wer meint …

Wer das Bedürfen hat ständig zu siegen,
wer meint, immer der Erste zu sein –
wer glaubt, er könne die Welt sich hinbiegen,
der fällt am End’ auf sich selber nur rein.

Wer handelt als könne er Alles erreichen,
er müßt’ nur genügend rücksichtslos sein
und jeglich’ Moral im Sinnen streichen,
der steht irgendwann völlig allein.

Denn „Schöpfung“ ist wachsam, doch auch geduldig,
registrieret empfindsam was Menschlein ihr schuldig –
und wenn er nicht pünktlich die Raten begleicht,
sie ihm den vollständig’ Schuldtitel reicht.

Dann ist Recht auf Leben ganz schnell verwirkt,
dann gibt es kein Wenn und kein Aber –
dann bleibt nur Gestehen, dass alles getürkt –
alles andere ist dann nur noch Gelaber.

©ee

ewaldeden2016-11-12

Mission Frieden

Mission Frieden

Die Annegret, die Karrenbauer
sagt’s wieder einmal nicht genauer
wie sie es mit der Wehrmacht hält
und wo sie sie gern hingestellt.

In Afroasisch Wüstensand
schon einmal deutsches Feldgrau stand –
hat auch dem Land nicht viel genützt,
noch irgendwo etwas beschützt.

Mit ihrem lispelnd spitzen Mund
tat sie der Welt die Notwend’ kund
dass uns’rer Bundesdeutschen Wehr
das Befrieden dort fiel gar nicht schwer.

Sie kennte sich in sowas aus,
wär’ doch befähigt von zuhaus
könnt’ doch in Bütten närrisch reden
hätt’ klassisch Draht sofort zu jeden

rücksichtslosen Weltvernichter
und verstünd die Sprach der Kriegsberichter

© ee

ewaldeden2019-10-22

In jedem Menschen

In jedem Mensch steckt ein Poet
man weiß nur nicht in welcher Ecke
drum sollt’ man suchen hier und da
sollt’ kein Kämmerchen vergessen

weil irgendwo im dunkeln steht
wohl unter stark verstaubter Decke
ein Text der längst vergessen war
geschrieben zu profanem Zwecke

holt man ihn dann ans helle Licht
und bläst einmal recht kräftig
sieht man wie er die Sonne bricht
und leuchtet bunt und heftig …

©ee

Eine Antwort …

Eine Antwort …

I ch nannte ein Haus
voller Bücher mein eigen
es waren Vielhunderte an der Zahl
doch wie es nun einmal so ist –

man kann im Leben
dieses und jenes vergeigen
jetzt sind um mich die Wände sehr kahl
das „Wortvoll“ der Bücher
ist nur noch im Kopf

mir schwant was von Blücher
und manch’ anderem Tropf
das denken an Heine und Schreiberkollegen
wie Busch mit Max und Moritz oder Storm

mit seines Schimmels Reiter
bestärkt mich enorm
drum mache ich weiter
und halt mich in Form

reih’ Buchstab’ an Buchstab’
zu Worteskapaden
laß’ Mädchen und Knab’
im Sonnenlicht baden

trete in manch kalten Wintern
oder tief drinnen in nächtlicher Nacht
auch wohl Politiker in den Hintern
wenn sie mal wieder Verderben gebracht

laß wirken die Schönheiten heiler Natur
geißel das schädigend’ Tun vieler Täter
bleibe wie Terrier auf verräterisch’ Spur
oder nenne das Leid vieler Väter

verschließe nicht Auge, nicht Ohr und Gefühl
lasse Dinge sich drehen und wenden
laß`mich nicht irren von Menschens Gewühl
und hoffe mein Tun wird noch lange nicht enden …

© ee

https://pixabay.com/de/ thanks

Probeliegen

Probeliegen

Vor Tag und Tau meldete sich heute Morgen bei mir das Telefon. Na, ja …  sooo früh war es nun auch wieder nicht. Manchmal übertreibe ich gern ein wenig in meiner Erzählerei.

Ich hatte zumindest meinem Frühstücksei schon den rechten Weg gewiesen, als das Technikwerk zu jaueln anfing.

Ich habe mir blitzschnell den Sprechknochen geschnappt, um den Radetzkymarsch abzustellen, den mir ein freundlicher Zeitgenosse vor einiger Zeit als Rufmelodie aufgespielt hatte.

Es hätte sonst nämlich gut sein können, dass meine Nachbarn mit Kind und Kegel an die Strasse geeilt wären – in der irrigen Annahme, dass eine Militärkapelle durch die Strassen der Stadt marschieren würde, um Soldaten für den Einsatz in Afghanistan anzuwerben.

Man weiß ja nun wirklich nicht genau, wie das Volk auf die jüngsten Sparfoltermaßnahmen der schwarzgelben Regierungsschwestern in Berlin reagieren wird.

Besonders weil ja den Hartz IV Eltern das Elterngeld gestrichen wird – und die Minibeitragszahlungen für die Hartz IV Schmarotzer an die Rentenkassen komplett dem Rotstift zum Opfer fallen sollen.

Diese drakonischen Zwangsmaßnahmen könnten doch passabel durch ein Handgeld aus der Kriegskasse ausgeglichen werden. Denn – für Krieg und Finanzverbrechen sind doch noch alle Zeit Gelder ohne Wenn und Aber  zur Verfügung gestellt worden.

Das ganze Geschehen hätte aber ja noch einen entscheidenden positiven Aspekt, der von den Experten an der Spree ganz sicher auch schon in Erwägung gezogen wurde – wenn die faulen Hartz IV Leute an der Front sind, dann können sie in der Zeit in ihren Lotterbetten in der Heimat ja keine Kinder zeugen. Vielleicht können sie dann auch überhaupt keine Kinder mehr zeugen – immer frei nach dem Motto: Kinder gegen Eichenholzkisten.

Nun hat mich aber das politische Ungetue der Regierungsschwestern in der Reichshauptstadt ganz von meinem eigentlichen Erzählen abgebracht. Also – als ich den Draht meines Feldtelefons freigeschaltet hatte, kullert mir die Stimme einer guten Bekannten in den Gehörgang – ich mag nicht sagen Freundin, denn dann könnten die Leute sich wohl etwas anderes darunter vorstellen. Nach zweimal Moin und leichtem hin und her erzählt sie mir, dass sie mich nur kurz davon unterrichten wolle, dass sie mit ihrer Freundin – mit der ich auch wiederum gut bekannt bin – für drei Tage nach Paderborn zum „Probewohnen“ in eine Residenz nur für alte Menschen fahren würde.

Plötzlich und zumal hatte ich einen trocknen Hals angesichts dieser Verkündigung. Dann schoss mir aber doch in den Sinn, dass ich ja nun auch nicht mehr zu den Jüngsten zähle – und dass ich letztens doch einen Friedhof besucht und gedacht hatte, dass ich auf diesem Gottesacker nach meinem Ableben wohl meine letzte Ruhe finden möchte. Nun überlege ich doch allen Ernstes, ob ich mir an den beiden Frauen nicht ein Beispiel nehmen und an dieser Stelle auch schon mal drei Tage Probeliegen sollte.

©ee

selbstverständlich auch in PLATT

https://christinvonmargenburg.blog/schrievhuus/schrievhuus-poesie-erzaehlungen-liedtexte2/

Karel Gott – ein Erinnern oder ein ehrlicher Nachruf …

Diese Erinnerungen bleiben . . .

Durch die vielen Musiksendungen und Rückblicke während der „stillen Tage“ bis zum Jahresende rückte so manche eigene, alte Erinnerung wieder in den Vordergrund des Empfindens.

Stars und Sternchen von gestern wurden wieder lebendig. Eine große Zahl von ihnen weilt noch unter uns – andere davon bedeckt schon lange Zeit der grüne Rasen. Einige erfreuen noch heute die Menschen mit ihren Fähigkeiten – bei der weitaus größeren Zahl der Interpreten der Vergangenheit musste man aber erst den Staub des Vergessen fortblasen.

Dabei kommt es häufig darauf an, auf welche Weise man die jeweiligen Erinnerungen eingelagert hat. Kleine Begebenheiten am Rande sind dafür oft ausschlaggebend gewesen.

Das wurde mir wieder einmal deutlich gemacht, als in einer Jahresendabendsendung die „goldene Stimme aus Prag“ – wie sie zu ihrer prominenten Zeit häufig benannt wurde – erklang.

Eine Freundin, die mir am Teetisch gegenübersaß, war sichtbar angetan von den Klängen aus dem Lautsprecher.

Verwunderung über meine Nichtbegeisterung schwang in ihrer Frage mit:

Machst du dir nichts aus der Musik von Karel Gott?

Verwunderung wohl, weil sie von mir wusste, daß ich gute Musik und schöne Stimmen zu schätzen weiß.

Es hatte mich erwischt – nicht meine Freundin mit ihrer berechtigten Frage, sondern das Lied und die Stimme von Karel Gott.

Ein Bild von 40 Jahre zurück wirbelte durch mein Empfinden, und machte die zweifellos eingängige Stimme für mich schrecklich ungenießbar.

Es war Anfangs der neunzehnhundertsiebziger Jahre.

Der kalte Krieg befand sich noch in seiner heißen Phase. Mitten durch Europa zog sich der eiserne Vorhang.

Durchlässig war er zu der Zeit nur für wenige auserwählte Getreue, die ungehindert in beide Richtungen hindurchgehen konnten – oder durften.

Diejenigen Zeitgenossen welche ungehindert hindurchgehen konnten, waren in der Regel Politiker aller Couleur. Die, welche ungehindert hindurchgehen durften – das waren hochrangige Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler oder auch Künstler.

Ohne Zweifel bezahlte ein Teil von ihnen die Reisefreiheit mit Angst und Sorge um ihre nächsten Angehörigen, die ja fast immer als Pfand auf der östlichen Seite zurück blieben.

An der Art und Weise, wie sie sich dann auf der westlichen Seite des Eisernen Vorhangs verhielten ließ sich leicht erkennen, zu welcher Kategorie Mensch sie zählten.

Zu diesen Reisebegünstigten gehörte auch der tschechoslowakische Sänger Karel Gott.

Für die damaligen Machthaber in der Tschechoslowakei war er eine ergiebig sprudelnde Devisenquelle. Auftritte in geldharten Ländern bestimmten sein Leben. Der heimische Alltag in Prag – mit den Nöten der kurzgehaltenen Bevölkerung – spielte da wohl nur eine untergeordnete Rolle.

In einer Nobelherberge an der Düsseldorfer Königsallee verdiente ich in den Jahren eine zeitlang meine Brötchen.

Die Lieder von Karel Gott bedeuteten mir sehr viel – bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich den Sänger mit der goldenen Stimme persönlich kennenlernte.

Das ‘Hotel Münch an der Kö’ hatten die Manager des begnadeten Sängers während seiner Auftritte im Rheinland jedesmal für ihn als Standquartier auserkoren.

Das Haus war ebenso gediegen wie teuer. Die Herberge war der Stimme angemessen.

Die Zimmermädchen im Hause stammten fast ausschließlich aus Ländern der ‘Warschauer-Pakt-Staaten’ oder aus dem „neutralen Jugoslawien. Allesamt waren sie freundlich, hilfsbereit – und ebenso schlecht entlohnt wie ihre deutschen Kolleginnen. Bei ihnen hatte das westliche Geld allerdings einen anderen Wert, da sie in ihren Herkommensländern für eine gleiche oder vergleichbare Tätigkeit noch sehr viel weniger Lohn bekommen hätten.

Das soll kein Vorwurf an die Adresse meines damaligen Arbeitgebers sein – die Gastronomietarife waren eben so.

Aber gerade diese Mädchen vergötterten „ihren“ Karel Gott als ein Stück Heimat – als ein kleines Stückchen Traum von Freiheit und Wohlstand.

Es verging kein Tag, an dem nicht ein Hauch von Verehrung in seiner Suite hoch über der Königsallee zu finden war. Es waren meist Gegenstände, die sich die jungen Frauen vom Munde absparten, für die sie dann auf manches andere – vielleicht lebensnotwendigere – verzichteten.

Ich habe aber nicht ein einziges Mal während all der Jahre von dem, großen Karel Gott’ eine kleine Geste des Dankes an sie bemerkt.

Ein eigennütziges, kaltes Herz wandelte durch die westlichen Geldpfründe.

Diese Kälte hat meine Begeisterung für die goldene Stimme aus Prag damals eingefroren.

In diesem Zustand ist sie bis heute geblieben – trotz aller gesellschaftlichen und politischen Veränderungen der letzten Jahre.

Diese Erinnerungen bleiben!

© ee

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