Wir können…

W ir können sehen, hören, fühlen, schmecken,
wir können viele Dinge greifen –
wir müssen nur die Welt entdecken,
und sinnwach durch das Leben streifen.

Ob es der Schmetterlinge Lachen,
ob es der Wolken sinnlich ziehen,
oder der Blitze Donnerkrachen
in hoher Luft zu Bild gediehen.

Wir hör’n der Bäume Äst’ sich biegen
wenn Lüftes Braus’ sie übermannt
wenn Sturmes Händ’ sie heftig wiegen
in Abendsonnens rötlich’ Brand.

Wir hör’n der Vögel Zweiersprach
mit dem Schöpfer uns’rer Erden,
und lauschen ihnen ganz gemach
im Hoffen auf das rechte Werden.

Wir hör’n geformte Steine wispern
in festgefügtem Mauerwerk
wie sie belustigt flüsternd knispern
über erhaben dünkend Menschenzwerg.

So rat’ ich nur dem Wind zu lauschen –
was er auf seinen Schwingen trägt,
wenn Wolken sich am Himmel bauschen
und Gottes Hand die Erd’ bewegt.

©ee

©ee

zimmer 11

zimmer 11

Sie hetzen die zeit durch regennasse strassen, nur das rauschen
klebt an der türklinke von zimmer 11.

Hier atmen verlegen die stunden kippen in graublau
lichtbündel durch das hohe fenster, die sich tanzend
in stummen bücherregalen verfangen
bis sie ermüdend, breitbeinig – als schatten – auf meiner bettdecke landen.

Sie hatte diesen punkt geklebt unsichtbar haltbar.dort
wo der stukk als blütenrandrose in die decke sich einband um
kichernd sich in zarten wölbungen wieder aufzuwerfen. fast trotzig
dann in gelbgewunden. augenmüde beobachtung und harren , wortloses verstehen.

da saß sie bewegungslos erstarrt von meinem bestaunen.im unbeobachteten moment dieses zarte drehen einer schlittschuhläuferin – sekundenatmend .

Dann schleuderte sie wie ein band den seidigen faden hinter sich –

wölbte ihren bauch wie eine schwangere und tanzte auf dem dünnen seil


in atemloser schönheit.© Chr.v.M.