Dorfnacht

Dorfnacht

Im Sternengarten steht der Mond
sein Licht zeichnet bizarre Schilder
gehauchte warme Sommernacht
begleitet dunkle stille Bilder

in Mondes Schein sieht man Bewegung
von lautlos stillem Eulenflug
des Kirchturms Kreuz steht ohne Regung
inmitten wilder Gänse Zug

gelber Kneipenfenster Flecken
zerfließen in der klaren Nacht
dahinter mag manch Elend stecken
von überall wohl hergebracht
von bieresfeuchter schwerer Zunge

Gemurmel füllt des Kruges Licht
manchesmal aus voller Lunge
jemand in lautes Lachen bricht
in rauchesschwangeren Lampenkreisen
am Tresen hocken noch Gestalten
sie woll’n der Welt die Zukunft weisen

und jedermann das Glück erhalten
nach zwanzig Glas Genever
von barschem Wort des Wirtes
in torkelnd Gang gebracht
verlassen sie den Ort
wo Schnaps wohl rosa Wolken macht

Sprechversuche bleiben schwaches Lallen
vom Wind verschluckt – wie weggewischt
mit schwerem Kopf in leere Betten fallen
das Schnarchen mit Geneverdunst vermischt
die Nacht spielt ihre alten Rollen


der Morgen durch dunklen Wolken bricht
.

©ee

Das Dreimädelhaus …

Das Dreimädelhaus …

Wer von den Menschen im Stadtnorden kennt sie nicht – die alte Gaststätte, im fast in Vergessenheit geratenen Ortsteil Hörn. An einer der ältesten Wilhelmshavener Strassen – der Möwenstrasse – gelegen.

Zu Kaiser Wilhelms Zeiten war es die Fortefikationsstrasse – der Verbindungsweg zwischen den Fortanlagen rings um den Marinestandort. Es war die wohl wichtigste Strasse in der Jadestadt, und den sie umgebenden Gemeinden.

Die Zeit, als auf dem Straßenschild noch „Mövenstrasse“ stand – die Zeit ist nicht zurückzuholen. Die Zeit, als sich die Eisenbahner vom gegenüberliegenden Bahnhof Hörn, morgens in aller Herrgottsfrühe, im Dreimädelhaus die klammen Finger, und die Nasen wärmten. Am berühmten „fünf Uhr Grog“ der Wirtin. Unvergessen auch die Zeiten, in denen Freitags die Männer aus dem Stadtnorden in Scharen in den Saal strömten. Der Saal war als Außenposten des Arbeitsamtes die Zahlstelle für das Stempelgeld – und die Gaststätte davor der Ort für rosa Wolkenträume vieler Väter.

Das alles wollen die jungen Wirtsleute, die das Dreimädelhaus seit kurzem wieder mit Leben erfüllen, ganz gewiß nicht zurückholen.

Die herzliche Gastfreundschaft vergangener Tage wieder lebendig zu machen – das haben sie sich zum Ziel gesetzt. Mit Ehrgeiz und Feuereifer gehen sie die Sache an. Das Dreimädelhaus soll wieder Treffpunkt für Jung und Alt werden. Veranstaltungen für jeden Geschmack, und für jeden Geldbeutel – mag er noch so schmal sein – stehen auf dem Programm.

Geselliges miteinander bei Musik und Tanz bilden die solide Grundlage.

Das Dornröschen des Stadtnordens ist aus dem Schlaf erwacht.

Ich wünsche ihm ein langes und munteres Leben.

©ee

Ich horchte und suchte…

Ich horchte und suchte…

Ich horchte und suchte den Pulsschlag der Zeit.
Ich konnt’ ihn nicht fühlen – die Welt war zu laut.
Sie war für alles und jedes bereit –
wußt’ aber nicht wie man erfrorene Seelen auftaut.

Sie folgt’ nur dem Rhythmus von Geld und von Macht,
alles andere schlug sie in Scherben.
Sie gönnte sich nicht mal die Ruhe der Nacht –
eilte ständig ins eig’ne Verderben.

Ich hab’ es gedacht und ich hab’ es gewagt –
ich bin einfach stehen geblieben.
Plötzlich sah ich dass Welt schlicht versagt,
weil Mensch seine Gier übertrieben.

© ee

Erinnerung:

storm-1406218_640

.

Erinnerung :

16./17. Febr. 1962

D ie See, sie bäumt sich Rössern gleich,
schlägt wild mit den vorderen Hufen
man kann sich kaum halten, oben am Deich
lautlos verhallt das lauteste Rufen


Der Sturm knallt wie Peitschen uns ins Gesicht –
zeichnet triefende Striemen.
Um Füße und Beine fliegt flimmernd die Gischt –
im Rettungsboot brechen die Riemen.


Hinter uns – unten am Innendeich –
herrscht ängstliches emsiges Treiben
geduckt die Häuser – Igeln gleich –
wenn sie versinken – wo soll Mensch bleiben?


Aus kleinen Fenstern dringt warmes Licht –
als Zeichen der Hoffnung auf Leben
Gebete zu Gott, daß der Deich nicht bricht –
bereit dafür alles zu geben.


Die Angst der Menschen gilt Kindern und Vieh –
sie sichern dem Lande das Morgen
denn was – was wäre man ohne sie?
Doch nur Kreatur voller Sorgen.


Der Sturm, er zieht weiter,
das Meer geht zurück –
die Friesen geh’n schlafen – und sprechen von Glück.
Der Herr hielt noch mal seine schützende Hand


über uns und unser Ostfriesenland.

© ee

ewaldeden

.

rain-1570854_640

Wortlosigkeit …

dependent-826332_960_720

.

Wortlosigkeit …

———————————-

————–


—–

—————————

——————————————–

————–

———————————

——————————————

———

——————————————-

——————

—————————

—————————————

© ee

.