Ein kleiner Zwanzigtonnenwal…

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Ein kleiner Zwanzigtonnenwal

d er nahm Kurs auf Rio
zum Karneval
er wollte einmal
am Zuckerhut Samba tanzen

wollt’ einmal vergessen
des Lebens Bedrücken
wollt’ Orgien feiern
mit Wanzen und Mücken

wollt’ einmal
die Kaffeebraunen und Schönen
ganz zärtlich
mit seinen Flossen verwöhnen

er schwamm um den Globus
schwamm durch alle sieben Meere
bei Feuerland
da nahm er die letzte Kehre

doch als er in Rio
angekommen
hat das Schicksal
ihm alle Freude genommen

der Karneval
er war längst schon zu Ende
was einzig ihm blieb
war eine lustlose Wende

© ee 2005

Bild von

Stefan Schweihofer auf Pixabay

dankeschön

Jungmannszeit . . .

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I ch bin oft in jungen Jahren
nächtelang zur See gefahren
immer wenn es dunkelte
mein Liebchen gerne munkelte
mußt‘ ich an Bord
fort

Oft in meiner Jungmannszeit
liebt ich zwei Mädchen – himmelweit
die eine wohnt in Haren
wo wir stets holten Waren
die andere saß auf Norderney
nah dabei

In meiner Fahrzeit als Matrose
hatt’ ich viel Schlag in meiner Hose
Genever floß in großen Massen
wir taten unsere Heuer lassen
an manch Schöner grüner Seite
pleite

Auf großer Fahrt als Feuermann
kam ich nicht an die Heuer ran
es wurd‘ schnell mal ein kleiner Berg
ich kam mir vor wie ’n großer Zwerg
manch Fäßchen Rum konnt’ ich dann kaufen
saufen

Und wenn ich wieder pleite war
immer war ein Dampfer da
so entstand Seefahrtsromantik
auf Nord – und West – und Südatlantik
an Bord so manches Lied gesungen
notgedrungen

Wenn ich heut’ im Kneipenschummer
erzähl von mancher Glanzesnummer
so ist das alles ganz weit fort
es war nicht alles so an Bord
ich bin weit durch die Welt gefahr’n
Seemannsgarn

© ee

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Beine …

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Beine …

H undertmillionen Beine
mit Körpern schleppen sich herum
dicke dünne krumme kleine
mal laut – mal leis’ – mal mit Gebrumm

Ich bin geneigt mal nachzufragen
ob Damen – oder Herrenbein
müßt ihr immer Körper tragen
oder könnt ihr’s auch allein

Alleine geh’n auf Wanderwegen
alleine zum Konzertbesuch
alleine euch ins Bette legen
bedecket nur mit weichem Tuch

Alleine über Wolken fliegen
alleine tauchen tief ins Meer
alleine kleine Beine kriegen
und was da sind der Dinge mehr

Ihr sagt – ihr habt es nicht probieret
na – dann wird’s aber hohe Zeit
ihr sagt – das ihr euch so genieret
ja – das ist dann wohl euer Leid.

© ee

Frau Flunder

Frau Flunder

s chimpft mit ihrem Gatten
Heribert – rasier dich mal
dein Kinn hat schon ganz schwarze Schatten
wenn du mich küßt ist es ’ne Qual

die Stoppeln pieksen mir die Kiemen
Frau Hering glaubt ich wäre krank
mein Mäulchen zieren rote Striemen
es ist mir um mein Ausseh’n bang

Der Gatte brummt ach – das schon wieder
wir sind doch nicht mehr jugendfrisch
tusch dir man erst die Augenlider
du siehst ja aus wie ’n Butterfisch

Was soll denn bloß der Fischer denken
wenn du ihm in sein Netz gerätst
du wirst noch jedes Kochherz kränken
wenn du so in der Pfanne brätst.

© ee

Foto dank https://pixabay.com/de/

Wünsche.

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Die kleine fesche Gartengrille
da in dem siebten Rosenstrauch
wünscht sich ein Bild von Heinrich Zille
zur Not tut Wilhelm Busch es auch

doch weiter weg sollt’ es nicht liegen
dann hätt’ sie kein Gefallen mehr
denn auf brechen oder biegen
sie liebt’s Berlinsche doch so sehr

weil – schon ihr Urururgroßvater
der war vernarrt in diese Stadt
obwohl gebürtig aus dem Prater
doch der nicht soviel „Schnauze“ hat.

© ee

Auf Grönland…

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Auf Grönland
im letzten Altweibersommer
trugen die Steinbäume Kirschen
die waren so groß wie Melonen
unter den Bäumen
da wohnte ein Superfrommer
der glich roten Hirschen
und lebt seine Tage
von knallblauen Bohnen
den Sommer über
hat er im Eisfeld geschafft
um Erdäpfel zu produzieren
er wurd dabei von Kamelen begafft
die in der Schneewüste gingen spazieren
des Winters wenn um ihn Eiszapfen sprossen
dann lag er im Gletscher gefrostet
hat dort genüßlich die Früchte genossen
und auch mal was anderes gekostet

© ee

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Was ist DAS denn ?

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W as ist das denn für nen Fall ?
Weihnachtsmänner überall
wie sich die Regale biegen
nein, es sind gewiss nicht Lügen.

Lebkuchen und Weihnachtsschmuck
gebt dem Geldbeutel nen Ruck
im September Weihnachtskauf
ich mir meine Haare rauf.

Kinderträume vorverschoben
ist die Welt komplett verbogen ?
Osterhasen im Dezember
Eier bunt das ganze Jahr ?

Sag mir nicht, das wär nicht wahr.
Langsam wird mir etwas klar
alles Kommerz , alles Kacke
ohne Scherz, die ham `ne Macke !

© Chr.v.M.

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Dazu der schönste Kommentar von meinem Internetfreund Jochen :

Vor zwei Wochen sah auch ich schon
im Supermarkt Printen und Co.
So langsam wandelt sich der Mensch,
hat Angst, dass er Weihnacht verpennt.

Und der Kommerz reibt sich die Hände,
auf dass der Kunde schnell verschwende
sein Geld – welches er hegt und pflegt,
schnell an der Kasse hinterlegt.

Auch mir schwillt jedes Jahr der Kamm,
seh´ ich im nächsten Laden dann,
im August frische Apfelknollen
daneben Pfeffernuss und Stollen.

G. l. G. Jochen