am Morgen.

am Morgen.

D er Himmel zeigt die erste Röte,
verschämt noch und erst zögerlich –
ein Vogel zwitschert gleich ’ner Flöte,
es klingt verhalten heimatlich.

Tautropfen blinken tausendfach,
sind wie das Heer der Sterne –
wohl in dem grünen Blätterdach,
in armesweiter Ferne.

Der Nebel steigt in breiten Bahnen,
aus tiefen Schluchten licht empor –
das sind des Nachtgeist’s Heeresfahnen,
sie streben zu des Himmels Tor.

Sie ziehen auf zur letzten Schlacht,
bis sie ermattet fliehen –
und weichen dann der Sonne Macht,
die sie friedlich läßt

des Weges ziehen…

© ee

Mittsommer.

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Mittsommer

D er Tag er schüttelt sein müdes Haupt,
ist Stunden des Weges gezogen –
er hat nicht mehr an den Abend geglaubt,
fühlte sich schon um die Ruhe betrogen.

Die Ruhe nach des Sommers Hitze,
die Ruhe nach den flirrend Lüften –
aus denen zitternd schossen Blitze
bis tief hinein in Berges Klüften.

Der Tag streicht sich sein heißes Tagesgesicht,
er wischt sich den Schweiß aus den Augen –
ganz langsam erschöpft sich sein helles Licht,
mag kaum noch zum Adieu sagen taugen.

Sucht tastend am westlichen Himmelsrand
mit rötlich scheinenden Händen –
die ausseh’n wie schwelender Wolkenbrand,
nach des Abends schützenden Wänden.

Als er sie endlich gefunden
ist fast schon der neue Tag nah –
am Horizont bläuend gebunden
im nordischen Mittsommernachtsjahr.

© ee

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