Bild in der Nacht

Bild in der Nacht

Die Kerzen flackern, mich bedrängen Fragen.
Schwarzschatten zucken wild.

Sag, warum gingst du fort ohne Lebwohl zu sagen?
Mir blieb allein dein Bild.

Lächelst du? – Regst gar die Hand, die müde?

Komm doch – winkst du mir zu –
Mir ist so wohl, und alle meine Liebe –

Fliegt dir im Sturme zu.
Ein Martinshorn zerschrillt die Stille.
Vorbei – der Mond blickt schief herein.
Von irgendwo hör ich Rusalkas Lied –

Ich bin allein.

©Gertrud E.

GE 5.01.2012

das besondere Gedicht.

Meiner einer…

Lange hatte ich überlegt ob ich hier diese Zeilen setzen soll. Heute habe den Mut dazu. Meinen schwere Brustkrebs habe ich anscheinend überstanden. Frau fühlt sich irgendwie anders nach der Abnahme. Flach wie ein Bügelbrett bin ich nun. Doch nach der Chemo, danach schwerer Bestrahlung hat sich eine unheilbare Krankheit bei mir breit gemacht. Die freundlichen Ärzte hatten sich überlegt wie sie mir das erklären sollten. Nicht wissend das ich Jahrzehnte lang im Klinikbereich gearbeitet habe.

A L S klingt wie eine Talabfahrt. https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=a+l+s+krankheit

Noch dazu habe ich den schweren Verlauf. Höchstens drei zu erwartende Lebensjahre haben sie mir gegeben. Das erste halbe Jahr ist schon um. Magensonde, künstliche Ernährung, Sauerstoff habe ich bereits erhalten.

Da ich am PC – Laptop nicht alzu lange sitzen kann, werde ich hier immer weniger setzen. Meine 2. Seite ist hier zu finden.https://kurzzeitbegrenzt.blogspot.com/ dort stappelt sich Kurzgeschriebenes und meine fast täglichen Einträgen zum Tagesgeschehen. A m L imes S tehen beschreibt meine jetzige Situation ganz gut.

Ich bitte Euch von Beileidbekundungen Abstand zu nehmen. Jeder Mensch stirbt einmal. Ich bin nicht traurig und habe den Mut zu schreiben :

vielleicht schenkt mir das Leben noch ein klein wenig mehr Zeit… Christin von Margenburg

Horch, in der Luft…

Foto bei Gertrud Everding

Kraniche
Horch, in der Luft
dies Rauschen und Singen,
dies Rufen und Klingen!
Vielhundertfach naht sich
in schimmerndem Reigen
ein Kranichzug.

Spiegeln die Schwingen
im Silber der Wellen,
raschelnd und wispernd
raunt das Schilf.
Fluss hörst du? Sie kommen!
Hoch aus den Lüften
grüßt zu uns nieder
ihr klingender Schrei.

Hör noch lange ihr Rufen,
und Sehnsucht ergreift mich,
ich weiß nicht warum.
Auf der Koppel die Weiden
dort, mit knospenden Zweigen,
lauschen noch lange und winken
dem Kranichzug.©Gertrud E
.

Gertrud Everding
März 91 / Altmark

Das besondere Gedicht.

in Zeitlupe

in Zeitlupe

deine zeit betrachten
wie sie erblüht
während du ihr silben schreibst
mit zarten zerbrechlichen flügeln

nicht wissend:
wird sie mein schlafendes ohr
je erreichen
nicht wissend: wachen wir

ich halte mein seele
an orpheus reich
presse mich
durch tagesgestein zu dir

zeit die uns durchsichtig scheint
und kurz
um in vergrößerungen wieder

länger zu werden

diese zeit betrachten…

wie sie erblüht
und du buchstaben setzt
bis sie tanzen froh

vor meinen augen

sie dreht sich
dreht sich
auch heute

um das verlorene UNS .

© Chr.v.M.

das Problem mit der Aussprache …

Ein Hin und Her zwischen Jannes und seiner Oma –

oder das Problem mit der Aussprache …

Gottseidank hat Jannes seine Oma noch. Die Oma die ist aus seiner Zehnjahressicht wohl schon ganz schön alt, aber sie ist noch so was von Plietsch – und das besonders, wenn sie ihm wieder einmal gegen seinen altmodisch strengen Papa zur Seite steht, wenn der mal wieder sagt, dass früher, zu seiner Zeit, doch alles gaaanz anders gewesen sei. Denn guckt Jannes seine Oma nur immer mit einem Blick an, in dem ganz groß die Aufforderung zu lesen ist: Omaaaaaaa … nun sag Du doch mal was – DUUU als seine Mama, Duuuu bist doch schließlich dabeigewesen! Komischerweise kann seine Oma denn auch in ihrem eigenen Gesicht lesen – gerade so, als würde sie vor einem Spiegel stehen … und denn MUSS sie einfach die Sicht von Jannes Papa, die manchmal wirklich ein büschen verbogen ist, wieder ein wenig geraderücken. Genauso deutlich wie Jannes Oma in solchen Momenten in ihrem Gesicht lesen kann, genauso so deutlich liest sie Jannes oft vor. Seine Oma Plüsch, die kann das Vorlesen aber auch …

Sogar in Jannes Schule traut sie sich Geschichten vorzulesen – sie sagt, sie kommt sich dann immer so vor wie in den Jahren, in denen sie auf der großen Theaterbühne mucksmäuschenstill in der Muschel hockte und flüsternd den Schauspielern vor ihr auf der Bühne über ihre Hänger hinweghalf. Jannes seine Oma hatte nämlich ganz ganz viele Spielzeiten als Souffleuse am Schauspielhaus gearbeitet. Jannes kann daher auch schon verdammt gut lesen. Sein Lehrer, der Herr Blindfisch – nun lacht nicht so, er heißt wirklich so – hatte das letzte Woche vor der ganzen Klasse gesagt. Oma Plüsch übt aber auch regelmäßig mit ihm. Die beiden machen denn ein richtiges Rollenspiel aus den Übungen. Jannes Papa hat auf der großen Kopiermaschine in seinem Büro extra dafür ganz viele Geschichten vervielfältigt, so dass sie immer beide den gleichen Text vor sich haben, wenn Oma und Enkel in die Leseschlacht ziehen. Wie beim Fußballspielen – oder neeee …

Oma Plüsch spielt ja kein Fußball – wie beim Schachspielen geht es dann meistens Unentschieden zwischen den beiden aus. Nur manchmal macht Jannes sich einen Spaß und bringt Oma Plüsch beim vorlesen ins wackeln. Und zwar immer dann, wenn Oma beim vorlesen ihre Stirn kraust – dann weiß Jannes, dass gleich wieder etwas kommt, bei dem er eingreifen muß. Dann liest Oma Plüsch nämlich wieder „Neu Jork“ oder „Bubbelgum“ und wenn Jannes sie dann mit „aber Oma, dass heißt doch „Nju York“ und „Babbelgam“ unterbricht, dann murmelt sie auch schon mal – für Jannes Ohren nicht bestimmt – was von „ach wat, dat olle Pitschginenglisch“ vor sich hin, um gleich darauf- wieder für seine Ohren bestimmt – korrekt weiter zu lesen. Jannes Freude darüber, seine Oma in Punkto Wörter lesen nun endlich schlau gemacht zu haben, sollte aber nicht von langer Dauer sein, denn jetzt geschah etwas, was Jannes sich die Haare raufen ließ –. Oma Plüsch las ihm aus ihrem Tageblatt aus dem Bericht über die Neueröffnung einer Wurstbraterei den folgenden Satz vor: In dem rollenden Imbiß am Kartoffelacker kann der hangreigi Kandi neben anderem auch leckere Hämbörger und knackige Fränkforter gegen den Hangir bekommen. Jannes konnte nicht an sich halten –

Omaaaaaaaaaa, da steht doch der hungrige Kunde und Hamburger und Frankfurter geschrieben. Kannst Du denn immer noch nicht richtig lesen …©ee

ewaldeden

Fragen fragen …

Fragen fragen …

Was ist Alter
was ist Zeit
was ist fühlen himmelweit
was ist Herzens herzensflittern
was ist zitternd kniezittern
was ist pfirsich wangenglühen
was ist rosig rosenblühen

Alter ist Zahl auf Papier
Zeit ist nur der Welt Revier
Fühlen zeigt Du bist bereit
Dein Himmel leis
nach Liebe schreit
flittern macht Dein Wollen offen
zittern macht Erfüllung hoffen

des wangenglühen schöner Schild
malt rosenblühen in das Bild
der Seele Sehnen rahmt es ein
ich möcht Dein’s Glückes Maler sein

©ee

ewaldeden

Promille….

Promille …

Ein fließender Schatten
auf der Bank unter der Linde,
kaum ist er zu sehen
im schwindenden Licht.

Die seidigen Haare
umspielen im Winde
ein von Kummer und Leid
geprägtes Gesicht.

Das Liebste im Leben
wurd’ ihr genommen,
der Frau mit den glanzlosen Augen –
sie fragt immer wieder,
wozu soll ich noch taugen,
denn ihr Kind ist nicht mehr
von der Schul’ heimgekommen.

Ein Mann im Herbst seines Leben
hat es mit dem Auto erfasst.
Er hatt’ eine Feier gegeben –
weil an dem Tag er endlich befreit
von der beruflichen Last.

Vier Bierchen und drei kleine Körnchen
hatte er mit Kollegen getrunken,
zum Abschied ein Schnittchen
und ein süßes Hörnchen –
man hatte ihm fröhlich noch nachgewunken.

Es sollt’ eine Fahrt in die Freiheit sein.
Er hatte schon ganz klare Bilder
von seinem künftigen Leben –
doch plötzlich war da ein Schulmädchen, klein,
wollt’ eiligst nach Hause zustreben.

Es hatte vertraut auf die Schilder,
die Schilder am Wege
die er nicht gesehen, im Alkoholnebel,
und fuhr g’rad in das Kindlein hinein.

©ee

Ewald Eden.

Das Leben.

Das Leben.

Das Leben ist kein Pappenstiel,
kein Ponyhof, kein Schlotzer,
kein Traumgebinde, Zuckerschlecken,

kein Wunschkonzert, kein Honigpferd,
wir sind hier nicht bei : Wünsch dir was
und trotzdem macht das Leben Spass.

Drum such dir DAS was dich beglückt,
und find das Leben nicht bedrückt,
komm Baby mach` dich nicht verrückt.

Glück gibt es kaum zuhauf.
Erwart,erhoff, vertraue drauf,
nimm dir ein schmales Stück.

© Chr.v.M

Sinnenwelt …

Sinnenwelt …

Alle Welt fühlt Deinen Schmerz –
alle Welt spürt Dein Begehren
und sieht Dein lohend’ brennend’ Herz –
Dein Dich heiß nach Lieb’ verzehren.

Welt ertrinkt in blinkend Tränen
aus dem Quell des Liebessehnen –
trotzdem dürstet Welt so sehr,
daß tränenlos versiegt das Meer.

Nur der Unschuld grüne Auen,
nur der Liebe blühend’ Feld
läßt uns in das Leben schauen –
wie es vom Schicksal wohl bestellt.

©ee

zum Jahresausklang.

Immer wieder das gleiche Spiel …

Es hat doll geknallt,
die Luft wurd’ verpestet –
man hat laut gegrölt
und die Stimme getestet.

Die Böller sie krachten,
der Himmel wurd’ bunt –
die Leute sie lachten
und aßen sich rund.

So manches Fass Rum mußte dran glauben,
es klingt nur noch hohl, mit gar nichts mehr drin.
Dafür mancher Kopf gefüllt ist mit Schrauben,
die klappern und dreh’n sich so ganz ohne Sinn.

Manch‘ Magen der schaukelt wie Seegang bei Zehn,
man läuft onduliert mit querschrägem Gang –
und findet das Ganze dann auch noch so schön
wie einen angekokelten Wohnzimmerschrank.

Vom „guten Rutsch“ und von „Prosit Neujahr“
ist nicht mehr vieles geblieben –
man wünscht sich nur, daß der Kopf wieder klar
und ärgert sich, daß man es wieder mal stark übertrieben.

Beim nächsten Mal wird man genügsamer sein,
dann trinkt man mehr Brause und Wasser mit Gas –
und kommt garantiert nüchtern ins Neue hinein,
das schwört man sich fest ohn‘ Unter und Lass‘.

©ee

ewaldeden

Dezemberpost.

Geneigter Himmel

deine Blicke verwelken

kein Hoffnungsblatt

hängt mehr im Baum.

*

Schneeschwer brechen die Tage

durch Äste

die gekürzte Zeit taumelt

zwischen den Flocken.

*

Dezemberkalt trägt der Augenblick

unter eisigen Wimpern

den stillen Frieden

vor ausklingende Tage.

*

© Chr.v.M.