in der Brandung kauert
ein Ungeheuer in dunkler Nacht
dort im verborgenen lauert

Drei Mann ans Ruder – hart Steuerbord
fünf Strich nach Südwesten
der Käpt’n – er brüllt manch’ sündiges Wort
seine Männer – die sind trotzdem die Besten

Der Trawler beugt sich – er ächzt in den Spanten
die letzte Ratte verläßt schon das Schiff
mit einer handbreit Platz an den Kanten
passiert er das tödliche Riff

Keiner der zwölf harten Mannen
der nicht ein “ Vater Unser“ denkt
als man aus zwei der letzten Kannen
die geschund’nen Körper tränkt

Ein Augenschlag mit müden Lidern
länger dauert nicht die Zeit
liegt die See mit allen Gliedern
blank und glatt – unendlich weit

©ee

Bild von Walter Bichler auf Pixabay