nicht zu erfassen.

windgefüttert
der atem des herbstes
schub bereit für alle ängste
wo sind die verträumten
kosewörter für heimat geblieben

schimpftiraden zwischen
fallengelassenenen hoffnungen
vor empfindlichem mißverstehen
nicht zu erfassen
diese not hier, dieses elend

ihre und unsere
traurigkeit
und bis der schnee
auf die felder fällt
ist es nicht weit

nebelgedrungen
setzt sich der tag
mit mir
hilflos erstarrt
auf das land.

© Chr.v.M.

Bild von Caro Sodar auf Pixabay

nicht zu erfassen.

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der atem des lebens
schub bereit für alle ängste

wo sind die verträumten
kosewörter für heimat geblieben
schimpftiraden zwischen
fallengelassenen hoffnungen
vor empfindlichem mißverstehen

nicht zu erfassen

diese not, diese armut, dieses elend
ihre und unsere traurigkeit
und bis der schnee
auf die felder fällt
ist es nicht weit

nebelgedrungen
setzt sich der tag mit mir
hilflos erstarrt auf das land.

© Chr.v.M.

Das Kreuz mit dem Kreuz

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„Heisser Wüstensand ….“

Das Kreuz mit dem Kreuz

 

Heinz hatte bannig Glück in seinem Leben mit dem Glück Leben. Von seinem ersten Schrei bis laufen und komodig reden können war die Welt um ihn herum noch reichlich schräg und dunkel.

Die Inflation war man gerade über das Land hinweg gezogen. Die ‚Roten und die ‚Braunen’ knüppelten wie verrückt in den Strassen der Weimarer Republik aufeinander ein. Die Reichsregierungen unter Kanzlern wie Brüning und Co – ganz weit weg in Berlin – wedelten hilflos mit ‚Notverordnungen’ und anderen Aktionsgesetzen in der Luft herum.

Es schien oftmals so, als wenn ein Bauer durch das schwenken mit seiner schmutzigen Unterhose sein durchgegangenes Pferdegespann aufhalten wolle.

Der Himmel sah wohl wo das Spiel enden würde, und hat 1933 seine Hände dazwischen gehalten. Viele empfanden jedenfalls so und glaubten, der Herrgott hätte ihnen als auserwählte Rasse das Heil beschert.

Heil Hitler“ wurde deshalb auch zum obligatorischen Volkesgruß.

Plötzlich war in der Gesellschaft eine Richtung zu erkennen. Den Menschen wurde gesagt, dass sie wieder geradeaus laufen könnten.

 Was war das ein Glück – nicht bloß für Hein. Ohne zu straucheln konnte er nun seine Kinderzeit, seine Schulzeit und seine Lehrzeit hinter sich bringen.

Aber wie es nun einmal so ist im Leben. Wenn Dir in Notzeiten jemand etwas auf den Tisch legt, um Dir damit zu helfen – der steht garantiert eines Tages wieder vor dir und will für seine Hilfe entlohnt werden.

Eine Ahnung von dem was da auf ihn zukam umkreiste sein Wissen schon beizeiten.

Die Begriffe Hitlerjugend und Jungvolk rahmten das Ganze ein. Einbeziehung zum Reichsarbeitsdienst stand dann ganz oben auf der Rechnung, von der er den ersten Teil begleichen musste, als er seine Lehre abgeschlossen hatte.

Zum ‚kriegswichtigen Arbeitseinsatz’ einberufen nannten die Gläubiger die Vollstreckung ihrer offenen Forderungen.

‚Muß i’ denn, muß i’ denn …’ oder so ähnlich schallte es über den Sander Bahnhof als der Zug sich mit Hein und vielen anderen Einberufenen keuchend und stampfend Richtung Lesum in Bewegung setzte. In der Bremer Nachbargemeinde Lesum standen nämlich schon die Schaufeln und Spaten für die jungen Leute bereit.

Zumindest der tröstliche Glaube, dass ihre davonziehenden Kinder wenigstens noch kein Schießeisen in die Hand nehmen mussten, blieb bei den Angehörigen auf dem Bahnhof zurück.

Im Zuge freute sich jeder auf Lesum. Lesum – das versprach doch Abwechslung gegenüber ihrer kleinen verschlafenen Landgemeinde. Direkt nebenan lag ja Bremen. Da konnten sie von Lesum aus doch fast hinspucken, oder vielleicht sogar mal so ein bisschen den Duft der großen weiten Welt schnuppern.

Hein und sein Freund kamen aber gar nicht dazu nach Bremen hinzuspucken – oder gar mal in die Stadt hineinzuriechen.

In die Strohsäcke ihrer Bettstellen hatten sie noch gar keine Kuhlen gelegen, da hieß es schon: ‚Auf dem Bahnhof sammeln. Marschbefehl nach Hamburg.’

‚Was sollen wir denn in Hamburg?’ lief die Frage unter die langen Reihen der Versammelten hindurch.

‚Von da aus werden wir nach Russland in Marsch gesetzt’ kam es als Antwort von irgendwem untendurch zurück.

Einige der jungen Männer waren so couragiert gegen die Verlegung an die Elbe aufzubegehren. Sie wollten nicht nach Hamburg. Das ‚nicht nach Hamburg wollen’ war aber ganz schnell nicht mehr zu hören.

Ein paar grobe Griffe oder ein paar kräftige Stöße mit dem Gewehrkolben brachten die Aufmüpfigen in Nullkommanichts zum Schweigen. Auch sie freuten sich dann plötzlich auf Hamburg.

Auf der Fahrt in die Hansemetropole hörte man in den Waggons bloß das Tack – tack der Räder auf den Schienenstößen. Niemand traute sich etwas zu sagen – man wusste ja nicht, welches Denken den Kopf des Nachbarn beherrschte.

Im Hamburger Hauptbahnhof angekommen hieß es sogleich:

‚Alle Mann aussteigen und auf dem Bahnsteig vier zu vier angetreten. Zack-zack.’

Irgendetwas drehte sich bei diesem Kommando stachelig in Heins Magen. Er verdrückte sich mit seinem Freund hinter die Masse der Kameraden, deren Augen wie gebannt auf die sie erwartenden Feldjäger gerichtet waren. Mit vorgehaltenem Gewehr flankierten die ‚Kettenhunde’ den Bahnsteig.

Die beiden Freunde sahen vor sich nur unzählige Rücken und kurzgeschorene Hinterköpfe unter den Schirmmützen nach draußen drängen.

Ohne das irgendjemand es bemerkte verkrümelten sie sich durch eine Tür auf der Gegenseite. Durch einen auf dem Parallelgleis stehenden Zug hindurch gelangten sie auf einen anderen Bahnsteig.

Nachdem die Kolonnen abmarschiert waren, und die Militärpolizei sich verzogen hatte, fragten sie sich bei Passanten zur Musterungsstelle durch.

Das spätere Ankommen auf der Dienststelle hat sie vor der Reise nach Russland bewahrt. Ihre Kameraden aus der großen Marschkolonne waren nämlich ohne viel Federlesen in Richtung Ostfront durchgewunken worden.

Die Musterung vor der Kommission mussten aber auch sie über sich ergehen lassen.

Als erstes hieß es ausziehen – alles ausziehen, auch die Unterwäsche.

Im Adamskostüm mussten sie dann durch die große Halle Spalier laufen.

Einzig ein steifer Bogen Pappe in ihren Händen begleitete ihren Lauf von Schreibtisch zu Schreibtisch. Es waren wohl zwanzig Stück an der Zahl.

Sie wurden gemessen, gewogen und von allen Seiten begutachtet.

Mit Zirkel und Dreieck, mit Zollstock und Maßband, mit Hörrohr und Spekuliereisen gingen die Weißkittel ans Werk.

Der Kopf und die Arme und Beine wurden vermessen, den Hintern leuchtete man aus und die Geschlechtsteile unterzog der Generalarzt einer besonders gründlichen Begutachtung.

Nach dem Glänzen seiner Augen zu urteilen schienen sie dem Spezialisten zu gefallen.

Der Laufzettel füllte sich mit Kreuzen, Strichen und anderen undefinierbaren Zeichen. Bis ein Mannsbild auf diese Art zu Papier gebracht worden war, das dauerte seine Zeit. Zum Schluß kam dann eine hervorragende Bewertung dabei heraus.

‚Arier erster Klasse – geeignet für den Einsatz in der Ordensburg Sonthofen’ stand auf den Bögen der beiden Freunde zu lesen.

‚Ordensburg’ was heißt das? stieß der Freund Heinz an, als sie sich wieder angezogen hatten und zur letzten Begutachtung unterwegs waren.

Heinz war ja auch nicht über alles aufgeklärt, aber davon hatte er doch schon läuten hören.

‚Man will da, glaube ich, Elitezuchtbullen aus uns machen’ klärte er seinen Freund fast unhörbar auf.

Vier Schritte lang kam von seinem Freund nichts als ungläubiges Staunen – bis er begriffen zu haben schien, was Heinz ihm da gerade gesteckt hatte.

Heftiges Kopfschütteln war die Reaktion. ‚Nee – nicht mit mir. Ich lasse mir doch keine Kühe aussuchen, die ich dann decken muß. Ich geh da nicht hin.’

Das sprach Heinz aus der Seele. Er wollte auch nicht dahinten im Baziland hochgezüchtet werden. Sein zukünftiges Liebesleben hatte er sich denn doch ein wenig anders vorgestellt.

Die beiden Freunde wechselten kein Wort miteinander, als sie den Dreh nach draußen nahmen und dem Bahnhof zustrebten.

Wenn in Hamburg nicht schon so ein gewaltiges Durcheinander geherrscht hätte, hätte man sie sicher noch zu fassen gekriegt und wegen Fahnenflucht bestraft. Da das Standrecht im Lande herrschte waren sofort vollstreckte Todesurteile wegen eines solchen Vergehens keine Seltenheit mehr.

Die beiden hatten jedoch Glück und saßen ein paar Stunden später unbeschädigt im Zug nach Bremen.

Bremen haben sie an diesem Tage aber gar nicht mehr erreicht. Über Bremen sah man nur Feuerschein und Rauch in der Luft. Der Zug musste vorher anhalten – das Bremer Stadtgebiet wurde bombardiert. Die englischen Flieger ließen ihre tödliche Fracht fallen.

Die Passagiere mussten ihren Zug auf freier Strecke verlassen.

Heinz und sein Freund sind denn auf Schusters Rappen nach langem Marsch in Lesum eingetrudelt.

Von Lesum hatten sie aber auch nicht mehr viel.

Gerade im Quartier in Lesum eingerichtet fanden sie sich über Nacht auf Fünen wieder.

Da wartete eine Blitzausbildung für den Kriegseinsatz an der Westfront auf sie und andere. Plötzlich waren sie Soldaten die nach Frankreich marschierten, um dort einen Westwall zu halten, der nur noch in der Propaganda existierte. Jetzt hatte der Kommiß sie doch noch zu fassen gekriegt.

Um die Müh- und Drangsal des einfachen Soldatenlebens zu umgehen, sicherten sie sich einen Platz im Sperrsitz. Sie traten der Waffen – SS bei. Auf diese Weise waren sie auch ohne Sonthofen und Lebensborn in die Eliteklasse aufgerückt.

Daß aber zwischen Frauen schwängern zu müssen, die sich freiwillig hergaben, und schwangere Frauen töten zu müssen, bloß weil sie angeblich nicht Arisch waren, ein kleiner Unterschied bestand, das erfuhren sie spätestens, als sie sich nach dem ersten Mal tun die Seele aus dem Leib kotzten.

Nur, da war es zu spät zur Umkehr – denn aus Gestern lässt sich nie wieder Heute machen.©ee

Ewald Eden

GEGEN DAS VERGESSEN !

Blutiger Wind . . .

Blutiger Wind . . .

Blutiger Wind weht über die Welt –
netzt rötlich die Gaben der Schöpfung,
Gotteskinder bezahlen viel Geld –
fürs Betrachten der Vernichtung.

Man spürt den eisigen Atem –
mit Flammen geschwängert, ganz heiß,
man kann es gar nicht erwarten –
daß man um die Zielorte weiß.

Man genießt das grausige Gruseln –
das einem den Rücken hochläuft,
genießt das emsige Wuseln –
wenn jemand im Blut wird ersäuft.

Was ist in die Menschheit gefahren –
daß sie sich an Unrecht erfreut,
was soll dieses schlimme Gebaren –
es stärkt die honorigen Leut’.

Die Leute, die bangen um Pfründe –
die Leute, die bangen um Macht,
die Leute, die schreckt keine Sünde –
selbst dann nicht, wenn Teufel laut lacht.

© ee

Endzeitstimmung.

 

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Endzeitstimmung.

Wir haben in den Tränen
unserer Götter gebadet
erspürten die Sehnsucht
die in die Tiefe drangt
und sich ausbreitete
mit blauen Winden
berauschten sie
unsere verzweifelten Träume
dort auf der Brücke
toter Stunden
.
standunsicher
.
suchen wir noch immer
die letzten Reste
.
von gemeinsamer Zuversicht.
© Chr.v.M.

Deutschland, mein Land …

Deutschland, mein Land …

W enn ich, bevor ich des Abends zu Bett gehe, den Tag und sein Berichten noch einmal an meinem inneren Auge vorüberziehen lasse, dann denke ich häufig so in mich hinein: ‚Deutschland, Deutschland … wohin treibst Du – wohin geht es mit Dir – und bekomme dann von mir selber keine Antwort.
Das ist mir sehr oft eine Herzenslast.
Wenn ich denn aber – nachdem ich ein paar Nachtstunden auf dem Rücken stehend zugebracht habe – in der Morgendämmerung noch ein wenig schlaftrunken in den neuen Tag hineinstolpere, dann ist meist die Antwort auf mein Fragen der vergangenen Abendstunden plötzlich präsent.

Deutschland, das ist mein Land – Deutschland mit seiner Sprache und seiner Kultur, das ist das Land meiner Mutter und meines Vaters – Deutschland, das ist das Land meiner Omas und Opas, das Land meiner Tanten und Onkels und Basen und Vettern und wer sonst auch noch dazugehörig ist.
Und so wie ich, so hat jeder Deutsche ja für sich auch Mutter und Vater, hat Omas und Opas und all die anderen in der langen Reihe von Familie und Verwandtschaft.

Deutschland, das ist ein Stückchen Erdengrund mit Wasserkante und Buckellandschaft, mit der Menschen Liebe und auch Zanken, mit Mooren und Heiden und grünen Wäldern, mit einem weiten Himmel und oftmals auch mit schlechtem Denken. Und für alles das, ob es nun gut ist oder niedrig in seinem Sinnen – für all das kann doch das Stückchen Erdengrund Deutschland nicht als Schuldiger herhalten.

Das Stückchen Erdengrund quält doch nicht eines von Millionen von Tieren, sowie es deutsche Wissenschaftler Tag für Tag in unserem Lande tun – das Stückchen Erdengrund betrügt doch nicht die Alten um ihre Ersparnisse und um ihre Renten, so wie deutsche Politiker es seit Generationen und durch alle Zeiten und Systeme, so trefflich ohne Hemmungen dabei zu haben, machen – das Stückchen Erdengrund schickt doch keine Soldaten in Kriege und in den Tod in alle Länder unter dem Himmel, und das bloß, weil die Regierung es für nötig hält und vielleicht anderen Regierungen damit gefügig in den Hintern kriecht – das Stückchen Erdengrund trägt doch keine Schuld daran, dass innerhalb seiner Grenzen in Politik und Wirtschaft viel zu viele Lüger und Betrüger es sich gut, allzu gut gehen lassen können – das Stückchen Erdengrund hat es doch nicht zu verantworten, dass oberhalb seines Grundes so viele, viel zu viele arme Familien ständig ärmer und zu gleicher Zeit die Reichen und die Hintertreiber immer stinkreicher werden. Da kann das Stückchen Erdengrund, welches ich als ‚mein Land’ benenne und betrachte, doch gewiß nichts dafür.

Sieh, und darum kann ich auf mein Land auch nicht wütend und böse mit ihm sein – nur, mit einer Reihe von Menschen in der Gesellschaft über der meinen, mit denen ich dieses Stückchen Erdengrund teile, weil es auch das ihre ist, da kann ich trotz allen guten Willens, dessen ich fähig bin, kein ‚ gut Freund’ mit sein.

© ee

Bild von Brigitte Werner auf Pixabay

Ein Zustand

Ein Zustand

Das Angesicht der eSPeDe
ist rot wie Schlachtfeld’s blut’ger Schnee.
Der Parteies Führungssippe
ist bleich wie tot’ Soldats Gerippe.

Die Masse, die sie einst geeint –
die sie durch viele Zeit getragen –
nachdem die Toten sie beweint,
die hat sich dann seitab geschlagen.

Jetzt ist die Einstpartei der Werker
versumpft in Kapitales Brei –
gefangen in des Denkens Kerker,
dass Eigensucht macht Menschheit frei.

Man schaufelt nur noch die Pinunsen
aus Volkes Taschen in sich rein –
was Wunder, dass sie aufgedunsen
wie Bauers fettes Schlachteschwein.

©ee

Nicht nur in Syrien …

Nicht nur in Syrien …

Die Hoffnung sie keimte –
sie blieb immer grün,
doch nie sah am Stamme
man Früchte erblüh’n.

Sie macht das Geschehen
nur immer erträglich-
doch beim verhindern des Bösen,
da versagt sie ganz kläglich.

Sie grünt stets solange
bis alles Leben verschwunden,
und dann im Lande
man nur noch Ruinen gefunden.

Dann loben sich alle –
und mit sehr vielem Pultern
klopft einer dem anderen
noch begeistert die Schultern.

Was hat man doch wieder „Großes“ vollbracht,
indem zum Verhindern man gar nichts gemacht –
ausser um der eigenen Pfründe Willen
geliefert die Panzer und die tödlichen Zwillen.

© ee