Inferno . . .

Inferno . . .

Flammende Scheiterhaufen
die Welt zeigt ihr böses Gesicht –
die Seuchen in Strömen laufen
bis alles zusammenbricht.

Die Menschheit in ihrem Glauben,
an Forschung und alles im Griff,
sie pflückt weiter die giftigen Trauben,
sieht nicht das drohende Riff.

Anstatt das Ruder zu wenden,
in ruhige friedliche See,
lässt man die Massen verenden,
blickt hilflos auf blutigen Schnee.

Geschöpfe werden zu Ware,
zu Machtmitteln degradiert –
es würden besser klare
Verhältnisse definiert.

Im Rausch der Technik schwimmen
zu viele in zu vielem Geld –
es wird Zeit das Schiff zu trimmen,
sonst kentert zuvor diese Welt.

©ee
ewaldeden

Weißt du noch . . .

Weißt du noch . . .

Die Sommerrosen aus der Zeit –
weißt du noch wie sie rochen?
Die Jugend – sie liegt lang schon weit –
als wir in Hecken uns verkrochen.

Ob wir was ausgefressen hatten –
oder weil es bloß so schön,
manchmal war es kühler Schatten –
der uns ließ den Himmel seh’n.

Süßgeahnte fremde Welten –
noch nicht gefühltes dunkles Glück,
wie oft begann man uns zu schelten –
zog uns in Unschulds Welt zurück.

Doch jedes Riechen prägte Male –
mit jedem Fühlen loderte – zuerst der Kern,
und dann die Schale –
jeder Blick rückte die Kindheit fern.

Bis sie in tausend kleinen Stücken
füllte der Jugend engen Raum –
der Kindheitswelt mußt’ man entrücken,
es blieb uns immer nur der Traum.

Drum lebe, wenn du Kinder findest –
egal auch wo auf dieser Welt,
den Traum zurück – indem du bindest
die Seele nicht an’s große Geld

Ich sehe Feuermale streichen –
der Geist entweichet aus der Flasche,
wenn wir uns nicht die Hände reichen –
liegt Unschuld bald in Schutt und Asche

© ee

Eisblumen

Eisblumen

Eisblumen am Fenster,
so fragt mich ein Kind –
bitte, kannst du mir sagen,
was Eisblumen sind?

Ich hab‘ noch nie Eisblumen geseh’n –
Großmama sagt, sie wären sehr schön.

Eisblumen blühen nur in kalten Stuben-
bei Menschen in Not,
für Mädchen und Buben.

Die haben ihre Freude
am Glitzern und Flimmern,
das gibt’s aber nicht in warmen Zimmern.

So wärmen die Engel die Armen von innen –
wer auch mal Eisblumen sieht,
der kann nur gewinnen.

Gewinnen an Reichtum
tief drinnen im Herz –

denn er achtet die Ärmsten
und er fühlt ihren Schmerz.©ee

ewaldeden©

Hörst du das Wispern ?

Hörst du das Wispern der Frühlingsgräser
im frostigkahlen Morgenlicht –
hörst du das Tönen der Kirchturmbläser
das sich unter den eilenden Wolken bricht?

Hörst du das Knispern der trockenen Reiten
über dem blinkernden moorigen Grund –
hörst du der Wellen Geschlag’ in dem weiten,
vom Himmel begrenzten und bläuendem Rund?

Hörst du des Windes emsiges Raunen –
wie stetiges Leben über dem Watt,
es zeiget uns Werden, es machet uns staunen
dass Erde all’ diese Wunder noch hat.

Genießet das alles und füget euch ein –
erkennet die Werke als schlüssig,
denn wenn ihr’s nicht könnt,
dann wird es bald sein

dass Mensch auf Erd’ mehr ist als flüssig.© ee

Ewald Eden

Alle Tage

Alle Tage

Man hört ständig Behördensprecher
in Worthülsen den Müll verpacken
den aufgekratzt’ Regierungszecher
täglich auf die Tische kacken

Alles wird schön breitgemacht
es muß ja richtig stinken
sonst würd’ das Land in dunkler Nacht
zu schnell im Sumpf versinken

Man hätte gar nicht genug Zeit
die Früchte zu genießen
entgangene Gelegenheit
die würd’ doch nur verdrießen

Und da man sehr penibel ist
hat man einen wachen Blick
das Unten jeder von dem Mist
bekommt ein riesengroßes Stück

Denn wenn die Kleinen es nicht schlucken
was oben angemengselt wird
die Großen würden heftig spucken
und Kotze hat noch nie geziert
.

© ee

ewaldeden

Glaube, Liebe, Hoffnung …

Glaube, Liebe, Hoffnung …

Nebel liegt wie Brei über allem
Tröpfchen an Tröpfchen gewebt
knorrige Bäume ins Nichts gefallen
in endlicher Weite die Sagenwelt lebt

vom Turm auf der Klippe der Düne
die Glocke erklingt – unendlich weit
zehn Männer da draußen tun Buße und Sühne
machen sich und ihr Schiff zum Sterben bereit

sie hören die Glocke in tobender See
sie lauschen mit schmerzenden Ohren
das Ruder gedreht von Luv hin nach Lee
drei Strich in Südwest liegt der rettende Hafen

noch sind sie nicht auf ewig verloren
an Backbord da brechen die Wanten
die Wellen zerschlagen den Mast
der Kiel knirscht auf des Riffes Kanten

von Deck verschwindet die Last
der Bug nicht zu sehen
das Heck schwebt auf dem Wellenkamm
für die Mannen unmöglich noch aufrecht zu stehen

Hände und Füße eishart und klamm
plötzlich erschüttert ein ächzen das Schiff
es schüttelt sich und liegt dann ganz still
das Wasser verzieht sich vom sandigen Kliff

Neptun die Mannschaft doch noch nicht will
er wartet und lauert auf neues Versuchen
nie streckt er die Waffen – ist ständig bereit
da hilft nur leis’ beten – vermischt mit laut fluchen

und Hoffen, daß Gott jede Reise begleit’

© ee


ewaldeden

Kinderfragen.

Kinderfragen

Wo ist der Wind wenn er nicht weht
wo ist der Wolken ihr Zuhause

wo ist das Rad das die Erde dreht
wo ist des Regenmachers Klause

wer schiebt die Sonne über den Himmel
wer rollt den Mond durch dunkle Nacht
wer malt die Flecken auf den Schimmel
wer macht das Donner furchtbar kracht

warum ist Luft so dünn wie Seide
warum ist Wasser immer naß
warum trauert Trauerweide
warum ist Leben nicht bloß Spaß

wie kommt es das wir Menschen werden
wie spricht man wohl im Himmelreich
wie wichtig ist der Krieg auf Erden
wie arm macht er oder wie reich

wozu baut der Mensch sich Waffen
warum schießt man andere tot
wieso kann man nicht Frieden schaffen
dann wäre alles doch im Lot.

©ee

Das Netzwerk.

Ausgewogen ….

Das „Netzwerk“, das ist keine Frage,
ist das Werk gegenwärt’ger Tage –

doch auch da gilt die Erkenntnis,
auch wenn’s nicht erkannt als Selbstverständnis,
dass nichts – gleich wie krummschief es auch steht,
gegen die natürlich‘ Ordnung geht.

Und immer hält sich all’s die Gleiche,
ob’s lebend Gut, ob’s tote Leiche,
da ist jemand der Ordnung hält
und scheint sie noch so schlecht die Welt.

Nach jedem Schwalle dicker Luft –
die irgendwann irgendwo verpufft –
kommt stets ein rein’gend‘ Himmelswind
und macht die Lüfte wieder lind.

Bei allem kommt es nur drauf an
wo man so hinriecht dann und wann –

ob man erträgt das Nasenkrausen,
wenn jemand grad ließ einen sausen,
oder ob man, wie’s so geht,
mehr auf Veilchens Düften steht …

Des Schöpfers Welt ist’s schietegal,
was dominiert in Menschheits Kral.
Am End ist alles nur Melasse,
als Sondermüll der Sonderklasse.

In großer Masse produziert
er wiederum „Normal“ gebiert –
und weiter hält sich all’s die Waage
für’s Heute und für alle Tage.

© ee


ewaldeden

die Schmiedemeister.

Goethe und Schiller, große Geister –
im Texteschmieden war’n sie Meister –
doch manchmal denk’ ich, Dunnerkiel,
sind meine Wört’ doch ebenviel …

kein Minderzwang sie zu verstecken
hinter irgendwelchen Hecken –
drum lass’ ich sie in Welt rausgeh’n
und hoff’ dass viele sie versteh’n .

© ee

WORTWAHL.

Die Wortwahl ist ‘s, des Wortes Wahl,

sie lindert oder schafft manch‘ Qual.

Wir sollten immer darauf schauen

wie Wort von uns ward ausgesprochen

zeugt es von Nahsein oder bricht Vertrauen.

Drum such‘, bevor Du Text verfäßt,

ob sich nicht Bess‘res finden läßt.© ee