Kein glücklicher Moment

Kein glücklicher Moment

Nun steht er hier auf fremder Erde
viel’ Wege laufen auf ihn zu
weiß nicht welcher zur Heimat werde
und welcher ist für ihn tabu

Nun steht er hier auf fremder Erde
viel’ Wege laufen von ihm fort
weiß nicht auf welchem man schreit „Merde“
und welcher führt zum rechten Ort

Nun steht er hier auf fremder Erde
viel’ Wege machen ihn ganz irr
man führt schon über ihn Beschwerde
und sagt er wär’ im Kopfe wirr

Nun steht er hier auf fremder Erde
viel’ Wege führ’n in fremdes Land
angstvoll hilflos die Gebärde
er wohl nie den rechten fand

Er steht auch noch nach vielen Jahren
sieht einfach aus wie hingestellt
das Leben ist vorbeigefahren
es ist für ihn verlorene Welt
.

©ee

die Hymne

Kein Besuch, kein Spaziergang
ohn’ Möwengeschrei

die eingängig Hymne der Küste
bei jedem

„komm doch mal mit“
sind sie dabei

und kreischen hinaus ihre Lüste

ob Sonne ob Regen ob Sturmesgebraus
stets sind sie allgegenwärtig


sie brauchen nicht Hütte
und nicht steinern Haus

nur intakte Natur –

und schon ist ihr Lebensplatz fertig.©ee

Kullerbauch . . .

Kullerbauch . . .

Der Mond versteckt sich hinter Wolkenschafen
mit einem Aug’ lugt er nach unten
er schaut ob alle Kinder schlafen
in ihren Betten – in den bunten

bei Hannes sieht ein Licht er blinken
der Sandmann hat ihn wohl vergessen
oder quält ihn zuviel Schinken
den zur Nacht er hat gegessen

es schmeckte ja auch gar zu gut
dies köstliche Stück Braten
und obendrauf der leck’re Stut
mit Rosinen – ihr habt es erraten

morgen – schwört er seinem Engel
morgen wird er genügsam sein
der Gute glaubt doch glatt dem Bengel
und wiegt ihn in den Schlaf hinein
.

© ee

Faltenfrei die Nacht
die Sternchen fallen.
Der runde Mond nur wacht
die Schritte hallen.

Laternen blitzen,
die Schatten eilen.
Durch alle schmalen Ritzen
Träume, die dort verweilen.

© Chr.v.M.

Grell, greller am krellesten ..

Grell, Greller am krellesten .. 😉

Käthchen, mein kleines –
fall mir nicht in den Bach hinein
sagt Opa, denn wir sind hier am Wasser –
hier gibt’s was zu gucken,
hier ist richtig was los.

Ein Bäderschiff schaukelt in den Hafen grad ein
die Fahrgäste sind um die Nase zwar blasser
und einige sind auch noch am spucken
aber so’n Pott ist ja auch kein Vergnügungsparkfloß
der hat bei Wind sieben schon mal seine Mucken

Zuerst strumpeln die ordinären Mitfahrer von Bord
das sind die, die alle ’ne Fahrkarte haben
und bezahlen mußten für das Vergnügen
dann sieht man den einen oder anderen Lord
quer übers Schiff nach Steuerbord traben

wo einige dickdune Schnapsleichen liegen
Es sind die Honoren von Rat und Verwaltung
die schon den ganzen Tag auf Betriebsausflug
deren Kontaktaufnahme zwecks Freizeitgestaltung
mit kräftig Promille zu Buche schlug

Nach vier Mucken Kaffee und sonst noch wohl was
stehen sie wieder auf schwankenden Beinen
zwischen zwei stämmigen Decksmatrosen
sie halten sich krampfhaft an Sicherungsleinen
und verlieren fast ihre klatschnassen Hosen

Oh Gott sagt Opa –
und er ist wahrlich kein Spötter
sogar der OB hat den Kanal richtig voll
das ist ja ein Schauspiel – ein Bild für die Götter
und sowas als Vorbild –

na toll.

©ee

Bild von cocoparisienne auf Pixabay merci

Knospen.

Knospen . . .

Knospen treiben auf des Wassers Weiten
die Wellen des Lebens wiegen sie sacht
die Hoffnung mag in Öden sie leiten
dort blühen durch der Liebe Macht

Pflege die Blume der Menschlichkeit
ohne dein Herzblut wird sie verdorren
und plötzlich spürst du – du bist bereit
du liebst diese Welt –

und ist sie auch noch so verworren.

©ee

Fotos auf https://pixabay.com/de/

Knipsen…

Knipsen

Zeitfesthalter – Bildberichter
Motivgestalter – Filmbelichter
was von diesem trifft wohl zu
denk ich häufig so bei mir

wenn ich Urlaubsmenschen seh’
die mit Technik dicht behangen
knipsend vieles Zeug einfangen
kann’s mir dann oft nicht versagen

obwohl – es fällt mir manchmal schwer
nach ihres Machens Sinn zu fragen
oder nach ihr’s Tuns Begehr
große Augen schau’n mich oft an

erst zögernd
doch recht fließend dann
erklärt man mir mit viel Gehabe
und wachsender Begeisterung

knipsen – das sei eine Gabe
aber das verstünd’ ich nicht
ich sei wahrscheinlich noch zu jung
man hätt’ daheim in vielen Kästen

oder auch in Schuhzeugschachteln
Bilder von vieltausend Festen
als bleibende Erinnerung
an Onkels, Tanten und auch Reisen

an manche Jagd auf fette Wachteln
zum ausstopfen
und zum verspeisen
wenn ich alles das gehört

weiß ich
daß Ich nur ein Tor
der beim knipsen sie gestört
und bin so schlau wie auch zuvor.

©ee

zu jedem Opfer bereit…

zu jedem Opfer bereit

Klaus – Dieter will endlich Autofahr’n dürfen
ist dafür zu jedem Opfer bereit
aber noch sitzt er hier
ist den Kaffee am schlürfen
und denkt an die vergangene Zeit

denkt an die vielen Versuche mit Fahrlehrer Brügel
und die schrottreifen Autos hinter dem Hügel
er hat gestrichen die Schnauze randvoll
mit dem Trecker zum Tanzboden
das ist nicht so toll

denn wenn ’ne Deern ihn mal anlacht
und tanzt auch mit ihm
wohin soll er sich nach dem tanzen mit ihr verzieh’n
er hat’s mal mit einer auf dem Bulldog versucht
sie hat erst gekichert – und fand’s ganz schön verrucht

doch das ist dann gründlich daneben gegangen
als sie zu schmusen und mehr angefangen
sie hat laut gelacht und ist weggelaufen
wenn er was von ihr wollt’
sollt’ er sich erstmal ein Auto kaufen

sie wär schließlich Dame mit feinem Gefühl
und auf so’nem Blechding
da wär’s viel zu kühl
das nächste mal ist er per Fahrrad dahin
doch mit einem Stahlroß war auch nicht mehr drin

zwischen Sattel und Lenker ist da zwar ’ne Stange
aber schmusen unmöglich
so Wange an Wange
es ist ihm d’rum immer nur eines geblieben –
zuhause die Wirtschaft alleine zu schieben .

© ee

Kennst du das auch …

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.

Kennst du das auch …

I ch hab’ im Moment
’nen beschissenen Job

nämlich gar keinen

ich bin arbeitslos

ein schönes Gefühl
von etwas tun wollen

ein jeder denkt
was ist mit dem bloß

tief drinnen in dir
wächst heftiges Grollen

wird langsam
zu einem Vulkan

wen du auch fragst
an jedem Orte

denn das mußt du tun
das ist deine Pflicht

hörst immer nur
die gleichen Worte

bezahlte Arbeit
die haben wir nicht

ich kann es bald
nicht mehr ertragen

dies lächelnde
verständig sein

irgendwann platzt
mir der Kragen

dann hau ich einfach
irgendwo rein

© ee

Eine Bildungsreise . . .

Eine Bildungsreise . . .

Was haben sie erfahren
die Bürgermeister
die Schreiber
und die sonst noch genannten

mit Freuden sind sie
nach Berlin gefahren
höflichst geladen
von Frieslands Gesandten

man sah auf die Bühne
der Weltpolitik
sah Schauspieler
drittletzter Güte

die laufen statt vorwärts
im Kriechgang zurück
mit Stücken von gestern
in knautschiger Tüte

man führt sie durch Tempel
voll Protz und Vergnügen
in denen beglaubigt
mit amtlichem Stempel

sogar Männer
können Kinder kriegen
zuletzt führt man sie
zum großen Schafott

mit haarscharf
geschliffenen Klingen
und läßt sie genüßlich
in behördlichem Trott

über dieselben dann springen.

©ee