Horch, in der Luft…

Foto bei Gertrud Everding

Kraniche
Horch, in der Luft
dies Rauschen und Singen,
dies Rufen und Klingen!
Vielhundertfach naht sich
in schimmerndem Reigen
ein Kranichzug.

Spiegeln die Schwingen
im Silber der Wellen,
raschelnd und wispernd
raunt das Schilf.
Fluss hörst du? Sie kommen!
Hoch aus den Lüften
grüßt zu uns nieder
ihr klingender Schrei.

Hör noch lange ihr Rufen,
und Sehnsucht ergreift mich,
ich weiß nicht warum.
Auf der Koppel die Weiden
dort, mit knospenden Zweigen,
lauschen noch lange und winken
dem Kranichzug.©Gertrud E
.

Gertrud Everding
März 91 / Altmark

Das besondere Gedicht.

das Problem mit der Aussprache …

Ein Hin und Her zwischen Jannes und seiner Oma –

oder das Problem mit der Aussprache …

Gottseidank hat Jannes seine Oma noch. Die Oma die ist aus seiner Zehnjahressicht wohl schon ganz schön alt, aber sie ist noch so was von Plietsch – und das besonders, wenn sie ihm wieder einmal gegen seinen altmodisch strengen Papa zur Seite steht, wenn der mal wieder sagt, dass früher, zu seiner Zeit, doch alles gaaanz anders gewesen sei. Denn guckt Jannes seine Oma nur immer mit einem Blick an, in dem ganz groß die Aufforderung zu lesen ist: Omaaaaaaa … nun sag Du doch mal was – DUUU als seine Mama, Duuuu bist doch schließlich dabeigewesen! Komischerweise kann seine Oma denn auch in ihrem eigenen Gesicht lesen – gerade so, als würde sie vor einem Spiegel stehen … und denn MUSS sie einfach die Sicht von Jannes Papa, die manchmal wirklich ein büschen verbogen ist, wieder ein wenig geraderücken. Genauso deutlich wie Jannes Oma in solchen Momenten in ihrem Gesicht lesen kann, genauso so deutlich liest sie Jannes oft vor. Seine Oma Plüsch, die kann das Vorlesen aber auch …

Sogar in Jannes Schule traut sie sich Geschichten vorzulesen – sie sagt, sie kommt sich dann immer so vor wie in den Jahren, in denen sie auf der großen Theaterbühne mucksmäuschenstill in der Muschel hockte und flüsternd den Schauspielern vor ihr auf der Bühne über ihre Hänger hinweghalf. Jannes seine Oma hatte nämlich ganz ganz viele Spielzeiten als Souffleuse am Schauspielhaus gearbeitet. Jannes kann daher auch schon verdammt gut lesen. Sein Lehrer, der Herr Blindfisch – nun lacht nicht so, er heißt wirklich so – hatte das letzte Woche vor der ganzen Klasse gesagt. Oma Plüsch übt aber auch regelmäßig mit ihm. Die beiden machen denn ein richtiges Rollenspiel aus den Übungen. Jannes Papa hat auf der großen Kopiermaschine in seinem Büro extra dafür ganz viele Geschichten vervielfältigt, so dass sie immer beide den gleichen Text vor sich haben, wenn Oma und Enkel in die Leseschlacht ziehen. Wie beim Fußballspielen – oder neeee …

Oma Plüsch spielt ja kein Fußball – wie beim Schachspielen geht es dann meistens Unentschieden zwischen den beiden aus. Nur manchmal macht Jannes sich einen Spaß und bringt Oma Plüsch beim vorlesen ins wackeln. Und zwar immer dann, wenn Oma beim vorlesen ihre Stirn kraust – dann weiß Jannes, dass gleich wieder etwas kommt, bei dem er eingreifen muß. Dann liest Oma Plüsch nämlich wieder „Neu Jork“ oder „Bubbelgum“ und wenn Jannes sie dann mit „aber Oma, dass heißt doch „Nju York“ und „Babbelgam“ unterbricht, dann murmelt sie auch schon mal – für Jannes Ohren nicht bestimmt – was von „ach wat, dat olle Pitschginenglisch“ vor sich hin, um gleich darauf- wieder für seine Ohren bestimmt – korrekt weiter zu lesen. Jannes Freude darüber, seine Oma in Punkto Wörter lesen nun endlich schlau gemacht zu haben, sollte aber nicht von langer Dauer sein, denn jetzt geschah etwas, was Jannes sich die Haare raufen ließ –. Oma Plüsch las ihm aus ihrem Tageblatt aus dem Bericht über die Neueröffnung einer Wurstbraterei den folgenden Satz vor: In dem rollenden Imbiß am Kartoffelacker kann der hangreigi Kandi neben anderem auch leckere Hämbörger und knackige Fränkforter gegen den Hangir bekommen. Jannes konnte nicht an sich halten –

Omaaaaaaaaaa, da steht doch der hungrige Kunde und Hamburger und Frankfurter geschrieben. Kannst Du denn immer noch nicht richtig lesen …©ee

ewaldeden

Promille….

Promille …

Ein fließender Schatten
auf der Bank unter der Linde,
kaum ist er zu sehen
im schwindenden Licht.

Die seidigen Haare
umspielen im Winde
ein von Kummer und Leid
geprägtes Gesicht.

Das Liebste im Leben
wurd’ ihr genommen,
der Frau mit den glanzlosen Augen –
sie fragt immer wieder,
wozu soll ich noch taugen,
denn ihr Kind ist nicht mehr
von der Schul’ heimgekommen.

Ein Mann im Herbst seines Leben
hat es mit dem Auto erfasst.
Er hatt’ eine Feier gegeben –
weil an dem Tag er endlich befreit
von der beruflichen Last.

Vier Bierchen und drei kleine Körnchen
hatte er mit Kollegen getrunken,
zum Abschied ein Schnittchen
und ein süßes Hörnchen –
man hatte ihm fröhlich noch nachgewunken.

Es sollt’ eine Fahrt in die Freiheit sein.
Er hatte schon ganz klare Bilder
von seinem künftigen Leben –
doch plötzlich war da ein Schulmädchen, klein,
wollt’ eiligst nach Hause zustreben.

Es hatte vertraut auf die Schilder,
die Schilder am Wege
die er nicht gesehen, im Alkoholnebel,
und fuhr g’rad in das Kindlein hinein.

©ee

Ewald Eden.

Sinnenwelt …

Sinnenwelt …

Alle Welt fühlt Deinen Schmerz –
alle Welt spürt Dein Begehren
und sieht Dein lohend’ brennend’ Herz –
Dein Dich heiß nach Lieb’ verzehren.

Welt ertrinkt in blinkend Tränen
aus dem Quell des Liebessehnen –
trotzdem dürstet Welt so sehr,
daß tränenlos versiegt das Meer.

Nur der Unschuld grüne Auen,
nur der Liebe blühend’ Feld
läßt uns in das Leben schauen –
wie es vom Schicksal wohl bestellt.

©ee

Beim billigen Jakob …

Beim billigen Jakob …

Infantiles, kurioses und skurriles –
hier gibt es wahre Hökerware
von mindernull bis zu ganz vieles.

Einfarbig buntgefleckt bis scheckig,
Glatzen und auch krause Haare
werden rund oder auch eckig.

Es gibt sie weich oder verstärkt –
auch wohl kupiert und ohrgesäumt –
mit Prädikat und unbewerkt –

mit Erinnerung beladen,
oder postfrisch unbeträumt.

Es gibt sie in der Luxusklasse
mit Goldgestick und Platinband –
es gibt sie auch als Schleudermasse
mit hangesticktem Rüschenrand.

So kauft bei mir an linker Seite
Prolet, das was ihm scheint’s noch fehlt –
und rechts erwerben Gesellschaftsleute
Schnick und Schnack ganz unverhehlt.

Alle Schichten sind’s zufrieden,
weil keiner merkt, dass er beschissen –
und glauben stolz, dass sie gemieden,
dass was sie jeden Tag verrissen.©ee

ewaldeden

Der 26. Dezember …

Der 26. Dezember …

Der zweite Weihnachtstag bedeckt die Flur
die Stille setzt zum Endspurt an
in Kürze kommt die Müllabfuhr
geht an die Abfallberge ran

Die riesenratlos Schenkungswelle brachte
viel Schrott und Ungeliebtes ein
beim auspacken und probieren dachte
fast keiner an das Christkindlein

Die Liebe die es wohl soll wecken
verspürt man nicht mehr auf der Welt
ein fühlend’ Herz muß sich verstecken
sonst wird es plattgewalzt vom Geld.

Am Tage nach den heiligen Festen
weiß keiner mehr was gestern war
verpackt dann gut, was blieb an Resten
der Barmherzigkeit für`s nächste Jahr.

©ee

Der verzweifelte Weihnachtsmann ..

Der verzweifelte Weihnachtsmann ..

Ich hau in den Sack,
sagt der Weihnachtsmann,
und pfeffert die Rute auf den Müll.
Schau dir doch mal den Scheißdreck an,
mit dem ich die Wünsche der Kinder erfüll’.

Ich krieg nur noch Schrott aus der Kunstmaschine –
kein handgestopft’ Teddy, und kein Pferd aus Holz,
keine Puppenstube mit Tüllgardine –
nichts, worauf früher die Kleinen so stolz.

Kein Bilderbuch gibt’s mehr,
und keinen Roller zum treten,
keine Stifte zum malen,
und keine Knete zum kneten.

Nur Videos muß ich verteilen,
die den Kleinen die Augen verderben,
und die für die Großen,
die leben vom Sterben.
Ich habe schon lange nicht mehr gespürt,
daß ein Herz durch Weihnachten angerührt.

Was soll also dieses ganze Gemiste,
dieses Gedöne aus vergangener Zeit?
Ich pack meinen Mantel in die Mottenkiste,
und mach mich zum Abgang bereit.

©ee

Es begab sich aber zu der Zeit …

Es begab sich aber zu der Zeit …

dieser Anfangssatz aus der biblischen Geschichte fiel mir zum Erzählen eines Freundes ein, als ich ihm ein paar Sätze lang schweigend zugehört hatte.Karl-Heinz berichtete mir von einer Begebenheit aus einer Zeit in der sich für ihn kurz zuvor auch etwas ergeben hatte, das sein Leben zu einem anderen machte. Ihm war vom Schicksal auch ein Untermieter in seinem Körperhaus zugewiesen worden. Krebs nannten die Ärzte den ungebetenen Gast. Meines Freundes Zuhause befand sich zu der Zeit noch im idyllischen Exter, wo er mit seiner inzwischen verstorbenen Frau über die Jahre ein zufriedenes und beschauliches Leben führte.Seine tägliche Gewohnheit der abendlichen Runde um Haus und Garten hatte ihm auch der Gast in seinem Körper nicht verleiden können. Er nahm ihn einfach stets mit zu diesem ihm liebgewordenen Ritual.

Es war in 1993 – dieser frostigkalte Winterabend des 23sten Dezember hatte mit seinen 8 Minusgraden nun wirklich nichts anheimelndes an sich, als Karl-Heinz sich anschickte mit der täglichen Runde um das Grundstückvor dem Zubettgehen seinen Tag zu beschließen. Der Garten und sich das im Garten befindliche Blockhaus lagen friedvoll und dunkel in der frostklaren Nacht, als er anfangs des Weges die ersten Schritte aus dem Haus tat. Auf den letzten Schritten, die ihn wieder zur Haustür führten, lagen Garten und Gartenhäuschen noch genauso friedvoll wie ein Weilchen zuvor, doch das Dunkel des Blockhauses war einem schwachen Lichtschein im Inneren des Häuschens gewichen. Mit fester Entschlossenheit diesen Umstand zu ergründen näherte sich mein Freund der Laube. Durch das Fenster sah er im funzeligen Schein einer kleinen Taschenlampe, die auf der Tischplatte lag, eine Gestalt in abgerissener Kleidung auf der Eckbank hocken. Da hatte jemand ein Quartier für die Nacht gesucht und gefunden. Leise und behutsam, um die Nachbarschaft nicht zu wecken und den Obdach suchenden nicht zu erschrecken, machte Karl-Heinz sich bemerkbar bevor er eintrat.

Die blanke Furcht davor, von unter dem Schutz gewährenden Dach vertrieben zu werden, stand dem mageren Menschenkind förmlich ins Gesicht geschrieben. Dass diese Furcht gegenüber Karl-Heinz völlig unbegründet war, das konnte der Mann in der abgetragenen Kleidung ja nicht wissen. Die Realität hatte ihm gewiß so manchesmal etwas anderes gezeigt. Die Furcht in dem verhärmten Gesicht war unversehens einem Erstaunen, das sich ganz langsam in unverhohlene Freude verwandelte, gewichen. Freude und Erleichterung darüber, mit seinen Bündel Habseligkeiten nicht wieder in die eiseskalte Nacht hinaus zu müssen, um sich irgendwo in einem Hauseingang oder unter einer der vielen Brücken einen Platz zu suchen, um da „Platte machen“ zu können.Mein Freund machte ihm mit wenigen Worten klar, dass er über die bevorstehenden Feiertage bleiben könne, und darüberhinaus solange die Kälte anhalten würde. Karl-Heinz schaltete als erstes die Sicherungen für die Stromversorgung im Blockhaus frei und aktivierte dadurch die angeschlossene Heizung. Seine Frau, der er gleich von der unerwarteten Einquartierung berichtete, sorgte – ohne ein Wort darüber zu verlieren – für einen gedeckten Tisch im sonst im Winter verwaisten Gartenhaus. Dem „einsamen Wolf“ wie Karl-Heinzens Frau ihren Gast bei sich benannte, war nur sehr wenig an Information über sich und seine Lebensumstände zu entlocken. Die beiden gaben sich mit dem Wenigen, das von ihrem Gast von alleine preisgegeben wurde, zufrieden. Vielleicht waren sie auch irgendwo froh, gar nicht mehr über das ihnen unbekannte Schicksal des fremden Zufallsbesuchers zu kennen. Der Unbekannte wurde die Feiertage über umsorgt, verpflegt und mit Textilien und Fußbekleidung aus dem Bestand des Hausherrn bedacht, ganz so als wenn er schon immer dazugehört hätte. Am Abend des 2ten Weihnachtstages hatte Karl-Heinz noch einen Punsch mit ihm getrunken, bevor er ihm eine gute Nacht gewünscht – und am folgenden Morgen, als die Hausfrau ihn zum Frühstück einladen wollte, da war die Blockhütte sauber aufgeräumt und verlassen, ganz so, als wenn die Tage zuvor niemand darin genächtigt habe. Einzig der Geruch von Pfeifentabak hing noch ein paar Tage in der Raumluft. Irgendwie stimmte es die Gastgeber dann ein wenig betrüblich, als nach einer Spanne Zeit auch der Tabakduft als Erinnerung an eine besondere Begegnung sich still und leise davongemacht hatte. Am Silvesterabend standen die Augenblicke mit ihrem Weihnachtsgast noch einmal fühlbar in ihrer Wohnstube, als Karl-Heinzens Frau – während sie aus dem Fenster schauend in die funkensprühende und knallerige Altjahrsnacht sah -. gedankenverloren die Frage „wo er jetzt wohl ist“ zu ihrem Mann hinüberschickte.

Der Winter polterte anschließend ziemlich grobschlächtig durch den Januar und Februar hindurch, bis ihn im März das Läuten der ersten Schneeglöckchen mit jedem Tag ein wenig mehr vor dem herannahenden Frühling weichen ließ. Im Frühling, Sommer und Herbst des Jahres geriet auch mit jeden Tag ein wenig mehr das Bild des „einsamen Wolfes“, wie sie ihn fortan nannten, vor den täglichen Alltäglichkeiten des Alltags in den Hintergrund des Denkens der beiden „Gastgeber“ – bis es plötzlich am Abend des 23sten Dezember, genau wie im Vorjahr, wieder im Vordergrund stand. Die verhärmte und rastlose Gestalt vom letzten Weihnachtsfest – im Jahreslauf sichtlich noch mehr geschunden worden – war wieder unter das schützende Dach der Blockhütte zurückgekehrt. Dieses mal geschah es ohne die Angst im Gesicht aus dem Schutz des Obdaches fortgejagt zu werden – dieses mal saß der junge Mann auch (34 Jahre zählte er gerade) als dritter im Bunde mit Karl-Heinz und seiner Frau an ‘Heilig Abend’ an der festlich gedeckten Tafel in der weihnachtlich nach Tannenbaum duftenden Stube. Nur seine Verschlossenheit gegenüber Fragen nach dem Woher und Wohin, und vor allem gegenüber der Frage nach dem Warum, die war in ihm offenbar im zurückliegenden Jahr zu einer noch festeren Feste geworden. Im stillen Einvernehmen hatten Karl-Heinz und seine Frau dann beschlossen nicht weiter zu fragen. Ihre gemeinsame Hoffnung, dass die Wärme Ihres Heims und ihrer Herzen den Eisespanzer um seine Seele herum irgendwann auftauen würde, die wurde schneller als erwartet erfüllt.In den Tagen zwischen den Jahren – zwischen Weihnachten und Silvester/Neujahr – mußten die beiden eine Besuchsverpflichtung erfüllen, eine Reise zur engeren Familie stand an und konnte auch nicht verschoben werden. Dem mittlerweile nicht mehr völlig fremden Gast wurde der Vorschlag während ihrer beider Ortsabwesenheit das Haus zu hüten gemacht. Zu Karl-Heinzens und seiner Fraus Freude stimmte ihr Gast diesem Sinnen ohne zu zögern zu. Vielleicht war es auch sein inneres Denken, von einem mittellosen Almosenempfänger zu jemand zu werden, der dafür eine Leistung erbrachte.Wie dem auch gewesen sein mag, Karl-Heinz vertraute in diesem Moment seinem eigenen Vertrauen in die Redlichkeit des jungen Mannes, obwohl …. eine kleine Bestätigung seiner „Menschenkenntnis“ und seiner „Vertrauensseligkeit“ bedurfte es dennoch, wenngleich er diese erst nach der Rückkehr von der Stippvisite bekommen würde. Karl-Heinz plazierte im gesamten Wohnbereich scheinbar wertvolle kleine Schätze in bestimmten Positionen, um später festzustellen wie es um die Lauterkeit des Charakters ihres Haushüters bestellt sei. Als mein Freund mir gerade das erzählte, da habe ich bei mir gedacht, wie sehr Mensch doch stets vom Zweifel an seiner eigenen Lauterkeit geplagt wird. Nach der Rückkehr ins eigene Heim war durch die absolute Lauterkeit des Hausbesorgers dann endlich das letzte Zipfelchen jeglichen Zweifels beseitigt – es war keiner von den ausgelegten Fallstricken auch nur annähernd berührt worden. Paul, denn mittlerweile kannten sie auch seinen eingetragenen Namen, hatte sich vorbildlich verhalten. In langen abendlichen Gesprächen hatte Paul sein Bestreben erkennen lassen wieder seßhaft werden zu wollen – und das am liebsten in der näheren Umgebung des Wohnplatzes seiner Wohltäter. Ein freundlich gesonnener Nachbar stellte daraufhin eine schnuckelige kleine Wohnung in Aussicht, Karl-Heinzens Frau sorgte für die Ordnungsfähigkeit der Papiere ihres inzwischen zum Freund gewordenen Besuchers, und Karl-Heinz mühte sich erfolgreich um eine Arbeitsstelle für ihn bei seinem früheren Arbeitgeber. Der festen Zusage von der Chefseite war aber noch ein persönliches Vorstellungsgespräch vorgeschaltet. Als Karl-Heinz sich dazu mit Paul auf den Weg in die Firma machte, weigerte dieser sich vehement den von Karl-Heinz eingeschlagenen Weg mitzufahren, ja, er machte sogar Anstalten das Auto zu verlassen, als Karl-Heinz nicht umgehend auf seine Weigerung reagierte. Karl-Heinz fragte nicht nach dem Grund für die Weigerung – eine Erklärung dafür hätte er mit Sicherheit (noch) nicht bekommen, das wußte er.Mit der Anstellung in Karl-Heinzens ehemaligem Betrieb klappte es – mit dem Bezug von Pauls neuem Domizil klappte es (viele mitfühlende Menschen aus dem Viertel hatten bereitwilligst dazu beigetragen die Wohnung mit Mobilar und Hausrat auszustatten – Pauls Papiere befanden sich dank der emsigen Hartnäckigkeit von Karl-Heinzens Frau in vorzeigefähigem Zustand – und es bahnte sich zwischen Paul und einer liebevollen Arbeitskollegin so etwas wie ein „Verhältnis“ an, das nach einiger Entstehungsdauer sogar glücklich im Hafen der Ehe mündete. Und irgendwann bekam dann auch Paules Geschichte von seinem wiederholten Auftauchen in gerade dieser Gegend bis hin zu seiner Weigerung eine bestimmte Wegstrecke zu meiden, ein Gesicht. Vier Jahre zuvor hatte er am Abend des 23sten Dezember auf der betreffenden Strasse durch einen Verkehrsunfall, an dem er sich schuldig fühlte trotz Freispruchs vor Gericht, seine Famile – seine Frau und seine Tochter verloren.Als mein Freund mir zuende erzählt hatte, fiel mir wiederum eine Zeile aus der biblischen Geschichte, die da heißt: „Alles hat seine Zeit …“ ein.ewaldeden2014-12-08

(ein Erleben von K.-H. von der Pütten von mir in Worte gefaßt und niedergeschrieben – die Hütte von mir abgelichtet, mit dem Malstift bildhaft gemacht von Kensise Anders anschließend coloriert von Helu von Resthausen)

Ein Zeitensprung.

Ich bin wieder achtzehn Lenze –
bin wieder da wo es geschah,
ich sehe wieder diese Grenze –
Du bist mir fern – und doch so nah.

Ich habe immer Dich gespüret –
auch wenn Du weltenweit entfernt,
der Himmel uns erneut geführet –
ich habe viel dazu gelernt.

Gerade jetzt – grad’ diese Stunde –
will alles in mir neu erwecken,
da kommt von Dir die frohe Kunde –
laß Dich vom Gestern nicht mehr schrecken.

Ich werde alles gut verpacken –
in der Vergangenheit Archiv,
es hockt nicht mehr bei mir im Nacken –
ist eingebunkert – ganz, ganz tief.

Nur Liebe werde ich bewahren –
stündlich wieder aufpoliert,
mein Seelenflittern dann in Scharen –
täglich neue Lieb’ gebiert.

Schicken werd’ ich dieses Denken –
auf den Weg zu Dir mein Schatz,
Du wirst großes Glück mir schenken –
nur für Dich ist in mir Platz.

©ee

Meinem Freund Ewald Eden zum heutigen Geburtstag alles Liebe und Gute, Gesundheit und Glück für das neue Lebensjahr von Herzen Dir

deine Freundin Christin v. Margenburg

Den Leser unserer kleinen Seite hier

ein frohes glückliches Weihnachtsfest wünschen Ewald Eden und Christin

Das Dorf.

Das Dorf, es wurde zugeschüttet,
es liegt jetzt unter Müll begraben –
das „Verbunden“ zwischen Land und Meer
ist lange hier schon stark zerrüttet,
man find’t davon rein gar nichts mehr.

Was die Ahnen einst erschaffen
im Schweiße ihres Angesichts,
das haben Neuzeits blasiert’ Laffen
zerstört zu einem Haufen Nichts.

Die seelenfütternd’ Andelwiesen,
die Priele bis zu Wassers Kant’,
über die der Wind am brisen
und wo man Herzensruhe fand.

Nichts ist mehr da – nichts ist geblieben,
von dem was war – in tiefem Frieden –
kein stolzes Dorf – kein Krug am Siel,
es kreisen nur noch Pleitegeier
um ein schon lange totes Ziel.

Keine Mühle mehr – kein Hafenplatz,
kein Schiff mit Schiffsbauch voller Fracht,
kein Krämer für ’nen Nachbarschwatz –
nur dunkelriechend’ Müllplatznacht.

©ee