Weiße Weihnacht …

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Weiße Weihnacht …

Ach wär’ es doch so wie in unseren Träumen,
die Welt eingehüllt in schneeiges Weiß –
befrachtet die Zweige von himmelhoch Bäumen,
mit Schneelast die Kinderherzen macht heiß.

Wie klang doch der Jubel aus kindlichem Munde,
wenn abwärts es ging im pulv’rigen Schnee –
es glühten die Bäckchen in fröhlicher Runde,
wenn sausten die Schlitten weit raus auf den See.

Es scheint mir als wäre das all’s nicht gewesen,
als gaukle mein Wünschen mir Bilder auf Bild –
oder habe ich’s einfach nur irgendwo gelesen
und damit schon meine Sehnsucht gestillt?

© ee

 

Eine einfache Frage …

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Eine einfache Frage …

Weihnachten – so fragt mich ein frierendes Kind,
Onkel, was ist das – kannst du es mir sagen?
Ich hab’ auch schon gesucht – aber ob ich es find’
in diesen hektischen Tagen?

Ich sehe nur Berge von teuren Sachen –
ich hör’ nur das klingeln von Kassen
kein strahlend Gesicht, und kein fröhlich Lachen
ich spür nur Kälte ans Herz mir fassen

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ein jeder hat Sorge das Fest zu versäumen
und daß die Geschenke nicht groß genug sind
anstatt nur mal so in den Tag reinzuträumen
und hoffen auf Frieden durch das himmlische Kind

ee© 2007

Das Übermaß.

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Das Übermaß.

W eihnachten steht dir quer im Kopfe
du magst schon nicht mehr daran denken
die Haare steh`n ganz wirr am Schopfe
was sollst du deinen Lieben schenken

Seit Monaten wirst du berieselt
mit Werbung übervoll gedröhnt
in der Familie es oft schon kriselt
anstatt man sich mit Lieb`verwöhnt

Ist dann das höchste aller Feste
endlich für uns angebrochen
glaubt man schon mal es wär das Beste
man hätt sich irgendwo verkrochen

Man denkt voll Wehmut an die Zeiten
mit Rübensaft und Vollkornbrot
sieht im Geist Knecht Ruprecht reiten
wo`s fest noch schön war – trotz der Not

© ee

Heiligabend . . .

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Heiligabend . . .

 

Der graue Wintertag friert sich feucht durch die Stunden. Dezember steht im Kalender – der vierundzwanzigste. Wenn nicht der gewaltige grüne Weihnachtsbaum – drinnen in der Bahnhofshalle – mit tausend Lichtern durch das gläserne Dach blinkern würde – Bernd wäre nicht in den Sinn gekommen, daß Weihnachten ist. Seit gut zwei Stunden sitzt er hier draußen auf der Bank – mitten zwischen den Gleisen – wo sonst die Strassenbahnen und Omnibusse abfahren. Den Rucksack mit seinen Habseligkeiten hat er zwischen seinen Füßen auf der Erde stehen. Alles ist durchnässt. Die letzte Nacht war regnerisch – und er hatte kein Dach über dem Kopf. Einzig Fenna – seine treue Fenna gabb ihm Wärme für seine klammen Hände. Sie hockt an seiner Seite – mit dem Kopf auf seinem Knie. Ihre braunen Augen kriechen ihm ins Herz. Er wollte sich doch im Bahnhof bloß ein wenig aufwärmen – er und sein Hund. Um diese Zeit war doch nichts mehr los – in der großen Halle. Die Menschen saßen doch alle lange in ihren Stuben – zwischen brennenden Kerzen und Weihnachtsgeschenken. Aber nein – Penner – Penner haben sie ihn geschimpft – die beiden schneidigen jungen Männer in den schwarzen Uniformen, mit den glänzenden Stiefeln – in denen sich die Kerzen spiegelten. Ob die wohl auch Frau und drei Kinder auf einen Schlag verloren hatten – bloß weil ihre Augen einmal für zwei Sekunden nicht an der richtigen Stelle waren? So wie er es erlebt hat – er, Doktor Bernd Krüger. Chefchemiker war er in einem großen Pharmakonzern. Damals waren viele ungeborene Kinder durch ein neues Medikament verkrüppelt worden – dieses Medikament war seine Entwicklung. Die Geldleute in der Konzernspitze hatten keine Zeit abzuwarten – abzuwarten, ob das neue Medikament auch nach längerer Zeit ohne Nebenwirkung blieb. Er hat damals sein Zeichen darunter gesetzt – weil er seinen Stuhl behalten wollte. Als die ersten Kinder ohne Arme das Licht der Welt erblickten, hat der Herrgott ihm zuerst das Liebste genommen – anschließend haben die Menschen sein Haus und seinen Besitz unter sich aufgeteilt. Er ist mit seinem Herrgott nicht verquer darüber – er hatte es ja verdient.

So sieht er die Sache – und lebt seitdem auf der Strasse. In den Augen der Besitzenden als Penner. Penner haben im Bahnhof nichts verloren – also haben sie da auch nichts zu suchen. Die Bahn kann den Leuten mit Geld in der Tasche und einem Dach über dem Kopf so einen Anblick nicht zumuten. Er möchte zu gerne wissen, was in den Köpfen unter den roten Baretts vorhanden ist. Die letzten Groschen – die er in der Hosentasche zusammen gekramt hatte – reichten bei Aldi gerade für eine Portion Grützwurst – Fenna und ihm füllte es knapp einen hohlen Zahn – aber mehr gab es heute nicht. Vor nicht allzu langer Zeit befand sich im Bahnhof noch die Bahnhofsmission – das bedeutete wenigstens einmal am Tage eine warme Suppe und trocknen Aufenthalt. Das Paradies gehört der Vergangenheit an – die Türen sind zugenagelt. Der neue Bahnboss propagierte die Bahnhofsmission als Schandfleck. Durch das draussen sitzen, und die Wärme in der Bahnhofshalle ansehen, verzieht die Kälte sich auch nicht aus den Knochen. Bernd schultert seinen Rucksack und trippelt los. Wenn ihn jetzt jemand fragen würde, wo er hin will – er könnte bestimmt nichts antworten. Fenna läuft wie ein Schatten an seiner Seite – keine Handbreit Platz ist zwischen ihrem Kopf und seinem linken Bein. Erst einmal laufen, laufen, laufen – damit das Blut wieder kreiselt. Was zuerst kreiselt, ist das unbändige Hungergefühl. Wenn leere Därme schreien könnten, dann wäre es auf den Strassen heute bestimmt nicht so still.

Wie lange er schon mit Fenna an den Häuserreihen entlang trippelt, weiß er nicht. Eine geschützte Stelle – an der er mit seinem Hund lagern kann, hat er noch nicht gefunden. Im Grunde ist es ihm auch egal – dann ist die Nacht wenigstens nicht mehr so erbärmlich lang. Plötzlich sind die beiden nicht mehr allein – ein kleiner, weißer Hund wuselt um die beiden herum. Aus einer Seitenstrasse kommt ihnen ein älterer Herr entgegen – nein, er macht keinen Bogen um den Penner – er kommt direkt auf Fenna und Bernd zu – bleibt zwei Schritte vor ihnen stehen – krauelt Fenna den Kopf – und fängt an zu reden. Erzählt, daß er seit drei Jahren allein – das seine Frau schon auf der großen Reise ist, und das seine Kinder keine Zeit für ‚unwichtige Dinge’ haben. Bloß den jüngsten Sohn – ein Contergankind – umsorgt er seit dreißig Jahren. Bernd kann kein Wort sagen. Mit Hoffnung in der Stimme lädt der alte Mann die beiden ein, mit ihnen Weihnachten zu feiern – und führt sie zu einem großen Haus. Bevor die Tür hinter ihnen ins Schloß fällt, schaut Bernd sich noch einmal um und sieht durch ein Loch in den Wolken einen einzigen Stern am Himmel blinken –

und unversehens weiß er wieder, warum Weihnachten ist.© ee

Von Herzen wünschen wir unseren Lesern FROHE WEIHNACHTEN

und friedliche besinnliche Tage

Ewald Eden und Christin v. Margenburg

Weihnachtsmorgen

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Weihnachtsmorgen

Weihnachtsmorgen – ungewohnte Stille
als wenn die Welt geendet hat
als wenn des Heiligabends Fülle
der Menschen Hast ein Ende tat

Frostig kalte Lüfte wehen
geschwängert von des Nebels Dunst
kahle Bäume sind zu sehen
reifverziert durch Schöpfers Kunst

Ein singend Ton in sanften Wellen
vom Kirchturm auf die Häuser fällt
der liebe Gott er läßt bestellen
ist Weihnacht heut‘ auf dieser Welt.

© ee

Der Spiegel . . .

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Der Spiegel . . .

H eiligabend steht im Land – der dritte Heiligabend nach dem Weltenbrand. Gretmarie steht vor dem blanken Spiegel, der über dem Tisch in der kleinen Kammer hängt, die seit tausend Tagen ihr Zuhause ist.
Seit der Nacht, als ein eiserner Tod aus den Wolken gefallen – und inmitten ihres Elternhauses seinen Verderben bringenden Grüßen freien Lauf ließ.
Als sie morgens vom Wachdienst im Feldlazarett heimkam, gab es kein Zuhause mehr. Einzig ein schwarzes, tiefes Loch – aus dem glimmernder, beißender Rauch wie Teufelsatem wehte.
Mutter, Vater, vier Schwestern, sechs Brüder – einfach alle weg. Nichts hat man von den zwölf Menschen gefunden – nichts, was man auf dem Kirchhof hätte zur letzten Ruhe betten können.
Bloß der Spiegel vor dem sie steht, der hing unversehrt in einem Apfelbaum. Den haben die Nachbarn gefunden.

Wie lange sie jetzt schon so dasteht, weiß sie nicht. Ihr Denken ist nicht bei ihr – nicht an dieser Stelle – ihr Denken läuft in dem Tag herum, als Marten mit dem Spiegel ankam. Als Geschenk für seine Gretmarie. Seit einem Jahr gingen sie damals schon zusammen. Gewiß – sie kannten sich schon aus der Schulzeit – aber Herz und Herz haben erst Jahre später zusammen gefunden, als sie sich irgendwo zufällig wieder begegneten.
Die Zeit war schwer – gerade, daß man zu essen hatte – und das war häufig auch noch wenig genug. Gretmarie war das siebte von elf Kindern. Ihr Vater war Landarbeiter beim Bauern.
Marten, als der älteste von sechs kleinen Schusterjungen, mußte Tag für Tag seinem Vater beim Flickschustern helfen. Aus beiden Elternhäusern schaute die Not mit hungrigen Augen häufiger heraus, als der funzelige Lichtschimmer der trüben Öllampe.
Es war kein Platz für Schnickschnack und neumodischen Kram.

In Gretmaries Familie gab es nur einen kleinen Spiegel – der war so spakig – man konnte sich mehr in ihm ahnen, denn sehen.
Kurz bevor sie in der kleinen Deichkirche heiraten wollten, überraschte Marten sie mit dem Spiegel – weil – seine Braut sollte doch sehen, wie schön sie war – wenn der Hochzeitstag anbrach.
Dafür hatte er Nächte gesessen, und für einen reichen Bauern ein paar Stiefel geschustert. Das Leder hatte der Bauer beigesteuert. Es war so knochenhart – ein paar mal hatte Marten sich die Fäuste dabei aufgerissen. Er hatte es nicht einmal gespürt, denn es war ja für seine Gretmarie.
Sie glaubt, in dem schummerigen Halbdunkel die Blutstropfen an dem rauchigen Rahmenholz leuchten zu sehen. In einer lauen Sommernacht hatten sie sich ohne viele Worte versprochen – zu Weihnachten sollte die Brautfeier sein.
Und dann hatte jemand die Welt verdreht, und meinte Herrgott spielen zu können. 1939 stand im Kalender. Der Augustmonat hatte gerade die Tür hinter sich zugemacht, da war Krieg im Land.
Marten hat ganz vorne – mit bei den ersten Soldaten – Polen zu sehen bekommen.
Mit der Hochzeitsfeier wollten die beiden warten, bis wieder Frieden im Land war. In ein paar Wochen – so hörten es die Menschen jeden Tag im Radio – würde es wieder bunte Blumen für sie regnen.
Die bunten Blumen kamen nicht an den Tag – und ein Jahr ging über das andere dahin. Ein Weihnachten ging über das andere dahin – dreimal ist Marten in den folgenden Jahren an Weihnachten zu Hause gewesen – für kurze Stunden in dem kleinen Haus am Siel – für ein paar Stunden Herzklopfen in den Armen seiner Gretmarie.
Heimaturlaub stand großspurig in seinem Marschbefehl. Dreimal hat Gretmarie für ein paar Stunden sein warmes Leben gespürt – dreimal danach gebangt, in Hoffnung zu sein.
Und dann kam da nichts mehr, als bloß ein Stück amtlichen Papiers – mit Reichsadler und Hakenkreuz über der schwungvollen Unterschrift – so wie es sich gehörte. Ein paar hohle Worte standen darüber – von denen sie nur eines begriff:

Vermisst!

Gretmarie hat ihren Marten vermisst – vermisst besonders an dem Morgen, als sie allein vor dem tiefen schwarzen Loch stand, und nur noch glimmerigen Rauch sah. Marten – ihre erste, ihre große Liebe. Acht Jahre wäre sie heute seine Frau – wenn da nicht irgendjemand hätte Gott spielen wollen.
Sie kann plötzlich nichts mehr sehen – weil das Wasser ihr in die Augen schießt – und zwei salzige Spuren auf ihre Wangen zeichnet.
Laut spricht sie ein Gebet – sie ist nicht wütend auf ihren Herrgott – sie erträgt ja alles – bloß das alles mit ihrem kleinen Verstand zu begreifen – das hat er sie noch nicht gelehrt.
In ihrer inwendigen Trauer hat sie nicht mitbekommen, dass die Tür sich geöffnet hat. Zwei Mannsbilder sind leise in die Kammer getreten – so, als wenn Engel durch den Himmel fliegen.
Eines von ihnen ist der greise, von der Last seiner Jahre gebeugte, Pastor Wübbenhorst – das andere ist Marten – ihr Marten. Auch gebeugt von der Last der Jahre – obwohl er doch noch keine dreißig ist. Gretmarie glaubt zu träumen – sie greift nach ihm – sie streichelt sein mageres Gesicht – und sie spürt, dass er lebt. Er lebt – es ist kein Traum, er lebt wahrhaftig.
Wie ein bildhaftiger Weihnachtsbaum stehen die beiden vor dem blanken Spiegel – jetzt kann sie doch noch sehen, wie schön sie als Braut aussieht. Das Strahlen und das Leuchten – das hat der alte Pastor Wübbenhorst dazugetan – er hat das Versprechen der beiden – von vor neun Jahren – in der kleinen Kammer in ein Sakrament gepackt – er hat Gretmarie und Marten auf der Stelle getraut. Das neue Leben – das in dieser heiligen Nacht in Gretes Leib zu leben begann – das betrachten die beiden heute noch als ihr Christkind.

©ee

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Weihnachten einmal anders …

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Weihnachten einmal anders …

 

Ohgottinee – was war bloß mit der Zeit los. Die vier dicken roten Kerzen am Adventskranz in der Diele waren schon seit drei Tagen heruntergebrannt.

Heute war Heiligabend, und der Weihnachtsbaum drömelte draußen vor der Terrassentür noch ohne schmückenden Behang vor sich hin.

Oma Betty sprang im Haus um sich herum, wie ein verschrecktes Känguru. Sie wußte gar nicht, was sie zuerst tun sollte, und wie sie das alles in die Stunden gepackt bekam, die noch bis zur Bescherung blieben.

Sie kam einfach nicht dazu, dem Weihnachtsbaum sein silbernes Festtagskleid anzuziehen.

Opa Tullum hatte in den letzten Tagen vor dem Fest noch soviel an den Hacken – von der Seite brauchte sie nicht mit Hilfe zu rechnen.

Der Vormittag war schon in der Zeit nach hinten gelaufen, und der Weihnachtsbaum stand noch immer, genauso grün wie am Morgen, vor der Terrassentür.

Gleich nach dem Mittagessen mußten sie sich auf den Weg machen – in die Residenz, nach Oldenburg. Dort warteten ein Teil ihrer Kinder und Enkelkinder auf eine schöne Bescherung.

Spätabends zog es sie, wie jedes Jahr an diesem Tag, unter das Dach der alten Kirche – Gemeinschaft im Glauben erleben, und ein stilles Zwiegespräch mit ihrem Herrgott halten war ihnen in dieser Nacht wichtig.

Und der Weihnachtsbaum stand zu Hause immer noch grün vor der Terassentür – auch noch an Weihnachtenmorgen.

Opa Tullum wieselte schon vor Tagesgrauen in seiner besten Anzughose barfuß durch das Haus – man hörte von ihm nur ein aufgeregtes: „Betty – wor sünd denn mien Drachselen ovblääven?“ Er mußte noch viel Wichtiges erledigen. Und das am ersten Weihnachtstag. Mannslüü – dachte Oma Betty ein bißchen angekratzt in sich hinein – um dann gleich sanft hinterherzudenken: He is doch de Beste.

Wenn ihr die Knie nur nich so fünsch wehtun würden. Schiet Rheumatismus, schimpfte sie leise vor sich hin.

Und der Weihnachtsbaum stand immer noch geduldig und nackend draußen vor der Terrassentür.

In ein paar Stunden würden auch die Enkelkinder aus der Nachbarschaft erwartungsvoll vor der Tür stehen, um bei Oma und Opa Geschenke unter dem Weihnachtsbaum zu finden.

Betty spürte ein ziepen und zappen in der Herzgegend – in den fast sechzig Jahren ihrer Ehe mit Tullum war ein Weihnachten ohne geschmückten Baum in der Stube noch nicht vorgekommen. Wie sollte das nur gehen.

Tja – und dann ging es. Als wenn eine unsichtbare Hand sie führte. Den Tannenbaum, mitsamt seinem Topf, von der Terrasse auf den Rasen davor rollen, und ihn einfach in der Mitte der kahlen Fläche hinzustellen, war das Werk von ein paar Minuten. Da stand er nun schmucklos, und schaute bedrüppelt in den Weihnachtstag. Aber nicht lange – Oma Betty hatte die Terassentür noch gar nicht hinter sich zugemacht, begann es nämlich heftig zu schneien. Plötzlich hatte der Tannenbaum ein wunderschönes weißes Kleid an. Oma Betty mußte sich reinweg in büschen verpusten, und sich das Bild begucken, als es auch schon an der Haustür klingelte. Die Enkel flogen förmlich ins Haus. Sie wollten auf den Weihnachtsbaum und die Geschenke los.

„Oma …… Ommaaaaaaaaa, wo ist denn der Weihnachtsbaum?“ Große Fragezeichen waren in den Kinderaugen zu sehen. Oma Betty schlug verzweifelt ihre Hände über dem Kopf zusammen – „ich hab doch vor dem Schlafengehen ganz vergessen, die Tür aufzuschließen. Das Christkind konnte nicht hereinkommen. Aber seht mal nach draussen – es hat den Weihnachtsbaum in den Garten gestellt, und ihn mit lauter weißen Schnee-sternchen geschmückt.“

In diesem Moment meinte sie selber, noch nie einen schöneren Weihnachts-baum gesehen zu haben.

„Und die Geschenke, Omaaaa ….?“ Große blinkernde Kulleraugen sahen suchend in die Runde.

Die Geschenke, die hatte der Weihnachtsmann einfach in ganz vielen Leinensäckchen draußen an die Wäscheleine gehängt.

© ee

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Eine besondere Erinnerung an einen großen Ostfriesen –

an Rolf Trauernicht genannt Tullum

UND

seine ihm ebenbürtige Frau Betty …

„Tullum“ war einer der großartigsten Menschen die mir in meinem Leben begegnet sind – das Postament auf dem er ruhte war das Vertrauen in seinen Schöpfer und die Hingabe zu seiner Betty …

Ewald Eden

Du himmlischer Bote….

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Du himmlischer Bote.

Schneeflöckchen, sag mir wie heißest du
wo bist du geboren in den endlosen Weiten
wer hat dich geschickt mir aus himmlischer Ruh
um mir damit Freud’ zu bereiten.

du scheinst eines Engels Freudenträne
so durchschimmernd klar
wie feinstes Kristall
ich wüßt’ gern wo deine Geburtsstätte war
dort weit in den Tiefen des göttlichen All.

ewaldeden
am 5ten Jänner 2010

©ee

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Eine schöne Bescherung.

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Eine schöne Bescherung.

 

Im großen Wolkenschloss in der Himmelreichgasse 11 ging es seit Wochen drunter und drüber. Anfang September hatte der Postbote schon die ersten Weihnachtswunschzettel abgeliefert. Zuerst war es täglich nur eine Posttasche voll. Zuletzt schleppte er jeden Tag fünf große Leinensäcke an, deren Inhalt dann in der Eingangshalle reihenweise bunte Waschkörbe füllte, bevor das Christkind sorgfältig prüfte, ob auch alles seine Ordnung hatte. Wenn der Absender das Jahr über einigermaßen artig gewesen, und der Wunsch nicht zu groß geraten war, dann stempelte es mit einem großen goldenen Siegel seine Zustimmung auf den Wunschzettel und reichte ihn an den Weihnachtsmann weiter. Der hatte mit seinen vielen fleißigen Helfern in den letzten Wochen unheimlich viel zu tun, um alles auf die Reihe zu kriegen. Nun war es fast geschafft. Überall auf der Erde hatten die Kinder an diesem Morgen das letzte Türchen des Adventskalenders geöffnet. Es war Heiligabend.

Der Küchenengel hatte dem Weihnachtsmann zur Morgenvesper gerade eine Tasse heiße Schokolade in die Werkstatt gebracht. Seit vier Uhr in der Frühe bastelte der schon an Geschenken für die in letzter Minute eingetroffenen Wünsche herum, die Knecht Ruprecht anschließend noch alle irgendwie auf dem Schlitten verstauen mußte. Eine Eilreparatur war ihm heute Morgen auch noch dazwischen gekommen. Dem Teddy Brummelbär mußte er ein neues Auge einreparieren. Ihm war nämlich ein Glubscher heraus gefallen, als er zum Frühstück in der Speisekammer des Schlosses zu lange Stielaugen nach dem Honigtopf gemacht hatte. Und mit einem Auge konnte man den Teddy doch nicht bei dem Mädchen in dem großen Krankenhaus abliefern. Es lag schon so lange in seinem weißen Bettchen in der Klinik, und hatte sich einen Teddy – so wie es früher schon einmal einen hatte – gewünscht, um nicht mehr so allein zu sein. Rita war nämlich blind, und der Teddy sollte ihr alles erzählen was er sah. Darum mußte er unbedingt zwei Augen haben.

Ein Viertelstündchen mußte der Weihnachtsmann sich nun aber wirklich verpusten, sonst würde er am Abend auf seiner Reise von Gabentisch zu Gabentisch auf dem Kutschbock des Schlittens noch einschlafen.

Der Gute war ja schließlich nicht mehr der Jüngste. Er wußte selber gar nicht mehr wie alt er eigentlich schon war. Die ganze Welt würde auf jeden Fall furchtbar durcheinander geraten, wenn er nicht rechtzeitig zur Bescherung zur Stelle war. Stellt euch einmal vor, es ist Heiligabend und es gibt für euch keine Bescherung, weil der Weihnachtsmann irgendwo zwischen Wolke sieben und eurem Haus mit seinem Schlitten auf einem Rastplatz Rast macht, um sich auszuschlafen. Das wäre doch nun wirklich eine schöne Bescherung.

Auf jeden Fall ging es da oben in den letzten Stunden vor der Abfahrt mit dem Rentierschlitten ganz schön rund. So mancher Schweiß-tropfen aus den Gesichtern der vielen Helfer sammelte sich noch in den Wolken unter ihnen. Gott sei Dank – denn wo sollte sonst der Schnee für die Fahrt mit dem Schlitten durch die Christnacht herkommen. Rudi das Rentier hatte, auch wenn es tüchtig schneite, an dem vollgepackten Schlitten schon schwer genug zu ziehen. Die Himmelsmannschaft schaffte es aber wie gewöhnlich, Knecht Ruprecht und seinen Chef früh genug auf die Reise zu schicken – auch wenn der Weihnachtsmann sich zum Schluß in aller Eile mühsam in seine Dienstkleidung zwängen mußte. Er hatte nämlich in den letzten Wochen ein wenig zugenommen, weil er zu oft von dem leckeren Weihnachtsgebäck genascht hatte. Seinen roten Mantel konnte er ja noch soeben über seinem dicken Bauch zuknöpfen, aber bei seiner Hose da kriegte er den Reißverschluss einfach nicht mehr hochgezogen. Was sollte er also machen? Die Hose vom Himmels-schneider weitermachen lassen ging nicht mehr – der hatte nämlich am Mittag schon Feierabend gemacht, weil seine Finger vom vielen Puppenkleider nähen ganz durchgescheuert waren – und Zeit für ihn, um ein paar Pfündchen abzunehmen war schon mal gar nicht mehr drin. So blieb er an diesem Weihnachten wohl oder übel bei jedem Halt an einem Gabentisch auf dem Kutschbock sitzen, weil ihm sonst die Hose runtergerutscht wäre, und ließ seinen Knecht die Geschenke vor die Türen der Häuser legen. Vielleicht habt ihr es bemerkt, und euch gewundert, den Weihnachtsmann letztes Jahr nicht gesehen zu haben. Einige von euch können aber auch recht froh darüber sein, denn kein kleiner Bösewicht bekam dadurch die Rute auf seinem Hintern zu spüren. Verlasst euch aber nicht zu sehr darauf, daß es dieses Jahr wieder so sein wird. So ein Missgeschick passiert dem Weihnachtsmann nämlich ganz bestimmt nicht ein zweites Mal. © ee

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Freude im Überschwang …

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Freude im Überschwang …

Mein Herz sah plötzlich die Engel singen
und hörte die Wolken vor Freude weinen.
Wie Honigduft wollt‘ es in meinen Ohren klingen –
es war, als würd‘ Sonne doppelt scheinen.
Ich hoff‘, dass noch lang‘ ich berühren darf

der anderen neu erstandene Seele –
auf dass sie nicht wieder versinkt in den Schlaf
in dessen dunkler Tiefe

ihr das Wichtigste fehle ….

… drum jubel und freu Dich der tanzenden Freuden –
genieße das Glück, gleich wo es Dir winkt,
denk‘ nicht, Du würdest Gefühle vergeuden,
denn was Du verschmäht hast kehrt niemals zurück.

© ee

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