am Morgen.

am Morgen.

D er Himmel zeigt die erste Röte,
verschämt noch und erst zögerlich –
ein Vogel zwitschert gleich ’ner Flöte,
es klingt verhalten heimatlich.

Tautropfen blinken tausendfach,
sind wie das Heer der Sterne –
wohl in dem grünen Blätterdach,
in armesweiter Ferne.

Der Nebel steigt in breiten Bahnen,
aus tiefen Schluchten licht empor –
das sind des Nachtgeist’s Heeresfahnen,
sie streben zu des Himmels Tor.

Sie ziehen auf zur letzten Schlacht,
bis sie ermattet fliehen –
und weichen dann der Sonne Macht,
die sie friedlich läßt

des Weges ziehen…

© ee

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Eben noch…

Eben noch

Eben noch

den Frühling gespürt, buntgeträumt
durch Blütenschäumen aufgewirbelt
über erwachte Weinberge geweht
dann das Grün wachsen hören


hinter den Sandsteinmauern
kriecht das Efeu vom letzten Jahr
den Monaten hinterher
dämpft die Geräusche der Schmalspurtraktoren


grünblau der Himmel schweißdurchzogen
mit hochgekrempelten Ärmeln und schmalen Lippen
den letzten Rest Arbeit noch versprüht


in giftgelb unter den Rebstöcken
bebt das Ungeziefer bis zum Abendtod
eben noch


und nun Sommerheiß
platzt protzig das Reife.

© Chr.v.M.

Mittsommer.

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Mittsommer

D er Tag er schüttelt sein müdes Haupt,
ist Stunden des Weges gezogen –
er hat nicht mehr an den Abend geglaubt,
fühlte sich schon um die Ruhe betrogen.

Die Ruhe nach des Sommers Hitze,
die Ruhe nach den flirrend Lüften –
aus denen zitternd schossen Blitze
bis tief hinein in Berges Klüften.

Der Tag streicht sich sein heißes Tagesgesicht,
er wischt sich den Schweiß aus den Augen –
ganz langsam erschöpft sich sein helles Licht,
mag kaum noch zum Adieu sagen taugen.

Sucht tastend am westlichen Himmelsrand
mit rötlich scheinenden Händen –
die ausseh’n wie schwelender Wolkenbrand,
nach des Abends schützenden Wänden.

Als er sie endlich gefunden
ist fast schon der neue Tag nah –
am Horizont bläuend gebunden
im nordischen Mittsommernachtsjahr.

© ee

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Foto dank https://pixabay.com/de/