Maryla …

Maryla …

Maryla nimmt ihre Beine in die Hand – die nackten Füße berühren kaum das Strassenpflaster, so schnell läuft sie. Sie spürt nicht die Kälte, und nicht die schartigen Steine auf dem unbefestigten Weg, der sich, von der vielbefahrenen Hauptstrasse weg, einige hundert Meter wie eine Schlange, den Berg hinunterwindet.

Sie hört nicht, wie Kecko, die Elster, enttäuscht hinter ihr herkreckert. Sie ist laut enttäuscht, weil Maryla ihr keine Brotkanten auf den alten, morschen Baumstumpf gelegt hat. So wie sie es gewohnt ist, wenn Maryla nachmittags von der Schule aus heimwärts geht.

Es gibt keine Brotkanten heute, es bleibt nur beim streicheln des geneigten Köpfchens. Die Brotkanten hat Maryla vor Hunger selber geknabbert, als sie der Musik lauschte – als sie den Mädchen an der Stange vor den blitzenden Spiegeln, durchs Fenster von draussen, zuschaute. Als sie den seidigen Schmuck des Vogels berührt, wünscht Maryla sich auch ein Federkleid, um einfach weit wegfliegen zu können.

In Marylas Kopf schwirrt alles durcheinander. Obendrauf ist die schrille Stimme ihrer Tante – die immer laut zetert, und ihr mit Schlägen droht, wenn sie zu spät nach Hause kommt. Das Gekreische hört sie schon von weitem durch die Luft zittern.

Es ist der Stundenschlag der Turmuhr von Sankt Peter – die immer ein wenig heiser scheppert, als wenn sie erkältet wäre.

Es ist die Musik aus dem alten Fachwerkhaus am Marktplatz, neben der Kirche, vor dem sie nach der Schule häufig stehen bleibt und gebannt lauscht, und es ist die dunkle, warme Stimme, die plötzlich hinter ihr aufklang und die sie fragte, ob sie nicht Lust hätte auch so zu tanzen wie die Mädchen da drinnen.

In dem alten Haus am Markt hat sich nämlich vor etlichen Wochen eine Ballettschule häuslich eingerichtet.

Ohne sich noch einmal nach der dunklen, warmen Stimme umzuschauen, ist sie verschreckt weggerannt. Ihr Herz schlägt mit wildem Pochen bis hoch in den Hals.

Wie gerne möchte sie tanzen – so wie Mamuschka es mit ihr zu Hause immer geübt hat. Zuhause – das ist aber lange her. Es scheint ihr schon fast eine Ewigkeit zu sein. Dabei sind erst zwei Jahre vergangen, seitdem man sie von daheim fortgezerrt hat. Seit zwei Jahren lebt Maryla in einer anderen Welt. In einer Welt ohne Freude, in einer Welt voller Schläge, in einer Welt mit harter Arbeit, und in einer Welt mit nur wenig zu essen.

Maryla denkt oft mit Sehnsucht an ihr schönes Zimmer, mit dem wolkigen runden Himmelbett in der Mitte, wenn sie abends in die Strohschütte über dem Schweinekoben kriecht. Sie schläft nämlich lieber im Stall bei den Tieren, als bei Tante Tulja im Haus.

Die Tiere lassen sie reden – sie hören ihr zu, wenn sie ihnen von ihrer Mamuschka, und von Gilla, erzählt. Bei den Tieren muß sie keine Angst vor Strafe haben, wenn sie ihnen Bilder von den tanzenden Mädchen in der Ballettschule malt.

Im Haus von Tante Tulja muß sie jedes Mal schlafen, wenn Besuch da ist. Dann darf sie auch eines von den schönen Kleidern, und ein Paar von den Schuhen anziehen, die für sie im „Kinderzimmer“ in einem Schrank aufbewahrt werden.

Ihre Mamuschka ist tot – eine Bombe ist im Theater explodiert. Mitten in der Vorstellung, als Mama gerade auf der Bühne des Bolschoijtheaters tanzte. Terroristen hieß es, hätten den Sprengsatz gelegt. So hat sie es von den Erwachsenen aufgeschnappt, wenn die sich unterhielten.

Ihr hatte niemand gesagt, was im fernen Moskau mit ihrer Mamuschka geschehen war. Eines Morgens war nur eine grobschlächtige Frau, mit einem harten Gesicht, in ihrer schönen Wohnung am Newska Prospekt aufgetaucht. Zwei finster dreinschauende Männer in Uniform begleiteten sie.

Sie hatten zehn Minuten in der Küche laut mit Gilla, dem Haus-mädchen, gesprochen, und waren dann wieder gegangen.

Gilla war ihre Ersatzmama, wenn Mamuschka in der Welt herumreiste.

Ihre Mamuschka war mit dem Bolschoijballett viel unterwegs. Daheim, in Sankt Petersburg, tanzte sie nur sehr selten. Früher, da wäre es anders gewesen, hatte Gilla ihr einmal gesagt – früher, als Mamuschka noch mit dem Kirowballett tanzte. Aber das war, bevor Maryla zu ihrem Leben gehörte.

Gilla hatte ihr noch so vieles erzählt. Das meiste hatte Maryla noch nicht verstanden, und noch weniger davon hatte sie behalten.

Gilla hatte ganz rote, verweinte Augen, als sie Maryla erklärte, daß ihre Mamuschka nicht wieder nach Hause kommen würde – weil sie jetzt im Himmel sei, und dort mit den Engeln tanzen müsste. Sie würde aber trotzdem immer auf ihr kleines Töchterchen aufpassen.

Maryla hat auch an diesem Tage nicht alles verstanden. Warum zog ihre Mama plötzlich in den Himmel? Es war gut, daß Gilla da war. Den ganzen Nachmittag verbrachten die beiden dann in ihrem Lieblingseiscafé, sodaß Maryla nicht soviel an ihre Mamuschka denken musste.

Am nächsten Tag war die Frau mit dem harten Gesicht schon am frühen Morgen wieder da, um sie abzuholen. Maryla hatte sich mit beiden Ärmchen, und mit all ihrer Kraft, an Gilla geklammert – sie wollte nicht, daß die fremde Frau sie mitnahm. Alles sträuben hatte ihr aber nicht geholfen.

„Du musst mit mir gehen, weil Du jetzt ein Waisenkind bist.“ Wohl zehnmal sagte die Frau mit dem harten Gesicht ihr diesen Satz. Da hörte sie zum ersten Mal in ihrem Leben das Wort Waisenkind.

Ein großes, schönes Haus mit ganz vielen Kindern würde auch auf sie warten. Es seien Kinder, die, wie sie auch, alle keine Eltern mehr hätten.

Man brachte sie noch am selben Tage aus der Stadt fort, weit aufs Land hinaus.

Acht andere Kinder hockten noch mit ihr gemeinsam in dem alten, klapprigen Kleintransporter auf den hölzernen Bänken, mit dem sie stundenlang über holprige Strassen fuhren.

Keines von den Kindern sprach ein Wort – man hatte ihnen verboten, zu reden. Für jedes Wort von ihnen gab es einen Hieb mit der ledernen Peitsche. Wo man mit dem Leder hintraf, danach wurde nicht geschaut.

Nur die Augen der anderen Kinder versuchten ständig, ihr etwas ohne hörbare Laute zu sagen.

Unterwegs hielt der Fahrer zweimal kurz an. Sie mußten alle aussteigen, und im Gebüsch am Straßenrand Pipi machen.

Sie durften allerdings nur einzeln aussteigen. „Damit sich keiner von euch aus dem Staub macht – und ich es dann nachher ausbaden muß.“ So sagte es die rundliche, ständig schwitzende Frau, die neben dem Fahrer saß, und die ganze Zeit an irgendetwas Grauem strickte, wenn sie nicht gerade einen gehörigen Schluck aus der Wodkaflasche nahm, die sie auch dem schweigsamen Mann am Steuer von Zeit zu Zeit zulangte.

Für den Durst der Kinder stand eine rostige Kanne, mit trübem Wasser gefüllt, zwischen den Bänken. Sie mußten immer erst die brummelige Wärterin fragen, bevor sie aus der großen Schöpfkelle einen Schluck trinken durften.

Marylas Herz flatterte vor Angst. Sie fühlte sich unbehaglich in ihren schönen, neuen Kleidern, inmitten des übelriechenden Schmutzes um sie herum.

Die anderen Kinder trugen alle reichlich zerlumpte Sachen, die schon lange nicht mehr gewaschen worden waren.

Sie hätte sich so gerne ein sauberes Kleidchen angezogen, aber sie hatte überhaupt nichts mit.

Sie durfte nur das mitnehmen, was sie auf dem Leibe trug. Ihre anderen Sachen würde man für sie verwahren, hatte die Frau mit dem harten Gesicht zu Gilla gesagt, als sie Maryla abholte. Am meisten aber vermißte sie die Ballettschuhe, die Mamuschka ihr zu ihrem fünften Geburtstag geschenkt hatte.

Der Tag war schon dabei, seinen Schlafanzug anzuziehen, als das Auto, durch ein eisernes Tor in einer hohen Mauer, in einen weiträumigen Innenhof polterte. Auf dem rauhen Beton zwischen den Mauern spiegelten sich in zahllosen Pfützen die im Abendrot schimmernden Wolken. Es war die einzige fröhliche Farbe, die Maryla ringsumher sehen konnte.

Das „schöne große Haus“, das die Frau mit dem harten Gesicht ihr versprochen hatte, war schrecklich anzusehen. Der graue Putz bröckelte von den Steinen, und vor den dunklen, tiefen Fensterlöchern waren rostige Eisengitter angebracht.

Die Kinder des Heimes, die auf dem Hof in Reih und Glied, wie zum Appell, angetreten waren, trugen alle die gleichen groben, graugrünen Leinenkleider, und alle hatten sie nackte, kahlgeschorene Köpfe.

Maryla konnte nicht erkennen, ob es Jungen oder Mädchen waren, die da alle stumm, und wie gebannt, auf einen Punkt starrten.

Dieser Punkt war der Mund einer jungen Frau, deren eng anliegende Uniform, wie eine zweite Haut, ihre üppigen Formen umspannte.

Ohne Pause ließ sie immer wieder die gleichen Worte auf die verängstigt dastehenden Kinder heruntersausen.

Nachdem sie alle neun aus dem verbeulten Blechkasten rausgeklettert waren, mußten sie sich, auf Weisung des Fahrers, in einer Reihe hintereinander aufstellen, und so eine zeitlang dem Unterricht zuschauen.

„Damit ihr schon mal seht, wie gute russische Kinder erzogen werden.“

Es war der einzige Satz, den sie von dem Mann, der sie den Weg hierher kutschiert hatte, zu hören bekamen. Wie das knallen einer Peitsche drangen die Worte in ihre Ohren.

Erst als nach einer Weile die junge Frau in der Uniform den Fahrer unwillig anraunzte: „Sergej – jetzt haste lange genug auf meinen Busen gestarrt – hör auf, mich mit den Augen auszuziehen, und bring endlich die Kinder rein“ durften sie ins Haus.

Metallisch dröhnte es durch die mächtige Halle, als ihr hünenhafter Begleiter die wuchtige Tür hinter ihnen ins Schloß fallen ließ.

Steif und still saß Maryla dann eine halbe Stunde später auf einem kalten Schemel, als eine blanke Schere ihre langen, blonden Locken abschnipste. Nur ihre Tränen malten eine heiße Spur über ihre Wangen. Ihr weißes Krägelchen war plötzlich naß und schmutzig. Es sah aus wie ein Stück des aufgeweichten grieseligen Brotes, das man ihnen später zur Nacht zu essen gab, bevor sie auf die Schlafsäle verteilt wurden, und in die Betten kriechen mußten.

Ihre Kleider hatte sie restlos ausziehen und abgeben müssen. Bevor sie dann die „Uniform“ der Heimkinder anziehen durfte, besprühte sie eine Schwester, die einen schmuddeligen graugrünen Kittel trug, mit einem fürchterlich stinkenden Nebel. Jedes der neu angekommenen Kinder musste diese Prozedur über sich ergehen lassen. Das muß sein, damit ihr uns hier kein Ungeziefer einschleppt, war die einzige Begründung, die man ihnen gab.

Vierzig Kinder schliefen jeweils in einem Saal. Die Fußböden waren mit fleckigen, rissigen Fliesen bedeckt, über die sich die kahlen Wände gespenstisch nackt zur Decke reckten. Eine einzige Glühbirne baumelte in jedem Raum, an einem Draht von der Mitte der hohen Decke herab, und verbreitete ihr funzeliges Licht, das nicht einmal bis auf die Erde reichte.

Die Betten standen an der rechten Wand, gerade ausgerichtet wie Soldaten auf einem Kasernenhof. Zwanzig Betten unten – zwanzig Betten oben. Mit ihren grob zusammengezimmerten Brettern sahen sie aus wie die Kaninchenställe, die Gillas Papa hinter dem Haus stehen hatte.

Gilla hatte sie nämlich des Sonntags – wenn Mamuschka länger auf Reisen war – häufig mit zu ihren Eltern genommen. Sie wohnten in einem ehemaligen Kolchos außerhalb von Sankt Petersburg.

Das schönste an diesen Besuchen war immer die Stunde in der alten Dorfkirche, weil nach der Predigt die Männer der Gemeinde vor dem Altar tanzten. Einmal da ist sie einfach nach vorne gelaufen – mitten in den Kreis der Männer hinein. Einer der Männer hatte sie gepackt, sie auf seine Schultern gesetzt, und mit ihr getanzt, bis ihr schwindelig wurde. Das war schön gewesen.

Neben jedem Bett in dem langen Saal war nur ein rostiger Haken in die Wand geschlagen. Für die „Kleider“. Darüber befand sich ein schmales Brett für die „persönlichen Sachen“, auf die jedes Kind sorgsam acht geben musste.

Die „persönlichen Sachen“ waren ein Napf, und ein Löffel, aus Blech, eine uralte Zahnbürste mit einem Holzgriff, und ein Stück braune Knochenseife.

Den verbeulten Napf, und den krummen Löffel, musste jedes Kind selber sauberhalten, und wem Seife oder Zahnbürste abhanden kam, der musste erst einmal vier Wochen lang ohne diese Dinge auskommen. Das hatte Maryla gleich zu Anfang erfahren müssen – nach der ersten Nacht waren nämlich die Seife und ihre Zahnbürste verschwunden.

Das Mädchen im Bett unter ihr hatte ihr nach ein paar Tagen flüsternd verraten, daß ihnen die Nachtaufsicht die Sachen wegnehmen würde, um sie zur Wachsamkeit zu erziehen.

In Wahrheit aber wurden diese Sachen von den Frauen mit nach Hause genommen, weil sie so etwas für ihre Familien im Dorf nicht kaufen konnten.

Sie sehnte sich so sehr nach ihrer Mamuschka. Warum war sie in den Himmel gezogen, ohne sie mitzunehmen? Und warum war Gilla nicht mit ihr in dieses Heim gekommen?

In den ersten Nächten strich ihr leises Weinen wie ein flüsternder Wind durch den kalten, dunklen Saal.

Die anderen Kinder auf den Strohsäcken, unter den verschlissenen Wolldecken, waren alle mucksmäuschenstill.

Als Maryla, zur Strafe für ihre Ruhestörung, zwei Nächte barfuß auf den kalten Fliesen in dem zugigen Flur stehen mußte, da war auch sie anschließend mucksmäuschenstill geworden. Ihr weinen hörte keiner mehr – nicht bei Tag, und nicht in der Nacht. Es hatte sich ganz tief in sie hinein verkrochen, und bildete nun in ihrer Seele einen Tränensee. An dessen Ufer saß sie in den nächsten Wochen häufig, und träumte von ihrer Mamuschka.

Nach drei unendlich langen Monaten hatte Mamuschka im Himmel wohl ihre Gebete gehört, denn eines Mittags stand plötzlich eine fremde Frau vor ihr.

Auf ihre fragenden Blicke bekam sie von der vornehm gekleideten Person zu hören: „Ich bin deine Tante Tulja.“ Maryla hatte von einer Tante bisher nichts gewusst – ihre Mamuschka hatte nie davon gesprochen, daß es eine Tante gäbe. Sie sei die Witwe von Mamuschkas Bruder Bordo, der im Krieg in Afghanistan mit seinem Flugzeug abgestürzt war, erfuhr Maryla von der fremden Frau.

„Als einzig lebende Verwandte hab ich mich bereiterklärt, für dich zu sorgen. Ich bin also jetzt Dein Vormund. Komm, und laß uns hier nicht herumtrödeln. Du hast mich sowieso schon vielzuviel Zeit gekostet.“ Noch während ihre ‘Tante’ das sagte, zerrte sie Maryla nach draussen. Zu der Uniform im Hintergrund sagte sie noch: „Die Formalitäten sind schon erledigt“ – und schob Maryla unsanft in ein schäbiges, klappriges Auto hinein.

Alles das fliegt ihr jetzt, bei ihrem hastigen Lauf vom Marktplatz nach Hause, durch den Kopf. Die dunkle, warme Stimme, die sie am Marktplatz von hinten gefragt hat, ob sie nicht auch gerne tanzen würde, hat diese Bilder in ihrem Kopf ins laufen gebracht.

Es war ihr, als hätte der Pope aus der kleinen Dorfkirche zu ihr gesprochen. Das konnte aber ja nicht sein. Sie war ja viel zu weit weg von Sankt Petersburg.

Die Tante war, vom Waisenheim aus, direkt mit ihr in das schöne Haus am Newska-Prospekt gefahren. Als sie durch das breite Tor in die Allee einbogen, die zum Wohnhaus führte, hatte Maryla sich gefreut, wieder zu Hause zu sein. Es war ihr, als würden die steinernen Löwen auf den Torpfeilern ihr zulächeln.

Wenn sie zur anderen Strassenseite, in den Park geschaut hätte – sie hätte vielleicht Gilla unter den Bäumen stehen sehen. Gilla stand im Schatten der riesigen Linden – mit tränengefüllten Augen krampfhaft auf ihr Taschentuch beissend, und beobachtend was dort geschah. Das tat sie nun schon seit einigen Wochen, ohne dessen müde zu werden.

Es hatte ihr nämlich fast das Herz gebrochen, die kleine Maryla hergeben zu müssen, die ihr wie eine eigene Tochter geworden war.

In ihrem Leid war sie dem Popen in ihrem Heimatdorf aufgefallen. Er hatte sie eine Weile beobachtet, und sie eines Sonntags – nach der Messe – in die Sakristei gebeten. Nach anfänglichem zögern erzählte sie ihm alles, was sie wußte.

Der Pope hatte darauf nach langem Überlegen geantwortet, er werde sehen, was er tun könne.

Ein paar Tage danach trat Gilla, durch Vermittlung des Popen, in der Nähe ihrer alten Stelle eine neue Arbeit als Hausbesorgerin an. Vom Popen war sie gut mit Anweisungen versorgt, was sie in dieser Sache tun könne.

So ging Gilla – Marylas Ersatzmama – mit Feuereifer ans Werk. Jede Minute ihrer freien Zeit verbrachte sie von Stund an im Park auf der anderen Seite der Strasse. Jede Begebenheit schrieb sie fein säuberlich in ein Büchlein, das sie sich eigens für diesen Zweck gekauft hatte. Jeden Besucher, der das Grundstück oder das Haus betrat, beschrieb sie genauestens – jede Veränderung auf der anderen Seite wurde, unter Angabe von Tag und Uhrzeit, von ihr festgehalten, und die Nummer jedes Autos, das in die Allee einbog, notierte sie. Am Wochenende landeten ihre Notizen dann regelmäßig beim Väterchen Alex, dem Dorfpopen. Täglich machte „ihre Arbeit“ wie sie ihr Tun nannte, mehr Freude, weil es das Gefühl in ihr stärkte, doch etwas für Maryla erreichen zu können.

Marylas Freude dagegen hielt an diesem Nachmittag nicht lange an. Keine Gilla war da, die ihnen die Tür öffnete – keine vertrauten Geräusche und keine verlockenden Düfte empfingen sie, so wie es sonst immer gewesen war. Ungelüftete kalte Räume, mit in Gruppen zusammengestellten Möbeln, sah sie nur.

„Ich hab das hier alles schon verkauft – dein Leben kostet mir ja schließlich viel Geld“ – geschäftsmäßig kühl, und am Rande sagte die Tante ihr das. „Wir müssen nur noch ein paar Sachen zusammenpacken – ich kann Dir ja nicht alles neu kaufen.“ Als wenn das nicht reichte, tat sie noch obendrauf: „Deine Mutter hat Dich sowieso viel zu sehr verwöhnt.“

Die Tante fing sofort an, viele Dinge zusammenzupacken. Die paar Sachen – wie sie es genannt hatte – das war Mamas Schmuck, das waren die feinen Bilder die Mama gesammelt hatte, das waren die glänzenden Bestecke und die schönen Vasen aus dem großen Mahagonischrank in der Wohnstube – und das waren die Bücher, die im Lesezimmer die Schränke füllten.

Für Mamas Bilder und Bücher standen im Lesezimmer Kisten aus Holz bereit, um damit vollgepackt zu werden.

Gilla hatte immer respektvoll: „Nein auch – was für eine schöne Bildersammlung Deine Mama hat“ gesagt, wenn sie im ganzen Haus die Gemälde mit einem Ziegenhaarpinsel abstaubte.

Die Bücher in den Borten, ringsumher an den Wänden, in Mamuschkas „Studierzimmer“ nötigten Gilla, außer der Bewunderung für die prachtvollen Buchrücken, auch noch tiefen Respekt ab. Jedermann konnte es spüren, wenn sie stolz erzählte: „Die gnädige Frau hat mehr Bücher zum lesen, wie der Pater Abt bei uns daheim im Kloster.“

„Steh’ hier nicht ’rum, und halt Maulaffen feil“ – fuhr die Tante Maryla barsch an. „Geh hinauf in Dein Zimmer, und pack Deine Sachen in den Koffer, der da steht. Schlepp aber kein unnützes Zeug mit hinaus, die Fracht kostet viel Geld. Und beeil Dich gefälligst“ rief sie ihr noch hinterher – „ich habe meine Zeit nämlich nicht gestohlen.“

Maryla hätte am liebsten alle ihre Sachen eingepackt, aber der Pappkoffer, den die Tante ihr hingestellt hatte, war nur klein, und sehr schnell voll.

„Puppen und Spielzeug brauchst Du nicht mitnehmen“ – hörte sie ihre Tante von unten her rufen. „Zum spielen ist in Zukunft sowieso keine Zeit – den ganzen Plunder hier hat schon ein Trödler gekauft.“

Sogar ihre Lieblingspuppe, ein schwarzes kleines Negermädchen, die ihre Mamuschka ihr vor Jahren aus Spanien mitgebracht hatte, nahm die Tante wieder aus dem Koffer heraus.

Maryla wusste nicht, was sie tun sollte. Der Tränensee in ihrer Seele lief über, und sie konnte nur noch still weinen. Dabei drückte sie ganz fest ihre Ballettschuhe an sich. Die hatte sie nämlich unter ihrem Kleidchen versteckt.

Es war ihr, als ob Mamuschka sie mit ihren zarten Händen berührte.

Draussen war es inzwischen schummerig geworden, und im Haus machte sich schon die Dunkelheit breit. In der Diele standen fünfzehn prallgefüllte, große Koffer. Es Waren Mamas schöne Lederkoffer, mit denen sie immer auf Reisen gegangen war.

Der Koffer mit Marylas Sachen stand einsam an der anderen Seite der Haustür – als wenn er sich seiner Schäbigkeit schämte, und gar nicht dazugehörte.

Die letzte halbe Stunde hatte die Tante in der Küche herumgeklappert.

Eine Schüssel mit dampfendem, pappigem Mehlbrei stand auf dem Tisch, daneben lag ein dicker Kanten trockenen Brotes. Es war das Abendessen für Maryla. Ihre Tante selber rührte davon nichts an – ihr wäre durch die Plackerei der Appetit vergangen, sagte sie.

„Aber für Dich Balg muß ich ja was kochen. Die Schlafstelle für heut’ Nacht muß ich für Dich auch noch herrichten. Ich seh’ schon, Du wirst mir eine richtige Last sein.“

Nach dieser Bemerkung rauschte die Tante aus der Küche, und ließ sie allein am Tisch zurück. Ganz klein und verloren kam sie sich in der kalten Küche vor.

Nachdem Maryla einen Teil der klebrigen Pappe mühsam hinuntergewürgt hatte, durfte sie schlafen gehen. Obwohl sie sich ganz schrecklich elend fühlte, freute sie sich auf ihr Bett. Ein letztes mal konnte sie in ihrem eigenen Bett schlafen. Auch ohne ihre Puppe dabeizuhaben, und ohne eine Gutenachtgeschichte von Gilla zu hören, schlief sie sofort ein. Sie träumte wohl von ihrer Mama, denn manchmal murmelte sie ein leises “Mamuschka“ in das tränenfeuchte Kissen unter ihrem Köpfchen.

Ihre Ballettschuhe, die sie unter der Zudecke versteckt hatte, presst sie auch im Schlaf fest an sich. Die Monate im Schlafsaal des Kinderheims hatten sie schon so einiges gelehrt.

Während Maryla im Kinderzimmer, im ersten Stock der lindgrün angemalten Villa, fest aber unruhig schläft, sitzt ihre Tante im Lesezimmer, am Biedermeiersekretär ihrer verstorbenen Schwägerin, und macht „Kassensturz“, wie sie es nennt.

Sie betrachtet es als eine Fügung des Schicksals, daß ein Onkelsohn von ihr in der Kommandostelle der Truppen des Innenministeriums in Moskau sitzt. Er diente während des russischen Einsatzes in Afghanistan in der gleichen Einheit wie ihr Mann. Sie hatte nach dem Absturz des Kampfflugzeuges, bei dem ihr Mann damals ums Leben kam, nichts rechtes mehr von ihrem Vetter gehört. Bis auf ein paar belanglose Kartengrüße war nichts weiter gekommen, aber das störte sie nicht im Geringsten.

Wenn das Schicksal den Lauf der Dinge andersherum gestaltet hätte – sie hätte es gerade genauso gemacht. Arme Verwandte soll man sich tunlichst vom Halse halten. Und wie kann man das am besten? Indem man sich von ihnen fernhält, wie von lästigen Insekten.

Nichts überträgt sich nämlich so schnell, wie der Geruch der Armut – und nichts auf der Welt wirkt ansteckender wie das Elend.

Vergessen ist das alles. Vergessen seit dem Moment, in dem der Vetter die Namen der Opfer des Terroranschlages auf das Theater auf seinen Schreibtisch bekam. Das Gefühl, unverhofft auf eine Goldader gestoßen zu sein, ließ ihn rege werden.

Am selben Tage noch weckte er die eingeschlafene Verbindung zu seiner Cousine wieder auf.

Schon drei Tage später stattete er seiner „lieben Verwandten“, wie er sie bei seiner Ankunft honigsüß nannte, auf ihrem ländlichen Anwesen, einen Besuch ab. Bei Wodka und Gänsebraten kam man sich am Abend dann schnell näher. Sogar so nahe, daß sie beide am anderen Morgen eng umschlungen im Bett der Tante erwachten. Sie hatten in der Nacht ein längst beendetes Verhältnis wieder heftig aufleben lassen. Warum sollte man das schöne nicht mit dem nützlichen verbinden?

Vetter Basil und Base Tulja brauchten dann auch nicht lange hin und her zu überlegen. Sie waren über eine Goldader gestolpert, die förmlich darauf wartete, ausgebeutet zu werden. Es kam nur darauf an, sich das richtige Werkzeug für die Arbeit zu beschaffen.

Um das zu erreichen, mußten sie allerdings zusammenarbeiten, denn wenn jeder von ihnen allein zu Werke ging, bekam keiner etwas ab von dem Fund.

Der Schlüssel zu dem Schrank, in dem sich das Werkzeug befand – darüber waren sich die beiden klar – war das Kind von Tuljas Schwägerin. Basil war nicht untätig gewesen. Er hatte in der Kürze der Zeit sogar schon ihren Namen und ihren Aufenthaltsort festgestellt. Maryla hieß die Tochter, und sie befand sich seit dem Unglück in der Obhut der staatlichen Fürsorgebehörden, in einem Heim vierhundert Kilometer von Sankt Petersburg entfernt.

Eile war geboten, wollte man für sich noch etwas bewirken. Die Vertreter der Fürsorge würden so einen dicken Goldfisch, der da bei ihnen an der Angel zappelte, sicher nicht so einfach vom Haken lassen, gab er seiner Base zu bedenken.

Da müsste man schon ein bisschen nachhelfen, meinte Vetter Basil. Wenn ein Säckchen Rubel nichts bewirken würde – der Knüppel der Amtsmacht, über die er verfügte, würde es dann schon besorgen. Den wollte Vetter Basil aber nach Möglichkeit im Sack lassen. Sie seien ja schließlich alle Kinder von Mütterchen Rußland, und Russen sollten sich doch wohl mit Russen friedlich einigen können.

Auf jeden Fall hatten Vetter und Base sich schnell auf halbe-halbe geeinigt, und der Herr Kommandeur konnte die Verbindungsdrähte spielen lassen. Wobei er die Rubelchen, die er Tulja gegenüber vorsorglich für die Fürsorge reklamiert hatte, schon auf seiner Hälfte sah.

Seine Stellung im Apparat erschien ihm nämlich völlig ausreichend, aber davon brauchte Base Tulja ja nicht unbedingt etwas zu wissen. Sie würde sowieso genug von dem Kuchen abbekommen, zumal er sich in der Nacht entschlossen hatte, sie wieder öfter zu besuchen. Dieses kleine Extravergnügen stand ihm ja wohl zu, denn das ganze war, wenn man es recht betrachtete, ja sein Verdienst.

Äußerst zufrieden, mit sich und der Welt, fuhr er am nächsten Tag nach Moskau zurück.

Kaum wieder im Ministerium angekommen, saß er bereits mitten in diesem schwierigen Geschäft, wie er es bei sich ausdrückte. Er hatte von unterwegs schon einige Untergebene zu sich ins Büro bestellt, die er mit diversen „Ermittlungen“ betraute.

Er entfaltete jedesmal eine rege Tätigkeit, wenn die Ergebnisse seiner „Mitarbeiter“ bei ihm eintrudelten. Es gab ja so vieles zu regeln, und zu ermitteln. Nur mit Behutsamkeit, und äußerster Vorsicht, würde er das Ziel erreichen.

Die ums Leben gekommene Tänzerin galt in gewissen Kreisen der Hauptstadt schon so ein wenig als Nationalheiligtum. Ihr großes tänzerisches Können bildete dabei unzweifelhaft den Vordergrund, aber andere weibliche Talente der begnadeten Künstlerin spielten da auch wohl mit hinein.

Dass es im Leben der Tänzerin ein Töchterchen gab, war offenbar nur sehr wenigen einflussreichen Personen bekannt, denen es offensichtlich sehr wichtig erschien, daß es auch nach ihrem Tode so blieb.

Diese etwas delikaten Umstände waren auch wohl der Grund für das rasche verschwinden des Kindes im Niemandsland eines Fürsorgeheimes in der russischen Weite.

Während Vetter Basil in Moskau seine Truppen mobilisierte, und Mauern zu durchdringen versuchte, tat Base Tulja in Sankt Petersburg beim zuständigen Gericht ihre verwandtschaftlichen Verhältnisse, und ihre tiefe Besorgnis um das unmündige Kind ihrer über alles geliebten Schwägerin kund.

Durch diesen Umstand drohte das Kind der berühmten Primaballerina Olga Kersschinski zum Gegenstand des öffentlichen Interesses zu werden.

Die Frage nach dem Vater würde unweigerlich folgen. Eine solche Entwicklung musste unter allen Umständen verhindert werden. Von irgendwo ganz oben war diese Anweisung gekommen, und stolzierte nun bis in die letzte Amtsstube im Lande. Jeder, der nur irgendwie mit der Sache zu tun hatte, gab sie weiter, und niemand fragte danach, woher sie kam.

Fragen in Richtung nach oben zu stellen, das war in Russland schon immer ungesund – oder zumindest mit gewissen Risiken behaftet.

Irgendwo war das Schifflein Maryla, noch in Sichtweite des Ufers, auf ein Riff gelaufen. Es konnte seinen Weg in das unendliche Meer der Verschollenheit nicht fortsetzen.

Jetzt galt es für gewisse Leute, den Schaden mit allen Mitteln zu begrenzen. Das ist aber im Russland von heute auch nicht mehr so ganz einfach zu bewerkstelligen. Vor allem, wenn es verschiedene Interessenlagen gibt.

Da Familienverbundenheit, und verwandtschaftliche Grade, in der russischen Gesellschaft eine hohe Wertstellung einnehmen, konnte man die direkte Tante, die sich, um das nun überall aktenkundige Waisenkind, kümmern wollte, nicht einfach so beiseite schieben. Zumal sie Reputation höheren Ortes genoß. Ein stellvertretender Unterrichter teilte es so seinem Vorgesetzten mit. Dieser wiederum berichtete davon dem stellvertretenden Oberrichter, und der gab es weiter an den Gerichtspräsidenten des Petersburgischen Bezirksgerichts. Alles dies geschah unter dem Siegel der absoluten Geheimhaltung. Also wurde im Herzen Sankt Petersburgs eine Akte angelegt, und amtlicherseits das Vermögen der Verstorbenen ermittelt und aufgelistet.

Auf dem Höhepunkt der pikanten Affäre wurde Vetter Basil sogar an einem trüben Vormittag durch einen Boten zum sofortigen Rapport in den Kreml befohlen.

In seinen Vorstellungen hatte er sich daraufhin schon in den Kellern der Lubljanka auf Nimmerwiedersehen verschwinden gesehen.

Doch es kam alles nicht so, sondern es kam ganz anders. Man befragte ihn über sein Wissen, man drohte ihm mit unabsehbaren Folgen für sich und seine Familie, dann schmeichelte man ihm wieder – und schließlich deckte man stückweise die Karten auf, und arrangierte sich, soweit man es für nötig erachtete. Man konnte absolut kein negatives öffentliches Aufsehen gebrauchen, in dieser an schrecklichen Ereignissen nicht gerade armen Zeit.

So kam es, daß Marylas künftiges Wohlergehen in die Hände ihrer Tante gelegt wurde. Allerdings mit der Bestimmung, das Mädchen Maryla zu adoptieren, und ihren Wohnsitz niemals nach Sankt Petersburg oder nach Moskau zu verlegen. Vetter Basil erhielt als Folge der Übereinkunft die großzügige Gelegenheit, Teile des russischen Riesenreiches auf der Bahnfahrt zu seinem neuen Dienstort – auf der Halbinsel Kamschatka – kennen zu lernen. Er durfte sogar seine Familie mitnehmen. So ist nun mal das Leben – und Sibirien ist unendlich groß, höllisch groß.

Irgendwie waren im Spiel auch weniger guten Karten vorhanden.

Maryla geriet indessen nur von einer Hölle in die andere. Sie war zum Objekt geworden, und den beiden Strippenziehern winkten trotz allem noch viele Vergünstigungen, und einiges Kapital. Trotz der vielen Prozente, die Mütterchen Russland als Anteil beanspruchte.

Auch so ist die Welt – könnte man sagen. Wenn, ja wenn es da nicht Gilla und Väterchen Alex aus dem kleinen Dörfchen unweit von Sankt Petersburg gäbe. Väterchen Alex, der das kleine Mädchen nicht vergessen konnte, das an einem Sonntag in seiner Kirche mit den Männern vor dem Altar getanzt hatte. Und Gilla, die nicht ertragen konnte, daß ihrer kleinen Maryla solch ein schreiendes Unrecht geschah.

Gillas Notizen hatte Väterchen Alex alle auf eine große Tafel geheftet, die in einer Kammer hinter seiner Sakristei an der Wand hing. Jedesmal, wenn ein neuer Zettel bei ihm ankam, steckte er ihn dazu. Jedes mal schob er die schon vorhandenen Informationen hin und her – wie bei einem Puzzlespiel. Auf jedem Zettelchen piekste ein Fähnchen mit Buchstaben oder Zahlen, und von Fähnchen zu Fähnchen spannten sich bunte Bänder. Es sah bald aus wie eine Landkarte – oder, nein – das ganze sah eher aus wie ein Netz.

Ja, es sah tatsächlich aus wie ein riesiges Spinnennetz, was da in vielen Monaten an der Wand entstanden war. Hinter Marylas Namen verbarg sich offenbar eine lange, einflussreiche Familiengeschichte.

Es war nicht das erste mal, das in der Kammer hinter der Sakristei solche Gebilde unter den Händen von Väterchen Alex an der Wand entstanden. Es war auch nicht die einzige Wand im Lande, vor der Frauen oder Männer standen, unter deren Händen sich ähnliche Gebilde formten. Sie alle, und noch viel mehr Menschen, draussen in der weiten ehemaligen Sowjetunion, gehörten einer Organisation an. Sie hatten sich zusammen-gefunden, um sich gegen Unrecht und Willkür zur Wehr zu setzen – und irgendwie war dann plötzlich der Name für diesen Kreis aufgetaucht: „Das Netz“.

Niemand sprach diesen Namen laut aus, aber alle kannten ihn.

Viele fürchteten inzwischen das Netz, weil sich schon sehr viele Missetäter in ihm verheddert hatten, bevor sie von der Spinne gefressen worden waren.

Noch mehr Menschen aber waren schon von dem Netz aufgefangen worden, wenn sie – wie es auch manchmal mit Artisten vom Hochseil geschah – mitten aus dem Leben abstürzten.

Auf Väterchen Alex’s betreiben waren an vielen Orten viele Köpfe, Beine und Hände dabei, Steinchen zusammenzutragen. Bausteine, aus denen für Marylas Leben ein Häuschen werden sollte. Ein anderes als dasjenige, daß ihre Tante und deren Vetter Basil ihr zugedacht hatten.

Marylas Erinnerung hat sie nicht getrogen, als sie die Stimme auf dem Marktplatz mit der des Popen aus der Dorfkirche in Verbindung brachte. Väterchen Alex hat sich selbst auf den weiten Weg gemacht, um ein Bild davon zu bekommen, wie Maryla lebte. Seit fünf Tagen logiert er schon bei seinem Amtsbruder in dem kleinen Städtchen. Und fünf Tage lang beobachtet er schon das kleine Mädchen, in dem verblichenen, abgetragenen Sommerkleidchen, daß jeden Nachmittag vom Schulhaus direkt zu den Fenstern der Ballettschule rennt, um dann eine Zeitlang, stumm und bewegungslos, der Musik zu lauschen, und weltvergessen dem Treiben der tanzenden Mädchen im Hause zuzuschauen.

©ee

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Ewald Eden:

Wer mit allen Sinnen in die Welt der Nachteulentexte eintaucht
entdeckt auf jeder Seite ihm, dem Leser, bisher unbekannte Dimensionen der lyrischen Betrachtungsweise.
Lyrisch gewandet erscheint selbst das hässlichste Wort plötzlich gesellschaftsfähig auf der Bühne –

bekommt selbst unaussprechliches Geschehen in allen Dimensionen ein erträgliches Gesicht,
und menschliche Handlungsweisen – und seien sie noch so unmenschlich – werden durch die lyrische Aufbereitung
durch die Nachteule verständlicher.

Wer sich auf das „Abenteuer Nachteule“ einlässt,
der sollte darauf gefasst sein, alle Höhen und Tiefen des des menschlichen Seins
präsentiert zu bekommen, um nach jeder Etappe der Erlebnisreise feststellen zu können,
dass er wieder einen Teil der Expedition ins Reich der Wahrheiten mit ihren
Irrungen und Wirrungen unbeschadet überstanden hat.
Der Bildtextband ist eine Symbiose verwandter Seelen in Bild und Text…

zu erwerben bei Amazon : Nachteule bei Amazon

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Die Reise ins Zuckerhutland.

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Die Reise ins Zuckerhutland.

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Ein Wort vorweg …

 

Laßt euch entführen. Fahrt einfach mit ins Zuckerhutland. Wundert und freut euch mit den vielen märchenhaften Bewohnern über das Leben in einer anderen Welt.

Klettert schnell rein in den wunderlichen Zug. Die Fensterscheiben sind geputzt, und die Plätze schon angewärmt. Vielleicht entdeckt ihr auf der Reise irgendwo eigene Wünsche wieder, oder ihr findet sogar ganz neue Träume – vielleicht möchtet ihr am Ende der Reise sogar im Zuckerhutland bleiben.

 

In den Reiseberichten aus dem Zuckerhutland malt der Schreiber den Hörern und Lesern seiner Geschichten das Gegenbild ihrer wirklichen Welt. Richtig kunterbunt und kopfständisch geht es oftmals zu, doch selbst dann wird niemand die Reise abbrechen, und das Geld für die Fahrkarte zurückverlangen. Wenn ihn manchmal auch nur die einfache Befürchtung daran hindert, dass er im nächsten Reisabschnitt etwas verpassen könnte. In diesen Erzählungen wird jedem die Gelegenheit geboten, seine eigenen Illusionen zu erleben, auch wenn er dabei selber auf dem Kopf stehen müßte.

Ein Taschenbuch mit ausdrucksstarken , kindgerechten Illustrationen von Kensise Anders und Gabriele Lange, geschrieben von Herrn Ewald Eden  für große und kleine Leser

bestellbar über Amazon    https://www.amazon.de

Die Reise ins Zuckerhutland

(Carolin, Leonie und Laura reisen

ins Zuckerhutland)

  • ISBN-10: 1492219770
  • ISBN-13: 978-1492219774

zum Preis von 9,96 Euro

Courage . . .

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Courage . . .

S chschscht – – – – – Theo – – – – sie kann sich bald selbst nicht hören, so leise ruft sie ihren Theo.

Man – sie liegt ja auch steif im Bett. So sehr hat sie sich erschrocken, als es plötzlich irgendwo im Haus schreck-lich polterte.

Sie versucht es noch einmal – diesmal etwas lauter.

Theo – – Theo – – dabei kriecht ihre Hand millimeterweise zu ihm hin.

Es dauert fast fünf Minuten, bis sie ihn an der Schulter zu fassen hat – und dann noch einmal genauso lange, bis sie ihren Arm bewegen und Theo schütteln kann.

Dabei hat sie mehr Energie fürs lauschen ins Haus gebraucht, als für die Bewegung zu seiner Schulter hin.

Ihr steht der blanke, kalte Schweiß auf der Stirn. Wie kann man bloß so fest schlafen. Wieder muß sie seine Schulter vorsichtig hin und her bewegen.

Sie traut sich nicht, laut zu werden – und meint, daß man schon ihr Herzklopfen bis zum Nachbarhaus hören kann.

Oh man – wenn diese Angst nicht wäre. Sie würde ihm schon zeigen was es heißt, nicht auf sie zu hören.

Er hat sowieso noch eine Rechnung offen bei ihr – von gestern abend. Wenn es auf der Geburtstagsfeier des Arbeitskollegen auch nichts Vernünftiges zu essen gab – er hätte sich nicht so zu betrinken brauchen.

Nun liegt er da und tut grad so, als wenn er mit der großen Zugsäge zugange ist, und Winterfeuerung sägt.

Schnarcht und liegt, und liegt und schnarcht, und kriegt vom Poltern und Klötern unten im Haus nichts mit.

Sie ist vor Angst am zittern, und kann ihr Nachtzeug bald auswringen. Sie bekommt ihn mit aller Gewalt nicht zu Verstand. Die Einbrecher räumen sicher schon das ganze Haus leer. Sie zittert, als wenn sie mit bloßen Füßen im Schnee steht.

Plötzlich kommt ihr die Erleuchtung!

Draußen am Balkon da steht doch noch die große Leiter. Der plötzliche Regenschauer hat Theo gestern Nachmittag beim Weinranken schneiden vertrieben – und die Leiter ist da stehen geblieben. Weil sie denn ja auch nötig losmußten – zum Geburtstag.

Immer wieder kommt dieser Geburtstag mit dem wenigen Essen und der vielen Sauferei ins Spiel.

Sie kann vor Angst schon keinen klaren Gedanken mehr fassen – sie muß etwas tun.

Raus aus dem Bett. Auf nackten Füßen – damit man unten im Haus bloß keine Schritte hört. Ihr Plan steht fest!

Der Stuhl – wo ist der Stuhl – ahhh, da steht er. Gleich neben der Tür. Theo hat heute Nacht seine Kleider da einfach so drüber geschmissen. Sie legt sein Zeug geräuschlos auf den Fußboden. Wenn Theo das mal tat, wurde er von ihr gleich gehörig angepfiffen – aber dies war ja eine Notlage.

Komisch – denkt sie – was einem Menschen in so einer gefährlichen Situation alles durch den Kopf geht. Manch einer hat ja schon erzählt, daß man in solchen Sekunden sein ganzes Leben an sich vorbei sausen sieht. Sie sieht im Moment aber nur das Donnerwetter an sich vorbeisausen, auf das Theo sich morgen früh gefasst machen kann.

Den Stuhl mit der Lehne unter die Türklinke – damit die Einbrecher nicht ins Schlafzimmer können, und Theo vielleicht totschießen. Wenn sie draußen war – und den Nachbar zu Hilfe holte.

Theo brauchte sie noch – mit wem sollte sie denn sonst ‘rumnörgeln – wenn er plötzlich nicht mehr da wäre.

So – das saß! Da kam niemand ‘rein. Fuß vor Fuß durch das Schlafzimmer – die Balkontür im Zeitlupentempo aufziehen.

Man gut, daß Theo die Türen letzte Woche noch alle geschmiert hat. Zu irgendwas war er ja doch noch zu gebrauchen.

Es ärgert sie im Stillen, daß sie ein Nachthemd angezogen hat – angezogen in der Hoffnung auf Theos gute Taten. Die Hoffnung war Hoffnung geblieben – und klettern könnte sie viel besser mit einer Nachthose an. Verwundert ist sie, daß sie so leise sein kann – im normalen Leben fällt ihr das nämlich bannig schwer.

Bbbbbrrrrrrrrrrrrrrrr….. barfuß im nassen Gras – und das morgens um vier! Aber jetzt – als wenn der Teufel hinter ihr her ist – quer durch den Garten. Beim Nachbarn ums Haus zu – und an das Schlafzimmerfenster geballert. Der Nachbar ist gleich am Fenster. Er hat ein Jagdgewehr in den Fäusten – als wenn er damit geschlafen hat. Sie erklärt ihm hastig die Situation – und dann hasten beide, wie Indianer auf dem Kriegspfad, los. Sie schleichen um das Haus herum – aber seltsam – kein Fenster ist geöffnet, und keine Tür steht offen. Keine Scheibe ist zerschlagen. Was tun? Einen Schlüssel hat sie ja nun leider nicht im Nachthemd – also, der Nachbar mit seinem Püster rauf auf die Leiter, über den Balkon, durch die Schlafkammer. Stuhl weg – Tür aufgemacht – und horchen.

Da sind Geräusche zu hören. Ganz vorsichtig die Treppe runter. Aus der Küche fällt Lichtschein in die Diele. Die Küchentür aufreißen – und lachen – das war eins.

So ein Lachen hat sie ihr Lebtag noch nicht gehört, wie es ihr jetzt aus dem Haus entgegenschlägt.

Als der Nachbar die Eingangstür öffnet, und sie herein läßt, kann sie auch nicht anders – sie muß sich festhalten vor Lachen – und kann nicht verhindern, daß es ihr warm an den Beinen hinunterläuft.

Die Nachthose wäre jetzt klatschnaß gewesen.

Ihren Theo hat der Hunger wohl noch an Kühlschrank getrieben, und in seinem Dunas hat er die Tür nicht wieder richtig zugemacht.

Nun sitzen Katze und Hund einträchtig vor dem hellen Viereck der offenen Klappe, und haben den Inhalt des Eisschrankes unter sich aufgeteilt.

Da sieht man mal wieder, was so ein Geburtstag ohne Essen doch alles anrichten kann.

©ee

 

foto dank https://pixabay.com/

Föör Plattschnakkers … Hannower up Platt

Gesellschaft

Sää mien Grootvoader villicht de Woahrheit, wenner he meen, dat ut Hannower noch ni nich wat Goodes föör de Minschen hier bi us koamen is?

Hannower reep – ov bäter man har mi dor henstüürt. Ikk bün losklabastert as dat hier noch aal schleep, dormit mi dor een Dokter in d’ Lääven keek.
Dat har so een moie Vertelleree worden köänen, wenn ikk dor an denk, wat mi hier in de Tied an Goodes tomöötkoamen is, sietdem ikk süük bün.
De Dach leet sükk good an un dormit, dat mi twee Schandarms, de hoast noch hör Eierschilln achter de Oorn harn, mi in de Willemshoabener Konsumtempel, de sükk ‚Nordseepassage’ nöömt un in de ok de Iiserboahn ünnerkoamen is. Noadem unkünnich Minschen oahn Middelschkott in d’ Nöäs hör de Boahnhoff ünnerd Mors wäch ovrääten hevvt. Oahn dat to mooten, hulpen see mi dör de Leechten van de Foahrschienautmoatenwelt.
Mit Billjetschkalter un frünnelk Iisenboahners dor achter is dat nu joa all laang niks mehr – un hier an d’ Ennen van d’ Welt wor sükk Knien’n un Vossen good Nacht särgen doch all gannich.
De Boahn hannelt jümmers noch netso as to Hartmut Mehdorns Tieden, wor he stilkens sää, de Foahrgasten helpen sükk all up irgendeen Oart sülven – un wenner see ut Nod –weil see mit de Deerten van Automoaten nich trechtkoamen sünd – oahn Foahrschien instiegen, denn griepen wi to un kriecht hör bi d’ Mors wiel see schwaartfoahrn sünd. To dat dübbelt ovkasseern kann de Boahn denn ok noch luut bölken, wat de Lüü doch föör Schoojakken sünd un de Boahn bedreegen, wor de dat doch su all so noar geit.
So ov hoast so is wiers dat Denken in de Woaterkopptoorns dor bi de Boahnverwalters. Bispilln dörföör givt dat joa een Hüüpen.

Noa de de Seesüük utlösend Schkaukelee van de Noordwestboahn kunn ikk mi in Ollnbörch komodich in de Polster van d’ Regionoalexpress hukeln, de mi noa Hannower brengen wüür. Mien krüdeligen Buuk kunn sükk wäär inkriegen – un ikk har Tied un Wiel de anner Foahrgasten bi hör Doon to beluuren.
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Mit de veelen verscheedenhöchtigen Footdeelen in de Waggons föör dat eenfach Volk mach ikk mi nu överhaupts nich anfrünnen. De Boahntuuren van Güstern ween föör mi jümmers wunnerboar – allenich all wäägen dat in de Foahrt lopen köänen up glatten Footdeel oahn Winkel un Hörns.
Winkel un Hörns fabrizeern de Foahrgasten nu oaber joa ton grooten Deel sülven dör de Reev, de Jeden vandoagen mit sükk dör de Gägend pukkelt – un dat schiens ok, wenner he blossich föör een half Stünnen noa sien Schweegermoder ton Koffidrinken will.
Ikk säch woll liekrut Koffidrinken, denn jedeneen, de een moi Köpke Tee vöörtrekken deit, de deit sowat nich, wiel he joa meist üm meist noch een Middelschkott in d’ Nöäs hett.
De Bakkbeesten van Rullschkappen, de de Lüü vandoach stilkens mit sükk rümschlääpen sünd joa dääch so groot as to de blau Engels Tieden de Överseekuffers. Un wiel de nich mehr in de lüütji Gatten över de Sitzbanken passen, loaten de Minschen hör Sakk un Pakk eenfach in d’ Padd stoahn. Van dat kummt schiens ok de Utdrukk, dat is een Stoa in d’ Padd.
As de Toch in Ollnbörch van de Fleutenkeerl, mit de rode Mütz (Rotkäppchens hevvt wi de fröer nöömt) Freefoahrt kreech schunk mi de Tofall – wenner dat hüm överhaupts givvt – een besünner Schlikkerstükk – twee Riegen günntsiet van mi ween twee jung Mannslüü düchdich över dit und wat anners an fabuleern. See leeten oaber ok niks ut bi hör Olldachsbekiekeree. Froo Möller ut de Rezepschon muß dor netso an glöven as de Soak mit de Deern van Direktor Wüppsteert noa de letzde Betriebsfierderee.Tüschein juchhei denn ov un to de een Fendt sien Deert van Büksentaaschkenschnakkfatt, wiel een van buter de Toch ähm gau wat weeten wull.
Un aal dat speelde sükk ov in Auerker Platt – in de Sproak ut mien Haartbloodkuntrei. Woarschiens glöövten de Jungkeerls, wiel see platt schnakken deen, kunn hör nümms van de anner Foahrgasten verstoahn.

Föör mi wee dat sowat as een Upföörung van een nedderdüütschen Koamerbüün, de ikk heel allenich geneeten kunn. Mi hett dat düchdich spiekt, dat dat Spill in Brämen all to Ennen wee, wiel de beid Speelers dor mit Sakk un Pakk utstäägen sünd.
Ikk hevv mi oaber nich wiider argert, un mi vöörnoamen bit Hannower denn son bietji to dusseln. De Boahnhoff verschloapen kunn ikk joa nich – de Foahrt wee in d’ Welfenstaddje joa to Ennen.
Twee Statsjons wiider, in Achim – de Röäk van de groode Brodbakkeree dor in d’ Staddje kiddel mi jüüst in d’ Nöäs – jachterden tomoal Jichterluuden dör de Woagen – dat Kabinett fung wäär an to lääven – mit Lääven dat noch frischker wee as de Speelers van Ollnbörch noa Brämen. Deerns un Jungs de man jüüst över de Dischkant rutwussen ween hukelden sükk up de free Stääen üm mi to.
Tweemoal lüchthoalen loater keem een jung Wichtje as son Bottervöägel anschweeft. Rein achter d’ Puust leet see mi, as see saacht vöör sükk hennschnakkend de Kinnerkoppen tellde – bit dor erlichtert keem: Alle Flöhe sind schon da“

Mit „Flöhe“ meen de krägel Maid dor mirdenmanken de halfwussen Halfwussenen jüüstemang disse Kring van Dartklassler ut de Auerker ‘Finkenbörchschool’, de üm hör to ween as Kükens üm een Klukkhäen de hör ton eersten Moal de Welt buten dat Nüst wiesen deit.

De Koamerbüüns tweede Deel fung an. Niks wee mit dusseln bit de Schaffner kummt. De Vöörhang gung ton tweeden Moal na boaben föör de näächste Vöörstellung. Ditmoal ween de Schauspeelers oaber keen plattschnakkende Jungmanager ut mien Haartbloodkuntrei – dit moal ween dat in d’ Gröönte scheetende Schachgenies – villicht sogoar moal “Großmeister der Zunft”, de all veel Ehr un sülvern Lorbeer van so mennich Turnier in dat Keunichliche Spill mit noa Huus pukkelt harn.
Dör dat komodige un plietsche Verholln van aal de lüütji Oostfreesen üm mi to har mi in mien Besinnen so up Schlach achunfüfftich Joahr noa achtern stuukt – stuuv rin in een Toch van de domoalich Willemshoabener Marinboahn up de eerste un woahrschiens ok eenzige Utfluch van us Voslapper School, bi de aal Kinners un ok de Öllern tohoop ween.
Dat wee säker nich blods föör us Kinner sowat as een Reis ut Dusend un Een Nacht. Nägentein Iiserboahnwoagens achternanner an – vöörn un achtern elks een groodet schwaartet Iisenpeerd vöörspaant – un denn gung dat los. Van d’ Voslapper Boahnhoff (de geev dat wüggelk) över Saan un Voarel up Neenbörch to mit sien Urwald, de de sülvige Noam hett.
Ikk weet nu nich wuveel Koppen dat domoals wäst sünd – ikk weet blossich, dat dat “Flöhe” tellen van use Uppassers een büld mehr Tied fördert hett.
As dat nu ut de Luutsprääkers anfung to räärn: “Hannower – de Toch foahrt nich wiider” dor seet ikk mit mien binnerwendich Denken noch in denn „rökernden Werftblitz“ van d’ Marinboahn ut de füfftiger Joahren irgendwons mirden in dat freeschke Geestland

Dor stunn ikk nu – as ikk ut de Toch klautert wee – in mien kört Hemdje up d’ Boahnhoff – Perron elben, Süüdersied – van d’ Neddersassenmetropol mit dat dreeblodrich Kleebladdje in d’ Staddwappen in de köölige Mörgenlücht. Üm mi to küseln woll Minschen genooch dör de Dach – oaber van Waarmte un van een haartlich Mitnanner kunn ikk niks spöären. Hier hett sükk an dat Ümto woll een büld ännert, hevv ikk bi mi dorcht – dat Minschengood is oaber dör de Tieden dat glieker blääven. Un dat de Hannoweroaners mi dör hör Gedoo künnichmoken dat dat so is – dor bruks ich wüggelk nich laang up tööven.
An anner Iiserboahnploatzen in anner Kuntreien har ikk jümmers glieks – ok wenner ikk frömmd wee – de Waarmte van een Mitnanner spöärt. Dor kunn ikk hier överhaupts niks van föölen.
Sülvst de Biller ut de verleeden Tieden, de ikk van heel ünnern ut mien Weeten ovreep, kunnen mi nich helpen. Ikk wee – ovwoll ikk joa eelich blods retuur koamen wee – up een frömmden Stää laand.
Niks leet mehr so, as ikk dat kennde – blossich de Koal un de hooge Nöäs van de Minschen, dat wee blääven. Dat wee noa Joahrteinden jümmers noch dat sülvige Doon, wenn nich noch düdelker worden.
De mi ut mien Weeten herut vertroode Boahnhoffsvöörploatz, de Kröpke mit de groode Klokk, de Äegi … so as ikk disse Stäen in mi verpakkt har – niks wee mehr so as miene Koppbiller – aalns dat wee kollt un nich to griepen – eenfach steril, so as in Sagrotan düükt – oahn wüggelk Lääven spören to loaten.
Ikk seech blods Prunk un Protz – wor mien Ooch ok henfull.
Stroatenmuskanten seeten woll up de Grund un klömten sükk de Liev ov, Staddstriekers – Minschen oahn Dakk boaben hör Kopp gooten sükk un de Dach üm sükk to mit Fusel un Wermut vull, Schikkimikkitanten ween up Inkoopstuur, schniegelt Mänädscher britschden dör de Vöörjoahrslücht as wenn see Karbid in d’ Achtersten harn – aal dat wat Residenz utmoakt wee dor, blods de Minschen harn nettegroad so good Puppkers weesen kunnt. De kann man foaker noch mehr Föölen ansehn, wenn see in de Dach kieken.
Aal dat, wat ikk to kennen glöövt har, wee joa nu nich mehr. Na joa – moakt ok niks hevv ikk mi sülvst Moot moakt – froachst Du eenfach de Minschen de di tomööt koamt, noa de Richt un de Padd. Schnakken kunn ikk joa noch.
Dat Weeten, wat ikk denn dordör wäär nee dortokräägen hevv, dat har ikk bäter nich to weeeten krägen.
Van söben Minschen de ikk froacht hevv, hevvt mi twee antert, dat see ok keen Hannoweroaners weesen.
Fiefmoal hett man mi blods ankeeken, as wenner ikk de Minschkes fuule Schüldschiens van de Lehmann Broers andreien wull. Een tweedet moal Henkieken wee ikk hör all gannich mehr wert.

Hoapnung gröönte in mi, as ikk, an een Stää in dat wiede Rund vöör de Boahnhoff, een griesed Veerkant to sehn kreech. Ikk hevv dorbi glieks an de veerkantige Steen in Mekka dorcht, un mi föör de Muselmanen bi us in d’ Land hööcht, dat see nu villicht nich mehr in dat wööste Mörgenland pilgern mussen.
Mit dat Denken leech ikk denn oaber joa woll sowat van vöörbi, as us Regeren van de Woahrheit wäch is – un dat is heel moi wiet.

“TICKETT-POINT Üstra” stunn näämich in groode Bookstoavens an de Siedelsmüürn upmagelt.
Dat een Foahrkoartenschkalter as “TICKET-POINT” beteekend ward harr ikk in een noordüütschen Provinzkuntrei nu wüggelk nich verwacht. De Hannoweroaner Dichtbiverkehrsfürsten kunn ikk dat oaber so een bääten noasehn. Wullen see de Besöökers doch säker blods up disse Oart beliekteeken, dat dat joa ok noch denn adeligen Rüpel glieken Noams givvt – un dat de joa Rechten up de ingelsch Kron hett, un mit heel veel Glükk een ingelschen Keunich warden kunn. Liekers moot denn ernstigen August denn all heel veel Glükk un veerhunnerdfüfftich Oknochberechtigten mooten aal mitnanner heel veel Pech hemm’n – denn de veerhunnerdeenunfüfftichste in de Riech to weesen – dat is doch eelich wat van Nümms.
De Tosatz “ÜSTRA” de sää mi tominnst noch wat ut mien Domoalsweeten rut. ÜSTRA hett de Bedrijf all heeten, as de Onibussen in Hannover noch mit Holtgas andreeven wurn un up Haartgummireifens leepen.
Vöör de veerkantige Foahrschienbud seech dat ut as dat in Honeckers DDR vör een HO Loaden utsehn hett, wenner dat dor Banoanen geeven schull.. De Lüü stunnen woll dartich Meter wiet Buuk an Mors üm een Koart to lösen.Wiel ikk oaber joa keen Koart kopen wull – ikk har joa mien Utwies föör Freefoahrt in d’ Taaschke – har ikk solaang tööven mußt bit de anner aal bedeent weesen, wiel anners joa hör Onibus ov hör Stroatenboahn wächwee.
Dat mien Tied denn ok bold wäch wee un mien Termin bi d’ Goodkieker ganz flink güstern wur, dor hett mi nümms noa froacht.
Een ok woll jüüst ut de Provinzi rinkoamen jungen Keerl, de tägen mi stunn, har woll een Oahnung van mien Vertwieflung kräägen, as ikk aal wat ungedüürich hen- un hertrappel.
Villicht stunn mi mien Brast ok all in d’ Gesiächt schrääven -.up jederfall mook he mi up de „Service-Punkt“ in d’ Boahnhoffshaal upmerksoam. Dor wür man mi woll wiiderhelpen – glööv he. He keem joa ok van d’ Land mit sienen Gloven.
Ikk har de jung Kerl as Bedankt för sien Hülp up de Stää am leevsten een Sööten upschnullert – oaber dat harn de Hannoweroaners woll in d’ verkeerde Halslokk kriegen kunnt. In Hambörch ov Berlin is man in dat Denken joa all een bääten wiider in de Waarmte tüschen Broers ovglitscht.
Dat wee in disse Momang ok joa överhaupts nich mien Sörch – mien Sörch wee, dat ikk up Tieds mien Termin inhollen kunn, oahn vöördem noch een Hüpen Doalers föör een Droschke utdoon to mööten. De Roat van de frünnelke Jungkeerl, de ok nich in Hannower to Huus wee, leet mi hoapen, dat disse Bääker mit de suure Klukk an mi vöörbigoahn wüür.
Ikk hevv mi so up mien Stäävelskanten ümdreit un bün in de Boahnhoffshaal trüchbösselt. De Lüü keeken mi all noa, ov ikk woll wat utfräten har un nu föör d’ Schandarms utrieten wull.
Tweedusend Foot har ikk säker all achter mi brocht, sietdeem ikk up Perron elben hannowersched Rebett beträäden har. Ikk bün oaber liekers nich up Kneen fulln un hevv de Grund knutscht.
De „Service-Punkt“ van d’ Boahn wee in de Haal nu wüggelk nich to översehn – ikk weet ok nich, woneem ikk dor een poar Minüten vöördem eenfach so an vöörbischuffelt bün.
Dat Deert seech noa sien Boo-Oart hoast so ut as de Dischen de in d’ Gerichtssoalen de Koppsieden utkleeden.
De sitten dor moi hoch un moi drööch – well dor boaben sitt, de kann de Minschen so richtich van boaben raff ankieken. Dat wee mien eersted Denken as ikk dorvöörstunn.
Vöör dat Dischlerwaark ut bestich Hollt wee ton Glükk vöör mi rein niks los –dat heet, de fief Iiserboahners de boaben up d’ Podium hukelden, harn niks anners to doon as mit sükk sülven wat antofangen. Un dat deeän see denn ok figelinsch. Jüüst dat Mannsbild, dat an häntichsten mit een Kolleechin an rümtütern wee, hevv ik mi denn utkeeken, üm mien Froach lostowarden. Wiel – he seet stuuv in d’ mirden van de Galerie un seech mit sien Seehundsboart so ut, as ikk mi mennich Gerichtspräsidioalen so vöörstellen do.
Mien frünnelk Grööten un mien präziis Froach noa de rechte Padd föör mi dör Hannowers Stroaten wee man nettegroad in sien Bräägen ankoamen, as he ok all van dat Froominsch an sien Siedelskant ovleet, un up mi doalkeem as son Hoabicht, de een Krei de Muus klauen will.
‚Ikk schull gefällichst sehn, dat ikk föör mien Weetensschmacht in de Frömmdeninfo dor buten irgendwons wat to futtern kreech.’
Dorbi weih he mit sien Aarms aal wat dör de Gegend un üm sükk to, as son Elvis Presley Ovklatsch – blods dat de Gummiknoakenkeerl van d’ Mississipi keen Seehundsboart har.
‚De Lüü van d’ Stadd wüürn joa dorföör betoalt, üm sükk mit Turis rümtotargen.
Ov ikk denn nich wuß, dat see hier blods föör Boahnbelangen tostännich weesen. Dat kunn sükk doch jeden de denken kunn denken.’
De veer Kolleechen boaben up d’ Podest un de Minschen üm mi to kreegen hör Bekk gannich wäär to, wiel, so een Rüpelhaftichkeit schiens sülvst föör Hannoweroaner – de joa dör denn ernsthaftigen August joa all een büld wennt sünd – nich Olldach is.
Noadem ikk hüm in mien eerste Reakschon as een nich so moied Körperdeel beteekend hevv, muß ikk doch noch een Froach an hüm loswarden. Ikk hevv hüm froacht, ov he up mien Froach keen Antern wuß – or ov he mi nich antern wullt har.
Up disse Froach hett he mi denn woll antert – un dat is beteekend föör disse Szort van Minschen, de dat woll jümmers gääven ward, de oaber liekers in so een Boahntje niks to söken hevvt. He sää mi liekherut: „ Ich will Ihre Frage nicht beantworten.“
Noa noch mehr hen un her un dat ümsünst utkieken noa een van de goode ole Boahnschandarms keem mi een jung Froominsch in mien Öller to Hülp un wies mi de Padd dör dat Labyrinth van Hannowers Binnerennen. See beliekteeken mi, wor ikk utstiegen muß un dat jüüst dor een Afteek wee un dat ikk de Afteeker man froagen schull – dat wee een heel nümigen un wüür mi säker furrs wiiderhelpen.
Disse Hülp hett mi hulpen, wiel de benöömte Afteeker nich dorup kääken hett ov ikk wat bi hüm koopen wull ov eenfach blods sien Weetenshülp bruks.
Fief Minüten loater un fief Minüten vöör de Tied wee ikk denn dor, wor ikk hen muß.
Retuur noa d’ Boahnhoff hevv ikk denn keen Hülp mehr brukt
Wäär up d’ Boahnhoff ankoamen har ikk dat Glükk, dat dree Minüten loater een Toch noa Ollnbörch gung. Ok van d’ Perron elben. In disse dree Minüten muß ikk mi ok noch entscheeden ov ikk tein Euro tobetoalen wull, or leever annerdhalf Stünnens up de näächste Aarmlüüverbinnung wachten wull. Ikk har mi näämich mörgens up een Normoalfoahrkoart fastlächt.
De näängzich Minüten tööven wee mi noa disse Mörgen denn doch toveel un ikk enter de ICE – ovwoll ikk in disse Momang de 10 € Togeld all son bietji achteran blaaren de. Ikk hevv mi denn flink wäär inkräägen un dorcht, wäch is wäch, un moal mit een Intercity dör de Welt to suusen is doch ok wat.
Tüschen Wulmstörf un Nienbörch keem denn ok verrafftich een Koartenknipser langs de Riegen. As ikk dat vertroode: “Noch jemand zugestiegen” hörde, hull ikk hüm mien Normoalfoahrschien hen, greep in mien Knipke un wull de Toschlach betoalen. Un wat sächt dor de frünnelke Iisenboahner mit een waarmed Lüchten üm de Oogen: “Dat loat man sitten”, un gung wiider noa de näächste Foahrgast üm dor to knipsen.
Dit lüütji Teeken van een Minschke in Boahnuniförm hett mi de Gloven an de Minscheit – de ikk in Hannowers Wööstland all hoast verlorn glöövt har – wäär trüchbrocht.©ee

ewaldeden

De ole Krooch in Wiefels . . .

 

 

De ole Krooch . . .

So richtich ole Krööch, de mutts vandoach söken. Ik do dat geern – blods mennichmoal bün ik rein an vertwiefeln, wenn ik denk ik hevv een funn`n – moak de Döör oapen – twee Trää noa binn`n – un ik stoa in so`n neemodschen Interiör. Krööch oahn Seel. Nich een Oamen van Geschicht, van dat vergoahne Lääven, dat sükk in disse Dörpshaarten ovspeelt hett. In dat lütt Jewerlänsch Kuntrei Wiefels – is all een poar
Joahr her – har sükk so een Hillichdom noch holl’n. De Krooch har een sinnigen Noam.
* Gaststätte zur Erholung * stunn in grode Bookstoaven över de Ingangsdör. Verhoalen kunn sükk dor wüggelk Seel un Liev. Een Meter achter d` Huusmüür leepen de Gleisen van d` Boahn noa Harlesiel. Bi d` Strullen up d` Pissoar drüffst nich mit Aarms ut d` Fenster langen – denn harst de Zuch to foaten. De Krööger sää jümmer:

* Wi hevvt dat eenzige Schiethuus mit Gleisanschluß.*

Överhaupts – de Krööger. He wee een Orignoal as datin de Bööker steit. Us Unkel Fidi – Buschker heet he mit Huusnoam – bruks blods vertelln, un de Froonslüü harn natte Büksen. Wenn ik dat moal verglieken do – so`n neemodschen Animatör lett tägen Unkel Fidi as een Kieler Sprott, de sükk tägen een fetten Bükkling lächt. Unkel Fidi leech de Musik in d` Blood – statt up … mit den Augen eines Gastes een Schnuller hett he as Lütt woll all up een Vigelinboagen rümgnauelt. Sien Geich de kunn blaarn – un up de Klimperkassen van Klaveer, dat in de Ekk stunn, wee he netso in Huus as in sien Puustmusik – wenn he de ole Mundörgel ut sien Büksentaasch trook un ansett to bloasen. So richtich belääven kunns dat, wenn d` up Fieroabend doalgung – een Stünn`n vöör Middennacht ov so. Well üm disse Tied noch vöör d` Tresen seet, de luur dorup. So as Sönndachs in d` Kaark – wenn man up de Paster sien * Amen * tööft.

De heele Dach ween Unkel Fidi un siene Froo up d`Been`n – nie seech man hör moal sitten. Oaber oabends – Klokk elben – greep Unkel Fidi sükk een van de hochbeenigen Schämels van vöör d` Beerhoahn, un klauter dorup. Bevöör dat denn komodich wuur, keem eers de Ansproak an sien Froo :
* Nu goah du man all to Bäed, Tant Heeti, nu word dat hier näämich een bäten schwiensch.* He sää to sien Froo jümmers Tant Heeti, wi hevvt ni niks anners hört. Man kann sükk ünner dat schwiens joa een büld vöörstellen. Nänä – so wee dat nich – dat wat ji nu denken, dat köänt ji vandoach eder up de Schiev van d’ Tellewischen sehn.
Disse Spröäk wee för hüm woll de eenzige Oart, sien Froo noa een langn Waarkeldach van d` Been`n ovtokriegen – denn Schwienkroam – dat sää see jümmers – kunn Tant Heeti up d` Dod nich lieden.
Ovwoll – foaken genooch stunn see noch een tiedlang acher de Köäkendör to luustern, wat dat dor in d’ Krooch figelinsch to hören geev. Een roden Klöär bruks dor oaber nümms bi kriegen. Dorför wee Unkel Fidi een veelsto patenten Keerl.

Wenner hüm well moal so achternrüm frooch, wovöäl Schlukken de een ov anner sükk günnt har, sää he salomonisch: Dat ween woll so twee bit fiefuntwintich Stükk. Dat Froagen wee denn meest doan.
An een grieseligen Haarstdach stunn moal so`n schniegeligen, stadtlüftigen Jehovas Tüügen in d` Gaststuuw – man kunn hüm dat herkoamen anföölen – un frooch in dat versammelde Rundum van de Klukkdrinkers: * Kennen sie Jesus? *  Nümms van de döstich Seeln anter dorup – aal keekens Unkel Fidi an – un denn keem van hum de denkwürdige Satz, de vandoach noch dör d` Jewerland löpt:
* Nä, de Keerl käen ik nich – oaber he mach mi woll kennen – denn Fidi Buscher käent joa een büld Lüü!* Kiek – un dat meen ik, wenn ik säch: Nich een Oahmen van Geschicht löpt dör de neemodschen Krööch. Well dat anners weet, de kann mi dat geern beliekteeken. © ee

Wenn een denn vöörnääm deit . . .

 

 

Wenn een denn vöörnääm deit . . .

Up us Reisen in Soaken Waarkeree sünd wi joa een büld in de Welt rümkoamen – un netsoveel verscheeden Minschen sünd us in de Joahren ok tomööt lopen.
Dat is een heelen grooten klöärigen Billerboagen – dor kunns verrafftich een Museum mit utstaffeern.
Tüschen us Waark un schloapen leegen joa mennich free Stünn’s – de wi up irgendeen Oart in Stükken kriigen mussen.
So hevvt wi denn in elker Kuntrei ok de een ov anner Krooch kennenleert.
Van heel vöörnääm – wor man blossich mit Schlips un Kroach rinloaten wuur, bit hen noa eenfake Beerbuden – in de wi denn so mit us schidderk Aarbeidstüüch inlopen kunnen. So een Beerstuuv – de harn wi eens mörgens üm tein Üür mit dree Mann to foat.
Ähm een Beer drinken – un een spierke wat äten.
Wat dat groot an fastet Äten för d’ Liev givt in sükse Schenken – dat kann man hoast an twee Fingers uptellen.
Frikadell’n un inlächt Eier – Soleier, wenn sükk dor een wat ünner vöörstell’n kann – un villicht noch solten Gurken un suur Herings.
Bi de Fleeschhüdels geev dat meist een Brödchi upto. De Bakkerkluten worden woll blods jedet Neejoahr lävert – för dat heele Joahr. De mussen denn wäär reichen bit Silvester – so luukich ween de meist üm meist.
Us Patzmann wee van Huus ut een heel schniegeligen Fendt – so een bietji ovdreit un spitzkantich. Wenn wi nich wußt harn, dat he in d’ Köälenpott upwussen wee – wiers harn wi Hannower as sien Herkoamen ankeeken. Bevöör de eerste Klukk to drinken up de Toafel stunn, harn mien Broer un ikk all twee suur Herings dorachterneit.
Us stieven Kolleech we sowat to „ordinär“ – dat kunns in sien Kieken läsen – Herings mit Fingers äten! Dat he nich „igitt“ sää, dat wee dat eenzich wat noch dorbi fääl.
Noa dree Beer kreech de Pans in hüm oaber doch woll Schmacht. He spekuleer stilkens mit gluubsche Oogen noa de Glasschkapp, in de de Krööger sien „fast food“ as he dat domals all nöömde, upbewoahr. Van wägen de Fleegens in de Lücht. Us Hannowerverschnitt lett sükk doch verrafftich een Frikadäel mit Brötchi gääven. De Krööger brengt hüm de – un moot furss nochmoal lopen, wiel – oahn Mest un Goabel kunn he doch nich äten. Wat he oahn Mest un Goabel doon kunnt har – dat kunns in de Krööger sien Gesiächt ovlääsen. Us Kolleech kricht Mest un Goabel – lächt sükk sien  Schlakkerlatz trecht – lett nocheen poar Niegelichkeiten över dat Brödchi los – van wägen dat dat so toi is – dat is woll van eergüstern ov so – will mit de Goabel in de Deech stäken, üm mit d’ Mest dorvan een Stükkji ovtoschnieden.
Suust hüm doch verafftich de Bakkerhüdel ünner d’ Goabelspitz wäch – seilt in een Boach to de Noaberdisch hen – un dor so in een groden Beerkrooch.
Nümms sächt wat in de Kroochstuuv. Aal kiekens blods de Goabelstäker an.
De Krööger kummt up sien platt Footen van achter d’ Tresen anschoaven – hoalt mit twee Fingers de Deechhüdel ut dat Beerglas van de Noaberdisch – pakkt dat Deert heel sinnich bi us Patzmann, de mit gleunich Oorn bedrüppelt dorsteit, up de Teller – un sächt hönnichsööt: So mien Jung – nu kanns drup los schnieden – dit Brödchi neit di nich mehr ut.
 © ee

Glükk . . .

 

Glükk . . .

To disse lüütji Geschicht moot ikk eers moal wat vöörrutstüüren.
Wat ji nu to hörn kriecht, dat is nich dorto andoahn dat noatomoaken – dat wiers nich. De meist Minschen de hemm’n joa in hör Lääven säker allmoal wat beschikkt, wat nich so heel up de liek Padd wee. Ikk ok – n’türlich – oaber wenn dat denn good ovlopen is, schull man us Herrgott Bedankt särgen un dat ok dorbi beloaten.
Oaber vertell’n moot ikk dat doch ähm.

Mien Broer un ikk weesen jümmers tosoamen ünnerwäägens up Waarkeltuur.
Wi kropen van mörgens bit in de Nachten up anner Lüüds Footdääl rüm üm moie Footdäälen moaken. Dat wee noch in de Tied, as de Konjunktuur hoch över de Wulkens flooch. Aarbeitslosen kunns in Perzenten gannich utdrükken. De Ünnernäämers leepen achter us an. Vandoach irgendwons in d‘ Büdel haun, kunns vöörgüstern all bi een annern Boas in Dennsten stoahn.
Wi weesen all van Hoahn’nkrein an de heele Dach düchdich an knoien west. De Fieroabend harn wi bold to foaten – meenen wi.

Twee Zirettlängten vöördem keem us Boas up d‘ Boostää. He wee rein ut de Puust, so har he jocht, dat he us noch bi d‘ Bükks kreech. Wee hüm doch verrafftich wat ut sien Kopp floagen – un wi schulln dat noch ähm utplätten. Een öller Minschke har he tosächt noch an disse Dach bi hör Footdääl antofangen. Na joa – wi weesen jung Kierls – Pinunsen muchen wi ok woll lieden, un so muß de Fieroabend noch up us töven.
Dat gung up Oabndsbrodstied to un wee all balkendüster, as wi bi dat öller Froominsch ankeemen.

See har woll de Köäken all utrüümt un laang up us tööft – liekers har see dat Wark för de all Dach ovschrääven.
Wat wee Omoa blied, dat wi nu doch noch bi hör in de Dör stunnen. See wuß gannich so recht, wat see us ut Freud aal doon schull. Wi kreegen to äten un wat to drinken. Tja – un mit dat drinken – dor har denn doch verrafftich een Uul säten. De heele Batterie Buddels, de see in d‘ Schapp har, de keem an d’ Lucht.
Rinspeet, moot ikk eerlich togääven – hevvt wi domoals nich wenn us wat to drinken anboaden wuur. Mien Broer kreech een Doornkoat inschunken un ikk har mi een Kaarsenlakör utkääken. Twee Stükk klukkern in de Glöäs, wiel – so as Omoa meen – up een Been kann man nich stoahn. Un denn mussen wi wat doon.

Omoa seech dat in. So’n bietji tinkeln in us Oogen noa de Buddels henn har see oaber doch woll mitkrägen. Ikk goa in d‘ Stuuv sää see. Helpen kann ikk jo joa doch nich. „Ikk stäel de Buddels up d‘ Köäkenschapp“ – dormit wull see woll särgen, ikk seech woll dat ji noch een möächt. Recht so! Dorvan ov – wi kunn mit dat perzentige Tüüchs eelich good ümgoahn – man dat wi all van dat Lösungsmiddel in de Kläver, wor wi de heele Dach mit togaang weesen, een lütten sitten harn – dat harn wi nich up us Rääkning. So hevvt wi denn bi us Waark elks sien Buddel lössmoakt. Wenn ikk dor nu hör: Igitt – nä, nä – so is dat nich. Dat wee de Tied in een Kierl sien Lääven, in de een Buddel Schlukk wat för twee Mannslüü is – wenn een dorvan niks drinkt. So – dat harn wi hat!

Noa us Waark de Huusdör achter us in d‘ Schlött trukken – mörgen kunn dat wiidergoahn.
Rin in de ole Klöäterkassen van Bully – un noa Huus andoal. Dat wee jo bold Middennacht. Hier in Ossfreesland harn wi dat Foahrtüüch joa noa Huus henschuven kunnt – dat gung dor oaber nich, wiel, wi woanden in een Gägend wor de Stroaten up un doal gungen. Mennichmoal up een Sied een hoogen Baarch un up anner Sied niks as Lücht. Een bäten ümtofoahr’n sünd wi ok – figelinsch as wi weesen – de Hauptstroaten wullen wi denn doch nich ünner de Reifens kriegen. Nich wiel mien Broer nich mehr foahren kunn – nä, dat nich. Oaber Schandarms geev dat domoals ok all.

Wo nöömt man so ’n Tuur up sükkse Padden ok woll? Richtich – up d‘ Spriitpadd noa Huus to.
Dat Foahrtüüchs stunn schnaas jümmers good hunnerd Meter van to Huus wäch, ünner een Stroatenluchtin een Latüchtengaroasch. Dat Foahrtüüchs stunn so moi – dor kunns rein nich sehn, dat de Stüürmann een sitten har. Ikk bün an d‘ Bifoahrersied utstägen un lossteustert. Tweemoal wee ikk all üm d‘ Drei, as ikk spitz kreech dat mien Broer nich bi mi wee. Wäär retuur noa d‘ Foahrtüüch. Mien Broermann de seet noch piedelliek achter d‘ Rüür. Särgen wull ikk hüm, dat he de Stünnens ok annern Dach upschrieven kunn, riet sien Dör oapen – un bamms – licht he mi to d‘ Footen. Wee de Keerl doch verrafftich an schloapen, un ikk froach mi bit vandoach, well us woll heel noa Huus henstüürt hett.©ee

© ewald eden

Töven ….

Woarüm . . .

Dat Middachäten is siet een Stünnen vöörbi – in d’ Heim is d’ aal ruhich. De goode Äteree hett de Lüü aal een bäten möö moakt. De meesten Bewoahners van dissed Huus sünd noch in d’ Middachstünnen.
Dat is noch gannich solaang güstern, dor heet dat noch „Insassen“, wenn van de olen Minschkes schnakkt wuur, de hier up hör ole Doagen hör letzdet to Huus funnen harn. Nu särgen see tominnst all „Bewoahner“ to us – denkt Hedwig.
De Minütenwieser van de groode Klokk de steit noch duumenbreet vöör de dree.
Sied twee Üür trippelt see nu all dör de lange Deel. Eenunfüfftich Trää sünd dat van een Enn’n noa d’ anner Ennen. Jümmers hen un her – hen un her un hen un her.
Hör Beenen köänt nich mehr so groode Stappen moaken. Wenner see bi de Buterdör ankoamen is, sükk dor ümdreit un wäär retuur geiht, denn hett see eenunfüfftich Trää lang de groode Klokk vöör hör Oogen.
 Eenunfüfftich Trää lang denkt see luut to de Wieser: Nu loop doch ‘n spierke flinker. See weet ok, dat dat nich möägelk is. See is wiers old, oaber nich döäsich – oaber see wünscht sükk dat in disse Momanken van Haarten.
Denn elker Dach üm dree kummt hör Schweegerdochter to Visit – wat eelich gannich hör Schweegerdochter is. Dat Mannsbild – wat dorto gehört – dat is hör Jung. Wat eelich ok gannich hör Jung is. Wiel – see hett hüm as Lütt annoahmen, un mit hör eegen Kinner denn groodmoakt.
He sächt Mama an hör – un he föölt Mama – netso as sien Froo dat deit.
Hör eegen Blood kummt hoast selten bi hör up Visit – de hevvt drokks dormit todoon, dat see van d’ Lääven dor buten ok niks versüümt.
Wenneer see ut dat groode Finster kikkt, denn sücht see hör Kinners un Enkels foaker in dat schoine Huus tägenöver goahn, wat joa noch in hör Eegendoom as Moder indroagen is.
To geern much see noch in dat moie ole Huus woahnen – in dat Huus, wor see un Eduard glüggelk wääsen sünd – in dat Huus, wor de Kinner upwussen sünd un wor see truurich wee, as Eduard tägen sien Leiden nich mehr ankeem, un hör verloaten mußt har.
Oaber nää – de Kinners harn sächt: Du büst nu old un Du bruukst Plääch – un wi hevvt keen Tied dorför.
Basta.
Dat wee joa ok to eenfach – see bruksen hör joa blods över de Stroat in d’ “Seniorenheim” to schuuven.
Nu leevt see hier in dat frömmde Huus een frömmdet Lääven.
Een Freud hett de leev Gott hör oaber doch loaten – elker Dach üm Klokk dree lett He för hör de Sünn schienen – liekers wo düster de Hääven ok utsücht. Elker Dach üm Klokk dree kummt hör Schweegerdochter – wat eelich gannich hör Schweegerdochter is. Up dat eerste Word van de Deern, dat hör denn meist glieks an de Dör tomöötschleit, dor töövt see denn all de heele Mörgen drup – up dat Word Mama.
 © ee