Ein Juwel in Sack und Asche . . .

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Ein Juwel in Sack und Asche . . .

N un haben es die Verantwortlichen – und alle anderen natürlich auch –  aus ministeriellem Mund bestätigt bekommen, was Klara oder Otto „Normal“ immer schon wußten: Das Institut für Vogelforschung – die „Vogelwarte Helgoland“ – mit seinem Hauptsitz in Rüstersiel, ist ein „Juwel“. Es gehört nach Aussage des Ministers zu den Stärken der niedersächsischen  Forschungslandschaft.

Juwelen verbuddelt man aber normalerweise nicht auf dem Schuttplatz. Man präsentiert sie in einem wunderschönen Rahmen – jedermann zur Freude. Dieses Denken scheint aber im Wassergraben des „Rüstersieler Fort“ zuviel unbekömmliche Flüssig-keit geschluckt zu haben. Anders kann ich mir das unschöne Drumherum nicht erklären. Oder will man im Elfenbeinturm der Vogelforschung nicht von den freilebenden Vettern der Studienobjekte gestört werden? Ich – und sicherlich nicht nur ich – habe mir eigentlich im Dele-Park um das Fort ab und zu eine ordnende Hand und mehr Leben vorgestellt. Es wäre wünschenswert, wenn die – eigentlich dem Wohl der Bürger verpflichteten – Spitzen der Verwaltung, auch mal ohne die Stablaterne eines Ministerbesuches den Weg in diese grüne Öde finden würden.

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Ein Stück lebendiger Vergangenheit …

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Ein Stück lebendiger Vergangenheit …

 

Ich will jetzt nichts von Museumsbesuchen oder Kostümfesten in den Trachten unserer Großeltern erzählen. Mit dem Kulttumult um alte Fortbewegungsmittel hat meine Geschichte auch nichts zu tun. Gleichwohl ist das was ich in den letzten Tagen erlebt habe für mich wie ein Stück wieder auferstandener kostbarer Vergangenheit.

Es begann mit dem Ruf meiner Frau: Das Mittagessen steht auf dem Tisch. Es war mit dem Essensruf etwas später geworden, weil der Kartoffelvorrat in der Speisekammer irgendwie Schaden genommen hatte. Meine Frau hatte deswegen aus einem Geschäft, in dem sie sonst selten einkauft, noch schnell einen Beutel Erdäpfel besorgt.

Und was hat das mit lebendiger Vergangenheit zu tun? fragt jetzt sicher der eine oder andere. Es wird zwar schon seit alten Zeiten in vielen Haushalten zu Tisch gerufen – aber was ist daran das besondere.

Das war auch nicht das Besondere. Das Besondere war erst einmal, daß ich diesem Ruf sofort folgte. Sonst dauert es auch schon mal, weil es ja immer etwas Wichtiges gibt das noch erst zu Ende gebracht werden muß. Wer kennt das nicht – mal ehrlich.

Auf der Tafel im Esszimmer stand ein ganz normales Mittagsmenü. Fleisch, Gemüse, Kartoffeln und Soße. Jeder weiß ja wie es geht – man packt sich von allem etwas auf den Teller und legt mit dem Essen los. Wenn man das Besteck beiseite legt, weil man satt ist, hat man in der Regel von allem etwas gegessen.

Diesmal war es anders. Als ich nämlich mein Besteck zur Seite legte und mir zufrieden über den vollen Bauch, strich hörte ich von der anderen Seite des Tisches ein erstauntes: Bist Du schon satt? Du hast doch nur Kartoffeln gegessen. Ein bißchen Beleidigtsein über die Missachtung von Braten, Gemüse und Soße klang unüberhörbar durch.

Erst da bemerkte auch ich, daß ich mich tatsächlich an den Kartoffeln satt gegessen hatte. Mein Denken war nämlich während des Essens ganz tief in die Vergangenheit gerutscht. Ich saß plötzlich als kleiner Junge zuhause am Küchentisch und verzimmerte Kartoffeln mit Butter die meine Mutter zuvor vom eigenen Acker geerntet hatte. Das war mir ja schon eine Ewigkeit nicht mehr passiert.

Und noch etwas hat der einzigartige Geschmack und die ‚gewisse Körnigkeit’ dieser Kartoffeln bewirkt:

Ein altes Rezept meiner Mutter war plötzlich wieder gegenwärtig. ‚Zuckzack’. Auf Zuckzack waren wir als Kinder immer ganz wild. Ganz gleich ob er Mittags frisch auf dem Tisch stand oder die Reste abends in der Pfanne gebraten wurden.

Eines steht auf jeden Fall fest:

Unsere Kartoffel ist für alle Zubereitungsarten nur noch die ‚Leyla’ vom Lilienhof in Marx.

©ee

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„Küstenbrauerei Watt’n Bier“

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„Küstenbrauerei Watt’n Bier“

Der Werdumer Hof in Werdum mit Bierbrauerei

 

Bierbrot, Matjes und Schalotten …

„Eine Symphonie für Mund und Magen …“  sagte Hannes, mein Gegenüber am Tisch, verträumt, nachdem die ersten Häppchen ihren Weg in seine „innere Speisekammer“, wie er seinen Bauch zu nennen pflegt, gefunden hatten. In unsere leicht irritiert blickenden Gesichter schob er dann noch nach: „Naja – ihr habt doch gestern im Konzert auch gesagt, die Musik wäre ein Gaumenschmaus für die Ohren – und das, was ich hier jetzt mit dem Mund in mich aufnehme, ist für meinen Magen zumindest genauso gut, wie Beethovens Neunte für die Seele.

Von der Logik her konnten wir ihm nichts entgegensetzen – aber ob es qualitativ stimmte – das wollten wir denn doch alle wissen. Er ließ uns aber partout nicht von seinem Essen probieren. Sein Argument: „Wenn ihr alle probiert habt, sitz ich hier vor leerem Teller. Ich kenne euch doch.“ Auch das konnten wir nicht widerlegen. So tönte es, nach zwei Atemzügen innerer Empörung über diese Aussage, im Chor in Richtung Tresen: „Viermal Matjes auf Bierbrot, bitte!“

Das war es nämlich, was Hannes vor sich auf dem Teller hatte, und was seinen Gaumen in Verzückung geraten ließ.

Sogar Dirk, der für „tote Außenbordskameraden“ wie er im allgemeinen jedwede Art von Fisch bezeichnete, nicht viel übrig hatte, schloß sich der Bestellung an. Hatte er doch am Abend vorher über die Musik das von Gaumenschmaus für die Ohren gesagt.

Gleich darauf waren auch unsere Nasen in den herzhaften Duft frisch geschnittener Zwiebeln gehüllt, die einen Hauch von Frühlingsgarten verbreiteten. So bedächtig und genießerisch langsam habe ich unsere Runde lange nicht mehr essen gesehen.

Dunkles Landbier sorgte dafür, daß der Matjes im Magen in ausreichend Flüssigkeit schwimmen konnte.

Und ausgerechnet Dirk stellte nach dem Essen, begleitet von einem wohligen Seufzer, fest: „Gebuttertes Bierbrot mit Aalrauchmatjes und frischen Zwiebeln – das esse ich morgen Abend noch mal!“

Wenn auch sie sich von dieser „Symphonie für Mund und Magen“ verwöhnen lassen wollen – die „Küstenbrauerei Watt’n Bier“ in Werdum kann ich ihnen wärmstens empfehlen.

© ee

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Es gibt ‚sone’ und solche …

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Es gibt ‚sone’ und solche …

 

Seit Jahren schon treibt es mich durch die Bank alle acht Wochen zum Haarschneider. Was die Künste des Figaros in punkto Modefrisuren betrifft, bin ich relativ bescheiden. Wenn er sein Handwerk solide beherrscht bin ich zufrieden. Ein pfleglicher Umgang in Wort und Gebärde steigert dann noch mein Wohlbefinden. Daraus resultiert bei mir eine gewisse Standorttreue – das heißt, ich wechsle nicht gerne den Frisör.

Jetzt mußte es aber sein, weil wir in einen anderen Stadtteil gezogen waren. Bevor ich mich auf den Weg und die Suche nach einem Barbier machte, sagt meine Frau noch: „Du wirst hier in der Nähe bestimmt leicht ein Geschäft finden. Frisiersalons gibt es doch wie Sand am Meer.“

So war es auch. Nach ein paar hundert Metern sehe ich auf dem Einkaufsgelände gleich hinter der Kopperhörner Mühle eine Ladenfront mit mehreren Schaufenstern. In allen Scheiben lese ich – fein säuberlich in Glas geätzt – Haarstudio Soundso.

In froher Erwartung, in wenigen Minuten meine Wolle los zu sein, betrete ich die ausgedehnten Räumlichkeiten. Oh – denke ich, da haste aber Glück – nix los um diese Zeit.

Das Summen des Türüberwachers hängt noch in der dezent parfümierten Raumluft, taucht auch schon hinter einem Vorhang weg eine junge Dame auf, die ebenso gut der Titelseite einer Modezeitschrift hätte entsprungen sein können.

Statt aber mein ‚Guten Morgen’ zu erwidern, stellt sie sogleich zwar lächelnd aber lapidar fest, dass ich ganz sicher keinen Termin hätte. Meinen Einwand, dass ich auch nicht untersucht werden, sondern nur meine Haare geschnitten bekommen möchte, wischte sie immer noch lächelnd beiseite: „Wir bedienen nur Kunden mit Termin.“ Als sie das gesagt, rutschten ihre Mundwinkel ganz leicht nach unten. Ich habe mich gefragt, wieso sie auf den ersten Blick wußte, dass ich keinen Termin hatte. War es vielleicht meine ältere Windjacke, die ich der kühlen Witterung wegen übergestreift hatte – oder waren es meine schon etwas abgeschabt wirkenden  finnischen Waldläufer die nicht in ihr Kundenbild paßten? Vielleicht war es auch die Plastiktüte, in die mir kurz zuvor die Metzgersfrau von nebenan mein Mittagessen eingepackt hatte. Ich hätte es zu gerne gewusst.

Wieder draußen habe ich erst einmal tief Luft geholt – und die Gewissheit in mein Gedächtnis geschrieben, diesen Türgriff nicht noch einmal in die Hand zu nehmen.

Fünfzig Meter weiter – quer über die Bismarckstraße hinweg – lachte mich eine auf dem Bürgersteig stehende Tafel förmlich an. „Seit 26 Jahren bedienen wir unsere Kunden ohne Anmeldung!“ versprach der Text auf dem Schild vor ‚Katja’s Frisiersalon dem Vorübereilenden. Kaum das ich das Innere der Frisörstube betreten hatte, forderte mich aus dem Hintergrund heraus jemand höflich auf, doch schon mal meine Joppe abzulegen und Platz zu nehmen. Man würde sich in wenigen Minuten um mich kümmern. Selbst die Plastiktüte in meiner Hand schien hier nicht zu stören. Wie sich dann herausstellte, bediente mich die Chefin persönlich – und zwar auf eine Weise, die ich hierzulande im Dienstleistungsgewerbe häufig vermisse – fachkompetent und natürlich freundlich. Ich bin einem Menschen begegnet, der seinen vor langer Zeit erwählten Beruf auch heute noch als Berufung ansieht, und dem ich auch in Zukunft meinen Kopf gerne anvertrauen werde.©ee

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Thiele Blatt – der Viertelpfünder in der weissen Tüte …

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Thiele Blatt – der Viertelpfünder in der weissen Tüte …

 

Mein unbestrittener Favorit unter allen Getränken, die als Schwarz- oder auch als Ostfriesentee bezeichnet werden – und das nicht, weil er ein Produkt aus dem Hause Thiele & Freese ist, sondern ganz einfach weil er so gut und unübertroffen lecker ist.
Bereits im Hause meiner Großeltern habe ich stets nur den Schriftzug Thiele & Freese auf den Teetüten prangen gesehen. Anläßlich einer Geschichten- und Gedichtereihe während meiner aktiven Radiozeit habe ich im Laufe der Sendungen etliche Vertreter von mit Tee handelnden Firmen im Studio als Gäste und Gesprächspartner bei „Eden am Teetisch“ begrüßen dürfen.
Der Satz des hochrangigen Repräsentanten eines bedeutenden Mitbewerbers aus dem Raume Bremen auf dem bundesdeutschen Teemarkt, begleitet mich immer noch wie ein Fanal bei der täglichen Teezubereitung. Auf mein Bekennen zu Thiele Blatt in der weissen Tüte auf seine Frage, welcher Teesorte ich denn persönlich den Vorzug gäbe, kam von ihm eine Feststellung der ganz besonderen Art:
„Da genießen sie ja den ‘Rolls Royce‘ unter den Teesorten – und für mich verblüffend und offen folgte von ihm noch der Nachsatz, dass diese Teemischung schon seit geraumer Zeit allgemein als konkurrenzlos eingestuft sei und auf Grund der offenbar genetisch bedingten Teenasen der Famile Thiele auch wohl noch für eine längere Periode diese Stellung werde halten können.© ee

 

 

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Die „Friedeburger Jungs“

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Die „Friedeburger Jungs“

ein strahlendes Licht im Meer vieler Kerzen!

Die ostfriesische Halbinsel ist Heimat vieler Sänger und Chöre. Der alte Wilhelm – weilte er noch unter uns – würde sein vernichtendes Urteil über die Sangesfreudigkeit der Ostfriesen garantiert schon längst revidiert haben.

Von der Ems bis an die Jade – von den schmucken ostfriesischen Inseln bis an die Grenzen des Ammer-landes hört man es klingen.

Allerorts wird gesungen und musiziert – auf allen Ebenen findet man für jeden Anspruch den passenden Ton, und den passenden Rahmen.

Eine herausragende Stellung nehmen unange-fochten die Sänger aus Friedeburg ein.

Die „Friedeburger Jung’s“. Seit Jahren halten sie ihre Position im Spitzenfeld der musikalischen Streiter.

Ob im Chor oder als Solisten, auf der Bühne – gleich wo sie sich befindet – ist jeder eine Klasse für sich.

Im großen Saal des Schortenser Bürgerhauses lieferten sie am 20. Februar erneut den Beweis.

Wer sich diesen Genuß hat entgehen lassen, dem hat am nächsten Morgen mit Sicherheit in Stück schönes Erlebnis gefehlt.

Die lautstark und begeistert geforderten Zugaben, kann man getrost als den besten Beweis für die Klasse anführen.© ee

Ewald Eden