Plötzlich brach ihre Welt zusammen …

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Plötzlich brach ihre Welt zusammen …

E in junges blühendes Mädchen erfreute sich an ihrem Leben. Sie konnte wohl nicht so gut hören wie andere, vielleicht – aber was machte das schon.

In ihrer frühen Kindheit hatte sie durch irgendeinen Umstand eine Gehörschädigung erlitten, die zu spät erkannt wurde. Wie so vieles in unserer Gesellschaft zu spät erkannt wird.

Das lernen in der Schule ging, als Folge davon, bei ihr etwas langsamer voran. Nicht daß jetzt gleich jemand denkt, sie wäre durch diesen Umstand schwer benachteiligt, oder gar geistig behindert – weit gefehlt dieses Denken.

Bei ihr lief das begreifen nur etwas langsamer ab. Und wie es so ist im Leben, was langsamer und bedächtiger vor sich geht, das gerät auch nicht so leicht ins stolpern.

Andererseits blieb ihr sicherlich so manche Unbill dadurch erspart. Der Straßenverkehr erschien ihr nicht so laut – die Flugzeuge vom nahen Düsseldorfer Flughafen lärmten für sie weniger schrecklich, und wer mit ihr redete, der sprach dann eben ein kleines bißchen lauter – wenn es sein mußte. Meistens mußte es nämlich gar nicht sein – denn mit dem verstehen der leisen Töne hatte sie seltsamerweise überhaupt keine Schwierigkeiten.

Die Großeltern, bei denen sie aufgewachsen war, und die sie auch jetzt noch begleiteten – und halfen, wenn sie mal irgendwo nicht so leicht mit klar kam – die wussten das. Ihre Freunde, und die Freunde der Familie, die wussten das auch.

Nur die Mitarbeiter des Jugendamtes – die ständig im Hintergrund herumfuhrwerkten, die wussten das scheinbar nicht. Brauchten sie aber auch nicht zu wissen, denn sie war ja bei ihren Großeltern gut aufgehoben.

Irgendwann am Ende ihrer Jungmädchenzeit verliebte sie sich in einen jungen Mann. Was ja ganz natürlich ist. Es erging ihr genauso, wie es anderen jungen Frauen auch ergeht. Die Liebe fragt nämlich überhaupt nicht danach, ob jemand gut, oder nicht so gut, hören kann – sie kommt sowieso auf leisen Sohlen daher. Sie macht auch keinen Test, ob derjenige, den sie glücklich machen will, den Namen des dritten Kaisers von China kennt.

Mit siebzehn wurde sie schwanger. Was auch natürlich ist, wenn Menschen zweierlei Geschlechts sich lieben. Ihren achtzehnten Geburtstag feierte sie gemeinsam mit ihrem Liebsten, mit ihrer Familie, und mit dem werdenden Leben in ihrem Bauch. Alle freuten sich mit ihr auf den Nachwuchs. Es war der schönste Geburtstag in ihrem Leben.

Zumal ja an diesem Tage das Jugendamt sich sein Mitspracherecht an ihrem Leben sich irgendwo hinstecken konnte. Wobei man sich manchmal fragt, ob das „Jugendamt“ überhaupt so etwas hat, wo es sich solche Dinge hinstecken kann.

Na, das ist ja auch egal. Auf jeden Fall müssen die Amtsleute über ihren „es zu sagen haben“ Verlust ganz schön wütend geworden sein – denn, was sie dann taten, ist nicht anders zu erklären, als das sie vor Wut blind waren.

Oder waren sie vielleicht doch nicht blind, sondern nur ein ganz klein wenig den Talern zugeneigt, die verzweifelte kinderlose Ehepaare schon mal einfach irgendwo so herumliegen lassen? Das ist nicht zu glauben, weil sie doch dem Wohl der Kinder verpflichtet sind, meint ihr?

Da drängt sich denn doch so spontan die Frage auf, welcher Kinder Wohl sie wohl im Auge haben.

Die Eile, und die Art und Weise, in der sie sofort nach der Niederkunft und Entbindung, der nun volljährigen Mutter, zu Werke gingen, läßt so viele Deutungen zu, wie in einem Versandhauskatalog Artikel aufgeführt sind.

Drei ganze Tage schien für die junge Mutter und ihrem Sohnemann die Sonne. Mit ihrem Sonnenschein in den Armen wollte sie am dritten Tage heim zu ihren Großeltern, damit sie sich alle gemeinsam an dem hellen Licht erfreuen konnten.

Am Morgen der Entlassung von der Wöchnerinnenstation ließ der zuständige Arzt plötzlich Nebel auf die strahlenden Gesichter fallen.

Sie könne ihren Sohn nicht mit nach Hause nehmen – er habe Gelbsucht. So hieß es. Die würde bei Säuglingen schon mal auftreten.

Nur Stunden später entpuppte sich die Krankheit aber als etwas ganz anderes.

Am Wöchnerinnenbett, in der Klinik, erschienen amtsab-gesandte Herolde in ihren noblen Trachten, und verkündeten im Namen des Volkes die Beschlagnahme des Kindes, und die Zuführung in andere Hände.

Die „anderen Hände“ waren praktischerweise auch gleich anwesend. Als wenn man vorsichtshalber vorher noch sehen wollte, was man sich einhandelte. Wer kauft schon gerne „die Katze im Sack“?

Was nicht anwesend war, oder der jungen, volljährigen Mutter nicht ausgehändigt, oder zumindest gezeigt wurde, das war ein obrigkeitlicher Beschluß – eine Anordnung, oder dergleichen.

Dazu ließen sich die Herolde erst Tage später herab. Denn – wer ist man denn!

Einen Handel schlugen die amtlichen Herolde seltsamerweise aber doch noch vor: Wenn die junge Mutter sich mit ihrem Kind gemeinsam in ein Heim begäbe, dann würde man von der Wegnahme absehen, man handele schließlich stets menschlich.

Sogar eine geistig Behinderte sollte das erkennen können. Halleluja!

Sie müsse sich allerdings auf der Stelle entscheiden, weil im Hintergrund die „anderen Hände“ schon ungeduldig herumtrippelten

Sich so spontan zu entscheiden, das könne doch nicht so schwer sein, auch wenn sie das Heim nicht kennen würde – der Richter hätte ja auch auf der Stelle entschieden, obwohl er sie und ihre Lebensverhältnisse überhaupt nicht kenne.

Eine äußerst einleuchtende und treffende Logik, nicht wahr.

Und sowieso – eine Mutter die nicht gut hören kann, die stellt automatisch auch eine Gefahr für ihr Kind dar. Das weiß doch jeder Anfänger in Sachen Sozialarbeit.

Wenn man diese einfache Regel nicht strikt befolgen würde, dann hätten viele Amtsherolde bald nichts mehr zu tun…

… und irgendwie müssen die Heime doch auch voll werden.

©ee

Die Geschichte der Mama O. – die Fortsetzung …

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Die Geschichte der Mama O. –

die Fortsetzung …

E in gutes halbes Jahr ist verstrichen, seitdem die Straßburger Richter des EuGH die Beschwerde der Mama O. gegen Deutschland zur Entscheidung angenommen haben. Das ist keine Zeit über Gebühr, und eine Entscheidung in der Sache wird auch noch ein Weilchen auf sich warten lassen, denn der EuGH kann die Flut der Klagen und Beschwerden, die auf ihn zukommen, fast nicht mehr bewältigen. Es ist, besonders in Deutschland, schlecht bestellt um die Gerechtigkeit gegenüber den Bürgern. Trotzdem sollte jeder Betroffene diesen letzten Schritt wagen, und das europäische Gericht anrufen. Der Bescheid, ob der Gerichtshof eine Beschwerde als verhandlungswürdig betrachtet, läßt in der Regel nicht lange auf sich warten. Im Falle einer positiven Nachricht heißt es dann allerdings, sich in Geduld zu üben. Die Hoffnung ist da aber eine kräftige Hilfe. Soviel zu dem Grundsätzlichen.

Fernab in Straßburg – im europäischen Mekka der Gerechtigkeit – hat sich also in der Sache der Mama O. erkennbar noch nichts getan.

Nahbei in Friesland – in der Hochburg der Leichtentscheider hat sich hintergründigvordergründig aber so einiges bewegt.

Vermutlich hat man im Südwind geschnuppert, daß sich im Elsaß etwas tut.

Das Verhalten der Heimangestellten, der Mama O. gegenüber, änderte sich spürbar. Plötzlich war sie nicht mehr nur noch Luft, sondern wurde beachtet, und sogar nach ihren Wünschen gefragt.

Als nächstes wurde ihr vom Gericht zur Kenntnis gegeben, daß ein Wechsel in der Betreuung stattgefunden habe.

Der Berufsbetreuer, mit dem Hang zum Bastagebaren, war wohl doch nicht das Wahre gewesen.

Das Gericht hätte zum Wohle des Betreuten eine persönliche Betreuerin bestellt.

Sieh einmal einer an.

Mama O. hat sich dann gedacht, wenn Hausfrau Klärchen Meyers Fähigkeiten zur Betreuung meines Sohnes ausreichen, dann werden es meine Fähigkeiten als Mutter doch auch wohl sein.

Also stellte sie erneut einen Antrag auf Rück- oder zumindest Teilrückübertragung der Betreuung für ihren Sohn.

Ihr Antrag an das Gericht bewirkte eine Einladung, zu einem Gespräch mit der Leiterin des Betreuungsamtes, weil der Richter, der inzwischen auch ein anderer war, den zuständigen Landkreis zu einer Stellungnahme aufgefordert hatte.

Es war deutlich zu erkennen, daß die Einladung nur darauf gerichtet war, die Mama O. zu bewegen, ihren Antrag zurückzunehmen. Wörtlich klang das so: „Liebe Frau O., es wäre für Alle das Beste, wenn sie ihren Antrag zurücknehmen – dann brauchen wir auch keine Stellungnahme zu verfassen.“

Wie schön, habe ich da nur gedacht.

Das hat die liebe Frau O. natürlich nicht getan. Als Reaktion auf die Standfestigkeit räumte ihr die Betreuungsamtsleiterin plötzlich erweiterte Freiheiten im Umgang mit ihrem Sohn ein, machte ihr jedoch unterschwellig den Vorwurf, sich zu strikt an die rigorosen Vorgaben des, nun ja geschassten, Berufsbetreuers gehalten zu haben.

Das Gericht bekam trotzdem nur eine modifizierte Abschrift irgendeiner alten Stellungnahme der Leiterin. Einen amtlichen Bescheid auf ihren Antrag hat die Mama O. vom Gericht nach nun über vier Monaten noch nicht bekommen, aber das kann ja noch werden.

Etwas anderes ist in der Zwischenzeit aber geworden. Der Sohn zieht um. Mama O. hatte in der Nachbargemeinde eine neu entstehende Wohnstätte, für Menschen mit Behinderung, entdeckt. Die werdende Einrichtung ließ gleich ihr Herz höher schlagen.

Am selben Tag noch schrieb sie dem Gericht davon, und bat den Richter, doch einem Umzug ihres Sohnes in die neue Wohnstätte zuzustimmen. Mehr tat sie nicht. Das übrige geschah wie von selbst.

Die Betreuerin stellte daraufhin den gleichen Antrag, und kündigte das alte Wohnverhältnis, der Rechtspfleger befürwortete die Veränderung, genehmigte sie, und überreichte der Mama O. noch ein Präsent, indem er die Betreuung für ihren Sohn durch die bestellte Betreuerin als nur auf die rechtlichen Dinge beschränkt, bezeichnete. Im Umgang mit ihrem Sohn hätte sie in allen anderen Dingen freie Hand. So etwas zu hören, hat Mama O. natürlich gefreut.

Wir werden die Entwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen.

©ee

Wilhelmshaven Spezial …

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Wilhelmshaven Spezial …

oder warum sind die Helgolandfahrten so ins Abseits geraten?

 

Die Zeiten in denen die Reise mit einem Bäderschiff zum ‚Roten Felsen’ in der Nordsee fester Bestandteil im Programm fast aller Jadestadt-besucher war, gehören leider der Vergangenheit an.

Geändert hat sich aber nicht nur das Zielverhalten der Gäste der grünen Stadt am Meer – auch für die Einheimischen hat der Magnet Hochseeinsel beträchtlich an Anziehungskraft verloren.

Woran mag es liegen, daß des Kaisers Stadt zum bedeutungslosen Ausgangspunkt für Helgolandfahrten geworden ist? In den Köpfen der Verantwortlichen scheint das Wissen um den Nutzen dieser Verbindung keinen Wert mehr zu besitzen. Anstatt die heimischen Schätze in der Stadt und vor den Toren zu pflegen, hetzt man im Högerbau lieber Trugbildern einer Globalisierung hinterher. Die Reihe der vernachlässigten Dinge ist schon sehr lang.

Die Macher in den Reedereien sind allerdings auch nicht bar jeder Schuld an dieser fatalen Entwicklung. Für sie dürfte es doch ein leichtes sein, herauszufinden was ‚Gast’ dazu bewegt ‚nicht’ an Bord zu gehen.

Wer in den letzten Tagen seine Scheu vor dem provisorischen ‚Bäderdampfer Autofähre’ überwunden und das Kleinod weit draußen vor der Küste besucht hat, konnte auf jeden Fall feststellen, daß nicht die Gegebenheiten auf der Insel daran schuld sind.

Die Naturschönheiten und –wunder, die den Besucher auf der einzigen deutschen Hochseeinsel erwarten gibt es so sonst nirgendwo zu sehen.

Wenn es nicht die gelben Blüten des wilden Kohls sind, die den harschen Felsen bedecken, dann ist es die weiße Pracht unzähliger Margeriten die wie ein Teppich die Steilwände überzieht.

War Helgoland schon von jeher durch die unzähligen, pinguinähnlichen Trottellummen (die kleinen Oberkellner) bekannt, die auf dem nach ihnen benannten Felsen brüten, haben in jüngerer Vergangenheit vermehrt Dreizehenmöwen und Baßtölpel den roten Sandstein zu ihrer Kinderstube gemacht. In trauter Nachbarschaft übrigens mit den alteingesessenen Lummen. Die Dreizehenmöwe bricht übrigens in Bezug auf den Platz-bedarf für ihre Brutstätte alle Minusrekorde. Jeder noch so kleine Vorsprung in der schroffen Felswand reicht ihr für ihr Heim.

Wer sich vom schwindelerregenden Sturzflug der Baßtölpel, oder vom schreckenauslösenden Sprung der noch flugunfähigen Junglummen vom Felsen ins Meer hinunter, durch den eleganten Flug des Eissturmvogels noch nicht erholt hat, der sollte zur vorgelagerten Düne überwechseln, um beim baden im türkisfarbenen Wasser angeregt mit den neugierigen Kegelrobben zu plauschen.

Zu all diesem Erleben gehört unbedingt der Besuch der Vogelwarte auf dem Oberland, und als Kontrapunkt eine Stippvisite im Aquarium auf dem Unterland. Wer alles das mit Vergnügen hinter sich gebracht hat, der sollte auf seinem Weg in eines der urgemütlichen Gasthäuser nicht blind an der Welt der zauberhaften kleinen Helgoländer Gartenhäuschen vorüber gehen.

 

Übrigens – der Helgoländer Eiergrog ist immer noch allein für sich schon eine Reise wert, auch wenn das Beförderungsmittel zur Insel nicht mehr mit dem Charme der alten Bäderschiffe  glänzen kann.©ee

 

 

Eis vom Konditor …

 

Eis vom Konditor …

 

Pfingstmontag – in Deutschland seit einigen Jahren, wenn auch noch nicht traditionell, so aber doch Mühlentag. Unzählige Ausflügler sind unterwegs um ein wenig Vergangenheit zu schnuppern.

Auf dem Wege von Emden nach Greetsiel machten wir in Norddeich Station. Spontaner Beschluss  unserer kleinen Gruppe – hier gönnen wir uns ein Eis.

An Norddeichs Hauptstrasse boten sich uns zwei Gelegenheiten dazu – einmal eine offenkundig südländische Eisdiele – fünfzig Meter weiter verhieß ein großer Schriftzug: „Eis vom Konditor“.

Dahinter verbarg sich die Konditorei „Cafe¢ ten Cate“.

Ein großer Werbeträger neben dem Eingang versprach uns den besten ostfriesischen Korinthenstuten.

Eis vom Konditor – das sollte es sein! Und Korinthenstuten für zu Hause.

Schnell hatten wir einen freien Tisch in der Nähe der Theke gefunden.

Während meine Leutchen die Karte studierten, machte ich meinen obligatorischen Gang zur Toilette – wie stets nach dem betreten eines Gastbetriebes.

Die sanitären Anlagen waren in Ordnung – sauber, modern und pikobello. Einzig die Lage im Kellergeschoß könnte für manchen Gast, der nicht mehr so gut zu Fuß ist, problematisch sein.

Wieder oben angekommen hatte meine Rangen schon für mich mitbestellt – frische Erdbeeren auf Vanilleeis mit Schlagsahne!

Es dauerte ein Weilchen – in der Zwischenzeit hätten wir beim Nachbareismann wohl schon die vierte Portion verzehrt gehabt, aber na ja.

Bei der Fahrigkeit der vier Damen im Service konnte es nicht fließender gehen.

Die Äußerungen, und das hektische Gebaren der Vier, ließen erkennen, die Sahne war ausgegangen.

An sich kein Beinbruch – offen geschlagene Sahne empfinde ich immer als Pluspunkt gegenüber der Sahne aus den Aufschäum-automaten.

Nur das, was in diesem Falle dabei herauskam, ließ alle bisher positiven Eindrücke im Gully verschwinden.

Man servierte uns die gläsernen Pokale erstens auf einer Untertasse eines Kaffeepotts – ohne die Zierde eines Deckchens. Zweitens ohne Serviette, und drittens entsprach der Inhalt genau dem mangelhaften Äußeren.

Da konnten die anstandslos frischen Erdbeeren das zu kalte und zähe Eis auch nicht mehr retten, dass von einer gelbstichigen, unangenehm schmeckenden Sahnehaube gekrönt war. Die Sahne war schlicht und einfach schon fast zu Butter geworden.

Der überschwänglich angepriesene „ostfriesische Korinthenstuten“ – von dem man uns noch ein Resthalbes verkaufte entpuppte sich zu Hause angekommen auch als ein Überbleibsel besserer Tage. Sogar unser original kanadisches Buschmesser hätte sich beim schneiden fast die Zähne ausgebissen.

Einzig das Schwarzbrot- von dem wir auch ein Pfund mitgenommen hatten – bestand alle kritischen Prüfungen. Es war – wie schon zu allen Zeiten aus dieser Bäckerei – einfach super.

Mein Fazit:

Der Konditor sollte ein Bäcker bleiben, und das Eismachen seinem Kollegen aus dem Mittelmeerraum überlassen. Dann hätte er sicherlich auch ein wenig mehr Zeit für den „ostfriesischen Korinthenstuten“. ©ee

 

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Der „Rüstersieler Hof“

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Der „Rüstersieler Hof“ – ein wiedererwecktes Kleinod . . .

 

 

Mein Weg führte mich in das einstmals verträumte Dorf Rüstersiel. Die Stadtnähe und die Erneuerungswut mancher Planer haben den Ort gezeichnet – haben dieses Idyll in einen klinisch reinen Dornröschenschlaf versinken lassen. Erinnerungsbeladene Stätten, wie der alte Hafen, das geschichtsträchtige Packhaus mit dem Ehrenmal davor, das Sieltheater oder ganz einfach Adele Tieslers „Cafe duck dich“ direkt neben den Schienen der alten Vorortbahn – waren plötzlich verschwunden.

Es gab kein Hochschuldorf mehr und kein Siel inmitten der Maade, an dem jeder Fremde sich gleich heimisch fühlte.

Ich war an dem Platz gelandet, an dem Tant’  Adele jahrzehntelang  ihre Gäste bemutterte. Seit Jahren steht ein anderes Gasthaus – im Gewand der neuen Zeit – auf dem Stückchen Erde. Der Park gegenüber trägt zwar noch ihren Namen – Ehre können die für ihn zuständigen damit aber keinesfalls einlegen.

Ein, mit viel Aufwand neu angelegter, Biergarten zog mich an. Ein Regenschauer trieb mich dann noch zehn Schritte weiter – in das Haus hinein. Die Erwartungen waren auf der untersten Stufe angesiedelt, als ich das Innere des „Rüstersieler Hofes“ betrat.

Meine Gefühle mußten im Eiltempo eine ganze Treppe höher klettern. Ein frischer Wind weht durch das Haus. Familie Schlüter ist mit der Übernahme des Betriebes  ins kalte Wasser gesprungen.

So wie die jungen Wirtsleute die Sache angepackt haben, kann ich nur sagen: Weiter so – ihr geht bestimmt nicht baden. Mut zum Risiko und ein Konzept wie aus einem Guss bestimmen das Erscheinungsbild.

Kein Wunsch der Gäste bleibt unerfüllt – Küche und Keller strahlen in seidigem Glanz – sorgfältig und liebevoll gehegt, und gepflegt, von Menschen, die ihr Handwerk verstehen.

Jeder Gast der – nach einem genussvollen Mahl – dieses exzellent geführte Haus ungern verläßt, hat in seinem Kopf garantiert schon den Termin seines nächsten Besuches festgemacht.

Wer sich nicht so schnell von diesem Traumparadies trennen kann, der wird keinesfalls im Regen stehen gelassen – in den stilvoll eingerichteten Gästezimmern finden 58 müde Leiber einen Platz zum Ruhen wie in Abrahams, oder vielleicht auch in Evas, Schoß.

Raubrittermanieren gehören hier der Vergangenheit an – die Preise bewegen sich allesamt in einem zivilen Rahmen. Selbst wer ausgiebig getafelt und gezecht hat, wird beim Zahlen von seiner Geldbörse nicht schief angesehen.

Meine Minuspunkte konnte ich in diesem gastlichen Hause in der Tasche behalten.

Eine Einkehr ist ohne Einschränkung empfehlenswert.©ee

 

 

Ein Juwel in Sack und Asche . . .

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Ein Juwel in Sack und Asche . . .

N un haben es die Verantwortlichen – und alle anderen natürlich auch –  aus ministeriellem Mund bestätigt bekommen, was Klara oder Otto „Normal“ immer schon wußten: Das Institut für Vogelforschung – die „Vogelwarte Helgoland“ – mit seinem Hauptsitz in Rüstersiel, ist ein „Juwel“. Es gehört nach Aussage des Ministers zu den Stärken der niedersächsischen  Forschungslandschaft.

Juwelen verbuddelt man aber normalerweise nicht auf dem Schuttplatz. Man präsentiert sie in einem wunderschönen Rahmen – jedermann zur Freude. Dieses Denken scheint aber im Wassergraben des „Rüstersieler Fort“ zuviel unbekömmliche Flüssig-keit geschluckt zu haben. Anders kann ich mir das unschöne Drumherum nicht erklären. Oder will man im Elfenbeinturm der Vogelforschung nicht von den freilebenden Vettern der Studienobjekte gestört werden? Ich – und sicherlich nicht nur ich – habe mir eigentlich im Dele-Park um das Fort ab und zu eine ordnende Hand und mehr Leben vorgestellt. Es wäre wünschenswert, wenn die – eigentlich dem Wohl der Bürger verpflichteten – Spitzen der Verwaltung, auch mal ohne die Stablaterne eines Ministerbesuches den Weg in diese grüne Öde finden würden.

©ee

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Ein Stück lebendiger Vergangenheit …

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Ein Stück lebendiger Vergangenheit …

 

Ich will jetzt nichts von Museumsbesuchen oder Kostümfesten in den Trachten unserer Großeltern erzählen. Mit dem Kulttumult um alte Fortbewegungsmittel hat meine Geschichte auch nichts zu tun. Gleichwohl ist das was ich in den letzten Tagen erlebt habe für mich wie ein Stück wieder auferstandener kostbarer Vergangenheit.

Es begann mit dem Ruf meiner Frau: Das Mittagessen steht auf dem Tisch. Es war mit dem Essensruf etwas später geworden, weil der Kartoffelvorrat in der Speisekammer irgendwie Schaden genommen hatte. Meine Frau hatte deswegen aus einem Geschäft, in dem sie sonst selten einkauft, noch schnell einen Beutel Erdäpfel besorgt.

Und was hat das mit lebendiger Vergangenheit zu tun? fragt jetzt sicher der eine oder andere. Es wird zwar schon seit alten Zeiten in vielen Haushalten zu Tisch gerufen – aber was ist daran das besondere.

Das war auch nicht das Besondere. Das Besondere war erst einmal, daß ich diesem Ruf sofort folgte. Sonst dauert es auch schon mal, weil es ja immer etwas Wichtiges gibt das noch erst zu Ende gebracht werden muß. Wer kennt das nicht – mal ehrlich.

Auf der Tafel im Esszimmer stand ein ganz normales Mittagsmenü. Fleisch, Gemüse, Kartoffeln und Soße. Jeder weiß ja wie es geht – man packt sich von allem etwas auf den Teller und legt mit dem Essen los. Wenn man das Besteck beiseite legt, weil man satt ist, hat man in der Regel von allem etwas gegessen.

Diesmal war es anders. Als ich nämlich mein Besteck zur Seite legte und mir zufrieden über den vollen Bauch, strich hörte ich von der anderen Seite des Tisches ein erstauntes: Bist Du schon satt? Du hast doch nur Kartoffeln gegessen. Ein bißchen Beleidigtsein über die Missachtung von Braten, Gemüse und Soße klang unüberhörbar durch.

Erst da bemerkte auch ich, daß ich mich tatsächlich an den Kartoffeln satt gegessen hatte. Mein Denken war nämlich während des Essens ganz tief in die Vergangenheit gerutscht. Ich saß plötzlich als kleiner Junge zuhause am Küchentisch und verzimmerte Kartoffeln mit Butter die meine Mutter zuvor vom eigenen Acker geerntet hatte. Das war mir ja schon eine Ewigkeit nicht mehr passiert.

Und noch etwas hat der einzigartige Geschmack und die ‚gewisse Körnigkeit’ dieser Kartoffeln bewirkt:

Ein altes Rezept meiner Mutter war plötzlich wieder gegenwärtig. ‚Zuckzack’. Auf Zuckzack waren wir als Kinder immer ganz wild. Ganz gleich ob er Mittags frisch auf dem Tisch stand oder die Reste abends in der Pfanne gebraten wurden.

Eines steht auf jeden Fall fest:

Unsere Kartoffel ist für alle Zubereitungsarten nur noch die ‚Leyla’ vom Lilienhof in Marx.

©ee

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