Feierabend.

Feierabend …

Frerk kommt nach Hause …

Der Tag graute erst ein wenig über dem Horizont – ganz so, als wenn der Schlaf ihm noch in den Augen hing. Nix war mit rotleuchtendem Himmel heute morgen. Die Zeiger der Uhr in der Hinterküche krochen gerade auf vier Uhr zu, als Claas sachte die Aussentür ins Schloß fallen ließ. Im Kalender stand der Julimonat – und doch war es in dieser Morgenstunde noch lausig kalt.

Gerade so wie an einem dem Sommer vorauseilenden Frühlingstag.

Die düsteren Wolken jachterten spielerisch durch die Luft – ein busiger Stiem aus Südost schob sie wie Spielbälle vor sich her. Gut festhalten mußte Claas seinen Granatschieber wenn der Sturm zugriff. Die Kufen des Wattschlitten hatte er gestern Abend vor der Schlafenszeit noch ordentlich mit einer Speckschwarte bearbeitet – er läuft heute morgen so leicht wie ein junges Mädchen beim Maitanz.

Wo er diese Bild in seinem Kopf hernimmt weiß er nicht – es ist einfach da.

Mit ablaufend Wasser muß er raus. Der beständige Südost treibt die kabbelige See ein ganzes Ende weiter zurück als an den anderen Tagen der Fall ist. Bei dieser Lage kann Claas bis an die äußersten Granatkuhlen schlittern – der Fang heute sollte wohl eine gute Partie werden. Soweit kommt er nämlich höchstens drei- viermal im Jahr.

Die Helligkeit will heute morgen gar nicht so recht in die Hufe kommen. An der Seekante gehen Wasser und Himmel noch ineinander über. Die Korben streichen nur handbreit über das Wasser. Ihr Galpen dringt ihm an diesem Morgen durch alle Knochen – als wenn sie ihn wahrschauen und raten wollten heute doch lieber zuhause zu bleiben. Er wäre verdammt auch noch mal lieber wieder ins warme Bett gekrochen, als das Wetter ihm frostigkühl entgegenlief – aber davon kam kein Granat in den Kessel, unter dem Grete jetzt wohl schon das ingange brachte.

Wenn seine Grete nicht so fix beim Granatpulen wäre, denn würde das bißchen Geld hinten und vorne nicht reichen.

Nachdem sein Kutter nicht mehr von See zurückgekommen war, war es für ihn mit der Aussenfischerei vorbei gewesen. Er hat Glück gehabt sagen die Leute, dass er an dem Tage mit einem gebrochenen Bein zuhause saß.

Glück – was ist das? Sein Steuermann Frerk Clausen und der kleine Decksjunge Hinnerk Bußmann sind den Tag alleine rausgefahren – rausgefahren und nicht wiedergekommen.

Die beiden hatten es auch als Glück empfunden, das sie nicht an Land bleiben mußten und mit seinem Kutter auf Seezunge gehen konnten.

Zwei blecherne Fässer mit Gasöl von Bord des vermißten Kutters wurden von den Suchmannschaften aus der Nordsee geborgen – zehn Minuten vor Helgoland – sonst nix. drei Tage nach der Sturmnacht. An einem Faß vertäut hing Hinnerk Bußmann – er war zumindest nach Hause gekommen.

Gut ein halbes Jahr ist seit dem Unglück schon wieder über den Deich durch die Zeit gezogen – und immer noch ist eine stelle auf dem Kirchhof unbelegt – und immer noch weht die scharze Fahne über dem Hafenturm.

Class seine Augen zieht es ständig dahin – wenn er rausgeht und wenn er reinkommt.

Fünfundzwanzig Jahre ist er mit Frerk Tag für Tag und Seite an Seite draussen gewesen. Nun glaubt er ihn häufig winken zu sehen.

Er ist nun soweit draussen wie seit langem nicht mehr. Er kann fast zur Wasserkante hinspucken. Dat glidderig/grünliche Wasser steht – die Flut schlägt um. Claas muß zusehen dass er das Land erreicht.

Gottseidank steht der Wind gegen die auflaufende Flut. So läuft das unruhige Wasser nicht so aufgeregt hinter ihm her. Durch seine Denkerei ist er heute morgen ein wenig vom geraden Weg abgekommen und hält nun geradewegs auf den Leuchtturm des Nachbardorfes zu. Es ist ein Weg den er, wegen der tieferen Priele die zumeist nicht trocken fallen, sonst tunlichst meidet.Er jumpt mit Schwung durch den letzten Priel – das Wasser geht ihm schon bis zur Leiste – als sein Schlitten irgendwo hinterhakt.

‘Verdammichnochmal’ schimpft er vor sich hin – jetzt nicht auch noch das Malheur dass ich den Schlitten zurücklassen muß. Als wenn das schäumende, quirlende Wasser ihn mit stierem Blick belauert – es greift wohl noch nicht zu, aber es sitzt schon auf der Lauer, als wenn es auf Beute wartet. Claas meint tausend nasse Teufel um sich herum tanzen zu hören. Er zieht schon ein wenig aufgebracht am Schlittentau – noch einmal und noch einmal. Der Schlitten kommt sinnig frei und treibt auf ihn zu. Der Schlitten ist aber nicht alleine – an den Eisen der Kufen hängt unter der Wasseroberfläche etwas. Er greift danach …. und steht wie eine Salzsäule in der auflaufenden See.

Frerk hat ihn gefunden.

Als er aus der Starre erwacht und sich wieder bewegen kann, hat er kein anderes Denken mehr, als nur noch das eine: Wir müssen nach Hause … neeee, nicht ich muß nach Hause – WIR müssen nach Hause.

Wieviel Zeit da weggelaufen ist weiß er nicht, als er mit seiner Fracht – und mit Frerk – auf der festen Kante steht.

‘So Bruder – das haben wir geschafft’. Er spricht mit Frerk als wenn der ihm antworten könnte. Claas ist klatschnaß – und das nicht bloß von dem aufgeregten Wasser – nein, der Schweiß drängt aus allen Poren und läuft ihm in Rinnsalen den Rücken hinunter.

Da hat wohl Jemand etwas angestossen denkt er, weil gerade in diesem Moment Glockengeläut vom Kirchturm herüberschallt.

Und als nach 2 Tagen Pastor Südhoff auf dem Kirchhof an der leeren Stelle, die nun nicht mehr leer ist, das Kreuz schlägt, da wird vom Hafenturm die schwarze Fahne eingezogen – als Zeichen dafür, dass Frerk nun endlich Feierabend hat.

©ee

der Unfall

Ein Unfall nahm ihm Frau und Kind
die Trauer alles andere
man fragt sich wo die Freunde sind
wer trägt nun wes Gewande

Die Trauerreden waren kurz
das Beileid hielt die Kürze
verweht so schnell wie ‘n warmer Furz
nur der hat viel mehr Würze

So hat er sich denn fortbegeben
in ungewisse Tage
hat nächtens vielerorts gelegen
nur niemandem zur Plage

Nun wird es irgendwann verlaufen
sein Leben still im Sande
keiner wird ihm Blumen kaufen
verscharrt im Niemandslande
.

©ee

Bild von Michael Gaida auf Pixabay

Du einzige Liebe . . .

Du einzige Liebe . . .

W as heißt schon Vernunft
wenn es um die Liebe geht –
was heißt schon Zukunft
wenn der Atem Gottes weht

Was heißt schon Schicklichkeit
und denkt doch an die Leute –
was heißt schon ihr seid doch zu alt,
und wir haben heute.

Gestern, heute, morgen, immer
wenn uns der Hauch des Schicksals streift
ist die Welt ein kleines Zimmer,
in dem die Zeit die Zeit begreift.

In dem die Zeit begreift das Leben,
in dem die Zeit es möglich macht,
daß wir uns ganz dem andern geben,
uns auch im Sturm der Himmel lacht.

In dem man an den andern denkt,
mit Blumen in der Seele –
in dem man sich dann selbst verschenkt,
mit Jubeln in der Kehle.

Das Zimmer möcht’ man nie verlassen –
dort möcht’ man ewig glücklich sein –
man möchte nur zwei Hände fassen
und sagen ich bin immer dein.

©ee

Der Höllenritt . . .

Bild von Lothar Dieterich auf Pixabay

Der Höllenritt . . .

D er Sturm heult mit Windstärke zehn
er peitscht die tobenden Wellen
die Hand nicht vor Augen zu sehn
Gott Neptun tobt mit seinen Gesellen

Sie reiten auf schäumenden Wogen
stürzen aufs Schiff sich herab
wer Angst fühlt – der hat nicht gelogen
man schaut in ein offenes Grab

Die Brecher reißen die Decksfracht fort
die Wanten und Leinen sie brechen
Jan Maat verflucht diesen höllischen Ort
schwört – nie mehr in See zu stechen

’ne Meile voraus – in schillernder Pracht
das Riff in der Brandung kauert
ein Ungeheuer in dunkler Nacht
dort im verborgenen lauert

Drei Mann ans Ruder – hart Steuerbord
fünf Strich nach Südwesten
der Käpt’n – er brüllt manch’ sündiges Wort
seine Männer – die sind trotzdem die Besten

Der Trawler beugt sich – er ächzt in den Spanten
die letzte Ratte verläßt schon das Schiff
mit einer handbreit Platz an den Kanten
passiert er das tödliche Riff

Keiner der zwölf harten Mannen
der nicht ein “ Vater Unser“ denkt
als man aus zwei der letzten Kannen
die geschund’nen Körper tränkt

Ein Augenschlag mit müden Lidern
länger dauert nicht die Zeit
liegt die See mit allen Gliedern
blank und glatt – unendlich weit

©ee

Bild von Walter Bichler auf Pixabay

Frohgemut.

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Frohgemut.

D es Lebens Tiefen kann nur meistern
wer immer auf das Schöne baut
die Zeiten auch schon mal koppeistern
wohl dem der dann auf Gott vertraut

laß Stürme nur vorüber ziehen
und sei gewiß – es geht vorbei
wie Schattenbilder stetig fliehen
wird auch der Himmel wieder frei

und hast du dann ‘ne freie Seele
Gedanken wachsen in dich rein
Töne kommen aus der Kehle
es klingt wie gold’ner Sonnenschein

du siehst das Dunkle nur von ferne
es kann dir nicht mehr Schaden sein
du merkst – du hast das Leben gerne
Bedrängnis wird plötzlich ganz klein

drum laß es als dein Leitspruch gelten
die Fröhlichkeit bestimm dein Herz
sind um dich ‘rum auch schwarze Welten
besiegst du damit jeden Schmerz.

© ee

Das Leben ist. .

https://pixabay.com/de/

Das Leben ist. .

D as Leben ist kein Pappenstiel,
kein Ponyhof, kein Schlotzer,
kein Traumgebinde, Zuckerschlecken,

kein Wunschkonzert, kein Honigpferd,
wir sind hier nicht bei : Wünsch dir was
und trotzdem macht das Leben Spass.

Drum such dir DAS was dich beglückt,
und find das Leben nicht bedrückt,
komm Baby mach` dich nicht verrückt.

Glück gibt es kaum zuhauf.
Erwart`, erhoff`, vertraue drauf,
nimm dir ein schmales Stück.

© Chr.v.M.

Wanderer…

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W anderer, es gibt nicht Weg
noch Stock noch Stein –
es gibt nur Sein.

Wanderer, es gibt nicht Erde,
es gibt nur Steg
der Ziel dann werde.

Geh’ nur hinüber – find’ das Leben,
das dir vom Schöpfer ward gegeben.
Tritt nur nicht fehl bevor’s erreicht,
sonst bist du schnell vom Tod gebleicht.

Liegst als Geripp’ an Weges Rand
mit gespenstisch’ knöchern’ Hand –
die nicht mehr greift, die nicht mehr packt,
weil gebleicht’ Gerippe nichts mehr zwackt.

© ee

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Rhythmus gespeichert.

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Rhythmus gespeichert.

Immer noch da.

Hüpfende Rhythmen aus
der Zeit gefallen.
Tonsetzer im Konzert
ein Fingertrommeln.

Woher das Zeitloses
in tiefen Tönen
geschraubt in die Stille ?
Drehe das Radio dunkler.

Nachhall im geschwängerten Cellobauch.
Hinter geliehenen Ohren
im Kopf die Tonwindungen
immer noch Herzoffen
mein Ich

zwischen Klangerlebten.

© Chr.v.M.

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Bild von Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay

thanks