Die Welt.

Die Welt

Die Welt sie ist nur Schall –

die Welt sie ist nur Rauch,
und übelriechend ist sie auch.
Stellt sich oft schellackglänzend dar,
geschmückt mit fremder Häupter Haar.

Surft um die Erd‘ auf machterheischend‘ Kufen
durchbrettert Wänd‘ und überwindet Stufen.
Es stört sie nicht die Klag‘ der Opfer Massen,
sie prostet sich – man kann‘s nicht fassen –

sich selbst noch hochzufrieden zu.

Was soll aus einer Welt nur werden
die fern von jeglicher Moral
des Teufels Werk verricht‘t auf Erden
und Menscheit führt ins Jammertal …

©ee

2021-09-10

Hast du schon mal ???

Hast du schon mal deine Grenzen geseh’n
die Mauer des Könnens gespürt
kannst Leben aufrecht nur besteh’n
wenn die Seele deine Taten führet

Jeden Tag im Gesternlicht
sollt’ man wiederholen können
ohne das Charakter bricht
ohne das die Sünden brennen

Das Wollen dehne weiter aus
wie deine Kräfte reichen
dann kommt kein falscher Zug ins Haus
und links und rechts sich gleichen

© ee

nimm dich der alten Menschen an.

Wenn Menschen sich sehnen zueinander
der eine mit eiskalt liebendem Herz
dann ist es ein blühendes Miteinander
so ganz ohne Wärme – doch mit viel Schmerz

Die Menschenkinder sind wie Blumen
die im gleichen Garten steh’n
die eine lebt in Schattenkrumen
die andere auf Sonnenhöh’n

Die Schattenblume – altersschwach
steht schon auf welkem Stiele

ist der Sonnenblume Ungemach
in ihrem Lebensspiele

Wenn ihre Samen dann getrieben
zu neuem Sonnenblumenbild
merkt sie – sie wird zurückgeblieben
kann protestieren noch so wild

Die Blume folgt dem Schöpfungsplane
der Mensch sollt’ denken – dann und wann
uns manchmal das Gewissen mahne
nimm dich der alten Menschen an
.

© ee

Nachgedacht.

Es wanderten die Jahre durch Jahre
es raste Zeit durch die Zeit
hinterließen schmerzlich klare
Bilder der Vergangenheit

man hatte nicht Zeit zu betrachten
die Gegenwart während der Fahrt
es rächt sich wenn wir nicht achten
was Zeit im Zeitlauf um sich scharrt

es sind anfangs ganz kleine Dinge
wie Samenkörnchen im Grund
sie ziehen Kreise und Ringe
sie schleifen eckiges rund

der Unwille Köpfe zu drehen
zur Seit’ und nach hinten zu schau’n
läßt vieles einfach geschehen
läßt unrecht Tun Berge aufbau’n

bis dann die Woge des Meeres
den Kamm ihrer Höhe erreicht
und Menschenwerk einfach wie leeres
Strandgut von ihrer Liste streicht
.

©ee

Was ist es

Was ist es
das Frieden zur Hölle gemacht

was ist es
das Sonne verdunkelt

was hat die Moral
um die Ecke gebracht

was ist es
das trügerisch funkelt

es sind des Geldes Hohepriester
es sind des Teufels Saufkumpane

es sind der Mächtigen
kriechend Philister

es sind die Herren
hinter der Fahne

die Herren in den weißen Bauten
die Hüter purer Menschlichkeit

die stets und immer die verhauten
die nicht zum Mittun war’n bereit

es sind die Herren Friedensengel
die mit der Lunte in der Faust

in Wahrheit
sind es schlimme Bengel

vor denen
selbst dem Herrgott graust …

© ee

die Freude.

Der Norden fühlt sich höchst geschmeichelt
wunderschönes ist geschehen
ein Berliner Kind hat ihn gestreichelt
man kann bei Allen Freude sehen

mitten ins Berlins Getreibe
stand ihre Wiege annomal
es wurde für sie keine Bleibe
sie zog in irgendein Hessental

dort fand sie täglich Brot zum Leben
doch mehr, nein – mehr das fand sie nicht
niemand konnt’ es ihr dort geben
sie sehnt sich nach des Nordens Licht

sehnt sich nach des Nordens Weite
sie ’misst der Sprache warme Töne
sie möcht’ das sich die Seel’ ausbreite
und in sich aufnimmt all das Schöne …

©ee

Himmelhoch.

Der Mensch baut Häuser himmelhoch,
und immer noch ein Stückchen höher –
mit jedem Stockwerk kommt er doch
dem lieben Gott ein wenig näher.

Ich denke mir es wäre schön
für alle Kinder dieser Welt,
ganz oben aus der Bell-Etage
mal in den Himmel reinzuseh’n.

Mal mit den Engeln Kopfstand machen,
wenn sie nicht grad beschäftigt sind,
mit Petrus über Witze lachen
die man so hört im Himmelswind.

Doch nichts von dem wird je geschehen,
weil nur die Reichen dort verkehren –
die immer nur sich selber sehen,
und sich ’nen Dreck um andere scheren.

©ee

Es wird ungemütlich herbstlichkühl

Es wird ungemütlich herbstlichkühl

im nußgebeizten Chorgestühl –
an Stirneswand, zur linken Hand,
der Beichtstuhl still sein Dasein fristet,
in dem der Pope Sünden listet.

In ungeheizter Sakristei
spricht Ministrant die Sünder frei –
und auf den harten Kirchenbänken
die Schäfchen sich den Steiß verrenken.

Das Weihwasser im Fingerfaß
macht der Geweihten Finger naß –
und über allem groß’ Frohlocken
hört man laut der Kirche Glocken

die sonntägliche Ruh’ zerteilen –
um auf Schalles Wellen fortzueilen.

© ee 2005

kein Leben besteht ohne heftigen Wind…

Ihr hattet euren Garten gefunden
einen Garten mit blühenden Bäumen
die Zukunft – sie war schon fest eingebunden
in euren täglichen Träumen

am Zaun da hingen herrliche Bilder
mit Plänen bedruckt und sonnenbestrahlt
es waren für euch wegweisende Schilder
ihr hattet darauf euer Leben gemalt

ein einziger Windstoß aus tagblauer Leichte
zerstörte dies friedliche Bild
er war nur sehr kurz – doch er reichte
um fortzureißen den schützenden Schild

jetzt stehst du allein in fröstelnder Kühle
deine Seele vermisset den Umhang
du siehst nur deine zersplittert’ Gefühle
und glaubst nicht an neuerlich Anfang

bleibe nicht steh’n inmitten der Scherben
verschließ nicht die Augen
als wärest du blind
zum Sein gehört nun mal ewiges sterben

kein Leben besteht ohne heftigen Wind

© ee 2005

Erschreckend …

Erschreckend …

Durchs Land weht ein eiskalter Wind
er läßt die Gemüter der Menschen erschauern
streift Junge, streift Alte
streift Mann Frau und Kind

wie lange, wie lange wird er wohl noch dauern

Die Opfer sind ’scheinend mit Blindheit geschlagen
der Eiswind hat ihnen scheint’s Taubheit beschert
nur so wird ohne sinnloses fragen
das Verhalten der Wähler am Wahltag erklärt

nicht willig zu sehen
was mit ihnen geschieht
nicht fähig das Unrecht zu wehren
singt man der Peiniger schauriges Lied

hilft Untieren Untiere zu gebären

© ee 2005