Nur STILLE.

Nur Stille

Es ist ja nichts im Weltenraum –
nur Stille – und ein süßer Traum
von Engelsflügeln strahlendschön.
Nur – hat sie niemand je gesehn.
Mit Deinen Ohren, Menschenkind,
da ist’s – wie nun mal Menschen sind.

Erst wenn gelöst du von der Erde –
dann hörst du selbst des Schöpfers -WERDE-

der nie vergaß, was er versprach.
Zur Seligkeit führt manches Ach.
Zum Singen bist Du ja geboren!
Kriegst dafür ganz besond’re Ohren
und eine Stimme, den zu loben,
der Liebe ist – hier unten und dort oben.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

Wo bist Du.

Ach Timmy, lieber süßer Schneck,
warum nur bist du von mir weg?
Ich kann nicht schlafen, weine nur –
Von dir, mein Schatz, gibt’s keine Spur.

Essen und Trinken schmeckt mir nicht.
Wo bist du nur? – Aus meiner Sicht
bist du entschwunden – einfach weg.
Sag mir – was soll’s? Wo ist der Gag?

Ich such‘ nach andern Männern schon,
doch krieg ich meistens nichts als Hohn.
Denn wer kocht so’ner alten Schnuppe
’nen Teller ‚gute Kartoffelsuppe‘?

Gertrud Everding
©Gertrud E.

Wilde See.

Wilde See

Wir fahren über die wilde See
Du und ich in einem winzigen Boot.
Solange ich deine Augen seh,
fürchte ich weder Sturm noch Tod.

Da kann ich rudern mit aller Kraft,
da lache ich über die Wellen.
Da weiß ich, dass ich es mit dir schaff,
dass wir nicht am Riffe zerschellen.

Doch fahren wir über das wilde Meer
und du lässt mich im Boot dann zurück,
dann gibt es für mich keine Wiederkehr.
Ich finde im Hafen kein Glück.

Verloren irre ich durch die Stadt,
such dich auf jedem Platze.
Weh dem, der keinen Menschen hat  –
wie eine verlaufene Katze.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

Hoffnung

Hoffnung.

O Traum, du Traum von Seligkeit und Glück,
warum bist du so jäh zergangen?
In blaue Ferne schweifte froh mein Blick,
nun hält die Finsternis mich fest umfangen.

Und schien doch Ahnung oft von dunkler Tage Tränen,
mir auch im frohen Lachen schon verborgen. –
Sag mir, wie lang währt nun das Sehnen,
wie lang die todesbangen Sorgen? –

Nur nicht zerbrechen, nicht verzagen,
die Sonne kehrt nach Sturm und Wolken doch dir wieder;
und du singst, wie in einst so lichten Tagen,
der Lerche gleich, zum Himmel schwingend, Jubellieder.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

Glaub es nur

Glaub es nur

Gib nicht auf, der Kampf geht weiter.
Lass nicht nach, das Ziel ist nah.

Wenn’s dunkel wird, fang an zu singen,
wenn du weinst, denk an die Freude,
die dein Leben einst beschwingte.

Die Dunkelheit, sie wird nicht bleiben,
glaub es, glaub es nur!

Es kommt der Morgen,
da geht auch für dich die Sonne auf.

Gertrud Everding
©Gertrud E.

morgendliche Falkenflüge.

morgendliche Falkenflüge.

Silbergraue nebelfäden
scherbengrün der zauberwald

in den frühen morgenlüften
murmeln gnomgestalten wünsche

falter taumeln, feen schweben
mondglanz noch in ihren haaren

und sie heben nachtversunken
in den zarten flügelarmen

schaumgeschlagen ihre träume
dem erwachten tag entgegen

schillernd bunte morgenmünder
blasenblubbernd traumverjagend

mit dem rauschen, mit dem winde
tragen sie uns wie ein kinde

ein stück hoffnung an das leben
mit den lippen zart entgegen.

© Chr. v. M.

Ausklang

Ausklang.

weißgold als würden birken blühen
im glitzergrau dampft das verstehen
mit impressionen des vergehens

und sanft wenn sich der himmel wölkt
und unsre welt sich neu bestellt
mit blattsilber vor nebelbänken

wenn gott den tag
will uns beschenken
als arbeitslohn vor traktorspuren

bis abends langsam unversehens
der himmel rot glüht und ein klang
den abschluss bildet mit gesang

der vögel nachtlied bleibt zum abschied
ausklingend nur noch die konturen


weißgold

als würde der mond neu glühen.

© Chr.v.M.

du sagst.

du sagst

sie haben die sonne zerschlagen
hinter dem rücken der eltern
vor deinen augen brannte die hölle
und in dir tastet das herz
nach hoffnungsland

du weinst, sagst du

die tränen der vielen
sie öffnen nur keinen himmel
schwemmen die ängste über unbekanntes
mit verschlossenen lippen
klagelieder werfen auf die not zwischen vielen

gib mir hoffnung ,
sagst du
und ich zerbreche
neben dir
verantwortungs schwer…

© Chr.v.M.

Frühling

Eines abends trug der Wind
den Frühling an das offen Fenster
leise hatte sich der Tag
mit Blütendüfte gefüllt
sacht noch und vorsichtig
in Farben gehüllt,
das der Mond sich verneigte
und voll vor Verlangen
sich schmal vornüber beugte
seitdem hängt am Sichelmond
die Ewige Wiederkehr sichtbar
uns Menschen
zwischen dem Sternenlicht.

© Chr.v.M

Eisblumen….

Eisblumen

Else, wo bist Du?‘ – Eine Stimme – so bang –
Er lächelt – ‚Else, wo bleibst Du so lang?‘ –
Doch da ist nur sein Kind – Eis an Fenstern und Wänden –
und Hunger – wird denn das niemals enden?

Sie kommt nicht mehr – Else kehrt nie zurück.
Nur schwarze Erde – vorbei das Glück.
Es blieb nur der Tod – und kalter Wind.
Frühling – wie war er einst grün und lind –

Eisblumen am Fenster künden von Not –
Doch das Leben siegte, und es gab wieder Brot –
Vorbei das Elend – klangen da nicht schon Lieder?
Der Frühling kam, das Leben blieb Sieger.

Das Kind ward zur Frau – im Sommerreigen
die Jahre rankten – mit Blütenzweigen.
Eisblumen – sie lächelt, sieht an ihr Kind:
Schau – Eisblumen gibt’s nur im Winterwind.

Gertrud Everding
©Gertrud E.