Heimweh .

Heimweh .

D as dunkle Rauschen der Wogen
schwebt über dem heißen Sand
es spannt sich wie ein Bogen
vom Meer aufs einsame Land

Verbindet die Elemente
ist Himmel und Hölle zugleich
Feuer und Wasser es trennte
berauschend und unendlich weich

Nur einmal die Mächte gespüret
die Ahnung von Endlosigkeit
nur einmal nach Hause geführet
im Herzen im Übermaß reich.

© ee

Mein Gott…

.

Mein Gott…

Mein Gott
sagt Herr Kuckuck zu seiner Frau
als er geschafft von der Arbeit
plumpst in das Nest
ich muß mich erst duschen
sonst kleb’ ich noch überall fest

der Gerichtsvollzieher
hat mich heut’ an siebzig Stellen geklebt
jetzt weiß ich
wovon der so wunderbar lebt

klebt überall da
wo er kein Geld kriegen kann
mich
den Kuckuck
an Wertsachen dran

ich sage dir Frau
das ist ein Scheißleben
bräucht’ ich das nicht zu machen
ich würd’ sonst was drum geben.

© ee

Das Kreuz mit dem Kreuz

.

„Heisser Wüstensand ….“

Das Kreuz mit dem Kreuz

 

Heinz hatte bannig Glück in seinem Leben mit dem Glück Leben. Von seinem ersten Schrei bis laufen und komodig reden können war die Welt um ihn herum noch reichlich schräg und dunkel.

Die Inflation war man gerade über das Land hinweg gezogen. Die ‚Roten und die ‚Braunen’ knüppelten wie verrückt in den Strassen der Weimarer Republik aufeinander ein. Die Reichsregierungen unter Kanzlern wie Brüning und Co – ganz weit weg in Berlin – wedelten hilflos mit ‚Notverordnungen’ und anderen Aktionsgesetzen in der Luft herum.

Es schien oftmals so, als wenn ein Bauer durch das schwenken mit seiner schmutzigen Unterhose sein durchgegangenes Pferdegespann aufhalten wolle.

Der Himmel sah wohl wo das Spiel enden würde, und hat 1933 seine Hände dazwischen gehalten. Viele empfanden jedenfalls so und glaubten, der Herrgott hätte ihnen als auserwählte Rasse das Heil beschert.

Heil Hitler“ wurde deshalb auch zum obligatorischen Volkesgruß.

Plötzlich war in der Gesellschaft eine Richtung zu erkennen. Den Menschen wurde gesagt, dass sie wieder geradeaus laufen könnten.

 Was war das ein Glück – nicht bloß für Hein. Ohne zu straucheln konnte er nun seine Kinderzeit, seine Schulzeit und seine Lehrzeit hinter sich bringen.

Aber wie es nun einmal so ist im Leben. Wenn Dir in Notzeiten jemand etwas auf den Tisch legt, um Dir damit zu helfen – der steht garantiert eines Tages wieder vor dir und will für seine Hilfe entlohnt werden.

Eine Ahnung von dem was da auf ihn zukam umkreiste sein Wissen schon beizeiten.

Die Begriffe Hitlerjugend und Jungvolk rahmten das Ganze ein. Einbeziehung zum Reichsarbeitsdienst stand dann ganz oben auf der Rechnung, von der er den ersten Teil begleichen musste, als er seine Lehre abgeschlossen hatte.

Zum ‚kriegswichtigen Arbeitseinsatz’ einberufen nannten die Gläubiger die Vollstreckung ihrer offenen Forderungen.

‚Muß i’ denn, muß i’ denn …’ oder so ähnlich schallte es über den Sander Bahnhof als der Zug sich mit Hein und vielen anderen Einberufenen keuchend und stampfend Richtung Lesum in Bewegung setzte. In der Bremer Nachbargemeinde Lesum standen nämlich schon die Schaufeln und Spaten für die jungen Leute bereit.

Zumindest der tröstliche Glaube, dass ihre davonziehenden Kinder wenigstens noch kein Schießeisen in die Hand nehmen mussten, blieb bei den Angehörigen auf dem Bahnhof zurück.

Im Zuge freute sich jeder auf Lesum. Lesum – das versprach doch Abwechslung gegenüber ihrer kleinen verschlafenen Landgemeinde. Direkt nebenan lag ja Bremen. Da konnten sie von Lesum aus doch fast hinspucken, oder vielleicht sogar mal so ein bisschen den Duft der großen weiten Welt schnuppern.

Hein und sein Freund kamen aber gar nicht dazu nach Bremen hinzuspucken – oder gar mal in die Stadt hineinzuriechen.

In die Strohsäcke ihrer Bettstellen hatten sie noch gar keine Kuhlen gelegen, da hieß es schon: ‚Auf dem Bahnhof sammeln. Marschbefehl nach Hamburg.’

‚Was sollen wir denn in Hamburg?’ lief die Frage unter die langen Reihen der Versammelten hindurch.

‚Von da aus werden wir nach Russland in Marsch gesetzt’ kam es als Antwort von irgendwem untendurch zurück.

Einige der jungen Männer waren so couragiert gegen die Verlegung an die Elbe aufzubegehren. Sie wollten nicht nach Hamburg. Das ‚nicht nach Hamburg wollen’ war aber ganz schnell nicht mehr zu hören.

Ein paar grobe Griffe oder ein paar kräftige Stöße mit dem Gewehrkolben brachten die Aufmüpfigen in Nullkommanichts zum Schweigen. Auch sie freuten sich dann plötzlich auf Hamburg.

Auf der Fahrt in die Hansemetropole hörte man in den Waggons bloß das Tack – tack der Räder auf den Schienenstößen. Niemand traute sich etwas zu sagen – man wusste ja nicht, welches Denken den Kopf des Nachbarn beherrschte.

Im Hamburger Hauptbahnhof angekommen hieß es sogleich:

‚Alle Mann aussteigen und auf dem Bahnsteig vier zu vier angetreten. Zack-zack.’

Irgendetwas drehte sich bei diesem Kommando stachelig in Heins Magen. Er verdrückte sich mit seinem Freund hinter die Masse der Kameraden, deren Augen wie gebannt auf die sie erwartenden Feldjäger gerichtet waren. Mit vorgehaltenem Gewehr flankierten die ‚Kettenhunde’ den Bahnsteig.

Die beiden Freunde sahen vor sich nur unzählige Rücken und kurzgeschorene Hinterköpfe unter den Schirmmützen nach draußen drängen.

Ohne das irgendjemand es bemerkte verkrümelten sie sich durch eine Tür auf der Gegenseite. Durch einen auf dem Parallelgleis stehenden Zug hindurch gelangten sie auf einen anderen Bahnsteig.

Nachdem die Kolonnen abmarschiert waren, und die Militärpolizei sich verzogen hatte, fragten sie sich bei Passanten zur Musterungsstelle durch.

Das spätere Ankommen auf der Dienststelle hat sie vor der Reise nach Russland bewahrt. Ihre Kameraden aus der großen Marschkolonne waren nämlich ohne viel Federlesen in Richtung Ostfront durchgewunken worden.

Die Musterung vor der Kommission mussten aber auch sie über sich ergehen lassen.

Als erstes hieß es ausziehen – alles ausziehen, auch die Unterwäsche.

Im Adamskostüm mussten sie dann durch die große Halle Spalier laufen.

Einzig ein steifer Bogen Pappe in ihren Händen begleitete ihren Lauf von Schreibtisch zu Schreibtisch. Es waren wohl zwanzig Stück an der Zahl.

Sie wurden gemessen, gewogen und von allen Seiten begutachtet.

Mit Zirkel und Dreieck, mit Zollstock und Maßband, mit Hörrohr und Spekuliereisen gingen die Weißkittel ans Werk.

Der Kopf und die Arme und Beine wurden vermessen, den Hintern leuchtete man aus und die Geschlechtsteile unterzog der Generalarzt einer besonders gründlichen Begutachtung.

Nach dem Glänzen seiner Augen zu urteilen schienen sie dem Spezialisten zu gefallen.

Der Laufzettel füllte sich mit Kreuzen, Strichen und anderen undefinierbaren Zeichen. Bis ein Mannsbild auf diese Art zu Papier gebracht worden war, das dauerte seine Zeit. Zum Schluß kam dann eine hervorragende Bewertung dabei heraus.

‚Arier erster Klasse – geeignet für den Einsatz in der Ordensburg Sonthofen’ stand auf den Bögen der beiden Freunde zu lesen.

‚Ordensburg’ was heißt das? stieß der Freund Heinz an, als sie sich wieder angezogen hatten und zur letzten Begutachtung unterwegs waren.

Heinz war ja auch nicht über alles aufgeklärt, aber davon hatte er doch schon läuten hören.

‚Man will da, glaube ich, Elitezuchtbullen aus uns machen’ klärte er seinen Freund fast unhörbar auf.

Vier Schritte lang kam von seinem Freund nichts als ungläubiges Staunen – bis er begriffen zu haben schien, was Heinz ihm da gerade gesteckt hatte.

Heftiges Kopfschütteln war die Reaktion. ‚Nee – nicht mit mir. Ich lasse mir doch keine Kühe aussuchen, die ich dann decken muß. Ich geh da nicht hin.’

Das sprach Heinz aus der Seele. Er wollte auch nicht dahinten im Baziland hochgezüchtet werden. Sein zukünftiges Liebesleben hatte er sich denn doch ein wenig anders vorgestellt.

Die beiden Freunde wechselten kein Wort miteinander, als sie den Dreh nach draußen nahmen und dem Bahnhof zustrebten.

Wenn in Hamburg nicht schon so ein gewaltiges Durcheinander geherrscht hätte, hätte man sie sicher noch zu fassen gekriegt und wegen Fahnenflucht bestraft. Da das Standrecht im Lande herrschte waren sofort vollstreckte Todesurteile wegen eines solchen Vergehens keine Seltenheit mehr.

Die beiden hatten jedoch Glück und saßen ein paar Stunden später unbeschädigt im Zug nach Bremen.

Bremen haben sie an diesem Tage aber gar nicht mehr erreicht. Über Bremen sah man nur Feuerschein und Rauch in der Luft. Der Zug musste vorher anhalten – das Bremer Stadtgebiet wurde bombardiert. Die englischen Flieger ließen ihre tödliche Fracht fallen.

Die Passagiere mussten ihren Zug auf freier Strecke verlassen.

Heinz und sein Freund sind denn auf Schusters Rappen nach langem Marsch in Lesum eingetrudelt.

Von Lesum hatten sie aber auch nicht mehr viel.

Gerade im Quartier in Lesum eingerichtet fanden sie sich über Nacht auf Fünen wieder.

Da wartete eine Blitzausbildung für den Kriegseinsatz an der Westfront auf sie und andere. Plötzlich waren sie Soldaten die nach Frankreich marschierten, um dort einen Westwall zu halten, der nur noch in der Propaganda existierte. Jetzt hatte der Kommiß sie doch noch zu fassen gekriegt.

Um die Müh- und Drangsal des einfachen Soldatenlebens zu umgehen, sicherten sie sich einen Platz im Sperrsitz. Sie traten der Waffen – SS bei. Auf diese Weise waren sie auch ohne Sonthofen und Lebensborn in die Eliteklasse aufgerückt.

Daß aber zwischen Frauen schwängern zu müssen, die sich freiwillig hergaben, und schwangere Frauen töten zu müssen, bloß weil sie angeblich nicht Arisch waren, ein kleiner Unterschied bestand, das erfuhren sie spätestens, als sie sich nach dem ersten Mal tun die Seele aus dem Leib kotzten.

Nur, da war es zu spät zur Umkehr – denn aus Gestern lässt sich nie wieder Heute machen.©ee

Ewald Eden

GEGEN DAS VERGESSEN !

Wanderer…

.

W anderer, es gibt nicht Weg
noch Stock noch Stein –
es gibt nur Sein.

Wanderer, es gibt nicht Erde,
es gibt nur Steg
der Ziel dann werde.

Geh’ nur hinüber – find’ das Leben,
das dir vom Schöpfer ward gegeben.
Tritt nur nicht fehl bevor’s erreicht,
sonst bist du schnell vom Tod gebleicht.

Liegst als Geripp’ an Weges Rand
mit gespenstisch’ knöchern’ Hand –
die nicht mehr greift, die nicht mehr packt,
weil gebleicht’ Gerippe nichts mehr zwackt.

© ee

.

PROBIEREN…

.

Probieren

B rot ist die Grundlage unserer Nahrung – so wird es uns von Alters her gelehrt. Nicht umsonst bittet man in den christlichen Kirchen: Unser täglich Brot gib uns heute.

Das Bäckerhandwerk ist ständig bestrebt, dem uralten Begriff Brot täglich neuen Glanz zu verleihen – täglich neue Geschmacksvarianten in dieses eigentlich profane

Lebensmittel zu zaubern. Eine mir bislang unbekannte Ausführung sah ich auf einem Ladentisch in einem hiesigen Geschäft ausliegen. Der Brotlaib aus Roggen wurde mir als Loggerbrot angepriesen. Loggerbrot – bei dieser Bezeichnung entstanden in meinem Kopf gleich rustikale Geschmacksbilder. Ich sah einen Herings-logger in wilder See unweit der Doggerbank den Heringsschwärmen hinterherjagen, und in den kurzen Pausen die harten Männer an Bord ihr Brot verspeisen.

Verfestigt wurde dieses Bild durch die Lobpreisungen der Verkäuferin – untermauert von der Aussage, das ist Bio-Brot. Was ist Bio-Brot – drängte ich auf weitere Erklärungen. So ein wenig beschlich mich das Gefühl, als im Wissen nicht ganz auf der Höhe der Zeit angesiedelt betrachtet zu werden. Wer weiß denn nicht, was Bio-Brot ist, schwang unterschwellig in der Antwort mit. Unser Bio-Bäcker verarbeitet nur Mehl aus biologischem Getreideanbau. Das wußte ich nun auch.

Wissen wollte ich jetzt aber auch noch, ob mein Geschmacksahnen sich in den richtigen Bahnen bewegte – also, kaufen und probieren. In Schwung kam mein Ahnen, als ich den Preis vernahm. Sechs Mark – pardon, zweifünfundneunzig Euro – das Kilo. Gutschmeckendes Brot vom Normalbäcker kostet weniger als die Hälfte – also muß der Genuß dieses Brotes mindestens doppelt so groß sein, war mein direktes Denken. Ich Einfaltspinsel.

Zu Hause angekommen – das große Brotmesser geschnappt – und losgesäbelt – ich konnte es kaum erwarten. Das Wasser lief mir im Munde zusammen.

Gottseidank kann ich nur sagen, denn ohne den vermehrten Speichel hätte ich den Kleister, als den sich die Backmasse entpuppte, nicht im Mund hin- und herbewegen können. Selbst mein Hund – der immer mein Mitprobierer ist – hatte Schwierigkeiten, seine Kiefer wieder auseinander zu bekommen. Tja – und das Schmecken nach Seeluft, nach Loggerleben – einfach den Beweis handwerklicher Backkunst – das alles habe ich nicht gefunden. Einzig das Gefühl, einen Steinbrocken im Magen zu haben, begleitete mich durch die folgende Nacht. Normalbäcker – ich bleib dir treu.

© ee

Empfehlungen : Die Nachteule

.

meine Empfehlung

für Euch :

Die Nachteule (Die Nachteule / Bildtexte)

Gebundene Ausgabe – 1. April 2016

Begebenheiten, Ereignisse, Flora und Fauna, Tier und Mensch
in Bildern festgehalten und mit Worten zum Leben erweckt…

Kindle Edition 5,99
Gebundene Ausgabe 50,99
Taschenbuch 8,99

Gebundene Ausgabe: 100 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (1. April 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 383911490X
ISBN-13: 978-3839114902
Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 1,7 x 27,7 cm

Ewald Eden:

Wer mit allen Sinnen in die Welt der Nachteulentexte eintaucht
entdeckt auf jeder Seite ihm, dem Leser, bisher unbekannte Dimensionen der lyrischen Betrachtungsweise.
Lyrisch gewandet erscheint selbst das hässlichste Wort plötzlich gesellschaftsfähig auf der Bühne –

bekommt selbst unaussprechliches Geschehen in allen Dimensionen ein erträgliches Gesicht,
und menschliche Handlungsweisen – und seien sie noch so unmenschlich – werden durch die lyrische Aufbereitung
durch die Nachteule verständlicher.

Wer sich auf das „Abenteuer Nachteule“ einlässt,
der sollte darauf gefasst sein, alle Höhen und Tiefen des des menschlichen Seins
präsentiert zu bekommen, um nach jeder Etappe der Erlebnisreise feststellen zu können,
dass er wieder einen Teil der Expedition ins Reich der Wahrheiten mit ihren
Irrungen und Wirrungen unbeschadet überstanden hat.
Der Bildtextband ist eine Symbiose verwandter Seelen in Bild und Text…

zu erwerben bei Amazon : Nachteule bei Amazon

https://www.bod.de/buchshop/die-nachteule-ewald-eden-9783839114902

.

Altes Sande – neues Sande

.

A ltes Sande – neues Sande
Wirtschaftsraum und Ruhepol
zwischen Klein Canale Grande
und vergoren Sauerkohl

hier die Bahn der Pioniere
dort Beton der neuen Zeit
am Rand als wenn er sich geniere
macht Luftverkehr verschämt sich breit

Kultur wagt schüchternes Versuchen
aufzusteh’n aus tiefem Schlaf
doch es geht ihr wie den Buchen
die der Zahn der Säge traf

Bemühen Leben zu erwecken
in diesem Ort dort auf dem Sande
vereiteln angestaubte Jecken
die schon steh’n an Grabesrande

dabei wär es einfach wichtig
Spaß am Verweilen hier zu säen
Säh’ man die Dinge doch nur richtig
würd’ hier sofort die Zukunft steh’n.

© ee