Frühling im Moor . . .

Frühling im Moor . . .

Das junge Grün am alten Baum
steht zart vor weißer Wolkenpracht
die Füllen jagen ohne Zaum
im Blau die gold’ne Sonne lacht

Die Kätzchen in den Weidenbüschen
perlmuttgefärbt der Blütenstaub
das Binsengras in dicken Rüschen
die Hasel treibt ihr erstes Laub

Auf Moores Kolken sieht man Wellen
ganz sacht wohl – wie im Kreis gedreht
man hört ’nen Pfeifton – einen hellen
ganz leicht er über’s Wasser weht

Das Bläßhuhn streicht durch Ufers Weihe
sucht einen Platz für’s Brutrevier
der Torf steht schwarzbraun in der Reihe
immer gehockt zu vier auf vier

Der Knüppeldamm zu meinen Füßen
er schwankt bei jedem Schritt
das Moor läßt aus Vergangenheit grüßen
und nimmt ein Stück der Zukunft mit
.

©ee

Eine Sache die mich umtreibt …

Eine Sache die mich umtreibt …

Wo hat Er bloß die vielen Ecken
Schubladen und Regaleböden,
um all die Wetter zu verstecken
vom Herrgottsschön zum Nebligschnöden,
wenn Er sie grade mal nicht braucht?

Der Himmel als sein Lagerhaus
ist doch ein endlos runder Bau –
da sieht man doch die kleinste Maus.
Das weiß doch selbst ein Schweinchen Schlau –
wenn’s quiekend durch die Suhle kraucht.

Ich hege stets aufs Neu’ die Ahnung,
daß Er ein bannig kluges Wesen –
das trotz aufgeräumter Wohnung
ein heillos krauses Wetter macht –
ganz so, als wär’s von Hand verlesen.

© ee

Triumph.

Triumph.

dann windgedrängt im wolkenlicht
küsst sonnenschein das erstes blatt
und auf den zweigen grün sich bricht
im tropfen tau, verwundert matt.

das sich verbergen ist nicht mehr
die wiederkehr nun hat begonnen
es drängt aus erdbraun sich noch schwer
der blütenvielfalt sacht, besonnen

das meislein hielt dem winter stand
sie zwitschert froh ein frühlingslied
ein hälmchen das ins nest sie band
es fattert nun am rand als sieg.

© Chr.v.M.

Tageslieder.

M öwenklang
und Meeresrauschen
Windessang und Stille lauschen
die Melodien der Inselnacht

begleitet nur von Lichtes Bahnen
des Weisers oben auf der Dün’
sie sind wie gold’ne Wegesfahnen
die blitzend ihrer Wege zieh’n

leis’ singend wiegen sich Dünengräser
an sandig’ Hügel sanftem Hang
der Schöpfung großer Zeitverweser
bestimmt den zauberhaften Klang

der Menschen Geist kann es nicht fassen
er ist für Vieles viel zu klein
drum sollt’ er manche Dinge lassen
sonst läuft er in’s Verderben rein

© ee

am Morgen.

am Morgen.

D er Himmel zeigt die erste Röte,
verschämt noch und erst zögerlich –
ein Vogel zwitschert gleich ’ner Flöte,
es klingt verhalten heimatlich.

Tautropfen blinken tausendfach,
sind wie das Heer der Sterne –
wohl in dem grünen Blätterdach,
in armesweiter Ferne.

Der Nebel steigt in breiten Bahnen,
aus tiefen Schluchten licht empor –
das sind des Nachtgeist’s Heeresfahnen,
sie streben zu des Himmels Tor.

Sie ziehen auf zur letzten Schlacht,
bis sie ermattet fliehen –
und weichen dann der Sonne Macht,
die sie friedlich läßt

des Weges ziehen…

© ee

nieselsanft.

i n stummer weite – blass gedreht
ein regenbogen
vom wind verdreht
das bunt,wolkenverschoben.

im gold der bäume – augusttage
regendurchweicht, sonnenbelebt
die birnensüße webt uns träume
und stille sucht sich neue räume.

in lauter nähe – grell erstarrt – der herbst
er naht mit großem schritt
und durch die wege hier in zerbst
reißt mich sein lachen mit.

© Chr.v.M.