Geschichte

G eschichte ist ein hartes Brot
mit noch viel härter Kanten –
ob sie nun Braun war oder Rot,
mit Nummern eingebrannten.

Geschichte ist oft gallebitter –
macht oft im Fühlen Stacheldraht,
wenn wie peprasselt‘ Stahlgewitter
Wiederholung von Geschichte naht.

Wem Geschichtes Sonnentage
verdecken die Erinnerung,
der nimmt nicht wahr die neue Plage –
verschläft Teufels Erneuerung.

© ee

Bild von congerdesign auf Pixabay

Werbeanzeigen

Das Kreuz mit dem Kreuz

.

„Heisser Wüstensand ….“

Das Kreuz mit dem Kreuz

 

Heinz hatte bannig Glück in seinem Leben mit dem Glück Leben. Von seinem ersten Schrei bis laufen und komodig reden können war die Welt um ihn herum noch reichlich schräg und dunkel.

Die Inflation war man gerade über das Land hinweg gezogen. Die ‚Roten und die ‚Braunen’ knüppelten wie verrückt in den Strassen der Weimarer Republik aufeinander ein. Die Reichsregierungen unter Kanzlern wie Brüning und Co – ganz weit weg in Berlin – wedelten hilflos mit ‚Notverordnungen’ und anderen Aktionsgesetzen in der Luft herum.

Es schien oftmals so, als wenn ein Bauer durch das schwenken mit seiner schmutzigen Unterhose sein durchgegangenes Pferdegespann aufhalten wolle.

Der Himmel sah wohl wo das Spiel enden würde, und hat 1933 seine Hände dazwischen gehalten. Viele empfanden jedenfalls so und glaubten, der Herrgott hätte ihnen als auserwählte Rasse das Heil beschert.

Heil Hitler“ wurde deshalb auch zum obligatorischen Volkesgruß.

Plötzlich war in der Gesellschaft eine Richtung zu erkennen. Den Menschen wurde gesagt, dass sie wieder geradeaus laufen könnten.

 Was war das ein Glück – nicht bloß für Hein. Ohne zu straucheln konnte er nun seine Kinderzeit, seine Schulzeit und seine Lehrzeit hinter sich bringen.

Aber wie es nun einmal so ist im Leben. Wenn Dir in Notzeiten jemand etwas auf den Tisch legt, um Dir damit zu helfen – der steht garantiert eines Tages wieder vor dir und will für seine Hilfe entlohnt werden.

Eine Ahnung von dem was da auf ihn zukam umkreiste sein Wissen schon beizeiten.

Die Begriffe Hitlerjugend und Jungvolk rahmten das Ganze ein. Einbeziehung zum Reichsarbeitsdienst stand dann ganz oben auf der Rechnung, von der er den ersten Teil begleichen musste, als er seine Lehre abgeschlossen hatte.

Zum ‚kriegswichtigen Arbeitseinsatz’ einberufen nannten die Gläubiger die Vollstreckung ihrer offenen Forderungen.

‚Muß i’ denn, muß i’ denn …’ oder so ähnlich schallte es über den Sander Bahnhof als der Zug sich mit Hein und vielen anderen Einberufenen keuchend und stampfend Richtung Lesum in Bewegung setzte. In der Bremer Nachbargemeinde Lesum standen nämlich schon die Schaufeln und Spaten für die jungen Leute bereit.

Zumindest der tröstliche Glaube, dass ihre davonziehenden Kinder wenigstens noch kein Schießeisen in die Hand nehmen mussten, blieb bei den Angehörigen auf dem Bahnhof zurück.

Im Zuge freute sich jeder auf Lesum. Lesum – das versprach doch Abwechslung gegenüber ihrer kleinen verschlafenen Landgemeinde. Direkt nebenan lag ja Bremen. Da konnten sie von Lesum aus doch fast hinspucken, oder vielleicht sogar mal so ein bisschen den Duft der großen weiten Welt schnuppern.

Hein und sein Freund kamen aber gar nicht dazu nach Bremen hinzuspucken – oder gar mal in die Stadt hineinzuriechen.

In die Strohsäcke ihrer Bettstellen hatten sie noch gar keine Kuhlen gelegen, da hieß es schon: ‚Auf dem Bahnhof sammeln. Marschbefehl nach Hamburg.’

‚Was sollen wir denn in Hamburg?’ lief die Frage unter die langen Reihen der Versammelten hindurch.

‚Von da aus werden wir nach Russland in Marsch gesetzt’ kam es als Antwort von irgendwem untendurch zurück.

Einige der jungen Männer waren so couragiert gegen die Verlegung an die Elbe aufzubegehren. Sie wollten nicht nach Hamburg. Das ‚nicht nach Hamburg wollen’ war aber ganz schnell nicht mehr zu hören.

Ein paar grobe Griffe oder ein paar kräftige Stöße mit dem Gewehrkolben brachten die Aufmüpfigen in Nullkommanichts zum Schweigen. Auch sie freuten sich dann plötzlich auf Hamburg.

Auf der Fahrt in die Hansemetropole hörte man in den Waggons bloß das Tack – tack der Räder auf den Schienenstößen. Niemand traute sich etwas zu sagen – man wusste ja nicht, welches Denken den Kopf des Nachbarn beherrschte.

Im Hamburger Hauptbahnhof angekommen hieß es sogleich:

‚Alle Mann aussteigen und auf dem Bahnsteig vier zu vier angetreten. Zack-zack.’

Irgendetwas drehte sich bei diesem Kommando stachelig in Heins Magen. Er verdrückte sich mit seinem Freund hinter die Masse der Kameraden, deren Augen wie gebannt auf die sie erwartenden Feldjäger gerichtet waren. Mit vorgehaltenem Gewehr flankierten die ‚Kettenhunde’ den Bahnsteig.

Die beiden Freunde sahen vor sich nur unzählige Rücken und kurzgeschorene Hinterköpfe unter den Schirmmützen nach draußen drängen.

Ohne das irgendjemand es bemerkte verkrümelten sie sich durch eine Tür auf der Gegenseite. Durch einen auf dem Parallelgleis stehenden Zug hindurch gelangten sie auf einen anderen Bahnsteig.

Nachdem die Kolonnen abmarschiert waren, und die Militärpolizei sich verzogen hatte, fragten sie sich bei Passanten zur Musterungsstelle durch.

Das spätere Ankommen auf der Dienststelle hat sie vor der Reise nach Russland bewahrt. Ihre Kameraden aus der großen Marschkolonne waren nämlich ohne viel Federlesen in Richtung Ostfront durchgewunken worden.

Die Musterung vor der Kommission mussten aber auch sie über sich ergehen lassen.

Als erstes hieß es ausziehen – alles ausziehen, auch die Unterwäsche.

Im Adamskostüm mussten sie dann durch die große Halle Spalier laufen.

Einzig ein steifer Bogen Pappe in ihren Händen begleitete ihren Lauf von Schreibtisch zu Schreibtisch. Es waren wohl zwanzig Stück an der Zahl.

Sie wurden gemessen, gewogen und von allen Seiten begutachtet.

Mit Zirkel und Dreieck, mit Zollstock und Maßband, mit Hörrohr und Spekuliereisen gingen die Weißkittel ans Werk.

Der Kopf und die Arme und Beine wurden vermessen, den Hintern leuchtete man aus und die Geschlechtsteile unterzog der Generalarzt einer besonders gründlichen Begutachtung.

Nach dem Glänzen seiner Augen zu urteilen schienen sie dem Spezialisten zu gefallen.

Der Laufzettel füllte sich mit Kreuzen, Strichen und anderen undefinierbaren Zeichen. Bis ein Mannsbild auf diese Art zu Papier gebracht worden war, das dauerte seine Zeit. Zum Schluß kam dann eine hervorragende Bewertung dabei heraus.

‚Arier erster Klasse – geeignet für den Einsatz in der Ordensburg Sonthofen’ stand auf den Bögen der beiden Freunde zu lesen.

‚Ordensburg’ was heißt das? stieß der Freund Heinz an, als sie sich wieder angezogen hatten und zur letzten Begutachtung unterwegs waren.

Heinz war ja auch nicht über alles aufgeklärt, aber davon hatte er doch schon läuten hören.

‚Man will da, glaube ich, Elitezuchtbullen aus uns machen’ klärte er seinen Freund fast unhörbar auf.

Vier Schritte lang kam von seinem Freund nichts als ungläubiges Staunen – bis er begriffen zu haben schien, was Heinz ihm da gerade gesteckt hatte.

Heftiges Kopfschütteln war die Reaktion. ‚Nee – nicht mit mir. Ich lasse mir doch keine Kühe aussuchen, die ich dann decken muß. Ich geh da nicht hin.’

Das sprach Heinz aus der Seele. Er wollte auch nicht dahinten im Baziland hochgezüchtet werden. Sein zukünftiges Liebesleben hatte er sich denn doch ein wenig anders vorgestellt.

Die beiden Freunde wechselten kein Wort miteinander, als sie den Dreh nach draußen nahmen und dem Bahnhof zustrebten.

Wenn in Hamburg nicht schon so ein gewaltiges Durcheinander geherrscht hätte, hätte man sie sicher noch zu fassen gekriegt und wegen Fahnenflucht bestraft. Da das Standrecht im Lande herrschte waren sofort vollstreckte Todesurteile wegen eines solchen Vergehens keine Seltenheit mehr.

Die beiden hatten jedoch Glück und saßen ein paar Stunden später unbeschädigt im Zug nach Bremen.

Bremen haben sie an diesem Tage aber gar nicht mehr erreicht. Über Bremen sah man nur Feuerschein und Rauch in der Luft. Der Zug musste vorher anhalten – das Bremer Stadtgebiet wurde bombardiert. Die englischen Flieger ließen ihre tödliche Fracht fallen.

Die Passagiere mussten ihren Zug auf freier Strecke verlassen.

Heinz und sein Freund sind denn auf Schusters Rappen nach langem Marsch in Lesum eingetrudelt.

Von Lesum hatten sie aber auch nicht mehr viel.

Gerade im Quartier in Lesum eingerichtet fanden sie sich über Nacht auf Fünen wieder.

Da wartete eine Blitzausbildung für den Kriegseinsatz an der Westfront auf sie und andere. Plötzlich waren sie Soldaten die nach Frankreich marschierten, um dort einen Westwall zu halten, der nur noch in der Propaganda existierte. Jetzt hatte der Kommiß sie doch noch zu fassen gekriegt.

Um die Müh- und Drangsal des einfachen Soldatenlebens zu umgehen, sicherten sie sich einen Platz im Sperrsitz. Sie traten der Waffen – SS bei. Auf diese Weise waren sie auch ohne Sonthofen und Lebensborn in die Eliteklasse aufgerückt.

Daß aber zwischen Frauen schwängern zu müssen, die sich freiwillig hergaben, und schwangere Frauen töten zu müssen, bloß weil sie angeblich nicht Arisch waren, ein kleiner Unterschied bestand, das erfuhren sie spätestens, als sie sich nach dem ersten Mal tun die Seele aus dem Leib kotzten.

Nur, da war es zu spät zur Umkehr – denn aus Gestern lässt sich nie wieder Heute machen.©ee

Ewald Eden

GEGEN DAS VERGESSEN !

Erinnerung

.

Erinnerung

I ch hab’ im Gedächtnis
eine blecherne Dose
sie stand stets zu Hause
im Küchenschrank

den Deckel zierte
eine dickgelbe Rose
die Ränder
sie waren vom angreifen blank

in die Dose tat Mutter
manch’ kupfernen Nickel
mühsam
vom schmalen Haushaltsgeld abgespart

einmal im Jahr
nahm sie die Dose beim Wickel
und ich durfte zum Rummel
zur Schiffschaukelfahrt

sogar für ’nen Lutscher –
eine Zuckerstange
in ganz bunten Farben –
reichte das Geld

aus der Pfennigschatulle

zuletzt war ich noch
ein glücklicher Kutscher
der zu Orgelmusik
und Marktschreiers Gebrulle

über die Rücken
der bunten Holzpferde kroch

© ee 2005

.

Bild von Yorkarain auf Pixabay

Glükk . . .

 

Glükk . . .

To disse lüütji Geschicht moot ikk eers moal wat vöörrutstüüren.
Wat ji nu to hörn kriecht, dat is nich dorto andoahn dat noatomoaken – dat wiers nich. De meist Minschen de hemm’n joa in hör Lääven säker allmoal wat beschikkt, wat nich so heel up de liek Padd wee. Ikk ok – n’türlich – oaber wenn dat denn good ovlopen is, schull man us Herrgott Bedankt särgen un dat ok dorbi beloaten.
Oaber vertell’n moot ikk dat doch ähm.

Mien Broer un ikk weesen jümmers tosoamen ünnerwäägens up Waarkeltuur.
Wi kropen van mörgens bit in de Nachten up anner Lüüds Footdääl rüm üm moie Footdäälen moaken. Dat wee noch in de Tied, as de Konjunktuur hoch över de Wulkens flooch. Aarbeitslosen kunns in Perzenten gannich utdrükken. De Ünnernäämers leepen achter us an. Vandoach irgendwons in d‘ Büdel haun, kunns vöörgüstern all bi een annern Boas in Dennsten stoahn.
Wi weesen all van Hoahn’nkrein an de heele Dach düchdich an knoien west. De Fieroabend harn wi bold to foaten – meenen wi.

Twee Zirettlängten vöördem keem us Boas up d‘ Boostää. He wee rein ut de Puust, so har he jocht, dat he us noch bi d‘ Bükks kreech. Wee hüm doch verrafftich wat ut sien Kopp floagen – un wi schulln dat noch ähm utplätten. Een öller Minschke har he tosächt noch an disse Dach bi hör Footdääl antofangen. Na joa – wi weesen jung Kierls – Pinunsen muchen wi ok woll lieden, un so muß de Fieroabend noch up us töven.
Dat gung up Oabndsbrodstied to un wee all balkendüster, as wi bi dat öller Froominsch ankeemen.

See har woll de Köäken all utrüümt un laang up us tööft – liekers har see dat Wark för de all Dach ovschrääven.
Wat wee Omoa blied, dat wi nu doch noch bi hör in de Dör stunnen. See wuß gannich so recht, wat see us ut Freud aal doon schull. Wi kreegen to äten un wat to drinken. Tja – un mit dat drinken – dor har denn doch verrafftich een Uul säten. De heele Batterie Buddels, de see in d‘ Schapp har, de keem an d’ Lucht.
Rinspeet, moot ikk eerlich togääven – hevvt wi domoals nich wenn us wat to drinken anboaden wuur. Mien Broer kreech een Doornkoat inschunken un ikk har mi een Kaarsenlakör utkääken. Twee Stükk klukkern in de Glöäs, wiel – so as Omoa meen – up een Been kann man nich stoahn. Un denn mussen wi wat doon.

Omoa seech dat in. So’n bietji tinkeln in us Oogen noa de Buddels henn har see oaber doch woll mitkrägen. Ikk goa in d‘ Stuuv sää see. Helpen kann ikk jo joa doch nich. „Ikk stäel de Buddels up d‘ Köäkenschapp“ – dormit wull see woll särgen, ikk seech woll dat ji noch een möächt. Recht so! Dorvan ov – wi kunn mit dat perzentige Tüüchs eelich good ümgoahn – man dat wi all van dat Lösungsmiddel in de Kläver, wor wi de heele Dach mit togaang weesen, een lütten sitten harn – dat harn wi nich up us Rääkning. So hevvt wi denn bi us Waark elks sien Buddel lössmoakt. Wenn ikk dor nu hör: Igitt – nä, nä – so is dat nich. Dat wee de Tied in een Kierl sien Lääven, in de een Buddel Schlukk wat för twee Mannslüü is – wenn een dorvan niks drinkt. So – dat harn wi hat!

Noa us Waark de Huusdör achter us in d‘ Schlött trukken – mörgen kunn dat wiidergoahn.
Rin in de ole Klöäterkassen van Bully – un noa Huus andoal. Dat wee jo bold Middennacht. Hier in Ossfreesland harn wi dat Foahrtüüch joa noa Huus henschuven kunnt – dat gung dor oaber nich, wiel, wi woanden in een Gägend wor de Stroaten up un doal gungen. Mennichmoal up een Sied een hoogen Baarch un up anner Sied niks as Lücht. Een bäten ümtofoahr’n sünd wi ok – figelinsch as wi weesen – de Hauptstroaten wullen wi denn doch nich ünner de Reifens kriegen. Nich wiel mien Broer nich mehr foahren kunn – nä, dat nich. Oaber Schandarms geev dat domoals ok all.

Wo nöömt man so ’n Tuur up sükkse Padden ok woll? Richtich – up d‘ Spriitpadd noa Huus to.
Dat Foahrtüüchs stunn schnaas jümmers good hunnerd Meter van to Huus wäch, ünner een Stroatenluchtin een Latüchtengaroasch. Dat Foahrtüüchs stunn so moi – dor kunns rein nich sehn, dat de Stüürmann een sitten har. Ikk bün an d‘ Bifoahrersied utstägen un lossteustert. Tweemoal wee ikk all üm d‘ Drei, as ikk spitz kreech dat mien Broer nich bi mi wee. Wäär retuur noa d‘ Foahrtüüch. Mien Broermann de seet noch piedelliek achter d‘ Rüür. Särgen wull ikk hüm, dat he de Stünnens ok annern Dach upschrieven kunn, riet sien Dör oapen – un bamms – licht he mi to d‘ Footen. Wee de Keerl doch verrafftich an schloapen, un ikk froach mi bit vandoach, well us woll heel noa Huus henstüürt hett.©ee

© ewald eden

Een Bild, dat mi an d’ Haart foat hett …

Een Bild, dat mi an d’ Haart foat hett …
Irgendwenn wee de Noam dor un dee jüüst so künnich, as wenn hüm dat all jümmers gääven har – de Rüstringer Barch.
Dat gung mi so dör de Kopp, as ikk up de halve Höcht van dissen upfoahrnen Hümpel tüschen de NWO Tankschkipplöschbrürch an de Nordersiet, un de gewaltigen Schlüüsenanloagen van de veerde Hoabeninfoahrt up de Süüderkant stunn, un miene Oogen up de Siedelskanten van de iisenhollten Dalben noa een missingsch Noamenstoafel söchten.
Een leev Minschke, de mi in siene Eerdensdoagen an d’ Haart wussen wee, un de sien Starvensresten wi een Settji vöördem noa See to brocht harn, de har an disse Stää föör de Tieden un föör de Leevigen mit sien Noam een Gedenken kräägen. „Seefrää“, „Seefrieden“ hett een verstännigen Geist disse Stää mit de Dukdalben nöömt.
Disse Stää de kennde ikk – ov bäter gesächt, de Hääven över disse Grund, de wee mi nich frömmd, solang as ikk in miene Läävenstied trüchdenken kann, kennde ikk de.
Aal dat, wat mien Oogen, mien Sinnen oaber nu hier an disse Stää to foaten kreegen, dat muß ikk eersmoal sinnich in neeä Schuven van mien Weeten pakken. Disse Stää de har joa een heel annern Klöär, de har joa een heel anner Utsehn kräägen, as dat to use Kinnertied wäst is. Föör us, de us de verlorn Kreech man jüüst nich mehr to foat krägen har, föör us wee dat een wilden Welt – föör us wee dat de Begrääp van Freeheit sünner Grensen.
Disse Hümpel ut verneelte Stadtmüüren, disse Barch van Elendsresten, dat wee use Höächt, wenn wi denn heel boaben stunnen, un as Winnetou in Koarl May sien Vertellen mit de Hannen över de Oogen över dat wiede Woater pliesten.
Denn gehöör us Butschers disse Welt van Watt un Woater. Noa Oosten to bit an de Butjänter Dieken un noa Nörden hen bit achter de Kimm.
Wat wee dat doch noch föör een Welt. Een Welt oahn Stiekelwier, een Welt oahn iistern Doren un een Welt oahn „Du dröffst dat nich“ Toafeln.
Een Welt, in de de Lücht noch noa See un Solltwoater schmook, un nich noa Ölich, nich noa Pikk un Schwefel rüükde.
Een Welt, in de de Övergang van Land to See noch Sand un Schliek un buntklöäriged steensched Dekkwaark wee, un nich rüstbrunsched Iisen un griesen scheddrigen Beton.
All dat Neeä, all dat Spillwaark wat ikk nu to sehn kreech, dat muß ikk eermoal bi de Siet rüümen, bit ikk dat, wat sükk dorachter verbargen dee, wäär in mien Örnung brengen kunn.
Un süch an, nettegroad as ikk dat doahn har, dor weesen see wäär dor, de Biller. De Biller van de „Oase“ as dat vöörtiedich un noakreechich eerste Etablissemang, as de eerste ächte „Nachtkrooch“ in Kaisers Hoaben, de joa nu verrafftich ganz keen stollten Kaisers Hoaben mehr wee – mit aal de Bargen van Trümmer un Schutt um sükk to – mit aal de schmachtige Minschen manken siene Müüren – oaber ok mit een häntigen Kring van Honoren, de aal mitnanner un tomeist een gooden Spekkbuuk hör eegen nöömden. Dat dröff ikk su särgen – ikk hevv hör meist all noch käent.
De eerste Nachtkrooch, in de up een anner Oart schmachtige Seelüü ut alle Winden föör een poar Stünnens Anker schmieten un de Hüür up de Bakk schmieten, ov de Wichters tüschen hör Bösten stääken kunnen.
Dat Maale an de Soak wee blossich, dat in disse Tied gannskeen Schkeepen ut alle Winden Kaisers Hoaben anleepen.
Tomeist weesen blods halflastige Granoatfangers to sehn, de oaber nich up Butt un Stint un Granoat joagen deen, neeeeeeeee – de schmeeten hör Netten ut, üm de Minen un Granoaten wäär intofangen, dat Dodstüüchs, dat see vöörtieds sülven utlächt harn.
De Weertslüü in de Krooch mit dat rode Lucht bruksen sükk oaber wäägen de fäälend dröögen Seemannshalsgatten vöör d’ Tresen keen Sörch nich to moaken – hör Kass de wee liekers elker Mörgen bit bovenhen full mit Pinunsen.
De Honoren in d’ Staddje, de harn de Part van de fäälend döstigen Saylords övernoahmen.
Dor an d’ Rüstringer Barch, wiet ovkant van Nod un Elend manken de Olldach, dor wee man joa so moi ünner sükk.
Ok wenn buten de hollten Müüren van dat Etablissemang niks van dat to hören wee, wat sükk binnen ovspeelde – de Minschen in d’ Staddje de wussen üm jedet Word, üm jeden Bölk, un üm jedet noch so fiene Jachtern in de rode Plüsch un achter de Stoffhangers vöör de Separees.
Nu stödt de Minschen, de hier Hollstopp moaken niks mehr mit de Nöäs up dat, wat hier in de Tieden van Överlääven un Neeanfangen su ovgoahn is – nich moal een lütji Toafel mit tominnst de Noam „Oase“ is in dat Rund to finnen. Liekers „Oase“ doch bestich as Benööm föör dat heele Waark stoahn kunn, wat irgendeen krägeln Kopp in de letzde Tied hier an disse Stää, hier an, up un üm de Rüstringer Barch togaang brocht hett.
Mit Seel’nruh – „Seelenfrieden“ is de Part bernöömt, wor an mächtige Dalben ut Iisenhollt lütji Missingsch Toafeln dat Besinnen an Minschen woakhollen, de up See hör letzde Ruh’ funnen hevvt.
Ähm ünner de böverste Höcht hett een gewalts Stokkanker noch ut Windjammertieden sien letzdet „vöör Anker goahn“ funnen.- un jüüst doröver is van Wieden all dat gröönsche Pagodendakk ut Kaisers Koloniendrööm to sehn, dat joahrteindenlang noa dat Ennen van disse Weltendroom de ole Post, dor stuv an d’ Kaiser Wilhelm-Park, utteekend hett.
Dat gewichtigste Besinnen hevvt de veerkantigen Betonklotzen an Barges Foot in mi woakropen, de bit to dat groote Woater in nägenteinhunnerdtweeunsäßtich de Seekantsmüür van us ole Voslapper Seilschkipphoaben wäst sünd.
Noa de hooge Floot harn see över Nachten de Ploatz wesselt. Nu sünd see ok hier to hör letzde Ruh koamen.
Blods dat „Entree“ as Napoleon dat benöömen de, wenner he denn dor noch wee – dat is mi suur upstödt. Dat sücht näämich noch netso schroar un erbarmlich ut as in de schmachtlappige Noakreechstied.
Blods dat wi dat domoals nich anners kennden.
Villicht hett dat joa nu een extra su loaten, üm tominnst een spierke Denken an disse Tieden leevich to hollen.
Un doarüm moot de Visiter, wenn he denn mit een blikkern Kist up veer Röä över de Stroat langs de Heppenser Gro ankrüdelt kummt, dorföör ok betoahlen.
Denn, wat Ollds to bekieken, dor mutt Minschke joa middelwiel overall in de Welt Doalers föör henlärgen – ok wenneer he dat all twintichmoal över siene Stüürgröschkes betoahlt hett.
ewaldeden©2013-07-04

„Roode Kappen“ …

 

 

 „Rotkäppchen’s“ …

Bald können sich die Menschen in unserem Lande gar nicht mehr an diese Sorte von Mannsleuten erinnern.
„Rotkäppchen“ das waren doch die Kerls mit den roten Mützen auf ihren Köpfen und die Trillerpfeifen in den Mündern, die jedermann vor der Abfahrt eines Zuges weit und laut trillern hören konnte. Wenn sie denn die grüne Kelle in die Bahnhofsluft streckten, dann wusste der Fuhrmann in dem eisernen Pferd vor den vielen Waggons, dass er dem Zug unter sich Dampf geben konnte – er konnte die Pferde von der Leine lassen. Die blitzenden Schienenstränge waren frei für sein Ungetüm von Dampfroß für den nächsten Galopp durch das weite Land.
Wer von uns Schuljungs wollte nicht einmal wenigstens Lokomotivführer werden? Zumindest eine zeitlang in der Schulzeit … Lokomotivführer die konnten soviel dampfen und rauchen wie sie wollten – da kam niemand und gab ihnen eine Backpfeife, von wegen der „Schmökerei“ oder zog ihnen die Ohren deswegen lang. Allein die Vorstellung dieses freien Lebens ….
Eines Morgens in diesem Herbst wurde ich mit Kattun in meine Kindheitsträume von irgendwann einmal „Rotkäppchen“ zu sein, zurückgeworfen – ich war zumal von so vielen roten Kappen umgeben, als wenn sich alle Bahnmenschen von damals bei mir vor der Türe getroffen hätten. Und dabei wohne ich doch gar nicht auf einem Bahnhof – und der Bahnhof in unserer Stadt ist auch kein richtiger Bahnhof mehr Seit längerer Zeit hat man da auf jeden Fall schon keine Züge mehr abdampfen sehen – auch wenn das keiner so recht wahrhaben will. Nun sind mir zumindest „meine Rotkäppchen“ da zwischen Autostrasse und Fußweg vor meinem Zuhause eine Weile treu geblieben.© ee
ewaldeden
 … un nu dat heele Waark up Nedderdüütsch ov ok woll plattdüütsch

„Roode Kappen“ …

Bold köänt sükk de Minschen in us Landje gannich mehr an disse Szort Mannslüü besinnen
Rotkäppchens – dat weesen doch de Keerls mit de rode Mützen up de Koppen un de trillernd Piepen in d’ Bekk, de man wiet un luut trillern hörn kunn. Wenn see denn de grööne Lääpel hochtillden un in de Boahnhoffslücht hullen, denn wuß de Foormann in dat iisterne Peerd, dat hee de Toch ünner sükk Damp gääven kunn – he kunn de Peerd van de Liin loaten – de blenkernd Gleisen ween free föör hüm un sien Ungetüm van Damproß föör de näächste Galopp dör dat Land. Well van us Schooljungs wull nich moal „Lokomotivführer“ warden? Tominnst een Tiedlang in de Schooltied … de kunnen soveel schmökern un rökern as see wullen – dor keem denn nümms un geev hör wekk an d’ Bekk, vanwägen „Schmöken“ – ov trukk hör de Oohrn lang. Alleen de Vööörstellung ….
Eens Mörgens in dissen Haarst bün ikk nu mit Kattun in miene Kinnerdrööm van „Rotkäppchen weesen“ trüchschmääten wurn – ikk wee tomoal van so veele roode Kappen ümgääven, as wenn sükk aal de Boahnminschen van domoals bi mi vöör de Döör droapen harn – un dorbi woahn ikk nichmoal up een Boahnhoff, un de Boahnhoff in us Staddje is ok gannskeen Boahnhoff mehr. Siet een längern Tied hett man dor upjederfall all keen Toch mehr ovfoahren sehn – ok wenneer dat nümms so recht woahrhemmen will. Nu sünd mi tominnst „miene“ Rotkäppchens tüschen Autostroat un Footpadd vöör mien Tohuus een tiedlang tröö blääven. © ee
ewaldeden

Erinnern …

 

 

Erinnerung.

Old Voslapp, Pütthusen un Inhusersiel
waren oftmals ein Muß unserer Alltage Ziel.
Wi mussen us blods figelinsch verwoahr’n
denn de Dieksters harn sükk meist tägen
us istern verschwor’n.
Een düchdich Pakk Hau wee dat Minnst
wat wi kreegen –
für uns war es dann wie ein höllischer Segen.
De geeven wi denn oaber dübbelt retuur,
wenn die Diksters sich trauten in unsere Spur.
So hielten sich Geben und Nehmen die Waage,
es blieb alles im Lot – das war gar keine Frage.
De Dieksters un wi, wir sind zusammegewachsen
zu einem verträglichen Ort in 
Nord-Niedersachsen.
 © ee