Schluckauf

Schluckauf

Mein Drucker stottert. Große Not!
Ich kann es gar nicht fassen.
Fast glaube ich, bald ist er tot,
muß ihn verschrotten lassen.

Was soll das nur? He Alter! Komm!
Du wirst mich doch nicht linken!
Noch gestern warst Du brav und fromm –
Könnt‘ mich vor Wut betrinken.

Doch horch, was ist das für ein Ton?
Welch Rattern und auch Stöhnen?
Piepst es in meinen Ohren schon?
Willst du mich gar verhöhnen?

Nein wirklich! Druck und druck und druck,
s´ist schwarz auf weiß zu sehen:

„Ich habe mich am Text verschluckt!

Nun arbeite ich ohne Muck,
und dir wird´s besser gehen.“

Gertrud Everding
©Gertrud E.

Wilde See.

Wilde See

Wir fahren über die wilde See
Du und ich in einem winzigen Boot.
Solange ich deine Augen seh,
fürchte ich weder Sturm noch Tod.

Da kann ich rudern mit aller Kraft,
da lache ich über die Wellen.
Da weiß ich, dass ich es mit dir schaff,
dass wir nicht am Riffe zerschellen.

Doch fahren wir über das wilde Meer
und du lässt mich im Boot dann zurück,
dann gibt es für mich keine Wiederkehr.
Ich finde im Hafen kein Glück.

Verloren irre ich durch die Stadt,
such dich auf jedem Platze.
Weh dem, der keinen Menschen hat  –
wie eine verlaufene Katze.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

Hoffnung

Hoffnung.

O Traum, du Traum von Seligkeit und Glück,
warum bist du so jäh zergangen?
In blaue Ferne schweifte froh mein Blick,
nun hält die Finsternis mich fest umfangen.

Und schien doch Ahnung oft von dunkler Tage Tränen,
mir auch im frohen Lachen schon verborgen. –
Sag mir, wie lang währt nun das Sehnen,
wie lang die todesbangen Sorgen? –

Nur nicht zerbrechen, nicht verzagen,
die Sonne kehrt nach Sturm und Wolken doch dir wieder;
und du singst, wie in einst so lichten Tagen,
der Lerche gleich, zum Himmel schwingend, Jubellieder.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

Am See…

Am See



Ach wär‘ ich doch mit dir gewesen
 am See dort, unter grünen Bäumen!
Wir hätten uns Gedichte vorgelesen,
würden von der Liebe träumen.


Hätt’st mich in den Arm genommen

und mich wieder mal behext. –


... eine Ente kam geschwommen,
hat mir auf die Schuh‘ gekleckst.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

Sonntag 1. Mai

Spaziergang



Sonntag ist – mit hellem Strahlen
ging in der Früh‘ die Sonne auf.
Schau nur die alten Mühlen mahlen –
Im Winde knarrend geht ihr Lauf.

Bis hierher sind wir heut gegangen,
lauschen der großen Flügel Trieb.
Von Deinen Armen fest umfangen,
steh ich und flüst’re: Hab mich lieb.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

zimmer 11

zimmer 11

Sie hetzen die zeit durch regennasse strassen, nur das rauschen
klebt an der türklinke von zimmer 11.

Hier atmen verlegen die stunden kippen in graublau
lichtbündel durch das hohe fenster, die sich tanzend
in stummen bücherregalen verfangen
bis sie ermüdend, breitbeinig – als schatten – auf meiner bettdecke landen.

Sie hatte diesen punkt geklebt unsichtbar haltbar.dort
wo der stukk als blütenrandrose in die decke sich einband um
kichernd sich in zarten wölbungen wieder aufzuwerfen. fast trotzig
dann in gelbgewunden. augenmüde beobachtung und harren , wortloses verstehen.

da saß sie bewegungslos erstarrt von meinem bestaunen.im unbeobachteten moment dieses zarte drehen einer schlittschuhläuferin – sekundenatmend .

Dann schleuderte sie wie ein band den seidigen faden hinter sich –

wölbte ihren bauch wie eine schwangere und tanzte auf dem dünnen seil


in atemloser schönheit.© Chr.v.M.

Goldene Sonnen.

Goldene Sonnen

Das Gold spriest auf allen Wiesen
der Sonne Konkurrenz, gepriesen!
Hold`ne Küsse, sanfte Wonne, Maitendenz.


© Chr.v.M.

Löwenzahn

In den Hecken, auf den Wegen

Leuchten kleine goldene Blüten.

Hunderte, nein Tausende von ihnen!

.

Ob Mutter Sonne wohl

mit warmen Strahlenhänden

sie selber ausgesät?

.

Am Abend kam ich,

als der Sonne Glut zur Neige,

da schlossen auch die Kleinen

ihre Strahlenblüten.

.

Schlaft nur!

Bald kommt ein neuer Tag.

.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

2002