zum Mittag.

Immer wieder die gleiche Frage
Muttern was gibt es – was essen wir heut
die Gute fühlt es als ständige Plage
es hat sie schon manchmal die Antwort gereut

Und wieder hört sie die Tür grade quietschen
der Kerl ist noch gar nicht recht drinnen
hört sie schon sein begehrliches fietschen
und sieht den Speichel bei ihm rinnen

Es kommt prompt das
was ihr schon lang’ zum Halse raus hängt
es ist wieder das gleiche Gekröse
die Antwort – die sie sich zurechtgelegt – drängt
aus dem Munde – ein klein bißchen böse

Es gibt was besond’res – du kannst dich schon freuen
es wird dir hervorragend schmecken
ich hab mich entschlossen
ich hab schon die Fenster und Türen geöffnet
heut’ wird mal die kalte Küche genossen

Die Vorsupp’ ist Spülwasser von schmutzigen Töpfen
der Hauptgang ist Luft ganz frisch aus dem Garten
der Nachtisch ist adlig – gebunden in Zöpfen
die Nudeln von gestern könn’s gar nicht erwarten

Nun halte hier keine Maulaffen feil
und tu nicht als hätt’st du Zitronen gegessen
setz dich endlich auf dein Hinterteil
und genieße das köstliche Essen

©ee

Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

Jungmannszeit . . .

.

I ch bin oft in jungen Jahren
nächtelang zur See gefahren
immer wenn es dunkelte
mein Liebchen gerne munkelte
mußt‘ ich an Bord
fort

Oft in meiner Jungmannszeit
liebt ich zwei Mädchen – himmelweit
die eine wohnt in Haren
wo wir stets holten Waren
die andere saß auf Norderney
nah dabei

In meiner Fahrzeit als Matrose
hatt’ ich viel Schlag in meiner Hose
Genever floß in großen Massen
wir taten unsere Heuer lassen
an manch Schöner grüner Seite
pleite

Auf großer Fahrt als Feuermann
kam ich nicht an die Heuer ran
es wurd‘ schnell mal ein kleiner Berg
ich kam mir vor wie ’n großer Zwerg
manch Fäßchen Rum konnt’ ich dann kaufen
saufen

Und wenn ich wieder pleite war
immer war ein Dampfer da
so entstand Seefahrtsromantik
auf Nord – und West – und Südatlantik
an Bord so manches Lied gesungen
notgedrungen

Wenn ich heut’ im Kneipenschummer
erzähl von mancher Glanzesnummer
so ist das alles ganz weit fort
es war nicht alles so an Bord
ich bin weit durch die Welt gefahr’n
Seemannsgarn

© ee

.

Der Mann aus dem Watt

.

Der Mann aus dem Watt

Guck mal Papa – da hinten im Watt …
Der Bengel schwenkt aufgeregt seinen Kieker.
Da ist so ein komischer Seehund zugange –
mal ist er ganz groß – und dann wieder platt.

Ach wat, sagt der Papa – und klopft seinen Spieker,
du siehst bestimmt wieder irgendwelche Geister
die es hier gar nicht gibt.
Wir sind doch in Dangast und nicht mehr im Deister,
wo solche Gruselgeschichten äußerst beliebt

Das wird wohl ein altes Stück Treibholz sein
von einem versunkenen Bananendampfer.
Oder du siehst im Sonnenschein
ein zu groß geratenes Stück Sauerampfer

Egon – du bist aber rein gar nicht im Bilde.
Da draußen da wächst überhaupt nicht so ’n Kram,
sagt darauf pikiert die Mutter Brunhilde.
Tatsächlich? – entgegnet der Papa nur lahm

Der Bengel pliert weiter – und lässt dann vor Schreck
den Kieker fallen – denn der Seehund ist weg.
Was soll er nun machen – er ist rein betrübt,
denn das herrliche Bild reizte zum lachen.
Zumal er sich grade in Naturkunde übt

Er macht sich ganz viele kindlich’ Gedanken,
denkt auch mal kräftig daneben,
springt mit den Wünschen über die Schranken,
wie das so ist im erwachenden Leben.

Er hofft voller Hoffnung hoffnungsvoll,
das sich wieder was regt – da draußen im Watt.
Er malt sich schon Bilder – mit Texten wie toll –
und drückt vor Begeisterung die Nase sich platt

Stattdessen steigt dann kurze Zeit später
ein blauschwarzer Mann aus dem Hafenpriel –
siehste grinst Papa – da isser, da geht er
aber vielleicht hat er ja doch Sauerampfer am Kiel

© ee